Das Mysterium Magnum

(Text von Jacob Böhme 1623, deutsche Überarbeitung 2022)

50. Kapitel - Die Ehefrau für Issak

Wie Abraham seinen Knecht ausschickt, um für seinen Sohn Isaak eine Ehefrau zu finden, und was unter dieser Darstellung zu verstehen sei. (1.Mose 24)

50.1. »Abraham fordert seinen Knecht, welcher der Oberste in seinem Regiment war, und legte ihm einen Eid auf, daß er seinem Sohn keine Frau von den Töchtern der Kanaaniter, bei denen er wohnte, nehmen solle, sondern hinziehe zu seiner Freundschaft (bzw. Verwandtschaft), zu seines Vaters Haus, und ihm dort eine Frau nehme.« Diese Geschichte sieht der Verstand schlecht und einseitig an, als ob Abraham diesen Völkern, darunter er wohnte, wegen ihres bösartigen Wandels feindlich gewesen war. Aber der Geist Gottes in Moses, der diese Geschichte so aufzeichnete, hat seine heimliche Deutung darunter und spielt mit der ganzen aufgeschriebenen Historie des ersten Buchs von Moses, wie mit einer Komödie, und deutet immer unter der äußeren Geschichte des äußeren Menschen auf die geistige Bildung des geistig ewigen Menschen im Reich Christi.

50.2. »Einen Eid mußte der Knecht dem Abraham schwören, seinem Sohn eine Frau aus seinem Stamm und Geschlecht zu nehmen.« Warum legte ihm Abraham einen Eid auf, da doch der Knecht auch ohne Eid seinem Herrn gehorsam sein mußte, und Isaak keine Frau ohne seines Vaters Willen angenommen hätte? Aber der Geist Moses sieht in die innere Bildung: Isaak steht hier im Bild Christi, und Abrahams Knecht steht im Bild der Natur, und die Kanaaniter stehen im Bild des eingeführten Schlangenwesens, aus dem der abtrünnige eigene Wille menschlicher Ichheit entstanden war, nämlich in der Bildung des tierischen Menschen, der das Reich Gottes nicht erben soll. Diese drei hat sich der Geist Moses vorgestellt und deutet darunter auf den wahren Menschen, der ewig bestehen soll. Die innere Bedeutung versteht so:

50.3. »Abraham fordert seinen Knecht, der seinem ganzen Haus vorstand.« Abraham bedeutet hier Gott den Vater, und der Knecht, durch den er regiert, bedeutet die Natur. Die Natur in ihrer Gewalt und Macht muß hier in Gott schwören, das heißt, sich vertiefen und essentiell verbinden, so daß sie Isaak als den Christen und Gottes Kindern keine Frau, das heißt, keine Matrix aus den Kanaanitern als aus dem Schlangenwesen zu dessen Fortpflanzung zufügen oder beilegen will, und daß sie das Gift aus der Eigenschaft der finsteren Welt nicht an sich ziehen will, als die kanaanitische Eigenschaft, und den Kindern Christi zur Ehefrau zuführen, als in die Venus-Tinktur, welche die wahre weibliche Matrix in Männern und Frauen ist. Sondern daß sie den wahren Adam-Menschen, den Gott in sein Bild schuf, als die wahre, menschliche Essenz aus dem ersten, ursprünglichen Baum, aus der ersten Wurzel, als aus Abrahams Stamm, welcher Adam andeutet, dem Sein Christi beifügen will, als dem wahren Isaak in den Kindern Christi.

50.4. Dies versteht man so: Adam hat uns der Schlange und des Teufels Sein ins Fleisch und in die Seele hineingeführt, welches die Natur in Seele und Leib eingenommen und darin einen eigenen abtrünnigen Willen geboren hat, der Gott ungehorsam ist.

50.5. Weil aber nun Gott in Isaak wieder sein heiliges Sein seines heiligen Wortes hineingeführt hatte, das Abraham in der Glaubensbegierde ergriff und in Isaak mit einem neuen Zweig aus dem verdorbenen Baum menschlicher Eigenschaft dargestellt und aus Christi Geist geboren wurde, so mußte hier die Natur als Gottes Amtmann sich in Gott vertiefen und schwören, nicht mehr der Schlange Sein zur Ehefrau, als zu einer Buhlerin zu nehmen (d.h. aus der vergifteten Schlangeneigenschaft der eingeführten Bosheit des Widerwillens), sondern aus Abrahams wahrer Heimat, wo Abraham in Adam daheim war. Nämlich aus wahrer menschlicher Essenz sollte der Amtmann Gottes, als die Natur, Essenz und Wesen nehmen und dem Isaak, als Christi Glieder, in ihren himmlischen geistigen und heiligen Glaubens-Sein zuführen, als eine geistige Ehefrau, darin der wahre Mensch in sich selber mit der himmlischen Matrix in reiner Begierde der Liebe buhlt und seine eigene Natur in Gottes Liebe liebt, und nicht im kanaanitischen Schlangenwesen im abgewichenen widergöttlichen Willen, damit die neue Geburt mit ihrer Jungfrauschaft nach dem inneren Menschen heilig sei.

