Das Mysterium Magnum

(Text von Jacob Böhme 1623, deutsche Überarbeitung 2022)

35. Kapitel - Noahs Kinder und der Babelturm

Wie sich der menschliche Baum durch Noahs Kinder in seinen Eigenschaften ausgebreitet hat, und wie sie am Turm zu Babel in ihren Eigenschaften durch die Verwirrung der Sprachen in unterschiedliche Völker zerteilt worden sind. (1.Mose 10.1-32)

35.1. Ein jeglicher Baum wächst erstlich, nachdem er aus seinem Samenkorn entsprungen ist, in einen Stamm, danach in Äste und Zweige, und führt ferner aus seinem Wesen die Blüte und Frucht heraus. In ähnlicher Weise ist auch der menschliche Baum zu verstehen nach seiner Kraft und Offenbarung seiner verborgenen Wunder der göttlichen Weisheit, welche im menschlichen Wesen verborgen lag und sich mit der Zeit aus jedem Grad der Eigenschaft hervortat.

35.2. Adam war das erste Dasein zum Samenkorn, und dieses Sein zum menschlichen Leben war in der göttlichen Weisheit, im Wort der göttlichen Kraft und Vernunft. Dieses heilige Sein aus göttlicher Weisheit und Lust führte der Geist Gottes in das Schöpfungswort, nämlich in die Begierde des formenden Wortes, als in die Natur. Und darin hat der Geist Gottes durch das sprechende Wort das Sein göttlicher Weisheit in ein formhaftes Leben gebildet, und die Natur der drei Prinzipien in einen Körper, in den der Geist Gottes dieses gebildete kreatürliche Leben göttlicher Vernunft eingeblasen hat.

35.3. Daraus war dann der Mensch entstanden und eine lebendige Seele geworden, aus beiden, sowohl aus dem himmlisch geistigen Wesen als auch aus dem zeitlichen Wesen der Erde und den vier Elementen sowie aus dem Gestirn göttlicher und natürlicher Magie, als ein ganzheitliches Gleichnis Gottes, ein Lustbaum des Lebens göttlicher Weisheit und Beschaulichkeit, in das Paradies Gottes gepfropft, als in den Himmel und in die Zeit dieser Welt, und in beiden instehend zur Wiedergebärung und Formierung Seinesgleichen aus ihm. Wie aus einem Baum viele Zweige, Äste und Früchte wachsen, davon eine jede Frucht wieder ein Samenkorn zu einem neuen Stamm und Bäumlein enthält, in gleicher Weise ist es auch vom menschlichen Baum zu verstehen.

35.4. Das innere geistige Sein wuchs in der Gewalt von Adams Leben, bis es durch des Teufels Vergiften vom irdischen, äußeren und natürlichen Sein übertroffen (und überwältigt) wurde. So schwang sich das natürliche Sein in den Kräften der Wunder der Natur hervor und führte seine Äste und Zweige aus der Essenz der Natur heraus.

35.5. Und obwohl das heilige Sein aus dem Wesen der himmlischen Welt in Adam durch die Vergiftung verblich, gab sich doch das Wort der göttlichen Kraft wieder mit einem Bund hinein, so daß dieses Sein der himmlischen Welt in diesem Baum mit fortgepflanzt wurde, bis zur Zeit seiner neuen Auswachsung im Wesen Marias, als der Bund am Ziel stand.

35.6. Adams geistiger heiliger Stamm wuchs bis zu seinem Fall, dann stand er still, und das Wort gab sich mit dem Bund hinein, als in ein verblichenes Sein zur schließlichen Wiedergeburt. Und der äußerliche natürliche Stamm bekam die Gewalt und das eigenwachsende Leben im (Sünden-) Fall, darin die vier Elemente ein jedes in seiner Eigenschaft empfindlich und qualifizierend wurden. Er wuchs bis zur Sündflut mit seinen Ästen und Zweigen und zeigte sich wie ein gewachsener Baum nach allen Eigenschaften im Guten und Bösen.

35.7. Aber die Kräfte darin hatten sich noch nicht ausgewickelt, denn alle Menschen hatten nur einerlei Sprache, denn die Sprachen aus den Eigenschaften waren vor der Sündflut noch nicht offenbar.

35.8. Sie verstanden wohl die Sprache der Natur, als das geformte Wort in seinem Unterschied, aber dieser Unterschied war noch nicht geformt und in Zungen formiert, bis daß der Stamm des menschlichen Baums nach der Sündflut seine Kräfte in die Zweige führte, davon der menschliche Baum aus den Eigenschaften der Kräfte des geformten natürlichen Wortes zu blühen begann, nämlich aus der Segnung, weil Gott Noah und seine Kinder als die Äste des Baumes segnete und sie fruchtbar sein und sich auf Erden regen und mehren hieß, und ihnen den Gnadenbund gab.

35.9. Denn in Kain wurde dieser Baum verflucht, aber bei Noah wieder gesegnet, damit sich die Eigenschaften des geformten natürlichen Wortes durch der Natur Eigenschaft mit den Zungen hervortun sollten, als ein Wunder vieler Worte oder Götter im einigen lebendigen Wort.

35.10. Das Bild Gottes im geformten Wort sollte die Formung des einigen Wortes aus dem ersten Wesen in viele Formungen der Sprachen hervorbringen, nach Art und Weise der fürstlichen Regimenter, der hohen Geister, die auch im geformten Wort in Unterschieden bestehen und in der Tiefe dieser Welt in den Eigenschaften der Natur über die vier Elemente herrschen, auch über das Wirken der Sterne in der Seele der großen Welt, und welche auch die Namen Gottes im geformten Wort der Natur tragen, als ein Werkzeug Gottes, mit dem er auf förmliche Weise in seinem Regiment und Liebesspiel regiert.

