Das Mysterium Magnum

(Text von Jacob Böhme 1623, deutsche Überarbeitung 2022)

22. Kapitel - Vom Ursprung der wirklichen Sünde

Vom Ursprung der wirklichen Sünde und von der Erweckung des göttlichen Zorns in menschlicher Eigenschaft. (1.Mose 3.6)

22.1. Die Schrift sagt, Gott habe alle Dinge durch sein Wort gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (Joh. 1.3) Aus seinem ausgesprochenen Wort (das im Schöpfungswort wesentlich wurde) sind alle Dinge in Formungen gegangen. Erstlich in ein Sein (Ens) oder die Begierde einer Eigenschaft, und aus dieser Eigenschaft in eine Verdichtung von Sulphur, Mercurius und Salz, als in eine geformte Natur, und aus diesem Wesen (Ente) in der geformten Natur wird das Wort ein kreatürliches Leben und führt sich aus der Verdichtung von Sulphur, Mercurius und Salz aus dem Körper heraus, das heißt, es offenbart sich im lautbaren Wesen, zu welchem Ziel Gott die Natur und Kreatur geschaffen hat.

22.2. So hat eine jede Kreatur ein Zentrum zu ihrem Aussprechen oder Hall des geformten Wortes in sich, sowohl die ewigen als auch die zeitlichen Kreaturen, die unvernünftigen, sowie auch der Mensch. Denn das erste Sein ist aus Gottes Hall durch die Weisheit aus dem Zentrum zum Feuer und Licht ausgesprochen und in das Schöpfen gefaßt worden und in eine Verdichtung eingegangen.

22.3. Dieses Sein ist aus dem Ewigen, aber die Verdichtung der vier Elemente ist aus der Zeit. Also liegt in jedem Ding ein Ewiges in der Zeit verborgen, sei es in den belebten oder unbelebten, in den Elementen und Kreaturen, in den wachsenden und stillstehenden. In jedem ist das erste Sein als ein ewiges Wesen, daraus die Form der Verdichtung aus dem ewigsprechenden Wort durch die Weisheit aus der geistigen Welt in eine Zeit gesprochen wurde, nämlich in ein geformtes Wesen, entsprechend dem geistigen Wesen, dessen Sein von keinem Element oder etwas anderem zerbrochen werden kann.

22.4. Wenn auch die elementische Verdichtung, als der Körper (den das Sein an sich gezogen hat, das heißt, als einen äußerlicheren Grad aus sich ausgehaucht), vergeht und zu nichts wird (denn er hat einen zeitlichen Anfang), so kann doch das erste Sein nicht vergehen. Wie man auch sieht, daß alle Dinge wieder in ihre Mutter eingehen, daraus sie entstanden und ausgegangen sind, als in die vier Elemente.

22.5. In solcher Betrachtung finden wir den wahren Grund und Ursprung der Sünde. Weil dem Menschenbild (in seinem Dasein) das lebendige, kräftige, verständige und redende Wort aus allen drei Prinzipien zur Vernunft eingeblasen wurde, mit welcher er die Eigenschaften der Verdichtung von Sulphur, Mercurius und Salz regieren sollte und konnte, so hat er doch diese Vernunft als das sprechende kräftige Wort (mit dem Verstand) wieder in die Verdichtung der Zeit (als in den irdischen Stoff) hineingeführt, wo dann das Schöpfen der Zeit im Körper aufwachte und die Vernunft, als den eingeblasenen Hall, in sich gefangengenommen und sich zum Herrn über die Vernunft gesetzt hat.

22.6. So sehen wir nun mit großem Jammer, wie es uns geht: Wenn wir auch so reden wollen (und sich gleichsam das vernünftige Wort im inneren Wesen faßt und die Wahrheit offenbaren will), dann fängt es sogleich die aufgewachte Eitelkeit im irdischen Stoff des Körpers und qualifiziert es in seine Eigenschaft, so daß das Wort der menschlichen Vernunft Lügen, Bosheit, Falschheit und spitzfindige Leichtfertigkeit aus sich aushallt, in welchem Hall sich des Teufels Begierde einmischt und ihn zu einer Substanz der Sünde macht, die das Reich des göttlichen Zorns empfängt.

22.7. Denn in welcher Eigenschaft sich ein jedes Wort im menschlichen Hall im Aussprechen formt und offenbart, entweder in Gottes Liebe, als im heiligen Wesen, oder in Gottes Zornwesen, davon wird es wieder eingenommen, wenn es ausgesprochen wird. Das falsche Wort aus falschem Sein wird vom Teufel infiziert und zum Verderben versiegelt, auch in das Mysterium des Zorns, als in die Eigenschaft der finsteren Welt eingenommen. Denn ein jedes Ding geht mit seinem Wesen auch wieder dahinein, woraus es entsteht.

22.8. Weil aber das redende Wort eine göttliche Offenbarung ist, mit der sich das ewige Wort Gottes offenbart hat und dieses redende Wort in den Menschen einblies, so ist uns nun zu entsinnen, was der Mensch mit diesem redenden Wort offenbart. Das versteht so: Faßt die menschliche Lust und Begierde (die das Schöpfen des menschlichen Wortes ist) die Form des Wortes im heiligen Wesen, als im himmlischen Teil der Menschheit, dann hallt das Wort aus heiliger Kraft, und der Mund redet die Wahrheit.

22.9. Aber wenn es aus der Eitelkeit kommt, aus der List der Schlange, welche Eva in sich einprägte und ihre Klugheit damit erweckte, dann hallt das Wort aus dem Wesen der finsteren Welt, als aus dem Zentrum zum Feuerwort, und dahinein geht es auch in seinem Wesen, wenn es aus der Form ausgeht, als aus dem Mund. Und wo es nun hingeht, da wirkt es Frucht.

22.10. Geht es in einen anderen Menschen, in dem der Hunger der List und Eitelkeit in der Begierde offensteht, in sein Gehäuse des Tons oder Gehörs, dann wird es sogleich wie in einen fruchtbaren Acker hereingenommen und bewirkt und trägt solche bösartige Frucht, daraus auch solche scharfen Worte und stachlige Dornen des Teufels in teuflischer Essenz ausgebrütet werden.

