Das Mysterium Magnum

(Text von Jacob Böhme 1623, deutsche Überarbeitung 2022)

24. Kapitel - Vom Fluch der Erde und Krankheit

Vom Fluch der Erde und vom Leib der Krankheiten, und wie solches entstanden ist. (1.Mose 3.17-21)

24.1. Daß Gott den Acker wegen der Sünde des Menschen verfluchte, so daß er Dornen und Disteln tragen soll, und daß er den Menschen erst nach begangener Sünde gebot, im Schweiße seines Angesichts das Kraut vom Feld und sein Brot zu essen, zeigt uns genug an, daß solches im Paradies nicht gewesen wäre. Der Acker hätte keine Dornen und Disteln getragen oder andere bösartige Kräuter, die vergiftet sind. Aber im Fluch wurden diese Eigenschaften offenbar, denn wie der Leib nach dem Fall war, so war auch seine Speise, und der Halbschlangenmensch mußte nun solche Speise essen, wie es seine Begierde erforderte.

24.2. Der Fluch ist nichts anderes, als daß sich das heilige Element verbarg (als das heilige Sein, das durch die Erde ausgrünte und Frucht trug, und die vier-elementische Eigenschaft in sich wie gefangenhielt). So verbarg sich der Himmel in der Erde vor der Erde, und die heilige Tinktur vor der aufgewachten Eitelkeit, nämlich der himmlische Teil aus dem himmlischen Wesen vor dem Teil im Fluch, im Wesen der finsteren Welt.

24.3. So wurde dem Menschen das Himmlische ein Mysterium, und so blieb er im Fluch zwischen Zeit und Ewigkeit stehen, am Himmlischen wie halbtot. Jedoch im Ziel des Bundes aufs Neue mit der Verheißung umfangen und am Irdischen mit dem Band der Sterne und vier Elemente hart angebunden, mit der Schlangen- und Teufelssucht infiziert, und damit an drei starken Ketten festgebunden, davon er nicht entledigt werden kann, bis zum ganzen Zerbrechen seines irdischen Leibes. Denn der Fluch der Erde und der Schlange drang auch in den irdischen Menschen, als in den Stoff der Erde.

24.4. So sprach Gott: »Du bist Erde und sollst zu Erde werden!« Denn als die Begierde des Stoffs und Auszugs aus der Erde (als der äußere Mensch) wieder in die Erde ging und nach irdischer Frucht imaginierte, da infizierte der Teufel diese Begierde durch die Eigenschaft der Schlange. Und in jeder Begierde ist ein Schöpfen, das da verdichtet und die Begierde wesentlich macht. So wurde zur gleichen Stunde der irdische Hunger wieder ganz irdisch, und so sprach nun Gott: »Du mußt wieder zur Erde werden, davon du genommen bist!« Denn das Himmlische verblich im Irdischen, gleichwie das Gold im Blei verblichen ist. (Weil das Blei ähnlich weich und schwer wie Gold ist, vermutete man in der mittelalterlichen Alchemie, daß im Blei das Gold verborgen ist und daraus wieder gewinnbar wäre. Heute ist diese Umwandlung von Blei zu Gold durch nukleare Transmutation möglich, aber überaus aufwendig.)

24.5. So wird nun ein irdischer Leib in die Erde eingesät, und die Erde nimmt ihn als Eigentum an. Aber das Sein aus der Ewigkeit (welches nicht vergehen kann) liegt in diesem irdischen eingesäten Körper. Deshalb vergeht nur das grobe Fleisch, als das Wesen der Zeit. Denn ähnlich wie ein reines Metall in der Erde nicht vergeht, so vergeht auch der reine Teil des menschlichen Leibes nicht. Und wie der Künstler ein schönes Gold aus der Erde hervorbringt, so liegt auch das menschliche Gold in der Erde vergraben, und wartet auf den Künstler zur Erweckung.

24.6. Und wie die Eigenschaften der Metalle in der Erde viel und mancherlei sind, so auch das Wesen menschlicher Eigenschaft. Darum soll alles durch das Feuer bewährt werden, was ein jeder für eine Eigenschaft in dieser Zeit angenommen und seinem Leib (mit der Begierde des Schöpfens) eingeprägt hat. Das soll im Feuer bewährt werden, ob er eine reine beständige Eigenschaft vom göttlichen Wesen in sich eingeprägt hat, oder eine höllische und tierische. Das alles soll im Feuer Gottes bewährt werden. Denn wie das Sein in jedem Körper sein wird, so wird sich auch ein entsprechendes Feuer im selben Wesen entzünden.