35.11. Daß die Altväter vor der Sündflut so lange gelebt haben, hatte die Ursache, weil die Kräfte des geformten Wortes aus göttlicher Eigenschaft bei ihnen noch unzerteilt und unausgeboren gewesen waren. Gleichwie ein junger Baum, der voller Kraft und Saft ist, sich in Ästen und Wachsen schon zeigt. Wenn er aber zu blühen beginnt, dann geht die gute Kraft in die Blüte und Frucht.

35.12. So ist es auch mit dem ersten Alter der Menschen zu verstehen. Als die Kräfte noch in einer (ganzheitlichen) Eigenschaft im Stamm lagen, da verstanden die Menschen die Natursprache, denn es lagen alle Sprachen darin. Aber als sich dieser Baum der einigen Zunge in seinen Eigenschaften und Kräften mit den Kindern von Nimrod zerteilte, da verschwand die Natursprache, daraus Adam allen Dingen Namen gegeben hatte, einem jeden entsprechend seiner Eigenschaft, und der Stamm der Natur wurde wegen der zerteilten Eigenschaften im Wort der kraftvollen Vernunft matt und schwach.

35.13. Deshalb lebten sie nicht mehr so lange, denn die wahre Kraft des menschlichen Lebens, daraus die (ganzheitliche) Vernunft quillt, war aus dem Wort Gottes gekommen. Weil sich aber die Vernunft in viele Zungen und Eigenschaften zerteilte, so wurde die Natur schwächer und der hohe Verstand der Eigenschaften der Buchstabengeister verging, denn das Innerliche führte sich in ein Äußerliches. Und so blieb der Verstand dieser Geister in jeder Zunge äußerlich, auf Art, wie man von einem Ding redet, davon man nur sprechen hörte, aber darüber keine wahre Erkenntnis hat und es auch nicht sehen kann.

35.14. Denn einer solchen sind die Menschen zu Babel beraubt worden, als sie die Natur so hoch erhoben und durch die äußere Natur einen Turm bauen wollten, dessen Spitze an den Himmel reicht. Das hat eine subtile Bedeutung, und es liegt wohl schon in den Namen der Kinder und Kindeskinder von Noah, welche der Geist in Moses in die Linien der Ausbreitung gesetzt hat, darin man die Eigenschaften der Zerteilung der einigen Vernunft und Sprache versteht, wie die Eigenschaften der Vernunft auseinandergehen und eine jede in eine besondere Sprache wie in ein eigenes Wort führt.

35.15. Denn die Namen der Kinder Noahs und ihrer Kinder, daraus die zweite Monarchie auf Erden entsprungen war, zählen 72, welche der Geist in Moses andeutet. Und darunter liegt das große Geheimnis des Turmbaus zu Babel, nämlich die Zerteilung der Zungen.

35.16. Denn 77 ist die ganze Zahl göttlicher Offenbarung durch das geformte Wort. 72 sind in Babel als die Zungen der Wunder, und die anderen 5 sind heilig, liegen unter den 72 verborgen und entstehen aus dem JOTH, und das JOTH steht im (Kreis als ein Punkt) ⊙, als im Einen, und das ist das Auge der Ewigkeit ohne Grund und Zahl. (Vermutlich ist „Jota“ gemeint, der kleinste hebräische und griechische Buchstabe, also etwas sehr Kleines, wie unser „i“, das auch der erste Selbstlaut von „IEOUA“ ist. Siehe auch §35.51.)

35.17. Durch die fünf heiligen Sprachen aus dem JOTH spricht der Geist im geformten Wort der Natur heilige göttliche Worte in den Kindern der Heiligen, und durch die 72 Zungen spricht er durch die Natur der Wunder aus Gutem und Bösem, je nachdem, wie sich das Wort in einem Wesen faßt.

35.18. Die fünf Sprachen stehen dem Geist Gottes zu, der durch seine Kinder spricht, wann und wie er will. Aber die 72 stehen der menschlichen Ichheit und Eigenheit zu, daraus der menschliche eigene Verstand Lügen und Wahrheit redet. Darum sollen die 72 Sprachen als Babel durch das Gericht Gottes gehen, um das Reine vom Unreinen zu scheiden und im Feuer zu bewähren.

35.19. Den Unseren, die in dieser Erkenntnis ergriffen sind, wollen wir eine kurze Andeutung geben, um unserem Sinn und Verstand (welchen wir an dieser Stelle noch für uns behalten sollen) nachzugehen, und wie er alle Heimlichkeiten, die unter diesen Namen liegen, ergründen kann (welche der Heilige Geist in Moses aufzeichnete).

35.20. Der Geist in Moses setzt sieben Namen in Japhets Linie, denn er habe sieben Söhne gezeugt, nämlich Gomer, Magog, Madai, Javan, Thubal, Mesech und Thiras. Nun ist Japhet der erste und deutet das erste Prinzip an und darunter das Reich der Natur, wie aus der Natur die sieben freien Künste unter einer natürlichen Philosophie erfunden werden würden, welche in dieser Japhet-Linie durch die heidnische Philosophie auf natürliche Art erfunden worden ist. Denn das war der Zweig, der in Sems Hütten wohnen sollte, wie Noah deutete. (siehe auch www.stammbaum-der-bibel.de)

35.21. Denn die sieben Söhne Japhets deuten die sieben Eigenschaften der Natur an, und unter ihren sieben Namen liegt das Geheimnis der Japhet-Linie im Reich der Natur, und was für Völker und Reiche bis ans Ende der Welt daraus entstehen würden, davon uns dieses zu deuten die Sprache verwehrt und auch aufzuschreiben benommen wurde. Den Unseren soll es aber zu seiner Zeit freistehen, und dazu ganz offen.