22.11. Geht es aber leer aus, nur in falscher Imagination, dann steigt es in den Willen des Gemüts und faßt sich im Gemüt in eine Substanz zu einem Sitz der Begierde des Teufels, zu seiner Räuberburg, die er im Menschen hat.

22.12. Geschieht es aber, daß das falsche Wort gegen einen heiligen Menschen in Schmach und Lästerung ausgeht, und es der Heilige nicht in sich hereinlassen und sich nicht im bösartigen Teil der Eigenschaft mit einem dergleichen bösartigen Wort erwecken will, dann nimmt es Gottes Grimm außerhalb des Menschen an und wird damit mächtig entzündet, und nicht allein das innere Sein von Gottes Zorn nach der geistigen finsteren Welt Eigenschaft, sondern es wird auch das äußere Sein des Grimms in der großen Verwirrung (Turba magna) damit angezündet und schwebt dem gottlosen Menschen auf seinem Kopf und rings um ihn her, so daß er davon erfaßt wird, als säße er im höllischen Feuer.

22.13. Davon sprach Christus: »Wenn uns der Gottlose flucht, dann sollten wir ihn segnen. (Matth. 5.44)« Das heißt, das Wort der Liebe gegen sein feuriges Wort entgegenhallen, und sein Wort der Bosheit nicht in uns hereinlassen, daß es wurzeln kann. Dann fährt es zurück und säht sich im gottlosen Lästerer selber. Wie auch Paulus sagt: »Wir sammeln ihm feurige Kohlen auf sein Haupt. (Röm. 12.20)«

22.14. Denn ein jedes menschliche Wort kommt aus einem Ewigen, entweder aus dem Wesen von Gottes Liebe oder aus dem Wesen von Gottes Zorn. Und wenn es nun aus dem Wesen herausgeführt wird, als aus seiner eigenen Stätte oder Mutter, so will es wieder eine Wohnstätte haben, darin es wirken kann.

22.15. Kann es nun außerhalb des gottlosen Menschen (der es erweckt und aus seinem Wesen gebiert und in einen Hall oder hallische Substanz einführt) keine Gleichheit fangen, um darin zu wohnen und zu wirken, dann empfängt oder umfängt es seinen Aushaller, der es in eine Substanz gebracht hat, und geht mit seiner Wurzel wieder in seine Mutter, daraus es entstanden ist, nämlich mit dem entzündeten Geist. Und mit der Substanz (als im gefaßten Wesen) umfängt es den Körper des Aushallers, als die äußere Essenz des äußeren Sulphurs.

22.16. Denn ein jedes Wort, wenn es ausgesprochen ist, ist äußerlich gemacht worden. Denn im Aussprechen nimmt es der äußere Geist, als das äußere Teil der Seele mit zu seinem Wesen. So geht es auch danach, wenn es sich im Grimm entzündet hat und vom Teufel im Aussprechen der Schlange List infiziert worden ist, wieder in das tierische Bild in Leib und Seele ein. Dort wirkt es nach seiner entzündeten, vom Teufel infizierten Eigenschaft und bringt immer mehr solche bösen Früchte und Worte, wie dann vor Augen steht, daß aus manchem gottlosen Mund nichts als Eitelkeit ausgeht.

22.17. Hinwieder ist uns auch ein Großes wegen der Schlange List zu bedenken: Wenn der Teufel das Wort infiziert hat (das im Herzen geboren, in seinem Wesen gefaßt, vom Willen eingenommen und zur Substanz gemacht wurde), dann hält es diese Schlangenlist in der Räuberburg des Teufels wie ein fein geschmücktes Kätzlein, wie auch die Schlange am Baum liegend mit Eva freundlich sprach, bis sie diese in der Begierde fangen konnte. So wirkt auch das falsche, listige und gefaßte Schlangenwort, das aus dem falschen Herzen kommt, wie ein liebliches wohlredendes Tierlein, und nennt sich heilig, bis es eine offene menschliche Begierde erblickt, die es gern zu seinen Ohren hereinnimmt. Dann entblößt es sich und fährt in diese Begierde hinein, und macht sich eine Stätte zu seinem Wirken und Wiedergebären.

22.18. Davon kommen nun die falschen heimlichen (bzw. scheinheiligen) Verleumder, Übeldeuter, Wortverdreher und Lügner, die vorn schön und hinten eine Schlange sind, die Ehrenabschneider und Meuchelmörder. Und in dieser falschen, glatten, wohlgeschmückten Schlangeneigenschaft ist des Teufels Rathaus und seine Schule, wo er Evas Kindern seine Kunst lehrt, nämlich Gaukelei, Narrheit, Stolz, Geiz, Neid, Zorn und alle Untugenden aus dem Abgrund der finsteren Welt Eigenschaft.

22.19. So regiert der Teufel den Menschen (durch die listige Essenz der Schlange) in Leib und Seele, und wirkt Greuel mit Greuel, Böses mit Bösem und Sünde mit Sünden. Und das war der erste Ursprung der wirklichen Sünde, daß Eva und Adam der Schlange listige Essenz (welche der Teufel infiziert hatte) in sich und ihre Begierde hineinführten, und sich alsobald an dieser tierischen Schlange tierisch machten, davon die Essenz der finsteren Welt in ihnen aufwachte. Und sobald das geschah, schöpfte der Wille in dieser tierischen Eigenschaft und faßte sich in ein substantielles Wort.

22.20. So wurde das Wort im Menschen auch in der Eigenschaft von Gottes Zorn im Wesen der finsteren Welt offenbar, und so redet nun der Mensch Lüge und Wahrheit. Denn es sind zweierlei Wesen in ihm, eines aus der finsteren Welt mit der Schlange und des Teufels Begierde erweckt, und eines aus dem himmlischen Stoff. Und welches nun im Menschen lebendig ist, darin faßt der freie Wille das Wort, das heißt, daraus gebiert er aus dem göttlichen ausgesprochenen und geformten Wort eine Frucht, die wieder von der Gleichheit eingenommen wird, entweder im Himmel oder in der Hölle, das heißt, im Licht oder in der Finsternis.

