Das Mysterium Magnum (Interpretation der Genesis)

Das Mysterium Magnum gilt mit Recht als das Meisterwerk Jacob Boehmes. Das betrifft sowohl die philosophische als auch die theologische Seite seiner Hermeneutik. Es gibt tatsächlich kein besseres Buch in dem die Ungereimtheiten und Rätsel der 50 Kapitel im ersten Buch Mose (der Genesis) auf exakter philosophischer Grundlage aufgelöst werden. Und das ist um so erstaunlicher, weil es von einem Mann vollbracht wird, der weder Philosophie noch Theologie studiert hat, sondern ein einfältiger Schuster war! Wenn man die Bibel nicht bloß als eine poetische Sagengeschichte der Schicksale des israelitischen Volkes bis zu seinen Uranfängen hinauf ansieht, sondern als Heilige Schrift, in der die absolute Wahrheit liegt, und davon war Jacob Boehme überzeugt, dann muß sie noch tiefere Schichtungen aufweisen für ein Verständnis von Gott, Welt und Teufel. (Frank Ferstl, Jacob Boehme - der erste deutsche Philosoph, S186)

„Denn Gott wirkt seit Ewigkeit in Ewigkeit, aber nicht anders als nur sein Wort, und das Wort ist Gott, als eine Offenbarung des Ungrundes. Wenn nun die Seele keinen eigenen Willen mehr spricht, dann wird in ihr der unergründliche Wille sprechend. Wo also die Kreatur stillsteht, da wirkt Gott.“ (Kapitel 61.43)

Inhaltsverzeichnis - »Das Mysterium Magnum« (1623)

Vorrede des Autors an die Leser
1. Kapitel - Der geoffenbarte Gott und die Dreiheit
2. Kapitel - Vom Wort oder Herz Gottes
3. Kapitel - Vom Ursprung des Bösen
4. Kapitel - Die zwei Prinzipien von Liebe und Zorn
5. Kapitel - Von den fünf Sinnen
6. Kapitel - Vom Wesen der Leiblichkeit
7. Kapitel - Heilige Dreifaltigkeit und göttliches Wesen
8. Kapitel - Erschaffung der Engel und ihr Regiment
9. Kapitel - Vom Fall Luzifers mit seinen Legionen
10. Kapitel - Erschaffung des Himmels und der äußeren Welt
11. Kapitel - Die Heimlichkeit der Schöpfung
12. Kapitel - Die sechs Tagwerke der Schöpfung
13. Kapitel - Die Erschaffung des vierten Tages
14. Kapitel - Die Erschaffung des fünften Tages
15. Kapitel - Das sechste Tagwerk der Schöpfung
16. Kapitel - Der himmlische und irdische Mensch
17. Kapitel - Der Fall im Paradies
18. Kapitel - Vom Paradies ohne Fall
19. Kapitel - Die Erschaffung der Frau
20. Kapitel - Vom kläglichen Fall des Menschen
21. Kapitel - Vom Ursprung des tierischen Menschen
22. Kapitel - Vom Ursprung der wirklichen Sünde
23. Kapitel - Die mühselige Ordnung dieser Welt
24. Kapitel - Vom Fluch der Erde und Krankheit
25. Kapitel - Die Vertreibung aus dem Paradies
26. Kapitel - Die menschliche Fortpflanzung in dieser Welt
27. Kapitel - Das Opfer von Kain und Abel und die beiden Kirchen
28. Kapitel - Kains Brudermord und die antichristliche Scheinkirche
29. Kapitel - Der menschliche Baum und seine Zweige
30. Kapitel - Die Bundeslinie von Seth
31. Kapitel - Die Wunderlinie aus Henoch
32. Kapitel - Die Arche Noah im Bund Gottes
33. Kapitel - Vom Bund Gottes mit Noah
34. Kapitel - Über die drei Söhne Noahs
35. Kapitel - Noahs Kinder und der Babelturm
36. Kapitel - Die Bedeutung des Turmbaus zu Babel
37. Kapitel - Von Abraham und seinem Samen
38. Kapitel - Vom Anfang des heidnischen Krieges
39. Kapitel - Der Bund Gottes mit Abraham
40. Kapitel - Die Geschichte von Ismael und Isaak
41. Kapitel - Vom Siegel des Bundes der Beschneidung und Taufe
42. Kapitel - Die drei Männer im Hain Mamre
43. Kapitel - Die Botschaft von Sodom und Gomorra
44. Kapitel - Der Untergang von Sodom und Gomorra
45. Kapitel - Die wunderliche Führung Abrahams
46. Kapitel - Die Geburt Isaaks und Ismaels Ausstoßung
47. Kapitel - Der Bund von Abimelech und Abraham
48. Kapitel - Die Versuchung Abrahams zum Opfer Isaaks
49. Kapitel - Der Tod Saras und das Erbbegräbnis
50. Kapitel - Die Ehefrau für Issak
51. Kapitel - Eine weitere Frau Abrahams und sein Tod
52. Kapitel - Die Geschichte von Isaak
53. Kapitel - Wie Esau seine Erstgeburt verkaufte
54. Kapitel - Wie Isaak zu Abimelech zog
55. Kapitel - Wie Isaak unwissend Jakob segnete
56. Kapitel - Wie Jakob flieht und die Himmelsleiter sieht
57. Kapitel - Wie Jakob seine beiden Ehefrauen gewann
58. Kapitel - Wie Jakob seinem Schwiegervater diente
59. Kapitel - Wie Jakob von Laban wegzog
60. Kapitel - Wie sich Jakob und Esau begegneten
61. Kapitel - Wie Jakob und Esau zusammenkommen
62. Kapitel - Die Schändung von Jakobs Tochter Dina
63. Kapitel - Die Geburt Benjamins
64. Kapitel - Über Josef, den Sohn Jakobs
65. Kapitel - Von Juda und Tamar
66. Kapitel - Josef und Potiphar
67. Kapitel - Josef im Gefängnis und die Traumdeutung
68. Kapitel - Die Träume des Pharaos und Josefs Ehrung
69. Kapitel - Die Hungersnot und Josefs Brüder
70. Kapitel - Jakobs Söhne ziehen vor Hunger erneut nach Ägypten
71. Kapitel - Wie Josef seinen Brüdern die Säcke füllen ließ
72. Kapitel - Josef offenbart sich seinen Brüdern
73. Kapitel - Jakobs Umzug nach Ägypten
74. Kapitel - Jakob vor dem Pharao und der Aufkauf Ägyptens
75. Kapitel - Jakob segnet die beiden Söhne Josefs
76. Kapitel - Die Weissagung von Jakob für seine Söhne
77. Kapitel - Weitere Erklärungen zum Testament Jakobs
78. Kapitel - Das Begräbnis von Jakob und der Extrakt von Allem