35.22. Danach deutet der Geist nur von zwei Söhnen Japhets, welche Kinder gezeugt haben, nämlich von Gomer und Javan. Von den anderen Söhnen Japhets verschweigt er, was für Kinder sie gezeugt haben. Dies geschieht nicht ohne Ursache, denn der Geist deutet die zweierlei Menschen unter den Heiden im Reich der Natur an: Unter Gomer setzt er die drei Namen Askenas, Riphath und Togarma, welche Gomers Söhne sind, und sie offenbaren sich in der Natursprache so: Als das Sein der Natur. Als das geformte Wort in ein Sein fassen und in eine Beschaulichkeit hineinführen, als in den scharfen (trennenden) Verstand, um daraus eine Bildung zu machen. Und (zum Dritten) als eine Herrschaft oder Form eines Regiments des Eigenwillens nach dem Reich der Natur für zeitliche Herrlichkeit.

35.23. Und unter dem anderen Sohn Javan setzt er die vier Namen Elisa, Tharsis, Kithim und Dodanim und sagt, daß von diesen vierzehn Namen alle Inseln und Sprachen der Heiden erfüllt worden sind, und daß sie daraus kommen. Diese vier Namen deuten aus den Eigenschaften der Natur an: Im ersten einen guten halbenglischen Willen. Im zweiten eine Einführung des guten Willens in den Grimm der Natur, daraus eine bösartig kriegerische Ichheit geboren wird. Im dritten eine verkehrte Vernunft, darin sich der englische gute Wille als eine Närrin in die Ichheit des Verstandes führt und sich mit einem fremden Schein darstellt. Das deutet die heidnische Abgötterei an, darin sie sich durch den Verstand aus Gottes Licht herausgeführt haben. Und im vierten die heidnischen Götter und großen Königreiche, und daß sie der Geist der Natur in seine Form unter seine Macht führen würde. Denn unter dem Namen Dodanim deutet der Geist das Reich der Natur in der Ichheit mit eigenem Gottesdienst an, für einen äußerlich sichtbaren Gott, auf den man mit Fingern zeigen kann.

35.24. Und unter diesen vierzehn Namen in Japhets Linie wird das menschliche Reich der Natur ganz vorgebildet, und es ist besonders zu bemerken, daß sich der englische Wille mit dahineinschließt. Das bedeutet die Weisen im Licht der Natur, hochverständige Heiden, in denen sich das innere heilige Reich spiegelt, und welche (auch wenn ihnen die wahre göttliche Vernunft verschlossen stand und sie durch einen äußerlichen Schein sahen) in der Wiederbringung aller Wesen, wenn die Decke weggehen wird, in Sems Hütten leben sollen, nämlich im geformten Wort der Natur, aber doch in ihrer Eigenschaft.

35.25. Aus diesen vierzehn Zahlen der vierzehn Namen Japhets kommen die prophetischen und apokalyptischen Zahlen, daraus der Geist deutet, wie sich die Wunder der Natur nacheinander eröffnen würden und was in jedem Grad der Eröffnung geschehen soll, darüber wir hier schweigen und es an seinem Ort deuten wollen.

35.26. Unter Ham führt der Geist die größte Deutung vom Reich der Natur, denn er stellt die äußerliche Form des Verstandes dar und sagt: »Ham habe den Chus, Mizraim, Put und Kanaan geboren.« Chus gibt im Wesen der gebärenden Natur die Andeutung einer Form, einer gefaßten und schnell über sich schwingenden Lust in der Ichheit, gleich einem Laufen oder einer weithin herrschenden Macht, und ist die Wurzel des fürstlichen Regiments nach dem dritten Prinzip. Aber Japhet ist deren Grund nach dem ersten Prinzip.

35.27. Mizraim deutet eine ausdringende Kraft an, die sich in der Lust alsbald wieder faßt, in welcher das Zentrum der Natur in einer starken durchdringenden Lust mit hindurchgeht und die Lust-Form zersprengt. Das deutet den Ursprung der zerteilten Zungen an, wie sich die Kraft des einigen geformten Wortes der Vernunft zerteilen werde.

35.28. Der Name Put zeigt aus dem Wesen der Natur eine hohe Stätte an, aus welchem sich der Wille in die Höhe geschwungen hat, so daß sie vermeinten, einen hohen Turm zu bauen. Und Kanaan bedeutet ein Land der Niedrigkeit, darin sich Gott im Niedrigen finden lassen wollte, und deutet vor allem an, wie dieser hochfliegende Wille gestürzt werden soll.

35.29. Wenn es auch so ist, daß uns der Leser in dieser Zunge nicht verstehen kann, so stelle ich es wenigstens mit dem Ziel dar, daß er dem großen Geheimnis nachzudenken lerne, welches der Geist Gottes unter diesen Namen andeutet, woraus ein solches Vorhaben der wenigen Menschen auf Erden entstanden ist, und daß es alles im Wunder sei, daraus die Zungen und Sprachen entstehen. Denn der Geist in Moses sagt danach, »daß Chus den Nimrod gezeugt habe, der begann, ein gewaltiger Herr auf Erden zu sein, und ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn gewesen war.« Wer könnte dies nun verstehen, was er für ein gewaltiger Herr und Jäger vor Gott gewesen war, ohne das Verständnis der Natursprache, welche, weil es nicht jedermanns Gabe ist, wir nur dem Sinn nach andeuten, was der Geist im Wort der Essenz darin versteht.

35.30. Denn Nimrod ist ein gewaltiger Herr geworden und ein Jäger vor dem Herrn. Weil ich nun durch die Formungen des Wortes in die Essenz des Geistes sehen kann, so sehe ich, was Nimrod für ein Herr und Jäger gewesen war. Denn der Geist deutet darunter die Eigenschaften aus der Natur an, wie sich diese in menschlicher Natur eröffnet und in eine äußerliche Form zu einem gefaßten Regiment unter den Menschen hineingeführt haben. Und der Geist deutet mit dem Namen an, wie sich der menschliche freie Wille in der Natur der Vernunft geformt und sich ein solches Modell in das Gemüt eingebildet hat, aus welcher Einbildung das äußere Werk entstand.