22.21. Denn die zwei Welten sind ineinander wie eine. Der Gottlose formt und macht Gott in seinem Grimm ein gutes Wort zum Tod, als zum Stachel des Todes und der Hölle, und der Heilige formt und macht Gott aus seinem guten Wesen ein gutes Wort zum heiligen Leben und Wirken, wie die Schrift klar sagt: »Der Heilige ist Gott ein guter Geruch zum Leben, und der Gottlose ein guter Geruch zum Tod, als zur finsteren Welt. (2.Kor. 2.15)«

22.22. So ist nun ein jeder Mensch ein Schöpfer seiner Worte, Kräfte und Wesenheit. Und was er aus seinem freien Willen macht und schöpft, das wird als ein Werk des offenbarten Wortes in der jeweiligen Eigenschaft in die Gleichheit eingenommen.

22.23. Denn Gottes Wort ist auch in der finsteren Welt offenbar, aber nach ihrer Eigenschaft, wie die Schrift sagt: »Wie ein Volk ist, einen solchen Gott hat es auch.« Gottes Wort ist in allen Dingen offenbar, in jedem Ding nach seinem Wesen, daraus der freie Wille ausgeht. So ist der freie Wille der Schöpfer und Macher, mit welchem die Kreatur im geoffenbarten Wort macht (und wirkt).

22.24. Es gibt kein Kraut oder anderes Geschöpf, was man nur nennen könnte, darin nicht ein Sein aus dem geoffenbarten Wort liegt, sowohl nach Gottes Liebe als auch Gottes Zorn, nach der Finster- oder Lichtwelt, denn diese sichtbare Welt ist aus diesem Wort ausgehaucht worden. Und nun hat ein jedes Sein des ausgehauchten Wortes aus seinem Wesen wieder einen freien Willen, aus sich ein Gleichnis seiner selbst auszuhauchen.

22.25. Aber das größte Übel ist nun, daß das Sein in seinem Zentrum aus der Gleichheit der Eigenschaft in eine Erhebung gegangen ist, nämlich aus einem einigen Wesen in viele Wesen und viele Eigenschaften, daran der Teufel als ein Hierarch des Reichs dieser Welt, sowie der Fluch Gottes über die Erde schuld sind, welchen Fluch der Mensch erweckte.

22.26. Denn jetzt trägt sich nun ein bösartiges Sein aus der erweckten Eigenschaft in ein gutes Gefäß hinein und verdirbt das Gefäß, daraus der freie Wille aus guter Eigenschaft schöpfen soll. So mischt sich das Böse in das Gute und geht miteinander wieder im geformten Wort in eine Substanz ein. Wie nun oft ein bösartiger Mensch in einem guten Menschen ein bösartiges Wort oder Werk erweckt, das er nie zuvor im Willen gefaßt hatte.

22.27. Denn der Zorn ist im menschlichen Wesen rege geworden und hängt dem guten Wesen an. Und der Wille der Feuerseele ist frei, und schöpft sowohl im Zorn- als auch im Liebewesen. Auch ist in manchem das Sein der Liebe ganz ohnmächtig und gleich wie tot oder erloschen, und so wirkt er nur aus der Schlange Listigkeit die Frucht in Gottes Zorn. Und wenn sein Mund auch voller Schlangenlist im Schein des heiligen Wortes heuchelt und sich wie einen Engel darstellt, so sind es doch nur der listigen Schlange Sein und Form im Licht der irdischen Natur, und so betrügt sich der Mensch selber.

22.28. Darum sagt Christus: »Es sei denn, daß ihr umkehrt und werdet wie die Kinder, sonst könnt ihr das Reich Gottes nicht sehen. (Matth. 18.3)« Der freie Wille muß ganz aus der Schlange Sein ausgehen und wieder in sein himmlisches Sein, das in Adam verblich, im Geist Christi eingehen, und dieses Sein in seinem Hunger der Begierde wieder erwecken, damit er im neugeborenen Wort in der Menschheit Christi (das sich in menschlicher Eigenschaft in der Person Christi in der großen Liebeeigenschaft erweckte) auch wieder erweckt und in ein lebendiges Sein geboren werde. So daß dann der freie Wille ein neues unverständiges Kind wird (das nicht mehr am gegensätzlichen Verstand gebunden ist) und der Schlange List nicht mehr will noch einläßt, denn anders kann der freie Wille nicht Gottes heiliges Wort in sich formen und offenbaren. Der freie Wille darf nur aus einem guten Wesen schöpfen, wenn er im heiligen Wort wirken und leben will.

22.29. Wenn wir aber von der Schlange List schreiben, von ihrer geschmückten Kunst und falschen Tugend, dann versteht unseren sehr scharfen und eröffneten Sinn aus Gottes Rat so: Der Schlange Sein und Ursprung ist eine Jungfrau des himmlischen Pomp gewesen, eine Königin der Himmel und Fürstin der Wesen Gottes, die im Schöpfen der göttlichen Begierde durch das Feuer im Licht gefaßt wurde, desgleichen auch der Hierarch Luzifer war. Und in der Schlange Sein saß Fürst Luzifer im himmlischen Pomp, denn er hatte das Sein, daraus die Schlange erschaffen wurde, infiziert und der finsteren Welt Eigenschaft darin erweckt (als das Zentrum der ewigen Natur, daraus Gutes und Böses entsteht). Weil sich aber das Gute im Feuer in das Licht schied und das Böse in die Finsternis, so wurde der Schlange Sein, welches gut war, von der Finsternis infiziert, erfüllt und besessen, und von daher kommt ihre List.

22.30. Denn eine solche List begehrte eben der Teufel, die ihn im ewigsprechenden Wort auch in einer solchen Eigenschaft fing und darin in die Ewigkeit setzte. Denn in Gott ist auch das Wunder, wie aus einem Guten ein Böses werden kann, damit das Gute erkannt und offenbar werde und sich die Kreatur vor Gott fürchten lerne und dem Geist Gottes stillhalte, damit er allein im ewigsprechenden Wort erwecke und durch die Kreatur mache und tue, was er wolle.

