Das Mysterium Magnum

(Text von Jacob Böhme 1623, deutsche Überarbeitung 2022)

30. Kapitel - Die Bundeslinie von Seth

Von der Linie des Bundes von Seth. (1.Mose 5.1-20)

30.1. Die Linie des Bundes ist nicht so zu verstehen, als ginge der Bund allein auf diese Linie. Nein, der Bund geht auf das einige Leben, das im Wort schon vor der Menschheit war. Die Linie Seths geht allein auf die Offenbarung im Fleisch, in welcher Linie sich das Wort im Bund äußerlich im Fleisch offenbaren wollte. Aber der Geist aus dem Zentrum im Bund geht ebenso auf Kains und auch Abels Linie, aber in Kains im Geist, und in Seths im äußeren Mund als im gefaßten Wort, nämlich im Lehramt. Denn Seth war nach dem Geist aus dem Bund entsprossen, darin sich der Geist im einverleibten Wort im Bund bewegte, und Kain war im Begriff des Geistes der Natur.

30.2. Denn durch Kains Linie kamen die Künste hervor, welche ein Wunder der göttlichen Weisheit, Beschaulichkeit und Formhaftigkeit waren, nämlich des geformten Wortes durch und in der Natur. Und in Seth ging das Wort in ein formhaftes Leben, als in eine geistige Beschaulichkeit, darin sich das Wort Gottes mit der Weisheit in einem geistigen Bild schaute, aber in Kains Linie in einem natürlich geformten Wort, während doch beides zu Gottes Wundertat dient.

30.3. Nicht wie Babel richtet, daß sich Gott aus seinem Vorsatz so einen Teil der Menschen in seinem Zorn zur Verdammnis vorbestimmt und erkoren habe, und den anderen Teil zum Leben. Welche so richten, die sind noch unter der Zahl Siebenundsiebzig in der Vervielfältigung des Wortes. Denn Adam geschah doch die Verheißung, bevor Kain empfangen wurde. Der Bund ruhte in Adam und Eva mit der Gnade, aber der Geist der Heiligung und Wiedergeburt durch Christus ging allein auf des Weibes Samen, als auf den verschlossenen Samen des Himmelreichs in die Tinktur des Lichtes, in die Venus-Matrix, darin sich Adam, als er Mann und Frau war, in eigener Begierde und Liebe hätte fortpflanzen sollen. Welche aber, weil es nicht sein konnte, von Adam genommen und in eine Frau geschaffen wurde.

30.4. Als aber das Weib irdisch wurde, wurde der himmlische Teil dieser Matrix zur himmlischen Geburt im Tod verschlossen. Und in diese Matrix verleibte sich das Wort Gottes mit dem Bund wieder ein, um sich in dieser Matrix mit einem lebendigen himmlischen Samen zu offenbaren und die Gewalt des Todes zu brechen.

30.5. Denn nicht im geformten Wort der Natur, als in Kains Geschlecht, wollte sich das Wort eröffnen, sondern im verblichenen himmlischen Wesen. Und durch dieses, wieder lebendig gemachte himmlische Sein, als durch des Weibes Samen des himmlischen Teils, wollte es der Schlange, als der eingeführten Begierde des Teufels im Grimm der Natur, den Kopf zertreten, nämlich dem Grimm in Kains und Seths Geschlecht.

30.6. In Seth und Abel eröffnete sich das Wort im Bund wie die Stimme eines Lehrers. Diese Stimme sollte auch Kains Geschlecht in seinem Leben einnehmen und ins Leben fassen, sowie zur neuen Wiedergeburt. Daß aber viele von ihnen im Tod geblieben sind und die Stimme verachtet haben, ist die Schuld des freien Willens, der sich vom Teufel im Zorn Gottes halten ließ und noch heute halten läßt, so daß der Kain-Wille die Natur und Ichheit zu viel liebt.

30.7. Denn wenn der freie Wille der Seele das Wort im Bund ergreifen will, dann muß er seiner natürlichen Ichheit und des Eigenwillens absterben und mit dem Eigenwillen im Bund gelassen sein, so daß er dem Wort und Geist im Bund mit seiner Begierde nachgebe, wie ihn dieser führt.