35.31. Denn der Name Nimrod ist eine klare Deutung in der offenen Vernunft, daß er aus dem Chus komme, denn er ist in sich eine Fassung oder Gewaltannahme aus der Natur, wie sich die Natur in ein Regiment im Gemüt gefaßt habe und mit Gewalt aus sich gedrungen sei, und die unteren Eigenschaften gejagt und bedrängt hat. Darum sagt der Geist: »Ein Jäger vor dem Herrn.« Denn die Natur ist vor dem Herrn, und so sagt nun der Geist: »Ein Jäger vor dem Herrn.« Gleichwie ein Jäger wilde Tiere jagt, fängt und zähmt, so deutet der Geist an, daß aus der selbsterhobenen menschlichen Natur solche bösartigen Tiere entstehen würden, die nur in der äußeren Natur leben.

35.32. Und über diese törichten Tiermenschen entstand aus der Natur des Grimms der Jäger, als die äußere Herrschaft, die das Tierwesen jagen, fangen, töten und in Zaum halten sollte. Damit sollte der Jäger die Tiere zähmen und unter einem Regiment halten, sonst würde nur ein allgemeines Wüten, Reißen, Beißen und einander Auffressen unter den Menschentieren gewesen sein. Weil sie sich nicht von Gottes Geist regieren lassen wollten, mußten sie sich vom Amt der Natur regieren lassen. Denn was hätte der Herr sonst eines Jägers bedurft, so daß der Geist in Moses sagt, er sei ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn gewesen. Was vor dem Herrn aller Wesen jagt, das jagt nicht Hasen oder andere Tiere.

35.33. Moses hat eine Decke vor seinen klaren Augen. Der Geist deutet darunter das Regiment der Natur an, wie sich das menschliche Regiment in der Seele der äußeren Welt gefaßt habe, und wie es künftig unter ihnen gehen werde, was für Jäger aus dem Amt der Natur entstehen würden. Und er vergleicht die menschliche Herrschaft mit einem Jäger, der nur nach Tieren jagt, um diese zu fangen und zu zähmen. So werde es danach auch kommen, daß diese Jäger nach Menschen jagen würden, um diese unter ihre Dienstbarkeit zu fangen, und sie im Jagen durch ihre Jagdhunde beißen, töten und auffressen, durch Krieg und Mord verderben, und alles mit Gewalt zähmen und tun, und des Jägers Regiment in eigener genommener Gewalt gebrauchen.

35.34. Denn der Mensch war dem Grimm Gottes in der Natur anheimgefallen, und dieser drängte sich nun mit seiner Begierde empor und faßte sich in ein Regiment nach dem äußeren Gestirn und den vier Elementen. Wie diese aufbauen und zerbrechen, so handelte auch dieser Jäger mit seinen Tieren in seinem Spiel.

35.35. Hier kann sich die Welt einen Spiegel nehmen, denn das ist der wahre Grund des Ursprungs der weltlichen Herrschaft. Obwohl dieser Grund des Regiments einen inneren geistigen Ursprung hat, so ist es aber doch in der äußeren Form vor Gott nur wie ein tierisches Jägeramt für die Tiermenschen, die man so bändigen und zähmen muß.

35.36. Denn das innere geistige Regiment steht in großer Demütigkeit in einer englischen Form, dahinein auch Gott den Menschen erschuf. Wäre er nur im Paradies geblieben, dann hätte er nicht des Jägers bedurft. Weil er aber ein Tier sein wollte, so verordnete ihm Gott auch einen Jäger, der das wilde unzahme Tier bändigte. Und so sind Jäger und Tier vor Gott in dieser Welt tierischer Eigenschaft einer wie der andere. Weil es aber nicht anders sein konnte, so hält es Gott für seine natürliche Ordnung, denn er hat einem jeden Ding sein Regiment gegeben.

35.37. Nun ist es aber zu beklagen, daß dieser Jäger auch die zahmen Menschentiere jagt, schlachtet und frißt, die nicht unter seine Jagd gehören. Was soll man aber sagen, oder womit wollen sich die Kinder Gottes entschuldigen und sich von diesem Jäger vor Gott entledigen? Zumal ein jeder Mensch im äußeren des Jägers Hirschkuh an sich trägt, darüber der Jäger der Natur Gewalt hat. Und so muß der innere geistige Mensch sein äußerliches Tier unter dem Jäger lassen, denn sein äußerliches Tier ist auch bösartig.

35.38. Unter Hams Linie setzt der Geist Moses 29 Namen, die von Ham entstanden sind. Diese deuten 29 Eigenschaften aus dem dritten Prinzip an, nämlich aus dem Geist der äußeren Welt, wie sich das geformte Wort durch die äußere Natur offenbaren werde, sowohl in den Zungen (mit ihren sprachlichen Begriffen) als auch den Eigenschaften der Natur, daraus die Regimenter und Ordnungen der Landschaften entstanden sind, wiewohl eine jede Eigenschaft wieder seine Ausgeburt hat, gleichwie ein Ast am Baum andere Zweig gebiert. Dennoch deutet der Geist in Moses die Hauptwurzel und Eigenschaften unter diesem Namen an, was für Völker daraus entstehen, auch wie sie ihre Änderungen und Beendigungen nehmen würden. Das alles liegt in ihren Namen verborgen.