50.6. Denn der Mensch in seinem Wesen steht in zwei Wesen, als im natürlichen und übernatürlichen, im göttlichen Wesen des geformten Wortes und im natürlichen Wesen des Zentrums der Natur im Schöpfen, als in göttlicher Begierde, weil in der Begierde die Natur und feurige Welt ihren Ursprung nimmt. Und diese feurige Natur sollte keine falsche Lust mehr aus der tierhaften Schlangen-Eigenschaft in sich nehmen. Davon deutet der Geist hier in der innerlichen Darstellung.

50.7. Und Abrahams Knecht sagte: »Wie, wenn die Frau mir nicht folgen wollte in dieses Land? Soll ich dann deinen Sohn wieder in jenes Land bringen, von dem du ausgezogen bist?« Das heißt im inneren Verstand so: Die Natur spricht zu Gott: „Wie, wenn mir das wahre menschliche Sein nicht folgen wollte, weil es dem Gift der Schlange anhängt? Soll ich dann deinen Sohn, als das heilige himmlische Sein, wieder in das Land zurückbringen, als in die Stätte, von der er mit mir ausgegangen ist?“ Das heißt, wenn Gott seinem Amtmann der Natur sein heiliges Sein übergibt, um dieses in menschliche Eigenschaft hineinzuführen und dem menschlichen Sein zur Frau des himmlischen zu nehmen, dann spricht die Natur als Gottes Amtmann: „Wie, wenn mir dann die Frau (d.h. das menschliche Sein) nicht folgen und mit diesem Isaak, das heißt, mit Christi Wesen, in das wahre menschliche Land, als in den wahren adamischen paradiesischen Baum eingehen wollte? Soll ich dann deinen Sohn, als dein heiliges Sein, wieder in die Stätte Gottes bringen?“

50.8. »Da sprach Abraham: „Davor hüte dich, daß du meinen Sohn nicht wieder dahin bringst! Der Herr, der Gott des Himmels, der mich von meines Vaters Haus genommen hat und von meiner Heimat, der mir zugesagt und mir auch geschworen hat ‚Dieses Land will ich deinen Nachkommen geben!‘, der wird seinen Engel vor dir her senden, daß du meinem Sohn dort eine Frau nimmst. Wenn aber das Mädchen dir nicht folgen will, dann bist du des Eides quitt.“ Nur bringe meinen Sohn nicht wieder dorthin! Da legte der Knecht seine Hand unter die Hüfte Abrahams und schwor ihm solches.«

50.9. Das heißt im Inneren so: Gott spricht zu seinem Amtmann der Natur: „Davor hüte dich, daß du nicht nach deinem Verstand verfährst, einen anderen Willen schöpfst und mein heiliges Sein nicht wieder dahin bringst, von wo es herkommen ist, denn es soll im Menschen wohnen. Der Gott des Himmels, der das menschliche Sein vom ewigen Wort genommen hat, als von seiner ewigen Heimat, welches des ewigen Vaters Haus ist, der dem Menschen das Land Kanaan nach der paradiesischen Eigenschaft verheißen und ihm dazu noch geschworen hat, wird seinen Engel vor dir her senden, daß du meinen Sohn dort (wohin der Engel, als der göttliche Wille vorher geht) eine Ehefrau nimmst.“ Das heißt, wo sich Gott mit seinem Wort und seiner Kraft in seinen Kindern mit einer ewigen Ehe verbinden will, da sendet er zuvor seinen Engel hin, als seinen Willen in das menschliche Sein, damit sich dieser zu Gott wendet und bekehrt.

50.10. Die Natur des Gemüts soll im Willen ihres Verstandes nicht bemeistern und bezweifeln, was Gott tun werde. Wenn er ihm des Knechtes Amt auferlegt, dann soll er sich in sich selber nicht bespiegeln und zweifeln, wenn er sieht, daß die Seele im Schlangenwesen gefangenliegt, so daß er denken wollte: „Ich werde hier mit meiner göttlichen Botschaft nicht ankommen.“ Sondern Gott walten lassen und seine Botschaft nach Gottes Befehl verrichten, und Gott anbefehlen, wie er die Ehefrau als den menschlichen Geist, herzuziehen und mit dem Sohn Isaak, das heißt, mit Christus im göttlichen Wesen verbinden wolle.

50.11. »Wenn aber das Mädchen nicht folgen will, dann bist du des Eides quitt.« Das heißt, wenn dir der menschliche Wille nicht folgen will, wenn ich meinen Willen vor dir her in den Menschen schicke, dann ist der Bote als Gottes Amtmann mit dem gesandten Himmelswesen quitt. »Nur bringe meinen Sohn nicht wieder dorthin.« Das heißt, bringe das himmlische Sein nicht wieder in sein ausgegangenes Wesen, sondern stehe damit still und höre, wo dich Gott hinlenkt. Denn der Regen vom Himmel soll nicht leer ohne Frucht wieder aufsteigen, und so soll auch Gottes Wort und Befehl nicht leer wieder heimkommen, sondern in seiner geformten Weisheit Frucht wirken und bringen.

