Das Mysterium Magnum

(Text von Jacob Böhme 1623, deutsche Überarbeitung 2022)

29. Kapitel - Der menschliche Baum und seine Zweige

Wie sich der menschliche Baum von Adam aus seinem Stamm in Äste, Zweige und Früchte hineingeführt und eröffnet hat, aus welcher Eröffnung die Erfindung und das Regiment aller Künste entstanden. (1.Mose 4.17-26)

Die tiefe Pforte aus dem Zentrum der ewigen und auch zeitlichen Natur, wie sich die ewige Weisheit in eine formhafte Beschaulichkeit hineingeführt hat.

29.1. Die ewige göttliche Vernunft (bzw. universale Intelligenz) ist ein freier Wille, der nicht von Etwas oder durch Etwas entstanden ist. Er ist sein selbsteigener Sitz und wohnt einzig und allein in sich selber, unergriffen von Etwas, denn außerhalb und vor ihm ist nichts, und dieses Nichts ist einig und ist ihm doch auch selbst wie ein Nichts. Er ist ein einiger Wille des Ungrundes und ist weder nah noch fern, weder hoch noch niedrig, sondern ist Alles und doch wie ein Nichts. Denn er selbst ist in sich keine Beschaulichkeit oder Findlichkeit (Bewußtsein oder Wahrnehmung), so daß er eine Gleichheit in sich finden (bzw. wahrnehmen) könnte.

29.2. Sein Finden ist sein selber aus sich Ausgehen, und so schaut er sich im Ausgehen. Denn das Ausgegangene ist seine ewige Lust, Empfindlichkeit und Findlichkeit und wird „die göttliche Weisheit“ genannt. Diese Weisheit faßt der grundlose Wille in sich zu seinem Zentrum der Lust, als zu einem ewigen Gemüt der Vernunft, die sich der freie Wille in sich selbst zu seinem Ebenbild formt, als zu einem ewigsprechenden, redenden und lebendigen Wort, das der freie Wille aus der geformten Weisheit der Lust aus sich aushaucht oder spricht.

29.3. Und das Aushauchen ist der Geist oder der Mund der Vernunft im geformten Willen der Weisheit, der das sprechende Wort unterscheidet, damit das Gemüt und die Vernunft des Gemüts offenbar werden. Und in dieser Offenbarung wird die freie Lust oder Weisheit vom freien Willen durch den Geist mit dem Sprechen oder Aushallen in eine Unterschiedlichkeit geformt.

29.4. In welcher Formung die Kräfte der göttlichen Eigenschaften entstehen, so daß man zu Recht von Gott sagt, er sei der ewige Wille mit Vernunft, Gemüt, Rat, Kraft, Held und Wunder. Mit diesen Wundern der Kräfte hat er sich seit Ewigkeit bewegt und geformt, in welcher Formung die unsichtbare geistige Welt steht, darin der Geist Gottes seit Ewigkeit mit sich selbst spielt, welche auch weder Grund, Ziel noch Ursprung hat.

29.5. Denn sie ist die göttliche Beschaulichkeit der geformten Weisheit, und ihr Zentrum ist der geformte Wille, als das sprechende Wort aus allen Kräften, und ihr Leben ist der Geist, der im Sprechen oder Hauchen ausgeht, welcher die Lust der Weisheit unterscheidet und formt, auf daß die geformte Weisheit vor dem Leben der Gottheit spiele, wie die kleinen Kinder vor ihren Eltern spielen, die sie zu ihrer Freude aus ihrer Essenz geboren haben, um ihre Freude am Spiel ihrer Kinder zu finden.

29.6. So ist uns auch das Wesen der Eitelkeit zu verstehen, welches der ewige freie Wille im Wort des Aushauchens in eine Begierde hineingeführt hat, als zu einer äußerlichen Begreiflichkeit. In dieser Begreiflichkeit war der Anfang des körperlichen Wesens entstanden, als das Zentrum der gefaßten Natur, darin sich die Begierde in Eigenschaften gefaßt und hineingeführt hat, nämlich in Finsternis und Licht, in Schmerz und Qualität, in Freude und Leid. Obwohl man doch in der Gebärerin kein Leid verstehen soll, sondern so formt und faßt sich der freie Wille in der Begierde zur Beschaulichkeit und Offenbarung der Wunder, auf daß die Eigenschaften ineinander eine jede in sich offenbar würden.

29.7. Denn wenn kein Widerwille wäre, dann wäre in den Eigenschaften gar keine Bewegung. Weil sich aber der freie Wille in Liebe und Zorn, als in Gut und Böse hineingeführt hat, so sind in diesen Eigenschaften zweierlei Willen entstanden, nämlich ein grimmiger nach Art des Feuers und der Finsternis und ein gütiger Liebewille nach Art des Lichtes, damit einer im anderen wohne und den anderen offenbare.

29.8. Nicht, daß solche Geburt nur einen (einmaligen) zeitlichen Anfang genommen hat. Sie ist ewig, und ist die Offenbarung göttlicher Beschaulichkeit, Empfindlichkeit und Findlichkeit. Nur mit der Schöpfung der Kreation hat sich diese Geburt in eine Verdichtung oder äußerliche Faßlichkeit hineingeführt, zu einem unterschiedlich (bzw. gegensätzlich) wirkenden Regiment in seinem Selbstspiel.