35.39. So hat Ham 29 Namen seiner Kinder, und er ist der 30ste. Mit 29 wird die Zahl seiner Kinder und Kindeskinder genannt, darunter die Zahl des Endes in Hams Regiment liegt. Die 30 ist seine ganze Zahl, und davon sagt der Prophet, daß dieser Ham den Gerechten für 30 Silberlinge verkaufen werde und diese für den Acker eines Töpfers hingibt (Sach. 11, 12). Wie ein Topf gegenüber seinem Meister geachtet ist, so ist auch der fleischliche Ham-Mensch gegenüber Gott geachtet. Er nimmt seine 30ste Zahl, welche er in das Reich Gottes hineinführen sollte, und gibt sie um ein irdisches Gefäß, das dem Acker gleicht, und verkauft dafür den Gerechten, der unter der 30sten Zahl im Wort der Kraft verborgen liegt. So scheidet sich der Gerechte unter der 30sten Zahl durch das Sterben von Hams Fleisch von der 29sten Zahl dieser Eigenschaften, welche sich in Ham emporschwangen. Denn im 30sten Jahr schied sich der Gerechte in sein Amt, nämlich Christus, und in der 30sten Zahl liegt dasselbe Geheimnis. Den Unseren hier verstanden und nur angedeutet.

35.40. Sem hat in seiner Linie der Ausbreitung 26 Namen, und er ist der 27ste. Und der Geist in Moses spricht ganz verdeckt: »Er sei ein (Stamm-) Vater aller Kinder von Eber, und Eber habe zwei Söhne gezeugt, einer hieß Peleg und der andere Joktan, und zwar darum, weil zu seiner Zeit die Welt zerteilt worden war.« Alles was der Geist in Moses von den äußeren Geschichten spricht, darunter schaut er auf die Linie Christi, denn er sagt, Sem sei ein Vater aller Kinder von Eber, obwohl Eber erst im dritten Grad nach Sem kommt. Doch so sieht der Geist genau auf das Wort im Bund, wo sich dasselbe in einer Linie eröffnet.

35.41. Denn Eber heißt in der Formung des Wortes so viel wie ein Schall oder eine Offenbarung des Wortes aus dem Zentrum. Und er sagt weiter, er habe Peleg gezeugt und ihn so wegen der Zerteilung genannt. Der Geist sieht hier nicht allein auf die äußere Zerteilung der Länder, sondern vielmehr auf die Linie, in welcher das Ziel des Bundes stand. Denn in Eber eröffnete sich das Ziel im Wort, als im Schall, und ging im Samen auf Peleg (in der Linie zu Abraham). Damit schied sich Adams und Christi Linie in den zwei Brüdern, wie auch danach bei Abrahams und Isaaks Kindern, mit Isaak und Ismael sowie mit Jakob und Esau. So auch hier mit Peleg und Joktan. Äußerlich war die Welt zerteilt, und innerlich das Reich Christi und das Reich der Welt. Das ist nicht so zu verstehen, das Joktan nicht im Bund geblieben sei. Allein der Geist sieht auf die Bewegung des Samens, in welcher Linie das Ziel in der Bewegung stand, darin sich das Wort wieder in der verblichenen Menschheit des himmlischen Wesens bewegen und in der Menschheit offenbaren wollte.

35.42. Die Namen der Kinder und Kindeskinder Sems sind nur Andeutungen der Eigenschaften aus der Wunderlinie des prophetischen Geistes Henochs, darin sich diese Eigenschaften aus dem Stamm in Äste führten, aber hier in Zweige.

35.43. Der Geist in Moses setzt unter Joktans Linie 14 Namen, als die Wunderzahl dieses Astes in Baumeigenschaft und als das Reich Christi nach der Natur Eigenschaft. Und von Peleg spricht er nicht mehr als von einem Sohn, den er gezeugt hatte, als er 30 Jahre alt gewesen war, den er Regu nennt, um die Linie Christi anzudeuten, darin das Ziel stand. So deutet der Geist nur auf Einen, denn durch Einen sollte der Bund eröffnet werden. Denn der Geist sah mit dem Einen auf das Reich der Gnade und mit den 14 Namen seines Bruders auf das menschliche Reich.

35.44. Und indem er sagt, er habe Regu gezeugt, als er 30 Jahre alt gewesen war, darin sieht der Geist vor sich auf Christus, der aus diesem Stamm entspringen würde und sich im 30sten Jahr seines Alters in seinem Amt offenbaren wird. Wie auch alle anderen Alter unter der Linie Christi, welche Moses andeutet, eine gewisse Deutung haben und auf die Zeiten der Bewegung im Bund deuten, nämlich durch die Propheten und andere Heilige, in denen sich der Bund bewegt hat.

35.45. Der Geist Moses setzt fünf Namen für die Kinder Sems, die aus Sems Lenden gekommen sind. Und wenn er auch mehr gezeugt hat (denn Moses sagt, er habe Söhne und Töchter gezeugt), so deutet doch der Geist nur auf die Eigenschaften des geformten Wortes im Bund menschlicher Eigenschaft. Diese fünf Namen bilden und stellen wie in einem Bild die fünf Grundsprachen der geistigen Zungen durch das geformte Wort aus dem hohen Namen Gottes dar, aus welchen Zungen der prophetische und apostolische Geist redet.

35.46. Und wenn wir dafür auch eine Form darstellen könnten, so würden wir doch dem Leser, der die Zunge der Natur nicht versteht, stumm bleiben. So haben wir es den Unseren nur angedeutet, denn der Geist deutet unter den Namen auch die Reiche an, und die Reiche sind Gottes, der sie mit seinen Namen ordnet, regiert und führt, ein jedes Reich nach seines Namens Eigenschaft. Denn wie die Eigenschaft von jedem Reich ist, so ist auch die Zunge der Sprachen und Sitten, wie geschrieben steht: »Welch ein Volk es ist, einen solchen Gott hat es auch.«

35.47. Nicht, daß es mehr als einen Gott gebe, allein man versteht darunter die göttliche Offenbarung, wie sich Gott so nach den Eigenschaften aller Völker in seiner Offenbarung im geformten Wort allen Völkern ergibt, so daß ein jedes Volk dasselbe einige Wort entsprechend seiner Eigenschaft führt, dessen äußerliche Form und Zerteilung Babel ist. Denn alles Volk hatte (zuvor) einerlei Zunge und Sprache und alle wohnten miteinander.