24.7. Und wie das (giftige) Quecksilber im Feuer verraucht, so auch alles gottlose Teufels-Schlangenwerk, welches aus der finsteren Welt und Teufelsbegierde eingeprägt wurde.

24.8. Hat nun ein Mensch in dieser Zeit durch ernsten Glauben und göttliche Begierde göttliches (bzw. ganzheitliches) Sein in sich geprägt (das heißt, durch den heiligen Seelenmenschen in den sterblichen Teil vom Stoff der Erde hineingeführt), dann liegt es im sterblichen Teil verschlossen, aber wie ein glimmender Zunder, der zum Feuer arbeitet, oder wie das köstliche Gold im groben Stein verschlossen liegt, oder im Blei, und auf den Künstler wartet, bis er es auflöst. So wird auch die Auflösung des Menschenleibes aus der Erde sein.

24.9. Darin verstehen wir nun den Leib der Krankheit, und auch den Arzt, denn als das himmlische Sein verblich und vom irdischen gefangen wurde, wie das Gold im Blei, da erwachte das äußere Gestirn im Leib. Und wie nun das äußere Gestirn jeweils eines des anderen Sein zerbricht und in ein anderes verwandelt, alles nach der jeweils größeren Gewalt, so wird auch hiermit das menschliche Gemüt regiert (das auch ein magisches Gestirn ist), sowie auch der Leib, und wird damit in fremde Begierde und Lust hineingeführt, davon er sich kränkt und plagt, und jeweils ein eingeführtes Sein durch Speise, Gedanken oder Kümmernis das andere martert oder kränkt.

24.10. Wie vor Augen steht, daß sich der Mensch allermeist im Sternen-Gemüt mit der Begierde martert und um das plagt, das ihm nicht werden kann, weil es in seinem Gestirn nicht offensteht und es sein Gestirn weder fassen noch annehmen kann. Um dieses plagt sich die falsche eingeführte Begierde vom fremden Gestirn und kränkt sich Tag und Nacht darum. Daraus entsteht der große Geiz, daß der Mensch ein solches begehrt und in sein Gestirn hineinführt, das ihm ein schädliches Gift und Plagen wird. Und es kann doch mit fremder Materie kein wahrhaft Beständiges in ihm machen, das in der Ewigkeit besteht.

24.11. Alles, was das eigene Gestirn (als des Lebens wahres Gestirn) vom fremden Gestirn in sich einbildet und prägt, das ist falsch und ein Widerwille, davon die Feindschaft (als der große Neid in der Natur) entsteht, weil das menschliche Gemüt über ein fremdes Sein herrschen will. Und obwohl ihm das nicht gelingen kann, so brennt doch dieses fremde eingeführte Sein in ihm in Geistweise als ein giftiges und hungriges Neidfeuer, das anderen nicht gönnt, was es selber besitzen will.

24.12. Und wenn es auch geschieht, daß es dies durch Schlangenlist an sich ziehen oder besitzen kann, dann hat es doch in seinem wahren Lebens-Gestirn keinen gründlichen Sitz, denn es ist dessen nicht fähig. Die falsche Begierde aber setzt es über sich wie einen König und glänzt damit, wie ein eigener Gott, der sich fremde Macht genommen hat und auf fremder Gewalt sitzt. Daraus entsteht der überhebliche Stolz des Reichtums und eigenerlangter Ehren und Gewalt. Und das entsteht alles in seinem Grund und Ursprung vom Teufel (durch der Schlange Sein), der ebenfalls aus seinem eigenen Wesen mit dem freien Willen in fremde Begierde einging, dadurch er sich die höllische Marter und Krankheit hereingeführt und erweckt hat, so daß sein Lebens-Gestirn auseinanderfiel, aus der Gleichheit ausging und in eine zauberische Eigenschaft eingegangen war. Und so geht es auch dem gefallenen Menschen.