29.9. So sollten wir auch von der Schöpfung nicht denken, daß das Böse aus der Finsternis und feurigen Eigenschaft vom Guten abgeschieden und in ein besonderes wirkendes Regiment gesetzt worden war, sondern es war eines im anderen. Aber das Licht schien durch die Finsternis, und die Finsternis konnte es nicht ergreifen. So ist aus der feurigen Eigenschaft in der Schöpfung alles Leben entstanden, und aus des Lichtes Eigenschaft der Geist der erkennenden Vernunft. Damit wurde in der Schöpfung alles feurige Leben in seinem Anfang an das Licht (des Bewußtseins) hervorbracht.

29.10. So hat auch der Schöpfer aller Wesen den Geschöpfen der äußeren Welt, welche einen zeitlichen Anfang aus dem ewigen Wort hat, ein allgemeines Licht zur sichtbaren Beschaulichkeit gegeben (wie die Sonne). Und so hat auch ein jedes Leben in der Schöpfung das Licht der Natur aus dem Zentrum in sich selbst empfangen, aus welchem die erkennende Vernunft entsteht, mit der sich das Geschöpf selber regieren kann.

29.11. Und so wurde kein Ding bösartig oder zum Regiment der Bosheit geschaffen, denn wenn es auch an einem Teil ein Sein des Grimms in sich zu seinem Leben hat, so hat es doch am anderen Teil auch ein Sein des Lichtes und Wohltuns in sich, und ist in freien Willen gesetzt, um im Bösen oder Guten zu schöpfen. Denn kein Ding ist so böse, daß es kein Gutes in sich hat, mit dem es über das Böse herrschen kann.

29.12. Aber der Mensch war in seinen Eigenschaften in harmonischer Ausgeglichenheit, und keine Eigenschaft war vor der anderen offenbar, denn er war Gottes Bild. Wie in Gott kein Böses offenbar ist, es sei denn, er wollte selber den Grimm der ewigen Natur in etwas offenbaren, so war auch dem Menschen der freie Wille Gottes gegeben.

29.13. Und dazu das Gebot, daß er sich in seinem freien Willen nicht nach Gut und Böse als den zerteilten (gegensätzlichen) Eigenschaften gelüsten lassen sollte. Er sollte in ausgeglichener Harmonie der Eigenschaften bestehenbleiben und mit dem Licht (des Bewußtseins) über die Finsternis herrschen. Dann hätten die Eigenschaften des Grimms in ihm in einem reinen Freudenreich bestanden, und er wäre ein Spiegel und eine Form der göttlichen Weisheit gewesen, die sich in ihm im Freudenreich beschaut hätte.

29.14. Weil er sich aber mit dem freien Willen in der Ungleichheit beschaute, wie das Gute und Böse ein jedes in seiner Selbsteigenschaft wäre, und seine Lust dahineinführte, um in der Essenz solches zu schmecken, damit hat ihn auch diese Eigenschaft in seiner Lust gefangen und hat sich in seinem Willen, sowie im Wesen, aus dem der Wille entsteht, zu seiner Selbstbeschaulichkeit und seinem Regiment emporgeschwungen. So ist der erste Mensch, der am Anfang gut (bzw. vollkommen) war, ein Stamm oder Baum des Geschmacks der Erkenntnis von Gut und Böse geworden, als ein streitendes (gegensätzliches) Regiment, in dem beide Willen ineinander regierten, der gute und der böse.

29.15. Weil aber der feurig grimmige Wille den guten aus der Essenz des Lichtes überwand, so daß des Lichtes Sein im grimmigen Wesen gefangen wurde, so fiel dieses Bild unter die Gewalt des äußeren Regiments von Gut und Böse sowie auch unter den Grimm der inneren Natur, als der feurigen Finsternis. Doch über dieses Bild erbarmte sich Gott und verhieß sich mit einem Gnadenbund wieder in das gefangene, verblichene und an göttlicher Weisheit blinde Sein vom Wesen der heiligen Welt, und einverleibte sich als einen Bund zu einer neuen Wiedergeburt eines neuen heiligen Willens und Lebens.

29.16. So ist uns nun der Stamm des menschlichen Lebens wohl zu betrachten, wie er sich in den Eigenschaften aufteilte und sich wie ein Baum des Guten und Bösen in Äste und Zweige hineingeführt hat, davon ihm sein zeitliches Regiment der unterschiedlichen Ämter und Stände entstanden war. Denn das hatte er mit der Lust nach Gut und Böse in sich erweckt, und sich damit der Natur unterworfen, weil er derselben in ihr Regiment fiel.

29.17. Und so sehen wir klar, wie es Moses in seinem ersten Buch beschrieben hat, wie sich der menschliche Baum in Gut und Böse eröffnete und in Äste und Zweige zu seiner Frucht hineinführte. Und so sehen wir auch, wie die feurige, grimmige Eigenschaft allezeit vorhergegangen ist und ihre Frucht zuerst geboren hat. Dessen haben wir auch ein klares Verständnis in den Namen derer, die der Geist Gottes durch Moses in die Linien der Fortpflanzung gesetzt hat.

29.18. Denn zuerst setzte er „Kain“. In der Natursprache versteht man damit einen Quell aus dem Zentrum der feurigen Begierde, einen eigenen Willen der feurigen Macht der Seele, als einen Ast oder Zweig aus dem ersten Prinzip, darin das erste Prinzip seine Macht in diesem Zweig besonders emporgeschwungen hat, um sich in ein Eigenes abzuscheiden und vom Liebe-Wesen abzutrennen. Jedoch nicht als ein finsterer Qual-Quell, sondern als ein Quell der eigenen Lust und auch feurigen Stärke und Macht.