35.48. Die einige Zunge war die Natursprache, daraus sie alle redeten, denn sie hatten sie in einer Form und verstanden in dieser Sprache den Sinn (Sensum), als das Sein, wie der Wille das Sein formte. Denn so war auch der Geist im Wesen, dessen wir dem vernünftigen und erleuchteten Gemüt eine kurze Andeutung geben wollen, um nachzusinnen und in sich selbst in der Prüfung zu versuchen und zu üben. Nicht, daß man es aussprechen und in eine gewisse (verständliche) Form bringen könnte. Nein, das kann nicht sein, denn es ist der Geist der Weisheit Gottes in seiner Offenbarung.

35.49. Die Geister der Buchstaben im Alphabet sind die Form des Einigen Geistes in der Natursprache. Die fünf Selbstlaute (Vokale) führen die heilige Zunge der fünf heiligen Sprachen aus dem Namen JEHOVAH, daraus der Heilige Geist spricht, denn die fünf Selbstlaute sind der heilige Name Gottes nach seiner Heiligkeit. Denn der Name JEHOVAH hat nichts in sich, als nur die fünf Selbstlaute A, E, I, O und U („IEOUA“). Die anderen Buchstaben deuten die Natur an und sprechen aus, was der Name Gottes im geformten Wort in der Natur in Liebe und Zorn sowie in Licht und Finsternis zugleich sei. Aber die fünf Selbstlaute deuten einzig und allein an, was er im Licht der Heiligkeit sei, denn mit den fünf Selbstlauten wird die Natur tingiert (mit einer Tinktur geheilt), so daß sie ein Freudenreich sein kann.

35.50. Daß aber die alten Weisen, die dieser Zunge verständig waren, den Namen JEOVA das H eingesetzt haben und ihn JEHOVAH nannten, das geschah aus großem Verständnis, denn das H macht den heiligen Namen mit den fünf Selbstlauten in der äußeren Natur offenbar. Es zeigt an, wie sich der heilige Name Gottes in das Geschöpf aushaucht und offenbart. Die fünf Selbstlaute sind der verborgene Name Gottes, der allein in sich selbst wohnt. Aber das H deutet die göttliche Lust oder Weisheit an, wie sich die göttliche Lust aus sich selbst aushaucht.

35.51. Das innerliche Verständnis in den fünf Selbstlauten (von „IEOUA“) ist dieses:
I ist der Name JESUS.
E ist der Name Engel.
O ist die geformte Weisheit oder Lust des JE von JESUS, und ist das Zentrum oder Herz Gottes (der Sohn).
U ist der (Heilige) Geist, als das SUS von JESUS, welcher aus der Lust ausgeht.
A ist der Anfang und das Ende, als der Wille der ganzen Fassung, und ist der Vater.

35.52. Und diese fünf (Selbstlaute oder Bewußtseinsebenen) schließen sich mit der Fassung in drei ein, nämlich in ein solches Wort △/ (der wirkenden Dreiheit), und das ist „AOV“ für Vater, Sohn und Heiligen Geist. Das Dreieck deutet die Dreiheit der Eigenschaften der Personen an, und das V am Dreieck deutet den Geist im H an, als im Hauchen, darin sich der ganze Gott in Geistesweise mit seinem Aus-sich-selber-Ausgehen offenbart.

35.53. Die anderen Buchstaben außer den fünf Selbstlauten kommen aus dem Namen Tetragrammaton (Bezeichnung für die vier hebräischen Konsonanten bzw. Mitlaute JHWH des Gottesnamens Jahwe), als aus dem Zentrum der ewigen Natur, aus dem Prinzip, und deuten an und sprechen aus die Unterschiede der geformten Weisheit, als des geformten Wortes in den drei Prinzipien, darin die ganze Schöpfung liegt. Sie sind der Sinn (Sensus) der Schöpfung als die Eigenschaft der Kräfte und der wahre geoffenbarte Gott im Wort der Natur. Dies versteht nun weiter so:

35.54. Wenn sich die Lust des Menschen in eine Begierde faßt, als der freie Wille des Menschen, so faßt er das ganze Alphabet, denn die Begierde ist das Schöpfen, und die Lust zur Begierde ist die Beschaulichkeit des freien Willens, als das geformte Wort der Weisheit, darin sich der freie Wille beschaut, wohinein er die Lust der Weisheit führen will, ob in Gutes oder Böses. Und wenn sich der freie Wille beschaut hat, dann schöpft er mit der Lust in den Buchstaben, als im Sinn der Natur, und komponiert die Sinne der Buchstaben zusammen und faßt die Lust in ein Wort (der „Information“), das dann in einer innerlichen Form steht, nämlich in einem gefaßten Gedanken.

35.55. Dann nimmt der freie Wille das H, als den Geist des Aushauchens, und führt den geformten Gedanken vor den Rat der fünf Sinne, die das gefaßte Wort beschauen und prüfen, ob es tauge oder nicht. Wenn es ihm nun gefällt, dann nimmt das H, als der hauchende Geist, das Wort und führt es auf die Zunge in den Mund, wo der Werkmeister zum Schöpfen ist, welches der göttliche Werk-Zeuge ist, und bildet die Sinne der Eigenschaften aus den Buchstaben, wie sie der freie Wille in eine Substanz zum Lauten oder Schallen komponiert hat, zur Offenbarung oder Aussprechung.