22.31. Und dazu wurde Luzifer im Grimm verschlungen, weil sein freier Wille aus der Gelassenheit von Gottes Geist in das Zentrum zum Eigenmacher und Eigenschöpfer abwich und daß damit die Engel einen Spiegel an diesem abgefallenen Fürsten und großmächtigen Hierarchen hatten. Denn das Reich Gottes, das „Gottes Reich“ genannt wird, steht in der höchsten Demut und Liebe, und niemals in grimmiger Feuersmacht, sondern in der Lichtfeuersmacht, als in der (reinen) Kraft.

22.32. Des Teufels Reich aber, danach er sich sehnte, stand in der grimmigen Feuersmacht. Doch diese wurde ihm in seinem Reich im Wesen genommen, und er wurde in den ewigen Hunger der Finsternis ausgestoßen.

22.33. Daß er aber das Sein der Schlange infiziert und besessen hatte, sieht man an ihrem Körper, der nun ein dürrer und hungriger Balg ist und sich im Schwanz mit Gift füllt, in welcher Eigenschaft die große List entsteht. Und darum trägt die Schlange das Gift im Schwanz, das ihr im Anfang in das jungfräuliche Sein hineingeführt wurde.

22.34. Denn die Schlange wird nach dem Recht der Ewigkeit darum eine „Jungfrau“ genannt, weil sie beide Tinkturen hat (zumindest sind äußerlich keine Geschlechtsmerkmale zu sehen), aber jetzt im Fluch Gottes steht. Zumindest wußte es der Künstler, was ihr Perlein ist, und er sollte sich dessen erfreuen. Doch wegen der falschen Begierde der Welt, die nur die falsche Magie sucht, ist es verborgen geblieben, und auch darum, damit der Gottlose seine Strafe trage.

22.35. Denn das Perlein der ganzen Welt wird mit Füßen getreten, und es gibt nichts Allgemeineres als dieses, und es ist doch verborgen, damit das Heilige nicht in ein gottloses Sein hineingeführt werde, dessen es nicht wert ist, und Gottes Kraft und Wort dadurch in der jungfräulichen Essenz in eine schlangenartige hineingeführt werde, wie bei der Schlange zu verstehen ist, zumindest den Unseren hier genug verständlich.

22.36. So verstehen wir gründlich den Ursprung der Sündengeburt, wie die Sünde im menschlichen Wort geboren und eröffnet wurde, und wie Gott in seinem ausgesprochenen Wort im menschlichen Wiederaussprechen erzürnt wird. Denn der Mensch trägt das Wort, das Himmel und Erde geschaffen hat, in seinem Wesen, weil dieses Wort zur Substanz geworden ist.

22.37. So hat nun Gott dem Menschen auch die lebendige Seele, als den Ursprung aus allen drei Prinzipien, als einen Geist des geformten Wortes in sein Sein eingeblasen, nämlich in das geformte verdichtete Wort. Dieser Ursprung hat nun wieder Macht im Wesen, als im geformten verdichteten Wort, zu schöpfen und wieder einen formhaften Hall zu gebären.

22.38. Weil aber in Adam und Eva die List der Schlange ist, nämlich des Teufels eingeführte Begierde in ihrem Wesen, die in ihrem verdichteten und geformten Wort offenbar wurde, so schöpft nun der freie Wille aus dieser Schlangenessenz nur Natterngift und Tod und formt sein Wort darin. Es sei denn, daß das heilige Sein mit dem Samen des Weibes wieder in der neugeborenen Liebe Gottes in Christus aufgeweckt ist, denn dann kann der freie Wille in diesem heiligen Sein schöpfen und dem Schlangen- und Teufelssein im Zorn Gottes den Kopf zertreten, das heißt, den bösen Willen, der sich immer aus dem Schlangenwesen mit in die Formung der Worte faßt, verwerfen, auspfuien und im Willen der Gedanken mit dem weiblichen Wesen Christi zertreten und für des Teufels Dreck und Erde halten. Welches in den Kindern Gottes ein stetiges Streiten zwischen der Schlange Sein im Fleisch und dem wiedergeborenen Sein des himmlischen Teils ist.

22.39. So erkennt dieses: Jeder Gedanke, der sich im Willen formt, so daß der Mensch in eine Lüge oder andere Falschheit einwilligt, oder wenn sich sein Wille in etwas Ungerechtes schöpft und das Geschöpf in die Begierde hineinführt, so daß es der Mensch gern tun wollte, oder im falschen, bösen, geformten Wort aussprechen, wenn er nur könnte, aber es aus Furcht oder Schande bleibenlassen muß, das ist alles Sünde, denn der Wille hat sich im Sein der Schlange geformt.

22.40. Aber dies ist keine Sünde, wenn sich ein guter Wille im guten Sein schöpft, aber die bösartige Begierde mit anhängt und es vergiften will, doch der gute geschöpfte Wille das Böse überwindet und von sich ausstößt, so daß das Böse nicht in die Verdichtung oder Substanz gefaßt werden kann. Wenn auch die bösartige Begierde, die der guten anhängt, Sünde ist, wenn es aber der gute Wille nicht mit in die Substanz einfaßt, sondern als ein Bösartiges aus dem guten Willen verwirft, dann kann die Sündenbegierde nicht in das Wesen eingehen, und so hat hiermit der gute Wille kein Böses gewirkt, weil er nicht in die List der Schlange eingewilligt hat.

22.41. Eine jede Sünde wird aus fremdem Sein geboren, weil der freie Wille aus dem Sein ausgeht, dahinein ihn Gott geschaffen hat. Die Sünde, die im freien Willen in falscher Sucht geschöpft und im Wesen des Willens in das (gedankliche) Wesen gebracht wird, so daß der Mensch gern Unrecht tun wollte, wenn er nur dazu kommen könnte, ist auch groß vor Gott. Wenn sie aber in ein handtätiges oder mündliches Wesen eingeht und Menschen beleidigt, ist sie doppelt groß, denn sie ist in ihrem eigenen Sein geformt, und formt sich auch in dem, dahinein sich das falsche Wort führt, sofern das falsche Wort im Aussprechen eine Wohnstätte findet, wo es wirken kann.