50.12. Will ein Mensch nicht, dann fällt dieses Wort auf ein anderes, das dessen fähig ist. Darum soll die Natur als der Bote oder Amtmann oder Forderer der himmlischen Botschaft das Wort mit dem göttlichen Wesen nicht wieder zurück in jenen Ort als in die innere göttliche Stimme hineinführen. Denn was Gott durch sein Wort in der Kraft einmal ausspricht, das soll und muß in einer göttlichen Form zur göttlichen Beschaulichkeit stehen. Die Natur soll vor sich gehen, wie ein Bote seinen Weg, und verkündigen, daß der Herr alle seine Güter Isaak gegeben hat, das heißt, er hat Christus alle seine Güter gegeben und fordert nun eine Ehefrau, nämlich den Menschen, der sich in den Ehestand mit Christus begebe.

50.13. »Da legte der Knecht seine Hand unter die Hüfte seines Herrn Abrahams und schwor ihm solches.« Das heißt, als Gott sein heiliges Wort mit himmlischem Wesen, als mit der geformten Weisheit in das natürlichen Sein Marias senkte, wie in Gottes Knecht, und Gott und Mensch in Eine Person verwandelte, da schwor die menschliche Natur unter die Hüfte des Vaters der ewigen Natur in Gott, daß sie Gott gehorsam sein und nun ausziehen wolle, um die menschliche Ehefrau zu suchen und dem göttlichen Wesen zur Ehe nehmen, welches alles in Christi Person zu verstehen ist, der in seiner angenommenen Menschheit, als Abrahams oder seines göttlichen Vaters Knecht in natürlicher Eigenschaft mit seinem Wort ausziehen sollte und diese Ehefrau als seine Braut suchen, welche ihm der Engel des Herrn, als Gottes Wille, zufügen sollte.

50.14. »So nahm der Knecht zehn Kamele von den Kamelen seines Herrn und zog hin und hatte allerlei Güter seines Herrn mit sich, und machte sich auf und zog nach Mesopotamien, zu der Stadt Nahors.« Hier sieht nun der Geist in den Prozeß Gottes, wie Gott seinen Engel oder Boten Gabriel mit der Stimme der Natur zu der menschlichen Natur nach Nahor, als zu Adams Natur im Sein Marias gesandt hat, in welcher Stimme das lebendige heilige Wort mit himmlisch lebendigem Wesen verborgen war. Und er hat zehn Kamele der Natur des Vaters mitgegeben, das heißt, die zehn Gestaltungen der drei Prinzipien zum natürlichen und übernatürlichen Feuerleben, nämlich die sieben Gestaltungen des Zentrums der Natur und die drei Gestaltungen der drei Unterschiede der Prinzipien, welches allesamt Gottes Kamele sind, mit denen er alle Dinge trägt.

50.15. Und die Güter des Herrn sind die geformte Weisheit der großen Wunder und Kräfte. Dies alles nahm Gottes Amtmann mit sich, als er das göttliche Wort in sich hatte und dieses in das menschliche natürliche Sein, in das Sein Marias, hineinführte oder offenbarte, wie man etwa die großen Taten Gottes aussprechen möchte, dazu die äußere verdichtete sinnliche Zunge wohl nicht genug Worte zum tiefen geistigen Verständnis geben kann.

50.16. Denn hier nimmt der Geist Moses die englische Botschaft mit Isaaks Darstellung dazu und spielt äußerlich in der Bildung mit Isaak und Rebekka als Christi Bildung, und innerlich spielt er mit Maria als Adams Essenz und mit Christus als dem jungfräulichen göttlichen Wesen.

50.17. Und der Geist Moses sagt weiter: »Da ließ der Knecht die Kamele draußen vor der Stadt bei einem Wasserbrunnen lagern, des Abends um die Zeit, da die Frauen herauszugehen pflegten und Wasser zu schöpfen.« Das deutet im Inneren an, wie sich das Geheimnis der Natur der drei Prinzipien als Träger der geformten Weisheit Gottes zu dem göttlichen Quellbrunnen draußen vor der Stadt gelegt habe. Die Stadt deutet das verborgene Geheimnis des göttlichen heiligen Wesens der geformten Weisheit an, um welche sich die Natur der drei Prinzipien gelegt hat, denn die Natur ist äußerlich und die Lastträgerin des göttlichen Geheimnisses. Und sie liegt bei dem Quellbrunnen Gottes, als bei der Geburt der heiligen Dreifaltigkeit. Das heißt innerlich so:

50.18. Um Abend, das heißt, in der letzten Zeit der Welt, oder gegen Abend im Menschen, da sich die ewige Nacht naht, bringt Gott seine Lastträger, als den Willen der Natur des Vaters, der sich zu dem Brunnen göttlicher Eigenschaft im Menschen legt und seine Kamele als seinen Willen dort tränken will, gleichwie er gegen Abend, das heißt, in der letzten Zeit, seinen Willen zu der menschlichen Natur im Sein Marias legte, zu dem wahren Quellbrunnen seines Bundes, und dort die menschliche Natur tränkte.