29.19. Denn aus Kains Wesen, wie er im Zentrum der gebärenden Natur im ringenden Lebensrad war, entstand sein Wille, und aus dem Willen die Begierde, und aus der Begierde die Substanz, in der das falsche (bzw. verkehrte) Gemüt verstanden wird, darin sich das Regiment der äußeren Welt faßte. Dahinein schloß sich auch der Teufel im Grimm der Natur mit seiner Begierde und begehrte die Herrschaft dieser Welt in der Ichheit, so daß nun der gefallene Teufel allewege die Herrschaft in der inneren ewigen und äußeren zeitlichen Natur im Reich dieser Welt begehrt.

29.20. Weil sich aber das Wort der göttlichen Kraft und Heiligkeit in des Weibes Samen als das verblichene Sein vom Wesen der geistigen Welt mit einem Bund der Wiedergeburt einverleibt hatte, um dem feurigen grimmigen Willen aus dem Zentrum der finsteren Welt seine feurige Macht der Ichheit nehmen zu wollen, so drang nach Kain aus dem menschlichen Baum ein Zweig mit dem Ziel des Bundes hervor, nämlich Abel. Dessen Name bedeutet in der Natursprache einen ausgehauchten Engel, der sich mit dem ersten Willen der Essenz, daraus die Seele entsteht, im Zentrum des Lichtes in der Liebebegierde gefaßt hatte und durch das Zentrum des Feuers hindurchdrang, darin dann die feurige Begierde begehrte, ihm das irdische Leben, das aus der feurigen Begierde seinen Ursprung hat, als ihr Eigentum abzuschneiden. Aus dieser Ursache wurden Abel und alle seine Nachkommen Märtyrer.

29.21. Denn das ist die Tür Christi, der sich in diesen Tod des Grimms hineinergeben mußte, um das menschliche Zentrum des seelischen Ursprungs nach der Feuerwelt mit dem Liebe-Wesen der tiefsten Liebe der Gottheit zu durchdringen und die feurige grimmige Begierde aus der finsteren Welt Essenz in Liebe zu verwandeln.

29.22. Adam war der Stamm des ganzen menschlichen Baumes. Als aber Eva aus ihm gemacht wurde, da wurde der Baum nach zwei Prinzipien zerteilt, nicht ganz im Wesen, sondern nach Art der Zentren des Feuers und des Lichtes. Denn in Evas Matrix stand das Zentrum des Lichtes als Grund der Liebebegierde. Aber in ihrem Fall verblich es nach der Kreatur, und darum verhieß sich das göttliche Wort wieder dahinein zu einem Zentrum der Wiedergeburt.

29.23. Kain und Abel waren nun die zwei Äste, die aus diesem Baum durch die Eigenschaft der zwei Prinzipien von Feuer und Licht wuchsen, und sie waren ein Vorbild des ganzen Baumes mit seiner zukünftigen Frucht. Weil aber Abel ein Vorbild Christi war, der ohne Mann empfangen werden sollte, nur bloß aus dem einverleibten Wort im Weibes-Samen, um für die Menschen den Tod zu erleiden, so mußte auch Abel ohne Frucht und Äste durch den Tod gehen. Denn die Frucht, die Christus gebären sollte, war der (ganze) menschliche Baum. Den sollte er neu gebären, und keine anderen Zweige aus seinen Lenden. Darum sollte auch Abel als dessen Vorbild keinen Zweig aus seinen Lenden gebären. Denn die Linie des abelschen Stammes blieb im Bund und wies auf Christus, der aus der abelschen Linie entsprießen und das Wesen der geistigen Welt wieder offenbaren sollte.

29.24. Darum mußte Adam einen weiteren Zweig durch seine Eva aus dem Lebensbaum hervorbringen, welcher Adam in seinem Bild ähnlich und gleich wäre, nämlich Seth, dessen Name in der Natursprache eine Entrinnung oder einen Sprung andeutet, dadurch aus dem feurigen Willen der Blick eines Liebewillens entsteht, der doch vom Wesen der Substanz der äußeren Welt gehalten wird, nämlich mit dem verdorbenen Fleischhaus.

29.25. Diesem gehaltenen aber verdunkelten Willen, welcher doch aus Gottes Liebe seinen ersten Grund hatte, sollte Christus zu Hilfe kommen, um diesen Willen vom Band des Grimms zu erlösen, darin das göttliche Sein gefangenlag. Denn das war Christi Amt, nicht daß er gebäre, sondern daß er sich in die Gebärung des Seths hineinergebe, und Seth mit seinen Ästen vom Grimm erlöste und in sich selbst neu gebäre, nicht als Kinder dieser Welt, sondern daß er Seth aus dieser Welt heraus und in sich in die geistige Welt hineinführte.

29.26. Durch Seth ging nun die Linie des Bundes fort, in welcher sich Christus nach dem menschlichen Baum offenbaren wollte. Aber in Kain ging die Linie der Wunder fort, als der Natur und ihres Regiments, denn Moses sagte: »Kain habe den Henoch geboren und eine Stadt gebaut, die habe er nach seinem Sohn „Henoch“ genannt.« Nun war doch Kain der erste vom Weib geborene Mensch, und Abel war der zweite, den er erschlug.