22.42. Und darum soll das heilige Wort das falsche richten, wie auch das heilige Wort am Ende dieser Zeit jede falsche Bildung und alles, was in der Schlange Sein gebildet worden ist, von sich ausstoßen und der finsteren Welt geben wird.

22.43. All diejenigen, welche das Wort in sich in ihrem Teufels- und Schlangensein fassen und es gegen Gottes Kinder führen, in denen das heilige Sein offenbar ist, und in den Kindern Gottes auch ein Ärgernis erwecken, so daß sich auch in ihnen der freie Wille im Sein der Schlange faßt, als im Zorn und Widerwillen, darin sich dann allezeit das heilige Sein mit faßt und der (heilsame) Eifergeist geht, diese falschen Anstifter und Verursacher sündigen alle gegen den Heiligen Geist.

22.44. Denn sie entrüsten ihn, so daß er durch den Zorn der Kinder Gottes gehen muß, davon er sich schärft und manchmal in der Verwirrung der Kinder Gottes mit ausgeht und dem Gottlosen über seinen Hals kommt, wie bei Elia und Moses zu sehen ist, auch beim Elisa, der die Knaben verfluchte, so daß sie von den Bären zerrissen wurden (2.Kön. 2.24), und bei Elia das Feuer die zwei Hauptmänner mit ihren fünfzig Leuten verzehrte (2.Kön. 1.9). Denn so wirkt das Schwert Gottes durch den Mund der heiligen Kinder, und wenn der Heilige Geist enteifert wird, dann erweckt er die große Verwirrung, die das Schwert über ein gottloses Volk führt und es auffrißt.

22.45. Nur versteht es richtig! Der Mensch hat Gottes Wort in sich, das ihn geschaffen hat, das heißt, das Wort hat sich mit dem Schaffen eingefaßt und geformt, sowohl in seiner Heiligkeit als auch im Zorn, und auch aus der äußeren Welt, denn der Stoff der Erde oder die Erde selbst ist durch das Wort gefaßt und verdichtet worden. Sie ist das geformte Wort, das in göttlicher Begierde im Schöpfen seinen Anfang nahm, ein ausgehauchter Dunst vom Geist Gottes aus Liebe und Zorn. Darum ist sie auch gut und böse, aber das Böse war verborgen und im Licht ganz verschlungen, wie die Nacht im Tag.

22.46. Doch die Sündenbegierde in Luzifer und Adam hat den Zorn erweckt, so daß er wesentlich offenbar geworden ist. So ist nun die Porte des geformten Wortes sowohl in der Liebe als auch im Zorn in der Erde und auch im Stoff der Erde offenbar, wie im Menschen, sowie auch im freien Willen des Menschen. Was er nun in seinem freien Willen formt und faßt, das hat er selber gemacht, sei es Gut oder Böse.

22.47. Nun soll aber in Gottes Gericht das Böse vom Guten geschieden werden, und in welchem Teil der menschliche Verstand der Seele gefunden werden wird, dahin muß sie mit eingehen, als in ihr selbstgemachtes Wohnhaus. Und darum sagt Christus: »Ihre Werke folgen ihnen nach und sollen durch das Feuer bewährt werden.« Oder: »Sie sollen am Ende, wenn die Bücher der Essenz aufgetan werden, nach ihren Werken gerichtet werden. (Offb. 20.12)« Denn das Werk von Böse oder Gut umfängt die Seele, es sei denn, sie geht gänzlich davon aus und zerbricht es wieder durch die Versöhnung seines beleidigten Bruders oder ersäuft die Substanz im Blut und Tod Christi. Anders ist kein Rat.

22.48. Darum soll der Mensch bedenken, was er reden will, denn er redet aus dem geformten Sein göttlicher Offenbarung, und soll sich wohl besinnen, bevor er eine Tat im Willen faßt, und ja nicht in Splitterreden (die Haß und Trennung schaffen) einwilligen oder solche bejahen, weder heimlich noch öffentlich.

22.49. Denn jede Splitterrede kommt aus dem Wesen der Schlange, auch alle Flüche, Schwüre und Stachelreden. Und wenn es auch nur Schimpf sein sollte, so hat sich doch das Sein der Schlange mit an das Gute gehängt und mit dem Wort verdichtet und eingeprägt. Darum sagt Christus: »Ihr sollt nicht schwören. Eure Rede sei Ja, Ja, Nein, Nein, und was darüber ist, das ist von Übel. (Matth. 5.37)« Das heißt, aus der Schlange Sein geboren.

22.50. Denn alle Flucher und Schwörer haben ihren freien Willen (als die arme Seele) in die Eitelkeit des Wesens der Schlange hineingeführt und formen damit ihre Schwüre und Flüche samt aller üppigen Rede, die dann im Sein der Schlange geschehen, und säen in Gottes Zorn hinein. Dagegen formen alle Kinder Gottes, denen es auch Ernst ist, ihre Worte im heiligen Wesen, vor allem das Gebet. Denn wenn sich der freie Wille der Seele im heiligen Wesen faßt (das durch Christi Menschheit eröffnet worden ist), dann formt er das wahre wesentliche Wort Gottes in sich selbst, so daß es zur Substanz wird.

22.51. Darum sagt St. Paulus: »Der Geist Gottes vertritt uns mächtig vor Gott, je nachdem wie es ihm gefällt.« Denn der Geist Gottes wird in der Begierde des heiligen Wortes geformt. Er wird gefaßt, und dieses Fassen ist es, davon Christus sagt, er wolle uns sein Fleisch zur Speise geben, und sein Blut zum Trank. (Joh. 6.55)

22.52. Der seelische Wille faßt Christi Sein, und in Christi Wesen ist das Wort Christi, das Mensch wurde. Das faßt der Seele Begierde oder Schöpfen in das in Adam verblichene heilige Sein, und hier steht Adam in Christus auf und wird Christus nach dem himmlischen Wesen und göttlichen Wort. Und aus diesem Wesen Christi kommt die göttliche Erkenntnis aus dem Wort Gottes.