50.19. Und wie sich Abrahams Knecht vor dem Wasserbrunnen in Mesopotamien vornahm, seines Herrn Willen zu vollbringen, und doch nicht auf sich sah, wie es gehen sollte, sondern seine Sache Gott anbefahl, wie er es machen würde, und nur ein Los vor sich stellte, um zu sehen, welchen Weg ihn Gott führen würde, so spielt auch hier der Geist Moses in der Bildung Christi, denn die Natur im Sein oder Samen Marias war der Knecht Gottes. Diese Natur lagerte sich vor des Bundes Sein als ein Werkzeug Gottes und gab Gott die Ehre und befahl ihm an, wie er sie zu der Heiligen Jungfrauschaft im heiligen Wesen des Bundes in Maria führen wollte, wie hier Abrahams Knecht Gott anbefahl, als er zum Brunnen kam, wo er ihn hinführen wollte oder was er tun sollte, damit ihn Gott zur richtigen Jungfrau führen möge, die Gott dem Sohn seines Herrn geben wollte.

50.20. Auf diese Weise ist es nicht aus der Natur Vorsatz, Verstand oder Gewalt geschehen, daß sich die Natur zum heiligen Wesen im Bund geführt und die göttliche Jungfrau im Sein des göttlichen Wortes geehelicht hat. Die Natur verstand nichts davon, wie es zugehen sollte, oder was ihr Werben oder Vorbringen sein sollte. Sie kannte die heilige Jungfrauschaft im Bund nicht, sondern als der Befehl Gottes vom Engel Gabriel in sie schallte, da gab sie Gott die Ehre, was er durch sie tun und wirken wollte, damit ihr Gott die Jungfrau der Weisheit zuführen möge, wie hier Abrahams Knecht Gott bat, daß er die richtige Jungfrau, die ihm Gott erwählt hätte, zum Wasserbrunnen führen wollte.

50.21. Denn beim Quellbrunnen Gottes sollte die Natur erkennen, was für eine Jungfrau kommen würde, um die Kamele oder Lastträger der Natur zu tränken. Gleichwie Rebekka auf Gottes anregen herauskam und dem Knecht Abrahams die Kamele tränkte, so kam auch die göttliche Jungfrauschaft im Sein Marias, tränkte die Essenz im Samen Marias und nahm die menschliche Natur zum Gemahl.

50.22. Und die menschliche Natur im Bund, nämlich im Samen Abrahams in seinem Glaubens-Wesen, darin er das Wort der Verheißung im Glauben ergriff, welches seine Gerechtigkeit wurde, hatte die schönen Stirnspangen bei sich und die zwei Armreifen, welche sie dem Wort Gottes anhing, das sich in der Botschaft des Engels Gabriel in Maria bewegte, wo des Glaubens Sein mit der jetzt bewegenden Stimme vermählt wurde. Und diese Bewegung umschloß die Natur, wie hier Abrahams Knecht, als er sah, daß ihm Gott die richtige Jungfrau zugeführt hatte, denn da zog er das Geschenk seines Herrn Abraham hervor und hing es der Jungfrau an.

50.23. So hing auch die Natur im Bund im Samen Marias das schöne Kleinod, das Gott Adam im Paradies verhieß und in Abraham eröffnete, und das Abraham im Geist und Glauben ergriff, der Stimme Gottes an, als dem lebendigen bewegenden Wort Gottes, das in des Engels Botschaft in Abrahams Glaubens-Wesens erschallte, und hing es sich damit auch selbst an.

50.24. Denn Abraham hatte das Wort des Bundes im Glauben ergriffen, so daß es sich in ein Sein geformt hatte, aber nicht ganz in die Menschheit. Und dieses Sein war das schöne Kleinod, das die Natur in sich wie einen verborgenen Schatz trug, bis ans Ziel des Bundes, bis zum Abend der Welt. Da schallte Gottes lebendige Stimme in die Natur im Weibes-Samen, und da gab die Natur, als Gottes Knecht, das verborgene Kleinod hervor und hing es an die Stirn der jungfräulichen Liebe Jesu, die in der Botschaft des Engels beweglich (lebendig und empfänglich) war und jetzt zum Brunnen kam, um die verschlossene Jungfrauschaft im Menschen vom göttlichen Wesen zu schöpfen. Denn sie bekam damit ihren Bräutigam, als die Seele des Menschen, mit des Vaters Kleinoden und großem Gut. Mit diesem spielt hier der Geist Moses, nämlich mit einer heimlichen Deutung unter der äußerlichen Geschichte.

50.25. Abrahams Knecht machte sich das Los (bzw. Schicksal), die Jungfrau daran zu erkennen, ob es die richtige sei, welche ihn und alle seine Knechte und Kamele tränken würde. So hatte auch Gott dieses Los in die Natur der Seele und der wahren Menschheit gepflanzt, daß, welche Jungfrau die Seele mit der wahren Menschheit aus Gottes Liebebrunnen tränken würde, diese sollte die Seele zur ewigen Gemahlin begehren.

