Jacob Böhme

Jacob Böhme

Muß Ich erst sterben, um zu leben? Gibt es ein ewiges Leben? Kann es unvergängliche Gesundheit, unvergänglichen Reichtum und unvergängliches Wissen geben? Zumindest gab es schon immer einige Menschen, die dafür einen schmalen Weg gefunden und gewiesen haben, der ganz anders erschien als die breiten Wege unserer gewöhnlichen Weltlichkeit. Die Wenigen haben ein ganzheitlich leuchtendes Licht aufgezeigt, aber viele Menschen wollten lieber ihr eigensinniges Feuer besitzen. Zu diesen mystischen Propheten gehörte auch ein einfacher Schuster, der vor 400 Jahren nicht weit von uns im Land der Sachsen gelebt und gewirkt hat. Viele haben ihn geliebt, viele aber auch gehaßt, denn er lobte das Licht der Liebe und warnte vor dem Feuer der egoistischen Begierde und Heuchelei. Auch damals war es schon so: Wer in dieser Welt den Egoismus und die Heuchelei kritisiert und den Teufel nicht in äußeren Feindbildern, sondern im eigenen Denken und Wollen aufzeigt, hat erfahrungsgemäß viele Feinde. So predigte Jacob Böhme das Christentum nicht als politisches Machtmittel der Kirche, um Menschen zu beherrschen, zu binden und zu unterdrücken, sondern um sie zu erheben und von ihren Fesseln zu befreien. Doch lesen Sie selbst. Aber bitte nicht zu schnell, denn der Text ist mehr zur langsamen Meditation geeignet. Dazu haben wir hier versucht, einige seiner überlieferten Texte so aufzubereiten, daß die deutsche Sprache nach heutiger Bedeutung und Grammatik etwas verständlicher klingt. Sicherlich ist diese Überarbeitung noch nicht perfekt. Wer Fehler findet oder konstruktive Verbesserungen, kann sie uns gern an eine der untenstehenden E-Mails zusenden. Danke!

Inhaltsverzeichnis unserer deutschen Überarbeitungen

Der Weg zu Christo (1624)
Von der Gnadenwahl (1623)
Die drei Prinzipien (1619)

Jacob Böhme - Biographie

Jacob Böhme nach Christoph Gottlob Glymann um 1715Jacob Böhme wurde 1575 in Alt-Seidenberg bei Görlitz im heutigen Sachsen geboren, absolvierte eine Lehre als Schuhmacher, ließ sich nach seinen Wanderjahren 1599 in Görlitz nieder und heiratete. Seine Frau gebar ihm zwischen 1600 und 1606 vier Söhne. In dieser Zeit hatte er mindestens drei mystische Erfahrungen, die ihm offenbar tiefste Einblicke in das Wesen des Geistes eröffnet hatten. Dazu studierte er als Autodidakt die Bibel und vermutlich auch andere philosophische und alchimistische Werke seiner Zeit. Um 1612 schrieb er seine praktischen und visionären Erfahrungen zusammen mit dem Zweifel an der damaligen Kirchenlehre in seiner ersten berühmten Schrift nieder: »Aurora oder Morgenröte im Aufgang« Darin spricht er nicht als gelehrter Theoretiker, sondern aus praktischer Erfahrung von dem, was er selbst verwirklicht hatte:

„Ich brauche die Art und Weise der künstlich Gelehrten mit ihren Formeln nicht, weil ich es nicht von Menschen gelernt habe. Ich habe einen anderen Lehrmeister, und der ist die ganze Natur. Von dieser ganzen Natur mit ihrer instehenden (bevorstehenden geistigen) Geburt habe ich meine Philosophie, Astrologie und Theologie studiert und gelernt, und nicht von oder durch Menschen.“ (Aurora, Kapitel 22)

Doch diese selbstverwirklichte Weisheit, die manchen stolzen Theologen überforderte, brachte ihm auch den Haß des Görlitzer Hauptpastors ein, einem Anhänger der lutherischen Orthodoxie. So wurde er mit einem Schreibverbot bestraft, das er fünf Jahre lang befolgte, und veröffentlichte erst ab 1619 weitere 21 tiefgründige und vielgelesene Schriften, darunter »Von den drei Prinzipien des Göttlichen Wesens« (1619), »Mysterium Magnum« (1623) und »Der Weg zu Christo« (1624).

„Lieber Leser, halte dies nicht für eine ungewisse Dichtung. Es ist der wahre Grund und enthält innerlich die ganze Heilige Schrift, denn das Buch des Lebens Jesu Christi ist darin klar vor Augen gezeichnet, wie es vom Autor selbst erkannt worden ist, denn es ist sein Prozeß (der Entwicklung) gewesen. Er gibt dir das Beste, was er hat, und Gott gebe das Gedeihen!“ (Der Weg zu Christo: Von wahrer Buße §52)

Dann mußte er 1624 nach Dresden flüchten, durfte aber schon bald wieder heimkehren, weil er seine Thesen bei einem großen wissenschaftlichen Streitgespräch erfolgreich verteidigen konnte. Doch kurz nach seiner Rückkehr aus Dresden erkrankte Böhme schwer. Noch im Sterben traf ihn der Haß der örtlichen Kirchenführung, so daß er darum kämpfen mußte, überhaupt ein christliches Begräbnis zu bekommen. Nur mit Mühe wurde ihm das heilige Abendmahl von einem Hilfspfarrer zugestanden. Einige Stunden vor seinem Ende hörte er des Nachts himmlische Musik und bat seinen Sohn, die Tür zu öffnen, um sie besser hören zu können. Dann befahl er seine Seele dem rettenden Gott und barmherzigen Herrn Jesus Christus, segnete Weib und Kinder und sprach in früher Morgenstunde des 17. November 1624: „Nun fahre ich hin ins Paradies.“ Danach verschied er laut eines glaubwürdigen Berichts mit glücklichem Gesicht sanft und selig.

„Wer nicht stirbt, bevor er stirbt,
Der verdirbt, wenn er stirbt.“

Mit diesem Zitat möchten wir den Kreis zur anfänglich gestellten Frage schließen. Der Lebenslauf von Jacob Böhme erinnert uns übrigens sehr an die großen Seher in Indien, wie zum Beispiel Shrimad Rajchandra, der ähnlich zum Schreiben inspiriert wurde. Nur wurden sie in Indien als große Heilige verehrt, aber in Deutschland als Ketzer beschimpft und verfolgt. Und wer ihre Texte achtsam liest, wird viele Gemeinsamkeiten finden, die nur mit unterschiedlichen Worten und Symbolen ausgedrückt werden. Das ist auch kein Wunder, denn diese Menschen haben ihre Weisheit nicht von künstlich gebildeten Professoren an Universitäten gelernt, sondern praktisch in der Tiefe ihres menschlichen Wesens selbst gesehen, erfahren und verwirklicht. Und dieses innere Wesen ist wohl überall auf der Welt das gleiche...

Veröffentlichung am 21. Dezember 2020


Für einen relativ leichten und kulturell sehr wertvollen Einstieg können wir folgende Hörspiel-Produktion von Ronald Steckel empfehlen (Quelle: Deutschlandfunk Kultur):