29.27. Und Moses sagte »Kain habe eine Stadt gebaut«, obwohl doch keine Menschen da waren, welche hätten eine Stadt bauen und bewohnen können, wenn wir es mit Verstand betrachten wollten. Denn der Geist in Mose hängt hier wieder eine Decke vor die Vernunft, die im Wort der Stadt liegt. Denn er sagt, Kains Sohn habe „Henoch“ geheißen, und auch die Stadt. Nun mag dies wohl wahr sein, aber der Geist in Moses sieht auf die Wurzel von Kain und Adam, wie sich der Baum von Gut und Böse in Äste und Zweige ausgeführt habe. Denn mit dem Namen „Henoch“ sieht der Geist in der Eigenschaft des Astes als Sohn von Kain was für ein Volk daraus entstehen würde, nämlich eine Stadt und ein Regiment der äußeren Welt in der Ichheit, denn in der Natursprache versteht man es im Namen.

29.28. „Henoch“ deutet ein Aushauchen des Lebens und eine Wiederfassung zur selbsteigenen Beschaulichkeit an, ein Kind der Ichheit, das sich in der Natur in ein eigenes Regiment mit eigenem Willen hineinführt, und sich ein Regiment, eine Region, ein Land oder eine Stadt in das Gemüt hineinmodelt, um ein Baum oder Fürst der Menschen sein zu wollen. Denn als das menschliche Leben von Gottes Geist in die Ichheit einging, wollte es ein eigener Herr sein, und Henoch war der Sohn dieses Willens, als eine (Körper-) Stadt oder ein gefaßtes Wesen zum eigenen Regiment.

29.29. Aus diesem Regiment werden die Zweige oder Kinder geboren, darüber der Heilige Geist bei Noah klagt, daß sie sich ihren Geist nicht mehr strafen lassen wollten, denn sie waren ein Baum oder ein Ast aus dem Baum der Ich-Eigenheit, aus dem die weltliche Herrschaft und die Oberen herkamen und ihren Ursprung nahmen. Denn als das menschliche Leben dem Gestirn und Geist der äußeren Welt anheimfiel, führte er es in sein eigenes Regiment, aus dem englischen in das gestirnte und vierelementische nach seiner Bildung. Und das deutet uns die Stadt Kains (in Form von Henoch) an, nämlich das Regiment auf Erden.

29.30. Nun kann aber Henoch nicht der Regierende sein, sondern er ist die Stadt, das heißt, der Ast oder das Land der Kinder des überheblichen Stolzes, die von Gott in eigene Macht abwichen. Jetzt mußte die Vielfalt der Willen einen Richter haben, weil sie sich nicht von Gottes Geist regieren lassen wollten. (1.Sam. 8.5) So spricht nun der Geist in Moses: »Und Henoch zeugte Irad.« Dieser ist nun der Regent, der sich aus ihrer Essenz über sie zum Richter und Herrn aufwarf, als ein Gewaltiger und Tyrann.

29.31. Denn in der Natursprache ist der Name ganz offenbar und heißt ein Aushauchen des Lebens, darin sich alsbald das Leben im Zentrum der feurigen Eigenschaft und starken Macht faßt, nämlich im Zorn Gottes, der zum Regenten über das Leben geworden war, und der faßte Irad als einen Herrn und Zähmer des Lebens und setzte ihn über Henoch.

29.32. Aus dieser Wurzel sind die Regenten der Welt entstanden, denn weil der Mensch nicht Gott zum Regierenden seines Lebens und Willens haben wollte, so gab ihnen Gott den Regierenden in der Natur aus ihnen selber, damit sie sich selber beherrschten und regierten.

29.33. Denn Gott hatte dem Menschen weder ein Gesetz noch Regiment unter sich selbst gegeben, sondern ihn einzig zum Herrn über alle Kreaturen gemacht, damit er in Allem herrschen sollte. Und Gott selbst wollte mit seinem Geist über den Menschen herrschen und das menschliche Leben regieren. Weil aber die Ichheit nicht wollte, so drang Irad (das ist die Feuersstärke und Macht) aus dem Menschenbaum und setzte sich zum Herrn über die Stadt Henoch auf Erden.

29.34. Nun mußte Irad auch etwas haben, dahinein er sich setzte und damit er herrschte. Denn der Feuergrimm hätte sie nicht erduldet, sondern das Regiment mußte auch zu etwas nütze sein. So schreibt nun Moses gar recht und hochwunderlich, und spricht: »Irad zeugte Mahujael.« Das klingt in der Natursprache wie ein Fassen vom äußeren und inneren Zentrum der Natur, nämlich von der äußeren und inneren Welt, ein eigengemachtes fröhliches und trotziges Gemüt, das in seiner Herrschaft den Reichtum der äußeren Welt besitzen wollte, nämlich allerlei Kreaturen und Frucht. Und besonders zeigt es einen Glanz vom inneren Fassen an, wie einen irdischen Gott, der sich äußerlich in Gottes Amt setzt. Und aus diesem Namen ist danach Babel als das Tier mit der Hure geboren worden.

29.35. Und Moses spricht weiter: »Mahujael zeugte Methusael.« Dies ist nun der rechte Wundername, darin ihm das Leben göttliche Macht zumißt. Denn Methusael wollte in der Natursprache so viel lauten wie: „Mein ist die göttliche Macht. Ich bin ein von Gott hineingesetzter Engel.“ Oder: „Ich bin Gottes Ordnung.“ Welches zwar wohl wahr ist, aber nach dem ersten Prinzip durch die äußere Natur, als eine natürliche Macht und Ordnung.