50.26. Als es dann in Maria geschah, daß sie der Engel grüßte, tränkte er die Seele und auch ihren Samen der seelischen Natur aus der weiblichen Tinktur, davon diese seelische Essenz ihre Begierde zum süßen Quellwasser des Brunnens Jesu führte. Und sie trank dieses Wasser der Liebe Jesu, davon und darin sie mit der süßen Liebe Jesu in Jehova vermählt wurde, so daß in diesem Samen Marias im Ziel des Bundes eine männliche Jungfrau Gottes empfangen wurde, die Jesus Christus in unserer Menschheit ist und im göttlichen Wesen in der Kraft des göttlichen Wortes ein geformter Gott nach der Kreatur, aber nach der göttlichen Stimme Gott als Alles in Allem. Das heißt, ein geformter Gott nach der menschlichen Eigenschaft, als ein sichtbares Bild der Gottheit, und darin die ganzheitliche, unsichtbare und unermeßliche Gottheit in der Dreifaltigkeit im Wesen.

50.27. Diese ganze Darstellung steht im Prozeß der neuen Wiedergeburt, wie es zugehen sollte. Denn Abraham steht in seinem Glauben im Bild Adams, als in der Bildung von Gott dem Vater, der ihn zu seinem Ebenbild und Gleichnis erschaffen hatte. Und Isaak, sein Sohn, steht im Bild der Menschheit Christi, als in der Bildung des Sohnes.

50.28. Gott der Vater hat alle seine Güter, das heißt, alle geschaffenen und geborenen Wesen des geformten Wortes im Reich dieser Welt, seinem Sohn gegeben, der sich im Ebenbild Gottes der Menschheit offenbarte, gleichwie Abraham alle seine Güter Isaak gegeben hatte, der Christi Vorbild war.

50.29. Und wie Abraham seinem Sohn Isaak eine Frau aus seinem Geschlecht nehmen wollte und seinen obersten Amtmann aussandte, um seinem Sohn eine Frau zu nehmen, und benannte ihm doch diese nicht zuvor, wer sie sein sollte, sondern hieß ihn nur zu seines Vaters Haus und Stamm ziehen und sehen, was ihm Gott für eine Frau für seinen Sohn zuführen würde, in gleicher Weise hat auch Gott seinen Amtmann, der seinem ganzen Haus, das heißt, Regiment, vorsteht, in die Welt gesandt, welcher die Stimme seines geoffenbarten Wortes im wahren adamischen Menschen ist, aber nicht zum kanaanitischen Schlangenwesen, sondern zum verblichenen jungfräulichen Bild Gottes und zur lebendigen Seele, die aus des göttlichen Vaters Haus ist, das heiß, Eigenschaft. Und so läßt er für seinen Sohn Jesus Christus um eine Jungfrau zur Ehefrau werben, nämlich um die himmlische Jungfrauschaft im Menschen, die in Adam verblich. Um diese wirbt Gottes Amtmann der Natur durch seine Diener, die er aussendet, damit sie diese Jungfrauschaft seinem Sohn zur Frau nehmen sollen, um sich mit ihm zu verehelichen.

50.30. Und wie Abraham seinem Amtmann die Jungfrau nicht zuvor nannte, sondern ihn nur zu seines Vaters Haus gehen hieß, und dort auf den Herrn sehen, wohin er ihn führen würde und was ihm Gott für eine Jungfrau erwählt und zuführt, in gleicher Weise hat Gott seinen Amtmann als sein heiliges Wort durch seine Diener in die Welt zum wahren Menschen gesandt. Nicht zu den Schlangentieren, denn diese hören Gottes Wort nicht, weil sie kein Gehör dazu haben, wie die Kanaaniter im Schlangenwesen, die wegen ihrer Bosheit und ihrem Eigenwillen ganz tierhaft und am göttlichen Gehör halbtot waren.

50.31. Und er läßt seine Diener als Amtsleute sich am Brunnen seines heiligen Wortes lagern, mit dem Befehl, daß sie dort in ihrem anbefohlenen Amt zu Gott rufen und beten sollen, und sein Wort lehren, bis Gott das Herz der Jungfrau zieht und sie zum Brunnen seines Wortes führt, um aus dem Brunnen des göttliches Wortes Wasser zu schöpfen.

50.32. Und wenn diese Jungfrau, das heißt, das innere göttliche Bild, das in Adam verdunkelt wurde, im Brunnen des göttlichen Wortes Wasser schöpft, dann spricht der Amtmann, Abrahams Knecht, als der Wille des Vaters in der Seele: „Gib mir zu trinken von deinem süßen Wasser der ewigen Jungfrauschaft!“ Und die edle Jungfrau spricht zum Willen Gottes: „Trink, mein Herr, ich will auch deinen Kamelen schöpfen.“ Versteht mit den Kamelen die Essenzen der menschlichen Natur aus der Eigenschaft des Vaters, und mit der Jungfrau versteht das Licht (des Bewußtseins) in der Eigenschaft der Natur, als das Wesen des göttlichen Wesens von der englischen Welt, das in Adam verblich und in diesem Wasserschöpfen wieder zu ihrem Bräutigam der Seele kommt.

50.33. Und wenn nun der Amtmann, als Gottes Wille, mit seinen Kamelen als Essenzen der Natur von der Jungfrau getränkt ist, dann dankt der abgesandte Wille des Vaters in der Essenz der Natur in die wahre Gottheit, daß Gott diese Jungfrau zu ihm geführt hat, und daß Jesu Christi diese Jungfrau der Liebe und Menschheit zur Ehefrau nehmen soll.