24.13. Nun hat aber der Mensch seine Kur, und der Teufel nicht. Denn als die göttliche Vorsehung erkannte, daß er nicht bestehen würde, hat er ihm allerlei Arznei aus der Erde wachsen lassen, um der fremden eingeführten Eigenschaft zu widerstehen, sowohl vom Gestirn als auch den Elementen. Und dem Gemüt hat Gott sein heiliges Wort zur Kur gegeben, damit sich das Gemüt in das Wort hineinversenken und durch des Wortes Kraft das eingeführte fremde Übel stets abwerfen soll.

24.14. Doch wenn das nicht geschieht, sondern im fremden eingeführten Wesen bleibt (das der Teufel beständig durch das Bild der Schlange einführt), dann wird das fremde Sein zur Substanz und umfängt das verschlossene Sein vom Wesen der himmlischen Welt, und so bleibt dann dieses Sein von göttlicher Eigenschaft im Tod verblichen und kann die Stätte Gottes nicht erreichen. Und hieraus folgt der ewige Tod, wie bei Luzifer zu sehen ist, in welchem auch sein göttliches Sein im Nichts verschlossen ist, wie in der größten Verborgenheit, so daß er mit seinem magischen Gestirn in der kreatürlichen Eigenschaft die Stätte Gottes nicht erreichen kann.

24.15. Darum ist es dem Menschen Not, daß er sich in das verheißene einverleibte Wort Gottes ganz versenke und stets das fremde eingeführte Wesen, daß ihm der Teufel in sein Gemüt einführt (dadurch er fremde Dinge begehrt) ganz abwerfe und nur das annehme, was er mit guter Wahrheit und rechtem Wohlwollen erlangen kann, das ihm in seinem Beruf aus Leibesnotdurft zufällt, denn dies führt ihm sein rechtes Lebens-Gestirn zu. Und so ist er dessen fähig, und es macht ihm auch keine Marter noch Pein, wenn er nicht der Schlange Geiz, Stolz, Neid und Zorn dahineinläßt.

24.16. Denn das ist die größte Narrheit, daß sich der Mensch um fremde Dinge reißt und diese in seine Begierde hineinführt, was ihn nur kränkt und endlich gar von Gott verstößt, weil es ihm sein himmlisches Sein in Leib und Seele verschließt. Was ist es ihm nütze, daß er außerhalb von sich sieht (und sucht) und sich in einem Spiegelglanz erhebt, aber dessen gar nicht fähig ist? Das aber, dessen er fähig ist, macht er sich zu zeitlicher und ewiger Marter und Unruhe.

24.17. Hat doch Gott den Menschen nackt geschaffen und in dieser Welt nichts gegeben, davon er sagen soll oder kann: „Das ist mein!“ Es ist wohl alles sein, aber es ist allgemein, denn Gott schuf nur einen Menschen, und diesem Einigen gab er alles, was in der Welt war. So sind nun alle Menschen aus demselben einigen Menschen, denn er ist der Stamm, und die anderen sind alle seine Zweige und nehmen alle Kraft von ihrem Stamm und bringen Frucht aus einer einigen Wurzel. Und jeder Zweig genießt des Baumes Sein, und so genießen sie auch alle zusammen die vier Elemente und das Gestirn.

24.18. Was für eine Torheit ist es dann, wenn der Zweig ein eigener Baum sein will und sich wie ein fremdes Gewächs aufzieht, als stünde sein Nebenast nicht auch in seinem Stamm? Es ist das eingeführtes Sein der Schlange, das die Zweige am Lebensbaum des Menschen vom einigen Leben des Menschen wegführt, einen jeden Zweig in einen besonderen Hunger, um ein eigener Baum in eigener Gewalt und Regiment sein zu wollen. So begehrt er die Vielfalt dieser Welt zum Eigentum, damit er sich im Sein der Schlange großziehen kann und ein großer, dicker, starker, fetter und vielästiger Baum sei.

24.19. Ja, Fritz, rieche! Wonach riechst du? Nach der Schlange Geilheit, Brunst und Gift, und nach dem zeitlichen und ewigen Tod. Das bist du im eigenen Baum, und nichts mehr. Und wenn du auch ein König wärst, so gehört doch alles unter dir nur deinem Amt und ist nicht dein Eigen.