29.36. Mehr noch ist in diesem Namen unter dem Engel das Lob der Kinder verborgen, die unter dieser Macht sein würden, und welche darunter leben würden, wie unter göttlicher Ordnung. Aber dieser Engelsname in göttlicher Macht faßt sich erstlich in der fleischlichen Eigenheit. Denn die Silbe „Me“, welche das Wort des Namens beginnt, faßt sich in der Geburt der äußeren Welt in der Meinheit und zeigt an, daß diese Ordnung nicht aus dem Himmelreich in Gottes Heiligkeit entsteht, sondern aus dem ersten Prinzip, welches sich im dritten, als in der Natur der äußeren Welt, in eine solche Ordnung formt. Es soll und muß deswegen seine Beendigung (Endschaft) nehmen und durch das Gericht Gottes probiert werden.

29.37. Und Moses schreibt weiter und spricht: »Methusael zeugt Lamech.« In diesem Namen steckt nun die Verborgenheit göttlicher Ordnung nach dem englischen Rat, und heißt in der Natursprache an diesem Ort so viel wie „eine Sendung des Engels über die Herrschaft der Menschheit“, nämlich über die Regionen der Welt und das fleischliche Leben, das dem Fürsten der Oberen in der Natur untergeben sein würde.

29.38. Denn hier wird der Schaden gesucht, den Adam empfing, so daß zweierlei Fürsten der Oberen über das menschliche Leben herrschen, nämlich der gesandte gute Engel und der einverleibte böse Engel im Fleisch. Auch wird darunter der gewaltige Angriff des bösen Engels von außen und innen verstanden, denn der innere Geist geht im Namen aus dem Bund Gottes und führt in die äußere Welt. Das deutet an, wie der Mensch leichtfertig sein werde und auch den Bund Gottes verscherzen, geht aber mit der Fassung wieder in die Ichheit und faßt sich im ausgehenden Engelsnamen. Das deutet eine scheinheilige Hurerei in Engelsgestalt an, welche wieder in das Äußere geht und schließlich den Bund mitsamt dem Engelsnamen von sich wirft.

29.39. Ferner schreibt Moses: »Lamech habe zwei Frauen genommen, eine hieß Ada, die andere Zilla«. Hier versteht man in der Gebärung des Lebensbaums so viel: Das menschliche Leben erkannte den Schaden, der ihm in seinem Stamm entstanden war, und nahm dazu zwei Frauen, nämlich zweierlei Essenz und Willen. Denn Ada bedeutet: Die Seele geht mit dem Willen durch das Gemüt und faßt sich mit der Begierde im ersten Stamm Adams, und wollte gern wieder fromm sein. Aber das Leben hatte sich auch Zilla zur Frau und Gebärerin genommen, und das ist die fleischliche Freude und Wollust.

29.40. Die Frau oder der Wille Ada wollte ein gutes Regiment führen und sich auf Erden nach Gottes Gebot regieren und ernähren, und sie gebar Jabal. Jabal deutet den einfältigen Menschen an, wie Bauern und dergleichen. Denn Moses sagt: »Von dem sind herkommen, die in Hütten wohnten und Vieh zogen.«

29.41. Der andere Bruder aber, sagt Moses, hieß Jubal. »Von dem kamen die Pfeifer und Geiger«, denn der andere Wille ging aus dem Geist der äußeren Welt in vergängliche Wollust und Freude und hat sich allerlei Freudenspiel zu seinem Leben erdichtet. Das deutet Jubal an, als ein äußerlicher Freudenengel, mit dem der innere Geist vor sich in einer Gleichheit spielte.

29.42. Und auch Zilla gebar, sagt Moses, »nämlich den Thubalkain, den Meister in allerlei Erz- und Eisenwerk.« Das heißt, Zilla ist die feurige Begierde, und diese faßt sich in eine Substanz von Sulphur und Mercurius in menschlicher Eigenschaft und führt sich mit ihrem Geist aus der Substanz heraus in eine Beschaulichkeit, in welchem Verstand der Mensch die Künste der Metalle erfunden hat.

29.43. Aber die Schwester von Thubalkain war Naema. Hier liegt das edle Perlein, ihr lieben Meister! Naema ist in ihrer Eigenschaft himmlisch, aber mit dem äußeren Röcklein bedeckt, damit ihr sie nicht erkennt. Denn der irdische Mensch ist ihrer nicht wert, denn ihr Wesen ist jungfräulich, eine Jungfrau der Reinheit. Das deutet zum einem den inneren neuen Menschen an, als die Schwester des Sulphur-Menschen, und zum anderen neben dem groben Erz der Erde das teure Erz wie Gold und Silber.

29.44. Denn Thubalkain ist der Bruder von Naema. Sie liegen in einem Leib, aber Thubalkain ist von dieser Welt, und Naema ist eine Jungfrau, unter ihrem Bruder verborgen. Und so wird hier die zweifache Erde verstanden, nämlich in zweierlei Eigenschaften, eine himmlische und eine grob irdische, als ein Wesen aus der Eigenschaft der finsteren Welt und ein Wesen aus der Eigenschaft der Lichtwelt. So auch im Menschen, denn durch die feurige Eigenschaft von Gottes Zorn wird Naema offenbar, und zwar durch das Sterben des irdischen Menschen.