22.53. So sind die Kinder Gottes Tempel des Heiligen Geistes, der in ihnen wohnt, und so reden sie Gottes Wort, und außer diesem ist kein wahres Wissen noch Wollen, sondern nur Fabel und Babel, eine Verwirrung der listigen Schlange.

22.54. Darum hieß Christus die Pharisäer Natterngezücht und Schlangenbrut, auch wenn sie bereits Hohepriester waren, denn er erkannte sie in ihrer Essenz und daß sie ihren Willen im Wesen der Schlange geformt hatten. In ihrem Mund führten sie Moses Worte, aber dahinein mischten sie der Schlange List, wie noch heutzutage von vielen geschieht, wenn der Menschenteufel Gottes Wort auf der Zunge führt, aber damit nur das Sein der Schlange verbirgt und das teuflische Sein mit in das Buchstabenwort hineinführt, daraus Babel, die Mutter aller geistigen Hurerei, geboren wird, nur ein Streiten mit Worten, darin der Teufel und der Schlange Sein gegen das göttliche Sein im geformten göttlichen Wort läuft.

22.55. Aber so muß es gehen, auf daß das geformte und gefaßte Wort in den Kindern Gottes geschärft und geübt wird und die Wahrheit emporsteigt. Ihr lieben Brüder, ein solches haben uns Adam und Eva vererbt, und das ist die Ursache, daß der Leib sterben und ganz verwesen und wieder in sein erstes Sein eingehen muß. Denn das Sein der Schlange muß ganz weg, weil es das Reich Gottes nicht erben kann.

22.56. Das erste Sein, das im Stoff der Erde durch das Schöpfungswort verdichtet wurde, das muß in Christi Geist ganz erneuert werden, wenn es das Reich Gottes besitzen will. Bleibt es aber im Schlangenwesen gefangen, dann wird es ewig nicht mehr offenbar werden, das heißt, das heilige Sein, das in Adam verblich und im Wesen der Schlange gefangen wurde, dadurch der Tod in das Fleisch kam.

22.57. Darum soll ein Mensch beachten, was er denkt, redet und tut, damit er die Gedanken nicht im Wesen der Schlange schöpft, und seinen Willen im Gemüt nicht im Wesen der Schlange faß, denn sonst setzt sich der Teufel dahinein und brütet einen Basilisken aus (ein schlangenähnliches, giftiges, allesverbrennendes und daher todbringendes Fabelwesen der griechischen Antike), als eine höllische Form im Wort.

22.58. Denn aller Grimm, der sich im Menschen zur Rache faßt, der entsteht zuerst in seinem Zentrum aus der Natur und Eigenschaft der finsteren Welt, als in Gottes Zorn, und formt sich ferner im Wesen der Schlange zur Substanz. Es sei ein Eifer wie er wolle, wenn er sich in einen Grimm zur Selbst-Rache hineinführt, dann ist er im Wesen der Schlange geformt und ist teuflisch.

22.59. Und wenn dieser Mensch auch ein Prophet und Apostel wäre, aber sich im Grimm in Selbst-Rache hineinführte, dann wird diese Substanz aus dem Zorn Gottes im Wesen der Schlange geformt und geht im Grimm Gottes. Und darin eifert der Zorn Gottes, der sich manchmal in den heiligen Kindern Gottes so erhebt und formt, daß die Heiligen über ihren vorgesetzten Willen den Gottlosen die Verwirrung über sein Haus, wie auch über Leib und Seele führen müssen. Wie bei Moses an Korach, Datan und Abiram, welche die Erde verschlang (4.Mose 16.28-33), sowie bei Elia im Feuer der zwei Hauptleute über die Fünfzig, welche das Feuer fraß, oder auch bei Elisa und vielen Propheten zu sehen ist. (2.Kön. 1.9-12)

22.60. Und trefflich sind viele Beispiel in den Geschichten davon zu finden, wie oft Gottes Kinder das Schwert der Verwirrung in sich führen mußten, wie ein großes Beispiel an Simson, auch bei Josua mit den Kriegen, sowie auch beim Abraham zu sehen ist, wie der Eifer Gottes sich in ihnen entzündete, so daß sie in ihrem Eifergeist im Zorn Gottes oft die große Verwirrung erweckt und große Strafen und Plagen über ganze Länder gebracht haben, wie es Moses in Ägypten mit den Plagen über die Ägypter tat.

22.61. Aber dieses muß man unterscheiden, ob sich der Eifer Gottes in einem heiligen Menschen ohne seinen geschöpften Willen erweckt und ihm das Schwert von Gottes Zorn gibt, oder ob sie in ihren eigenen Gedanken im Grimm Gottes schöpfen und den geschöpften Willen im Wesen der Schlange hineinführen und zur Substanz machen, was Sünde ist, auch wenn es der Heiligste täte.

22.62. Darum lehrte uns Christus in der neuen Geburt so trefflich die Liebe, Demut und Sanftmut, und wollte, daß sich ein Christ gar nicht rächen sollte, auch nicht erzürnen, denn er sagte: »Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichtes schuldig.« Denn der Zorn ist eine Fassung im Wesen der Schlange, und diese muß durch Gottes Gericht vom guten Wesen abgeschnitten werden. »Und wer da zu seinem Bruder sagt „Racha!*“, der ist des Hohen Rats schuldig. (Matth. 5.22)« Denn die Begierde der Rache entsteht im Zentrum des finsteren feurigen Rades der ewigen Natur. Darum wird in der Feuerseele eine Form des Feuerwortes wie ein Rad geboren, gleich einer Unsinnigkeit, und die seelische Feuerform steht in der Rache wie ein tolles unsinniges Rad, das die Essenz im Leib verwirrt und die Vernunft zerbricht, denn eine jede Rache begehrt Gottes Bildnis zu zerbrechen. So bangt die Seele am Rad der ewigen Natur, und zwar am Zentrum der schrecklichen Angstgeburt, wie vorn vom Zentrum der Geburt der Natur erklärt wurde. (*Das Wort Racha ist in der Bibel relativ unklar und wird heute als eine Abwertung wie Nichtsnutz oder Taugenichts übersetzt. Böhme interpretiert es als Rache.)