24.20. Willst du wieder in den Lebensbaum eingehen und ein Ast am einigen Leben des Menschen sein, dann mußt du in deinem Gemüt und deiner Begierde alles verlassen, was in dieser Welt ist, und wie ein kleines Kind werden, und nur auf das sehen, was dir dein eigenes Lebens-Gestirn (in deinem Amt) zuwirft. Darin sollst du wirken, und nicht sagen: „Es ist nur mein!“ Wenn du auch der Amtmann darin bist, so dienst du doch nur der Wurzel, auf der du stehst. Du trägst in deiner Arbeit die Frucht der Wurzel, die du frei bestehen lassen und dein Amt damit pflegen sollst, um deinem Bruder zu dienen und seinen Saft mehren zu helfen, so daß er neben dir auch wachse und Frucht trage.

24.21. Denn in aller Ichheit und Eigenheit ist ein falsches Gewächs. Ein Bruder sollte des anderen Arzt und Erquickung sein, und ihm sein Gemüt (mit Einführung seines Liebewillens) stillen. In dieser Welt gäbe es von allem genug, wenn es der Geiz nicht in seine Eigenheit zöge, sondern seinem Bruder so viel gönnte wie sich selber und seinen überheblichen Stolz fahrenließe, der doch vom Teufel ist.

24.22. Er rennt doch mit seinem überheblichen Stolz und seiner Bauchsorge nur zum Teufel in den Abgrund. Er will edel sein und besser als sein Bruder. Woher will er das nehmen? Hat doch Gott dem Menschen nur ein einiges Leben gegeben, und aus dem Einen kommt das Leben aller Menschen.

24.23. Daß er sich aber ein Edleres darin einbildet und damit glänzt, das ist ein Abfall von Gott und seinem Wort. Denn im Wort Gottes war das einige (ganzheitliche) Leben des Menschen, welches das Wort in das geschaffene Bild einblies. Und dieses einige Leben ist aus der Ewigkeit und hatte niemals einen Anfang. Warum führt sich dann der Mensch ein fremdes Leben dahinein, welches das einige Leben beunruhigt (und verwirrt)? So muß es doch nun dabei bleiben, daß er entweder mit seinem Willen und seiner Begierde wieder in das einige kindliche Leben eingeht und das Hereingeführte alles verläßt, oder im eingeführten Wesen ewig in Unruhe (und Verwirrung) bleibt.

24.24. Wenn ich nun alles verlassen soll, was ich mir zum Eigentum eingebildet habe, weil es nur mein Schaden ist, warum verlasse ich dann diese falsche Begierde nicht, die mir den Tod und die höllische Marter hereinführt? Besser, die Begierde zerbrochen, als danach die Substanz mit großen Schmerzen, weil es dann schmerzlich zugeht, wenn der Mensch die Substanz in sich zerbrechen soll (durch eine ernste Umkehrung in das Kinderleben).

24.25. Wenn aber der freie Wille gleich im Anfang die Begierde und Lust zerbricht, so daß die Lust nicht wesentlich wird, dann ist der Arzt schon geboren, und danach muß kein solcher Ernst vorgenommen werden, als derjenige tun muß, der aus seinem gemachten Greuel ausgehen soll und das Wesen, das er gemacht hat, im Gemüt verlassen und zerbrechen. Und doch muß er zu diesem Ende (bzw. Ziel) kommen, oder kann die Pforte des einigen (ganzheitlichen) Lebens, das Gott dem Menschen gab, nicht erreichen. Und wenn er diese nicht erreicht, dann erreicht er auch nicht die Pforte Gottes.

24.26. Denn das einige Leben muß ins Nichts jenseits aller Kreatur und Wesen hineingeführt werden. Denn aus dem Nichts, als aus der göttlichen Vernunft, hat es seinen ewigen Ursprung, und im Etwas ist es in der Qual, wenn nicht auch sein Etwas mit der Begierde in das Nichts gerichtet ist. Dann wäre dem Leben das Etwas eine Freude, so daß das Leben des Nichts in sich selbst im Etwas wohnen und wirken kann.

24.27. Denn Gott ist gegenüber der Kreatur wie ein Nichts. Doch wenn die Kreatur ihre Begierde in Ihn hineinführt, dann wird die Kreatur des Nichts ein Etwas, und so wallt und wirkt das Nichts im Etwas der Kreatur und die Kreatur im Nichts. Und in diesem Wirken kann keine Verwirrung entstehen, denn es ist sein eigenes Liebespiel, das sich selbst liebt, und es steht mit seinem Leben am Ende (bzw. Ziel) der Natur.