50.34. Und alsbald nimmt der Wille des göttlichen Vaters die edlen Kleinode, welche Gott Adam im Paradies durch das Lebenslicht in die Seele mit dem teuren Namen Jesu einverleibt hatte, ja, welche Kleinode ins Zentrum der Seele einverleibt worden sind, ehe der Weltgrund gelegt wurde, und welche der Seele ganz verborgen gewesen sind. Diese Kleinode sind das heilige Feuer der verschlossenen Liebebegierde, und er hängt der edlen Jungfrau von der himmlischen Welt Wesen diese in Form einer goldenen Spange an, einen halben Schekel schwer.

50.35. Diese goldene Spange, einen halben Schekel schwer, ist die neue, vom Himmel gekommene himmlische Wesenheit, wie auch Christus sagte, er wäre vom Himmel gekommen (Joh. 3.13). Darin verstand er das kommende Sein, das die halbe heilige Menschheit war, als das heilige Sein am Wort, das sich mit dem verblichenen himmlischen Wesen in der Menschheit einigte, so daß diese goldene Spange, einen halben Schekel schwer, dem göttlichen Schall oder Wort gehöre, das in die Menschheit kommt, und das wird der himmlischen Jungfrauschaft im Menschen angehangen.

50.36. Und wenn nun die Vermählung geschieht, daß sich das jungfräuliche Sein mit diesem heiligen Wesen vermählt, so daß die Jungfrauschaft diese angehängte Spange empfängt, dann ist es ein ganzer Schekel Gold, halb der Gottheit und halb der Menschheit.

50.37. Und die zwei Armreifen, welche Abrahams Knecht, als der Wille des Vaters in der seelischen Natur der Jungfrau anhängt, welche zehn Schekel Gold schwer sind, das sind die zehn Gestaltungen des heiligen Feuers, welche der verblichenen Jungfrauschaft neben der neuen eingeführten Menschheit Jesu Christi des göttlichen Wesens angehängt werden, davon sie ihr wahres Leben wieder empfängt.

50.38. Und wenn diese Jungfrau diese Spangen und Armreifen so empfangen hat, dann erfreut sie sich und läuft zu ihrem Bruder Laban, als zum dritten Prinzip der äußeren Menschheit aus dem Stoff der Erde, zu der äußerlichen Seele, und sagt ihm das. Das heißt, wenn das jungfräuliche Bild das Sein Christi, als die schönen Spangen des halben Schekels, neben dem heiligen Feuer des Wortes empfängt, dann dringt sie mit ihrer Stimme der göttlichen Essenz durch den äußeren Menschen als ihren Bruder und verkündigt die göttliche Kraft. Davon wird der äußere Mensch froh (d.h. das dritte Prinzip) und erfreut sich hoch mit der Jungfrau des inneren Menschen, und läuft auch hin zu diesem Brunnen des göttlichen Wortes und bittet Gott, daß er doch mit seinem Wort bei ihm einkehren wollte, wie hier Laban Abrahams Knecht bat, bei ihm einzukehren. Welches Abrahams Knecht, als der Wille Gottes, gern tut und beim äußeren Menschen einkehrt.

50.39. Wie Abrahams Knecht tat, so tut auch die menschliche Natur, wenn sie hört, daß Christus im inneren Menschen schallt, und den Schmuck sieht, den der Heilige Geist dem jungfräulichen Bild angehangen hat. Und so bittet Laban, als Bruder der inneren Bildung, den Willen Gottes, bei ihm einzukehren.

50.40. Und wenn der Wille Gottes, als Abrahams Knecht angedeutet, bei Bethuel und Laban als im dritten Prinzip der Menschheit eingezogen ist, dann spricht der Amtmann Gottes als das Wort Gottes, das im Menschen einzieht: „Ich will nicht von deinem, das heißt, des äußeren Lebens Essenz, essen, sondern zuerst meine Botschaft bewerben, daß du meinem Herrn, als meines Herrn Sohn, der Menschheit Jesu Christi, deine Schwester, als die himmlische Jungfrauschaft, zur Ehefrau gebest.“ Und er erzählt der menschlichen Natur die Schickung Gottes, das heißt, er eröffnet ihr das göttliche Erkennen, damit der natürliche Mensch lernt, Gottes Willen zu erkennen, daran er zuvor blind war.

50.41. Dann ergibt sich die arme Natur mit der Seele in Gottes Willen, und so sprechen dann Laban und Bethuel: „Das kommt vom Herrn, und wir sollen nichts dagegen sagen. Siehe hier ist deine Stätte, tu mit mir und meinem Innerlichen, wie du willst. Hier ist Rebekka, als das geformte Wort himmlischer Eigenschaft. Nimm es hin und vermähle es dem Sohn deines Herrn, als der Menschheit Jesu Christi, nach deinem Gefallen, wie der Herr gesprochen hat.“

50.42. Man sieht hier ganz eigentlich, wie der Geist Moses in der Darstellung spricht, denn er setzt Laban, als Bethuels Sohn, vor den Vater, nämlich die äußerliche Seele vor die innerliche Feuerseele, die Luftseele vor die wahre Feuerseele, obwohl sie nicht zwei sind, sondern eine, aber in zwei Prinzipien verstanden. Denn die Feuerseele gibt durch die Luftseele Antwort, denn die Feuerseele führt die unverdichtete Zunge, aber die Luftseele führt die verdichtete geformte Sprache.