Stammbaum Kain, Abel und Seth

29.45. Warum fügt Moses die Naema dazu und sagt doch nicht von ihr, daß sie auch Kinder geboren oder sich befreit habe? Darum, weil in der Wiedergeburt das natürliche Gebären aufhört. Die neue Jungfrauenschaft im Geist Christi gebärt keine Kreatur mehr, sondern sie alle müssen aus dem ersten Zentrum und Stamm gehen, damit sie alle Ein Baum sind. Und durch das Feuer wird das Erz als die Jungfrauenschaft offenbar. Und diese ist des Thubalkains Schwester.

29.46. Der Name Thubalkain hat einen trefflichen Verstand in sich, denn er zeigt das Rad von Sulphur und Mercurius, wie sich dieses in der Geburt der Metalle und auch im Ursprung des Lebens eröffnet. Denn Gott hatte dem Menschen alle Dinge unterworfen, und so war ihm alles zu seinem Spiel gegeben. Darum mußte sich Thubalkain im menschlichen Baum eröffnen, damit sie das verstanden. Das sei den Unseren hiermit genug angedeutet.

29.47. Und Lamech sprach zu seinen Frauen Ada und Zilla: »Ihr Frauen von Lamech, hört meine Rede und merkt was ich sage: Ich habe einen Mann erschlagen mir zur Wunde, und einen Jüngling mir zur Beule. Kain soll siebenmal gerächt werden, aber Lamech siebenundsiebzigmal.« Dies ist eine seltsame Rede. Wer könnte verstehen, was der Geist hier andeutet, ohne seine eigene Erklärung? Ich will den Spötter hier ermahnt haben, unser Werk ungetadelt zu lassen, denn er versteht unseren Geist und Sinn nicht.

29.48. Lamech sagt, er habe einen Mann erschlagen ihm zur Wunde, und einen Jüngling ihm zur Beule. Dieser Mann ist Abel nach der äußeren Menschheit vom Reich dieser Welt, und der Jüngling ist das Bild Christi aus der jungfräulichen Linie, aus des Weibes Samen in ihm selbst. Den Mann hat er sich zu einer Strafe erschlagen, als zu einer unheilbaren Wunde, und den edlen Jüngling im Mann zu einer Beule, die ihn wie eine böse Beule oder Eiterblase im Gewissen der Sünde bedrängte. Denn der Grimm Gottes wirkte in dieser Beule, und so konnte die Wunde als ein großer Schaden auch nicht geheilt werden, denn der Fluch des Herrn ging aus dieser Beule in die Wunde, in welchem die Erde verflucht wurde, so daß das menschliche Regiment ein Jammertal wurde.

29.49. Aber Lamech sah den Schaden und wandte sich wieder um, und nahm sich deswegen zwei Frauen, das heißt, zweierlei Willen zu seinem Regiment ins Gemüt, damit er auf Erden herrschen wollte. Einer ging aus Ada in die Viehzucht und schwere Handwerks-Nahrung, denn darin fand er den Fluch und die Wunde. Und der andere ging aus dem Ast der Zilla in die Erde nach Metallen zu seinem Ackerwerk der Notdurft, und so fand er in den Metallen die rostigen Beulen am metallischen Erz, denn die edle Tinktur oder schöne Blume der Erde stand im Fluch verborgen, wie von einer bösen Beule umgeben.

29.50. So erkannte nun Lamech den Schaden und sprach: »Hört zu, ihr Frauen von Lamech, und merkt was ich sage!« Denn er wollte den Schaden aussprechen. Er sah wieder zurück in den Baum des Menschen und betrachtete die Rache Gottes, welche das menschliche Leben ergriffen hatte, und sprach: »Kain soll siebenmal gerächt werden, und Lamech siebenundsiebzigmal.« Denn Gott sagte auch zu Kain, als er stand und klagte »Du treibst mich heute aus dem Land, und nun wird mich erschlagen, wer mich findet!«: »Wer Kain erschlägt, der soll siebenfältig gerächt werden!« »Und er machte ein Zeichen an Kain, daß ihn niemand erschlüge.«

29.51. Dieses sind verborgene Wunderreden: »Kain soll siebenmal, und Lamech siebenundsiebzigmal gerächt werden.« Warum soll Lamech siebenundsiebzigmal, und Kain siebenmal gerächt werden? Wer hat denn Lamech etwas getan? Hier deutet der Geist aus dem Zentrum des menschlichen Lebens auf die zukünftige Zeit, wie es mit dem Menschen in diesem Schaden weitergehen werde, wenn sich die Menschen mehren würden und sich Könige und Herrschaften machen, wie sich dann der Grimm Gottes im menschlichen Willen mittreiben und im menschlichen Leben und Regiment mit eröffnen würde.