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Jacob Böhme, Mysterium Magnum, 1682

Was ist das große Geheimnis der Welt und dieser Schöpfung? Auf diesem Titelbild von 1682 zum „Mysterium Magnum“ sieht man dazu zwei Botschafter: Auf der rechten Seite, die vom Bild aus gesehen die linke ist, steht Moses, der die Welt mit den Sternen, Sternzeichen und Planeten wie eine Kugel von außen „behandelt“ und in den ersten Büchern der Bibel entsprechend beschreibt, was auch die Posaune mit seinem Banner über ihm andeutet. Diese Kugel wird auch unter §18.21 erwähnt: „Wie Gott Moses eine andere Schrift auf eine Kugel gab, welche den zweiten Adam (als Christus) andeutet…“ Dabei trägt er aber noch eine Decke vor seinem Gesicht, die Jakob Böhme ebenfalls oft erwähnt, wie unter §11.4: „So soll uns niemand darum schelten, denn die Zeit ist geboren, daß Moses seine Decke von seinen Augen wirft, welche er vor sein Gesicht hing, als er mit Israel redete, nachdem der Herr mit ihm gesprochen hatte.“ Auf der anderen Seite sehen wir Christus mit dem Lilienzweig der geistigen Wiedergeburt in der rechten Hand und seinem Hirtenstab mit dem Kreuz-Banner in der linken Hand innerhalb von einem großen Kreis von zwölf Zahlen und sieben kleineren Kreisen. Die Eins als Symbol der Einheit trägt seine Krone und stellt die geistige Sonne des reinen Bewußtseins dar. Der Zahlenkreis erinnert an die Vielfalt der Natur, die Zyklen der zwölf Monate und Stunden oder auch die zwölf Apostel, Sternzeichen und Stämme Israels nach den zwölf Brüdern von Jakob, die im Text ausführlich beschrieben werden. Die sieben kleineren Kreise um die Zahlen erinnern uns an die sieben Gestaltungen und Qualitäten der Natur, die ebenfalls ausführlich beschrieben sind. Es fehlen eigentlich nur noch die drei Grundqualitäten, die man in den drei offenen Blüten der Lilie entdecken könnte. Seine linke Hand mit dem Hirtenstab berührt die Zahl 4, denn der vierte Sohn von Jakob war Juda, der Stammhalter von Jesus Christus. Die Blicke dieser beiden Botschafter treffen sich in einem Engel, der mit der siebten Posaune die Decke von Moses Angesicht lüftet, so daß die Bedeutung seiner Schriften im Licht von Christus erscheint und erleuchtet wird. Diese Erleuchtung hat offenbar auch Jakob Böhme gefunden und möchte sie uns in diesem Buch offenbaren. Der Engel trägt den Himmelsschlüssel für ein höheres Bewußtsein, das weit über unser sehr eingeschränktes weltliches Denken hinausgeht, und ein Kreuzsymbol auf der Brust. Über seinem Scheitel öffnet sich das Auge dieses Bewußtseins wie ein Heiligenschein. Und seine beiden Hände verbinden die Zahl 4 als die Bundeslinie mit dem Geist von Moses. Alle drei Figuren stehen barfuß auf dem unergründlichen Ungrund, ähnlich einer Wolke im Nichts, und erinnern uns auch an die drei Prinzipien von Licht, Welt und Dunkelheit. Darüber hinaus kann man auch die zwei grundlegenden Betrachtungsweisen der Welt wiederfinden: Links steht der Geist im Inneren der Natur und schaut nach außen, und rechts steht er außerhalb und schaut von außen auf die Natur. Das macht uns die Erkenntnis der Wahrheit so schwer, weil sich eben alles reflektiert und im Kreis dreht, was auch die Kreise, Lichtstrahlen und Banner in diesem Bild mehrfach andeuten, obwohl es schließlich doch nur ein Banner, ein Licht und ein Kreis ist, also ein ganzheitliches Bewußtsein.

Verwendete Quellen zur deutschen Überarbeitung

Mysterium Magnum, Jacob Böhme, 1682
Mysterium Magnum, Jacob Böhme, 1730
Sämtliche Werke, Band 5, Barth, 1843

gesamte Veröffentlichung: 24.6.2022 (Johannistag, dem Johannes gewidmet)