22.63. Ferner sagt Christus: »Wer zu seinem Bruder sagt „Du Narr!“, der sei des höllischen Feuers schuldig.« Das geschieht so: Wenn sich der gefaßte Wille im Grimm von Gottes Zorn gefaßt und in das Sein der Schlange hineingeführt hat, dann steht er im unsinnigen Rad wie toll. Und wenn er sich nun faßt und das Wort so formt und in seinen Bruder wirft oder spricht, und in ihm auch einen Widerwillen im Wesen der Schlange entzündet, dann brennt er in seinem Wortaussprechen im Feuer von Gottes Zorn und ist dessen schuldig, denn er hat es in seiner Rache entzündet.

22.64. Darum sagte Christus: Wenn du deine Gabe opfern willst, dann versöhne dich vorher mit deinem beleidigten Nächsten. (Matth. 5.24)« Denn er führt dir sonst seinen Grimm in dein Opfer und hält dich in deiner Begierde zu Gott auf, so daß du das heilige Sein nicht erreichen kannst, welches dir in deinem entzündeten Übel die Verwirrung abwaschen kann.

22.65. Denn das Wort „Narr“ ist in sich selber in der Essenz nichts anderes, als ein entzündetes grimmiges Feuerrad, eine Unsinnigkeit. Und wer seinen Nächsten zu Unrecht so nennt, der hat ein Wort im Feuerrad und Grimm Gottes geboren, und ist dessen schuldig. Denn das geborene Wort entsteht aus dem Wesen der Seele und des Leibes.

22.66. Ein jedes Wort, das sich formt, erweckt zuerst sein eigenes Sein, daraus es entsteht. Dann führt es sich durch den Rat der fünf Sinne gegen seinen Bruder aus. Und wer nun so ein grimmiges fressendes Feuerwort gegen seinen Bruder führt, der sät in Gottes Zorn hinein, und ist dieser eingesäten Frucht schuldig, wenn sie aufgeht und wächst.

22.67. Darum beachte, oh Mensch, was du denkst, redest oder zu tun begehrst. Beschaue dich allezeit, in welchem Eifer du stehst, ob er göttlich oder deine eigene vergiftete Natur ist! Oh Vater, Mutter, Bruder und Schwester, die ihr aus einem Geblüt kommt, aus einem Wesen, und miteinander inqualiert wie ein Baum in seinen Ästen, bedenkt, was ihr euren Mitzweigen und Ästen für einen Schall in das Sein des Lebens hineinführt. Ob es Gottes Liebewort oder Zornwort sei? Wenn ihr das hineingeführte Böse nicht wieder mit Liebe zerbrecht und das Liebe-Sein in den Zorn hineinführt, dann muß die Substanz vor Gottes Gericht und im Feuer Gottes geschieden werden. Und wie der Teufel vom guten Sein geschieden ist, so auch du, gottloser Mensch, mit deinem gottlosen geformten Wort aus dem Sein von Gottes Zorn.

22.68. Und darum hat Gott sein heiliges Wort aus seiner tiefsten Liebe wieder in das menschliche Sein eingeführt, weil es in Adam und Eva in den Zorn verführt wurde, so daß der Mensch im eingeführten Wort der Liebe Gottes in Jesus Christus schöpfen und den grimmigen Zorn in sich zerbrechen soll. Und darum lehrt uns Christus, daß er die hineingeführte Pforte zu Gott sei, daß er der Weg und das Licht ist, darauf wir wieder in Gott eingehen und das heilige Sein in Ihm wieder gebären können.

22.69. Und darum wollte Christus nicht, daß wir uns erzürnen und unseren Willen und unser Wort in der Rache schöpfen sollen. Sondern wenn sie uns fluchen, dann sollen wir sie segnen, und wer uns schlägt, dem sollen wir nicht widerstreben, damit nicht unsere Verwirrung im neugeborenen heiligen Wesen Christi erweckt wird und der Schlange List, Bosheit und Sein dahineinfährt. (Matth. 5.44)

22.70. Sondern wir sollen in der Liebe wie Kinder werden, die der Schlange List noch nicht verstehen. Darum sagen wir in göttlicher Erkenntnis teuer, daß aller Zank, Geiz, Neid, Zorn, Krieg, falsche Begierde und was es auch für Namen trägt, aus dem Zentrum der Rache des Grimms Gottes, aus der finsteren Welt, entsteht und in der Schlange Sein zu einem Wesen geführt wird, darin sich das falsche Schlangen-Sein in überheblichem Stolz bespiegeln will.

22.71. Alles, was in dieser Welt um die Ichheit, zeitliche Ehre oder Eigennutz zu seinem Aufsteigen strebt, das wurde aus dem Wesen der Schlange geboren, sei es reich oder arm, im Oberen oder Unteren, und kein Orden oder Stand, wie immer er heißt, ist hier ausgenommen. Alle Menschen, die sich Christen oder Kinder göttlicher Liebe nennen wollen, müssen aus göttlicher Liebe im heiligen Wesen wiedergeboren sein, und zwar in ihrem ursprünglichen Wesen, das in Adam verblichenen und verdorbenen wurde, oder keiner ist ein Kind der Liebe Gottes. Jede geizige Rachegierigkeit aller Stände, wie immer sie heißen, kommt aus dem Wesen der Schlange.

22.72. Dabei rede ich nicht von den Ämtern selbst, sondern von der Falschheit der Ämter. Denn das Amt in seinem Stand ist Gottes Ordnung, wenn es in heiliger Begierde geführt wird und aus einer göttlichen Wurzel zum Guten entsteht. Wenn aber nicht, so daß es nur aus einer Wurzel zur Ichheit und des überheblichen Stolzes entsteht, dann kommt es von der Schlange List und fährt ins Verderben.