35.56. Nun versteht uns hier genau! Wie sich nun ein jedes Wort im Mund zur Substanz faßt, als zum Aussprechen, wie es der Werkmeister bildet, der als das Schöpfen in den Sinnen ist, und wie die Zunge mitwirkt, wenn sie es faßt, und durch welchen Weg sie es ausführt, entweder durch die Zähne oder über sich oder mit offenem Mund, oder wie sich die Zunge im Fügen des Wortes schmiegt, welchen Sinn sie wieder zurückzieht und nicht ganz ausstoßen will, so daß dann mancher Sinn kaum halb ausgestoßen wird, mancher aber ganz, mancher aber wieder halb zum Herzen gezogen, und wie nun das Wort (auf diese Weise) gebildet wurde, so ist auch das Ding in seiner Form und Eigenschaft, welches das Wort damit nennt, und so wird es äußerlich bezeichnet und innerlich in der Verdichtung der Sinne, und von einer solchen Tugend oder Untugend ist es auch.

35.57. Welcher Mensch nun das Verständnis der Sinne hat, nämlich der Geister der Buchstaben, so daß er versteht, wie sich die Sinne in der Lust komponiert haben, der versteht es in der Fassung des Wortes, wenn sich dieses zur Substanz faßt, und der beherrscht die sinnliche Sprache der ganzen Schöpfung und versteht, woraus Adam allen Dingen Namen gegeben und woraus der Geist Gottes in den Alten gedeutet hat.

35.58. Dieses ist der Grund der Hauptsprachen. Als alle Völker in einer Sprache geredet haben, da konnten sie einander verstehen. Als sie aber die sinnliche Sprache nicht mehr gebrauchen wollten, ist ihnen der wahre Verstand erloschen, denn sie führten die Geister der sinnlichen Sprache in eine äußerlich grobe Form und faßten den subtilen Geist des Verstandes in eine grobe Form, und lernten aus der (äußeren) Form reden, wie nun heutzutage alle Völker nur aus dieser Form ihrer gefaßten sinnlichen Sprache reden.

35.59. Kein Volk versteht mehr die sinnliche Sprache, aber die Vögel in den Lüften und die Tiere im Wald verstehen sie nach ihrer Eigenschaft.

35.60. Darum mag der Mensch bedenken, wessen er beraubt wurde und was er in der Wiedergeburt wiederbekommen soll, wenn auch nicht hier auf Erden, dann doch in der geistigen Welt. Denn in der sinnlichen Sprache reden alle Geister miteinander, und sie brauchen keine andere Sprache, denn das ist die Natursprache.

35.61. Unsere Gelehrten lassen sich Doktoren und Magister nennen, aber keiner versteht seine Muttersprache. Sie verstehen nicht mehr vom Geist als der Bauer von seinem Werkzeug zum Ackern. Sie gebrauchen nur allein die gefaßte Form der groben komponierten Wörter und verstehen nicht, was das Wort in seinem Sinn ist. Daraus entstehen Zank und Streit, so daß man um Gott und seinen Willen streitet. Man will lehren, was Gott sei, aber sie verstehen nicht das mindeste von Gott.

35.62. Denn die fünf heiligen Sprachen in der sinnlichen Sprache sind Gottes Wort. Es ist seine Wirkung durch die sinnliche Zunge, nämlich durch die Eigenschaften, wie man auch nicht leugnen kann, daß Gott allen Geschöpfen und Gewächsen Kraft und Leben gibt. Denn sein heiliger Name besteht durch alles, und diesen heiligen Namen hatte Adam zur Habhaftigkeit in seiner Sinnlichkeit wirkend, regierend und fühlend. Und eben dieses Juwel verlor er. Das wird nun im heiligen Namen Jesu wiedergebracht und angezündet (bzw. erleuchtet).

35.63. Darum kann sich keiner mit Recht einen Gelehrten der Heiligen Schrift nennen, vielweniger einen Doktor derselben, er verstehe denn die sinnliche Zunge, so daß er erkennt, wie der Heilige Geist durch die sinnliche Sprache in den Heiligen der Schrift gesprochen habe. Wenn er nicht den göttlichen Sinn in der Heiligen Schrift versteht, dann laß er diese nur ungemeistert, denn er ist darin nicht gelehrt, sondern nur ein Buchstabenwechsler (der mit Buchstaben schachert), und versteht doch keinen einzigen Buchstaben in seinem Sinn.

35.64. So versteht uns auch zum Weg der Kinder Noahs, nämlich von Japhet, Sem und Ham sowie ihren Kindern und Kindeskindern. Sie hatten die sinnliche Sprache verloren und sich eine geformte gemacht, und redeten so in einer (äußerlich) geformten Sprache, die sie dann im Sinn selber nicht mehr verstanden. Darum war ihnen Gott verborgen, denn sie verstanden in ihrer Sprache nicht mehr die (innerliche) Stimme des Heiligen Geistes, als die geistige Zunge der fünf Selbstlaute.

35.65. Und sie sahen sich nach Gott um, wo er nun sein könnte, und dachten schließlich, er wäre auch etwas Formliches und Abteiliges. Und weil sie auf Erden nichts von Gott erkennen konnten, was oder wo er wäre, aber gleichwohl von ihren Vätern so viel von Gott gehört hatten, so dachten sie, er müßte in der Höhe über den Sternen wohnen, und meinten, es würde nicht weit dahin sein. Deswegen nahmen sie sich vor, einen Turm zu bauen, dessen Spitze an den Himmel reicht, so daß sie zu ihm hinaufsteigen könnten. Auch wollten sie sich dadurch einen großen Namen machen, daß sie einen Turm bis zum Himmel gebaut hätten.

35.66. Eine solche Wissenschaft hat der geformte Verstand von Gott, wie man noch heutzutage solche Doktoren findet, die nicht mehr von Gottes Wohnung und Wesen wissen als diese Turmbauer. Und sie bauen in ihrer Kunst allesamt an diesem hohen Turm, aber können nirgends hinauf zu Gott kommen, und darum zanken sie am Bau. Ein jeder sagt, wie er schneller und besser zu bauen sei, und können doch nimmermehr einig werden, denn sie haben sich daran alle zu Tode gebaut, bis der Herr einen Wächter schickt und ihnen weist, daß es vergebens ist, und daß sie ihn nicht in der Höhe finden werden, sondern daß er mitten unter den Buchstaben ist, aber sie ihn nicht erkannt haben.