29.52. Aber wenn man dies verstehen will, was Lamech mit der Rache meint, dann muß man auf das Zentrum sehen, denn in sieben Graden oder Eigenschaften steht das Leben aller Kreaturen, wie vorn erklärt wurde. Dazu war Adam der Stamm, denn Adam und Eva sind Ein Baum, aus dessen Zerteilung Böses und Gutes entstand. Und Kain war der erste Zweig aus diesem Baum, darin sich die sieben Eigenschaften des Lebens aus ihrer wahren göttlichen Ordnung im Leben auseinanderbegaben und das Bild Gottes zerstörten. Daran Schuld war der Teufel, der ihn auch zum Brudermord in den zerteilten Eigenschaften reizte, so daß er Abel erschlug. So sprach nun Gott: »Kain soll siebenmal gerächt werden, wenn ihn jemand erschlägt. Und er habe ein Zeichen an Kain gemacht, damit ihn niemand erschlüge.«

29.53. Der Teufel hatte sich in den Grimm Gottes verwickelt und in die sieben Eigenschaften des Lebens eingeflochten, nachdem sie aus der Ausgeglichenheit herausgegangen waren. Und er wollte anstatt Gottes Geist ein Herr im Leben des Menschen sein, und wollte das Leben am Reich Gottes ganz ermorden. Deshalb hatte Gott ein Zeichen mit der Verheißung des Bundes dahinein gemacht, daß es niemand ermorden könnte.

29.54. Denn Kain klagte nicht allein aus Angst um das äußerliche Leben, sondern er fürchtete, ihm könnte sein wahres ewiges Leben getötet werden, so daß er mit seinem Leben ganz von Gottes Angesicht vertilgt würde. Denn so klagte er auch und sprach: »Siehe, du treibst mich heute aus dem Land, und ich muß mich vor deinem Angesicht verbergen und unstet und flüchtig auf Erden sein. So wird es mir nun ergehen, daß mich totschlägt wer mich findet.« Er klagte über Totschlag und fürchtete sich, und es war doch kein Mann mehr auf Erden, als nur sein Vater Adam, und zweifellos seine Schwester, welche er sich zur Frau nahm.

29.55. Kain fürchtete, die Geister, welche ihn auch zum Mord bewegt hatten, würden ihn selbst töten. Denn er sagte: »Ich muß mich vor deinem Angesicht verbergen.« Das ist nun keine äußerliche Weise, sondern eine innerliche, denn Gott wohnt nicht im äußeren Auge, aber wohl im inneren geistigen. So sagt nun Gott: »Wer Kain an seinem inneren Leben ermordet, der soll siebenmal gerächt werden!« Und er machte das Zeichen des Bundes an sein Leben, so daß ihn kein Geist im Grimm ermorden konnte, denn er war ein Zweig aus dem Baum des Lebens.

29.56. Obwohl die sieben Eigenschaften der Natur in ihm auseinandergegangen waren, so war er doch nicht völlig daran schuld, denn so hatte er sein Leben von Vater und Mutter in zerteilter Eigenschaft geerbt. Darum ging auch die Gnade über ihn, wie über Abel, nur daß Abel aus der anderen Linie kam. Aber das Zentrum der Seele war in beiden gleich, nur die Bewegung im Samen war ungleich, denn sie waren die zwei Vorbilder der Welt, nämlich Kain als das Bild der Ichheit im Zorn, und Abel als das Bild der Gelassenheit des Lebens, darin aus dem Lassen durch den Tod aus dem Zentrum eine andere Welt ausgrünte.

29.57. Nicht, daß Kain zum Verderben geboren wurde, sondern die aufgewachte bösartige Eigenschaft in der Ungleichheit, als die Seele der äußeren Welt, drang im Samen hervor und faßte das Leben in seine Gewalt, und dahinein machte Gott ein Zeichen als seinen Bund, damit die Räuber das Seelenleben nicht ermorden sollten.

29.58. Würde es aber geschehen, daß sich der eigene Wille als Mörder hingibt, dann sollte dieses Kain-Leben siebenmal gerächt werden, das heißt, durch alle sieben Eigenschaften. Und so sollte der freie Wille, welcher das Leben ermordete (das im Wort Gottes war Joh. 1.4), siebenfach durch alle sieben Gestaltungen der Natur gestraft werden, sowohl zeitlich als auch ewig. Das heißt, wer das Leben mordet und welcher freie Wille sein Leben ermordet, soll ewig in den sieben Eigenschaften der finsteren Welt gerächt werden.

29.59. Mehr noch ist uns das große Geheimnis an diesem Ort recht zu betrachten, denn die sieben Eigenschaften des menschlichen Baums zum Leben der Wunder Gottes hatten sich nun bis auf Lamech ausgeteilt, und das Regiment der Welt war nun bei Lamech in der Natur ganz ausgeboren. Denn Lamech war der siebente Mensch in der Wurzel der Wunder vom ersten Stamm an. Denn Adam war der erste. Abel gehört nicht in die Linie der Wunder, sondern in die Wiedergeburt. Kain war der zweite in der Linie der Wunder, Henoch der dritte, Irad der vierte, Mahujael der fünfte, Methusael der sechste und Lamech der siebente.

29.60. So war nun Lamech aus dieser Linie der Wunder Gottes aus der Kain-Wurzel entsprossen, der ein frommer Mann war, aber vom Geist der Wunder umfangen. Er sah zurück auf den Schaden und auch auf das Gnadenzeichen im Bund und erkannte, daß nunmehr der Geist der Wunder im menschlichen Leben ganz ausgeboren und offenbar wäre, dadurch alle Künste der Welt gefunden werden sollten.