24.28. So verstehen wir, was uns Adam vererbt hat, nämlich den Fluch und die eitle Begierde, und betrachten den äußeren Menschen in seinem Leben wie ein Monstrum (bzw. Tierwesen) eines wahren menschlichen Lebens. Es sei denn, daß das edle Gemüt im Geist Christi wiedergeboren werde, sonst ist das äußere Zentrum im Gemüt eine Schlange.

24.29. Und in dieser Schlange sitzt das grobe Tier vom Gestirn und den vier Elementen, welches das Haus des Gemüts besitzt und entsprechend seiner tierischen Eigenschaft begehrt, der eine dieses, der andere jenes. Und so gibt es mancherlei Bildungen im Gemüt der Menschen: Einer schafft in seinem Gemüt ein festes Wesen, der andere ein zerbrechliches, denn was er heute macht, das zerbricht er morgen wieder, und hat ein unbeständiges Tier im Gemüt, fällt bald auf dies, bald auf das.

24.30. Der aber ein festes Tier aufzieht, der hält es in sich für seinen Schatz und glänzt damit, als wäre es das Jungfrauenkind, und sammelt sich irdische Schätze zu seiner tierischen Wollust an, und ist doch vor Gott nur ein Narr mitsamt seinem Tier, denn er muß es doch der Erde lassen und dem Gericht Gottes.

24.31. Der aber, in dem das Jungfrauenkind geboren ist, tritt das Tier im Gemüt mit Füßen nieder. Er muß es zwar äußerlich an sich schleppen, wie ein Lastesel, der den irdischen Sack tragen muß, aber er hat Feindschaft mit ihm, wie Gott zu Adam sagte: »Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Schlange, und zwischen des Weibes Samen und der Schlange Samen, denn der soll der Schlange den Kopf zertreten.« Nämlich dem Schlangentier, denn der rechte wahre Mensch zertritt diesem Tier-Monstrum im irdischen Gemüt den Kopf seiner Begierde und Macht.

24.32. So muß ein göttlicher Mensch (zumindest auf dem Weg dahin) in sich selbst Feindschaft haben und das Monstrum, als das Kind der Schlange, mit Füßen treten und immerfort töten. Denn wenn dieser tierische Schlangen-Samen nicht in uns eingeprägt und ganz einverleibt wäre, dann hätte Gott nicht sagen müssen: »Ich will Feindschaft setzen zwischen des Weibes und der Schlange Samen.« Aber diese Feindschaft ist innerlich im Menschen, und nicht außerhalb des Menschen mit der kriechenden Schlange. Denn dieser Schlangen-Samen im Menschen ist des Teufels Reitpferd und Burg, um im Menschen zu wohnen.

24.33. Und darum, weil der Teufel ein Fürst dieser Welt gewesen war und im Zorn noch ist, will er das Bildnis Gottes, das Gott an seiner Stelle erschuf, besitzen und unter seiner Gewalt regieren und in sein Reich hineinführen. Das ist sein Wille, und das hat der Fluch des göttlichen Zorns in sich mitgebracht, der nun mächtig ins Verderben wirkt.

24.34. Doch dagegen wirkt der Schlangentreter in das ewige Leben. Und das menschliche Gemüt steht im freien Willen in ihrer Mitte, und welchem sich der freie Wille einverleibt, darin wirkt das Gemüt. Es zieht ein Tier und auch einen Engel groß, oder ein Tier und einen Teufel, nämlich nach der äußeren Welt ein Tier und nach der inneren geistigen Welt einen Engel oder einen Teufel.

24.35. Hier wird im Samen ein Korn gesät, das in drei Prinzipien steht und zu allen dreien fähig ist, um eine Kreatur darin zu gebären, denn darin liegt die göttliche Möglichkeit aus Gottes geoffenbartem Wort in Liebe und Zorn, nämlich das Schöpfungswort. Wie sich der freie Wille faßt, so gebärt er ein Sein, und in diesem Wesen entsteht der Geist, der sich aus dem Wesen eine Kreatur formt, und der Geist (erkennt und) bezeichnet sich in seinem Körper, was er ist, und darin besteht seine Bildung.


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