35.67. Dessen wir uns freuen, daß nun die Zeit geboren ist, daß wir vom Turmbau zu Babel weggeführt worden sind und den heiligen Gott in der sinnlichen Sprache sehen können. Halleluja! Der Turm ist zerbrochen und umgefallen, daran sich unsere Väter zu Tode gebaut und ihn nicht ausgebaut (niemals fertiggebaut) haben. Dessen Grund soll nicht mehr gelegt werden, solange die Erde besteht, sagt der (sehende) Geist der Wunder.

35.68. Das verborgene Geheimnis des Turms und der zerteilten Sprachen ist dies: Die Menschen hatten die sinnliche Sprache des Heiligen Geistes in eine stumme (tote) Form gefaßt und gebrauchten das geformte Wort der menschlichen Vernunft nur in einer Form wie in einem Gefäß, und redeten nur mit dem Gefäß, und verstanden nicht das Wort Gottes in seiner eigenen sinnlichen Zunge, so daß Gott selbst im redenden Wort der Vernunft wäre. Wie auch noch bis heute dergleichen geschieht und ist.

35.69. Nun hatte sich aber Gott mit seinem Wort in das menschliche Bild im Anfang der Schöpfung einverleibt, als in die Eigenschaften der Sinne, und wollte nicht stumm oder in einer einzigen gefaßten Form sein. Weil aber alle Dinge im Samen, Wachsen und Ernten stehen, so war nun die Zeit der Blüte des menschlichen Baums, da sich der Geist der Sinne in seinen Eigenschaften mit der Blüte hervortat, die Eigenschaften durch die Blüte ausführte und aus der Blüte in die Früchte. Und wie sich nun eine jede Blüte am alleräußersten und höchsten des Halmes oder Zweiges am Baum auftut und hervorgeht, so trieb auch der Geist die Menschenkinder dahin, daß sie einen solchen hohen Turm gleich einem hohen Baum oder Halm bauten, denn er wollte seine Blüten und Früchte auch in der Höhe des Halms offenbaren. Und oben auf dem Turm, den sie bis zum Himmel bauen wollten, tat sich der sinnliche Geist mit der Blüte auf.

35.70. Denn der Menschen Wille war, daß sie zu Gott steigen wollten, und in dieser Begierde des Willens tat sich der sinnliche Gott hervor, denn sie suchten ihn nur auf eine umschriebene Weise. So entgegnete er ihnen auch nur auf eine gefaßte sinnliche Weise aus gefaßten Zungen und Sprachen, daran sie doch stumm waren und ihn nicht erkannten.

35.71. Denn sie waren mit dem heiligen Sinn in die Natur eingegangen, nämlich mit dem gedanklichen Geist, und die Natur hatte sie im Verstand gefangen. Darum offenbarte sich ihnen auch Gott mit dem sinnlichen Geist in gefaßter Form der Zungen, nämlich aus den 72 Eigenschaften durch die drei Prinzipien, als durch ein dreifach sinnliches Alphabet nach den Eigenschaften der drei Welten und damit durch dreimal vierundzwanzig Buchstaben in gefaßter Form der Zungen. Und zwar aus einem jeden Buchstaben durch die drei Prinzipien, nämlich in drei Eigenschaften der Zungen und Sprachen, entsprechend der Eigenschaft der Dreiheit der Gottheit.

35.72. Und daraus entstanden 72 Sprachen aus der einigen sinnlichen Zunge, darin alle Sprachen liegen, und eine jede Zunge und Sprache ging auf sein Volk. Je nachdem ein jedes Geschlecht einer Eigenschaft aus dem Stamm des menschlichen Baums aus dem geformten Wort war, eine solche Sprache entstand auch aus ihnen und ihrem Sinn, nämlich aus der jeweiligen Eigenschaft des geformten Wortes.

35.73. Denn der Sinn der menschlichen Rede, so daß er reden kann, kommt ursprünglich aus dem göttlichen Wort zu ihm, das sich mit dem Schöpfungswort in eine Schöpfung hineinführte. Nun führte sich dieses Wort durch die verdichteten Eigenschaften nach Art, Form und Eigenschaft jeder Verdichtung heraus (zur „Existenz“), denn so unterschiedlich sind auch die Sinne in der Qualität im Reich dieser Welt, über einem Land immer anders als über dem anderen. So hat auch Gott die Sprachen nach der Eigenschaft eines jeden Landes formiert (bzw. „informiert“).

35.74. Denn weil sich die Völker in viele Länder zerstreuen sollten, hatte er jedem Volk eine Sprache eröffnet, wie es in einem Land wohnen würde, welche sich unter diese sinnliche Qualität schickte und damit übereinstimmte, so daß die Qualität des Landes die Verwirrung nicht in sich hineinführte, wenn sie an diesem Ort mit dem Wort ihrer Stimme dem geformten Geist in der Seele der großen Welt ihre Stimme hineinführten.

35.75. Wie also die Offenbarung des geformten Wortes im Geist der Welt an jedem Ort war, so formte sich auch der Geist Gottes durch die Natur der Eigenschaften die Sprache in jedem Land. Erstlich die 72 Hauptsprachen aus der Natur, und danach die Nachkommen aus den Sinnen jeder Hauptsprache, wie man das vor Augen sieht, daß man an keinem Ort der Welt unter allen Hauptsprachen auf fünf oder sechs Meilen einerlei Sinn in einer Hauptsprache findet. Sie verdrehen sich fast alle fünf oder sechs Meilen, alles nach den Eigenschaften der jeweiligen geographischen Lage (Elevatia Poli oder Höhe). Denn was für eine Eigenschaft die Luft in ihrem vorherrschenden Gestirn hat, eine solche Eigenschaft hat auch das gemeine Volk in der Sprache.


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