50.43. Darum setzt der Geist in Moses Laban, den Bruder Rebekkas, vorn an, als ob das Geschäft durch Laban verrichtet worden wäre, um anzudeuten: Wenn der Amtmann Gottes, als der göttliche Wille im Zug des Vaters, in den Menschen einzieht und bei ihm um Herberge und um die Jungfrau wirbt, dann muß der äußere Geist des Menschen die Zusage tun, denn er ist von Gott und der wahren Gelassenheit abgewandt. So muß er jetzt seinen Willen wieder gänzlich in Gottes Willen ergeben.

50.44. Und wenn dies geschieht, daß die äußerliche Seele mit der innerlichen Feuerseele in diese Heirat ganz einwilligt und sich in Gott ergibt, dann bückt (bzw. neigt) sich der Wille Gottes als der Amtmann im Zug des Vaters wieder in die wahre Gottheit, das heißt, er tritt wieder in seinen Sitz, und gibt Abrahams Schatz heraus, das heißt, die silbernen und goldenen Kleinode aus dem Schatz des göttlichen Vaters in seiner geformten Weisheit und hängt sie Rebekka als der himmlischen Jungfrauschaft an.

50.45. Denn diese Kleinode gehören nicht Laban oder Bethuel (d.h. der äußerlichen oder innerlichen Feuerseele) in dieser Zeit des irdischen Lebens, sondern der wahren Jungfrau Rebekka, aus dem göttlichen Wesen des geformten heiligen Wortes nach der englischen Welt Eigenschaft, als dem zweiten Prinzip, nämlich dem inneren geistigen neuen Menschen, der als Rebekka dem rechten Isaak als Christus vermählt wird. Und darum sagt der Geist Moses, Abrahams Knecht habe Rebekka die goldene Spange und die Armreifen samt den silbernen und goldenen Kleinoden gegeben und auch Kleider, und Laban, als den Bruder Rebekkas, sowie der Mutter, habe er Gewürze gegeben.

50.46. Oh du wunderlicher Gott! Wie einfältig bildest du das große Geheimnis (Mysterium Magnum) vor! Die silbernen und goldenen Kleinode sind der Schatz der göttlichen Weisheit im Wort des Lebens. Und diesen Schatz bringt das göttliche Wort der wahren Jungfrauschaft mit, die in Adam starb und in Christus wieder zur Gemahlin angenommen wird, und er wird ganz eigen zu einem Mahlschatz (bzw. Hochzeitsgeschenk) gegeben. Und die Kleider sind die neue Menschheit, mit der sie vor ihrem Bräutigam einhergeht, und die Würze, die Laban und seiner Mutter geschenkt wurde, ist die Kraft des Heiligen Geistes, die der Feuerseele und der Luftseele mit der Einkehr der zarten Menschheit Jesu Christi geschenkt wird.

50.47. Denn die äußerliche Seele wird in dieser Zeit, solange noch der irdische Leib an ihr hängt, nicht mit dem neuen Kleid bedeckt, und so wird auch der Feuerseele das silberne und goldene Kleinod der Menschheit Jesu Christi in dieser Zeit nicht ganz zur Habhaftigkeit in Gewalt gegeben, sondern nur die Würze, das heißt, des Heiligen Geistes Kraft und Anblick. Denn die Feuerseele könnte wieder stolz werden, wenn sie diese Jungfrau in eigener Gewalt haben sollte, wie Luzifer und Adam es taten. Darum muß die Feuerseele während dieser Zeit in ihrem Prinzip bleiben und das Kreuz Christi in der Luftseele auf sich nehmen (als im dritten Prinzip, darin der irdische bösartige Mensch lebt).

50.48. Aber die Jungfrau Rebekka oder Sophia („Weisheit“) bleibt mit ihrem Bräutigam Christus in ihrem Prinzip, und zwar im zweiten Prinzip, im Himmel. Denn St. Paulus sagt: »Unser Wandel ist im Himmel. (Phil. 3.20)« Das heißt, der Jungfrau Wandel, wenn sie mit ihrem Gemahl Christus in der Ehe steht, weil dann Christus und die Jungfrau Sophia nur Eine Person sind, nämlich die wahre männliche Jungfrau Gottes, die Adam vor seiner Eva war, als er Mann und Frau und doch keines davon war, sondern eine Jungfrau Gottes.

50.49. Und wenn nun diese Vermählung geschehen ist, dann sitzt Abrahams Knecht mit all seinen Knechten, mit seiner erworbenen Braut und mit Vater und Bruder zu Tisch, und sie essen miteinander das Hochzeitsmahl. Das heißt, wenn der Mensch, als der innere, jungfräuliche und geistige Mensch mit Christus vermählt ist, dann ißt Gott von des Menschen Willen und Worten, und hinwieder der Mensch von Gottes Willen und Worten. Nun sitzen sie bei einem Mahl, und das heißt dann: »Wer euch hört, der hört mich.« Wer diese Menschen von Gott lehren und reden hört, der hört Gott reden, denn sie reden in der Kraft und Würze des Heiligen Geistes, und essen miteinander vom großem Abendmahl Christi.