22.73. Aller Krieg, wie immer er heißt, entsteht aus Gottes Zorn. Aber wer ihn anfängt, der tut es aus eigener Begierde zur Ichheit aus dem Wesen der Schlange. Es sei denn, daß solcher Krieg auf Gottes Geheiß entsteht, wenn sich ein Volk in seinem Grimm geboren hat, damit es sein Zorn auffrißt und ein heiligeres an dessen Stelle ordnet, wie bei Israel mit den Heiden geschah. Sonst ist alles in der eigenen Verwirrung in der Ichheit geboren. Und keinem wahren Christen, der aus Christus geboren ist, steht es zu, das Schwert der Verwirrung zu erwecken, wenn es nicht der Eifergeist Gottes in sich selbst erweckt, der öfters die Sünde bestrafen will. Alles, was sich um der Ichheit, eigenen Ehre und Stolz willen im Grimm erhebt und zur Rache hineinführt, das kommt vom Teufel, sei es edel oder unedel, keines ausgenommen, denn vor Gott sind sie alle gleich.

22.74. Das irdische Regiment entsteht aus dem (Sünden-) Fall durch die List der Schlange. Als der Mensch aus dem Liebewillen und göttlichem Gehorsam ausging, da mußte er einen Richter haben, der die falsche Begierde in ihrer Substanz strafen und die falsche Substanz zerbrechen kann. Dazu wurde die Obrigkeit und Herrschaft zum Schutz der Substanz und des Willens der Gerechten von Gott verordnet, und nicht zur Ichheit und zum eigenen Willen in der Wollust, zum Verderben der Gerechten und zur Unterdrückung der Armen und Schwachen. Alles, was so handelt, entsteht aus dem Wesen der Schlange, es glänze, wie es wolle, auch wenn es ganz mit Gold und Perlen oder sogar mit der Sonne bedeckt wäre. Es ist doch aus dem Wesen der Schlange geboren, hat das Sein der Schlange im Regiment und fährt ins Verderben, es werde denn neugeboren.

22.75. So ist alles abgöttisch, was nicht aus dem Wesen der Liebe geboren wird und keinen Willen zur Gerechtigkeit und Wahrheit führt, damit es etwas Gutes auf Erden bewirken will, um seinem Nächsten zu dienen. Denn wir sind in Adam alle Ein Baum und alle aus einer einigen Wurzel entstanden.

22.76. Und Gott hat uns in seine Liebe gezeugt und ins Paradies geführt. Aber die List der Schlange hat uns uneinig gemacht, so daß wir aus dem Paradies durch ihre Schalk-List in die Ichheit eingegangen sind. Daraus müssen wir wieder ausgehen und in ein Kinderhemd eintreten.

22.77. Denn wir haben in dieser Welt nichts mehr zum Eigentum als ein Hemd, um die Schande vor Gottes Engeln zu bedecken, damit unser Übel nicht bloßstehe. Das ist eigen und nichts mehr, alles andere ist allgemein. Wer zwei Röcke hat und sieht, daß sein Bruder keinen hat, dann gehört der andere Rock seinem Bruder, wie uns Christus lehrt. (Luk. 3.11)

22.78. Denn wir kommen nackt in diese Welt und nehmen kaum das Hemd mit, das die Decke unserer Schande ist. Alles andere besitzen wir entweder durch Amtsnotdurft oder aus Geiz durch die falsche Begierde der Schlange. Ein jeder Mensch soll seines Nächsten Nutzen und Pflege suchen, daß er ihm diene und nütze, gleichwie ein Ast am Baum den anderen seine Kraft, Essenz und Wesen gibt, und alle in einer Begierde wachsen und Frucht bringen. So sind wir alle Ein Baum in Adam.

22.79. Wir sind aber in Adam im Wesen der Schlange am Liebeswillen verdorrt und müssen alle in Christi Liebewesen und Willen neugeboren werden, sonst gibt es kein Kind der Liebe Gottes. Und wenn auch in manchem etwas von göttlicher Liebe wäre, so ist es doch vom Wesen der Schlange ganz verdeckt, dessen Teufels-Sein immerfort über die Liebe ausgrünt und Frucht trägt.

22.80. Es gibt nicht einen, der in der Ichheit im eigenem Willen Gutes tut, er verlasse denn im eigenen Willen alles, was er hat, bis auf das Kinderhemd. Das soll er als eigen behalten und niemandem geben, denn es ist die Decke seiner Schande. Alles andere ist allgemein, und er ist nur ein Diener und Amtmann davon, ein Pfleger und Austeiler eines jeden an seinem Ort.

22.81. Wer den Armen und Elenden unter seiner Herrschaft Not leiden läßt und sich zeitliches Gut zum Eigentum in sein Gemüt einsammelt, der ist kein Christ, sondern ein Kind der Schlange. Denn er läßt seine Zweige an ihm verdorren und versteckt seinen Saft und seine Kraft vor ihnen, und will nicht durch seine Mitäste Früchte wirken.

22.82. Darunter (unter den Mitästen) verstehen wir nicht den gottlosen faulen Haufen, der sich nur säugen lassen will, und nicht selber im Baum mitwirken und gebären, so daß man ihm den Hals füllen soll, damit er Wollust und Eitelkeit treiben kann. Sondern wir reden von den Zweigen, die im Baum stehen und mitwirken und gern wachsen und Frucht tragen wollen, denen die größten und mächtigsten Äste dieser Welt den Saft entziehen und in sich behalten, so daß sie als magere Zweiglein neben und unter ihrer Pflege verdorren. Das sind nämlich die Reichen, Mächtigen und Edlen, mit denen der Eifergeist hier redet, sofern sie ihren Saft nur in sich behalten und ihre Ästlein verdorren lassen, weil sie ihnen den Saft entziehen, so daß sie Äste am Baum der Schlange sind, der im Fluch von Gottes Zorn wachsen und zum Feuer Gottes behalten werden wird. Das sagt der (sehende) Geist der Wunder.


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