29.61. Und er sah auch voraus, wie es in diesen Wundern der Welt ergehen würde, wie seine Kinder sein Leben, das sie von ihm ererben würden, in ein Babylon der Narrheit hineinführen und verderben werden. Und er sah hiermit vor allem auf das Wort, daraus das menschliche Leben entsprossen war, wie sich das Leben im Geist der Wunder der Welt in ein siebenundsiebzigfaches Wort der Sprachen und Völker hineinführen würde, wie es zu Babel geschah. So würde es der freie Wille der Natur vom einigen Gott abführen und verderben, und das sollte siebenundsiebzigmal gerächt werden, nämlich mit jeder Zunge der Sprachen im Zorn Gottes. Nämlich darum, weil sie sein Leben, das sie von Lamech geerbt hatten, verderben würden. Und das würde der Grimm Gottes im freien Willen seiner Kinder der Sprachen rächen.

29.62. Denn der Geist sah voraus, wie sich der freie Wille in die Ichheit begeben und vom einigen Gott abfallen würde, und wie der Zorn Gottes den natürlichen Geist der Wunder im Menschen, als die Seele der äußeren Welt ergreifen und verwirren würde, daraus das große Babylon des Zankes um Gottes Wesen und Willen entstehen wird. Das sagte der Geist in Lamech, würde siebenundsiebzigmal gerächt werden.

29.63. Denn das war eine siebenundsiebzigfache Rache über das Wort der Vernunft im menschlichen Leben, daß aus einer einigen Zunge und aus einem einig redenden Wort und Lebensgeist eine siebenundsiebzigfache Zunge als eine Verwirrung der (ganzheitlichen) Vernunft wurde. Zuvor lag die Vernunft in einem Hall, aber nun kam die Rache dahinein und verwirrte sie in siebenundsiebzig Teile (zum Verstand des begrifflichen Denkens).

29.64. Denn das menschliche Rad des Halles oder der Vernunft wurde gedreht, und so eröffneten sich in jeder Gestaltung der Natur die zehn Gestaltungen des Feuers, darin Zeit und Ewigkeit stehen, und das war: Siebenmal zehn ist siebzig, dazu gehört das Zentrum mit seinen unwandelbaren sieben Gestaltungen der ewigen Natur, und das sind zusammen siebenundsiebzig Teile.

29.65. Und darin liegt das Mysterium Magnum (das große ganzheitliche Geheimnis). Liebe Brüder, wenn ihr nicht das Röcklein der Streitsprachen an euch hättet, dann dürfte man euch hier noch mehr unterweisen. Aber ihr seid noch alle in Babel gefangen, und seid Zanker um den Geist der Buchstaben, und habt dessen doch kein Verständnis. Ihr wollt zwar Doktor und gelehrt sein, aber versteht eure eigene Muttersprache nicht. Ihr beißt euch um die Hülse des Wortes, darin sich das lebendige Wort faßt, aber das lebendige Wort begehrt und versteht ihr nicht. Ihr redet nur aus Sieben und aus Siebenundsiebzig und hättet doch das Wort in Einer Zahl, darin die (ganzheitliche) Vernunft liegt. Ihr habt es auf eurer Zunge schwebend, aber könnt es doch nicht fassen.

29.66. Und die Ursache ist, daß ihr nur aus Sieben und aus Siebenundsiebzig reden wollt, nämlich aus dem Grimm, der die Zunge gespalten hat und das Leben Lamechs siebenundsiebzigmal in eurer Zunge und Sprache rächt. Würdet ihr aber auf das Zentrum gehen und die Augen öffnen, dann könntet ihr sehen, wir euch die babylonische Hure an ihrem Seil gefangen führt, und wie sie sich mit siebenundsiebzig Zahlen über das Leben der Menschen gesetzt und Naema, unsere Schwester, mit den Zahlen ganz verborgen hat, damit das Tier der Zahlen im Grimm Gottes über das Leben unserer (himmlischen) Schwester Naema herrschen könne.

29.67. Aber wir haben einen Wächter sagen hören: „Rein gemacht! Das Tier mit der Hure, welche an Naema statt auf Erden steht, ist gefallen, und der Kelter der siebenfachen Rache in siebenundsiebzig gegeben worden, usw.“ Die Rache geht in Lamech auf, und geht durch siebenundsiebzig, und das kann niemand abwehren. Amen.

29.68. Denn Naema soll allen Völkern, Zungen und Sprachen offenbar werden, und dann wird aus siebenundsiebzig wieder ein Wort der Vernunft, denn aus Einem Wort Gottes ist das Leben der Menschen ausgegangen, aber hat sich in der Ichheit im Geist der Wunder der Welt in siebenundsiebzig Eigenschaften des Einigen Wortes geformt und zerteilt. Nun kommt die Zeit, daß des Lebens Anfang mit dem Geist der Wunder und Sprachen in das Ende eingehen soll, nämlich wieder in den Anfang. Und so muß das Kind der Wunder, das sich für Gott ausgegeben hat, in der Einheit offenbar werden.

29.69. Und weil sich der freie Wille in die Eitelkeit der Sprachen und Vielfalt der Kräfte ergeben hat, und das Leben des einigen Wortes ermordet und besudelt, so geht die Rache aus dem Mordgeist durch Siebenundsiebzig, bis das Tier samt der Hure vertilgt und im Feuer des göttlichen Zorns verschlungen wurde.

29.70. Dann findet Thubalkain seine Schwester Naema im goldenen Schmuck, und Ada freut sich über ihren Sohn Jabal, der die Tiere hütet. Denn Lamech hat seine Kinder wiedergefunden, die er in der Rache verloren hatte, und so endet der überhebliche Stolz der Ichheit, wie auch der Trug und die List der Schlange, denn ein jedes Tier soll auf seiner eigenen Weide essen. Die Zeit ist nah, Hallelujah!


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