50.50. Dein herrliches Mahl wird dort gehalten, wo diese Hochzeit im Menschen gehalten wird, dessen kein kanaanitischer Schlangenmensch wert ist zu wissen oder zu schmecken, auch in Ewigkeit nicht erfährt, was da für Speisen aufgetragen werden, auch was für innerliche Freude dabei erhalten wird, wenn Christus und die Jungfrau Sophia Braut und Bräutigam sind und die innerliche und äußerliche Seele bei der Braut sitzen und mit ihr von diesem Mahl essen, welches wir den Kindern Christi, die dabeigewesen sind, zu erwägen geben. Sonst versteht es kein Mensch in dieser Welt, denn er weiß auch nichts davon, sondern nur der wahre Laban und Bethuel.

50.51. Aber diese Hochzeit währt nicht immerfort, sondern als Abrahams Knecht die Jungfrau erlangt und mit Vater und Mutter und Laban das Mahl und die Hochzeit gehalten hatte und über Nacht dageblieben war, danach stand er früh auf und sprach: »Laßt mich zu meinem Herrn ziehen!« Das versteht in der inneren Bedeutung so:

50.52. Wenn sich Christus mit der Jungfrau Sophia als der innen Menschheit vermählt hat, dann schallt bald danach die Stimme Gottes in die Seele und spricht: „Ich will mit der Jungfrau von dir wegziehen.“ Und das immerfort, als wollte er aufbrechen und vom Menschen weichen. So muß die arme Seele immerfort bitten und flehen, daß er doch noch länger bei ihr bleiben wollte. Aber die Stimme schallt oft: „Halte mich nicht auf, ich muß zu meinem Herrn ziehen oder reisen! Du bist bösartig und sündhaft, und so kann ich nicht länger bei dir bleiben.“

50.53. Dann ruft die arme Seele die Jungfrau Rebekka wie Christus seine Braut, und erinnert sie der Zusage seines teuren Wortes und der Verheißung, daß er wolle alle Tage bis ans Ende der Welt bei uns bleiben und Wohnung in uns machen. So wird ein Tag auf den anderen hingezogen, und doch zieht Christus mit seiner Braut in sein Vaterland, als in das zweite Prinzip. Aber die Hochzeit wird in allen drei Prinzipien gehalten.

50.54. Dies ist eine sehr schöne Darstellung, wie Rebekka mit Abrahams Knecht heimzog und ihr Isaak auf dem Feld begegnete und sie ihn fragte, wer der Mann wäre. Und ihr der Knecht Abrahams sagte, daß es sein Herr Isaak wäre. Und wie sie eilig vom Kamel stieg und den Mantel vor die Augen gehalten und sich geschämt habe, und wie Isaak sie annahm und in die Hütte seiner Mutter führte. Die innere Bedeutung versteht so:

50.55. Wenn die innere verblichene Menschheit das edle Kleinod erlangt, so daß sie im Geist Christi wieder lebendig wird und ihren Gemahl Christus in sich erblickt, dann fällt sie in die höchste Demut vor Gottes Heiligkeit zu Boden und schämt sich, daß sie so lange im Tiermenschen gefangen war, und daß sie eine Königin gewesen war, aber ihr Königreich in Adam verloren hatte. So verhüllt sie ihr eigenes Angesicht vor Gottes Klarheit und demütigt sich. Aber Christus nimmt sie in seine Arme und führt sie in die Hütte seiner Mutter, als in das Wesen der himmlischen Welt, daraus er mit seinem himmlischen Wesen ausgegangen ist. Und hier wird sie seine Ehefrau, und hier wird Issak wahrhaft getröstet bezüglich seiner Mutter, nämlich bezüglich der verblichenen Matrix mit der Venus-Tinktur, die in Adam gestorben war, und die er jetzt in jungfräulicher Zucht zur Gemahlin bekommt, wie die Historie von Isaak lautet.

50.56. Und wir ermahnen den Leser, unsere Erfindung nicht zu verachten, denn es ist der wahre Grund. Denn als Isaak seiner Braut entgegenging, da kam er von dem Brunnen des Lebendigen und Lebenden, wie Moses sagt. Will einer unseren Sinn und Erkenntnis richtig verstehen, dann muß er sich auch zu diesem Brunnen machen, so daß er mit Rebekka angenommen werde. Dann wird er sehen, aus welchem Geist diese Feder geschrieben hat und in welcher Zahl und Stimme sie entsprossen sei.

50.57. Wenn aber einer hier nichts sehen kann, dann mag er sich wohl als blind und noch nicht menschlich schätzen. Die Juden und Türken, sowie Babel mögen ihre Augen erheben und die Darstellungen des Alten Testaments richtig ansehen, dann werden sie es so finden.


Zurück Inhaltsverzeichnis Weiter