30.8. Und das will Kain nicht gern tun. Er will ein eigener Herr sein, und bildet sich in seinem freien Willen mit der Begierde ein Monstrum und böses Tier, das dem ersten Bild des geformten Lebens im Wort Gottes nicht ähnlich sieht. Über dieses Tier gehen nun Christi Worte, wenn er sagt: »Es sei denn, daß ihr umkehrt und wie die Kinder werdet (das heißt, daß ihr aus dem Willen des selbergeborenen Tieres ausgeht und wieder in die Form des ersten Lebens eingeht), sonst könnt ihr Gottes Reich nicht sehen.« Oder: »Ihr müßt aus dem Wasser des Wesens der himmlischen Welt und aus demselben Heiligen Geist aus dem Bund neugeboren werden, anders könnt ihr Gott nicht schauen. (Joh. 3.3)«

30.9. Denn dieses bösartige Tier der widergöttlichen Form ist zur Verdammnis bestimmt, aber der Bund ist im Leben. Wenn sich der freie Wille dem Bund hingibt, dann steht Christus aus dem Bund im Leben in seiner Menschheit auf, und damit stirbt das fremde Tier in Christi Tod, und der Wille formt sich wieder in das erste Bildnis, wie es Gott erschuf. Und solches geht nicht allein auf Seth, sondern auf Adams Leben, als auf das einige Leben des Menschen, das im Wort Gottes war, und dringt von Einem auf Alle, gleichwie alle Äste in einem Baum den Saft von der einigen Wurzel des Stammes nehmen.

30.10. Aber die Eigenschaften der Natur, als des natürlichen Lebens, haben sich aus Adams Stamm in besondere Äste und Zweige hineingeführt, daraus die Vielfalt der Völker, Zungen und Sprachen entstanden. Das Leben ist aber einerlei, und der Bund im Leben drang aus der Wurzel des Lebens, als aus dem Wort Gottes, daraus das Leben kam, auf alle. Wie dann auch die Sünde, als der Abfall, auf alle drang, keinen ausgenommen. Denn sowohl die Kinder Seths waren unter der Sünde beschlossen als auch die von Kain. Aber der Bund mit seiner Offenbarung drang auf Seth, denn sein Name heißt in der Natursprache ein aushauchender Sprung aus dem Leben durch das Feuer-Zentrum der Seele, darin sich das Wort Gottes durch das Leben wieder eröffnen wollte.

30.11. Und Moses sagt: »Seth zeugte Enos.« Und in dieser Zeit fing man an, vom Namen des Herrn zu predigen, denn der Name Enos deutet in der Natursprache eine göttliche Lust durch das Leben an, darin sich das geformte Wort im Hall und Schall des Lebens schauen wollte. Darum begann der Geist Gottes aus dem Bund durch das Leben der Menschen von Gott und seinem Wesen und Willen zu lehren, und das war der Anfang der göttlichen Beschaulichkeit durch die geformte Weisheit im Wort, darin sich das Wort durch die Weisheit im geformten menschlichen Hall schaute.

30.12. Und wie sich das Leben durch Kains Linie durch die Wunder der geformten Weisheit der Natur mit allerlei Künsten und Werken, wie auch Regimenter und Ordnungen formte und zu Gottes Wundertat führte, als zu einer Beschaulichkeit von Gut und Böse, des Lichts und der Finsternis, in gleicher Weise führte der Geist Gottes aus der Linie des Bundes im offenbarten Wort die Wunder göttlicher Heiligkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Geduld hervor und zeigt durch die Predigt des geformten Wortes an, was Gottes heiliges und geistiges Reich sei.

30.13. In Kain wurde das Reich der Natur vorgestellt, und in Abel und Seth das übernatürliche göttliche Reich. Diese beiden gingen mit und ineinander zur Beschauung der göttlichen Lust in der geformten Weisheit auf, und ein jedes trieb im Besonderen in seine Beschaulichkeit als ein Wunder aus.

30.14. Denn von Adam bis Lamech sind sieben Glieder in der Linie der Wunder, und in der anderen Linie, als in der Bundeslinie von Adam bis Henoch, sind ebenfalls sieben Glieder. Henoch ist der Achte (inklusive Abel), als ein Anfang des prophetischen Geistes, denn in den ersten sieben Gliedern wurde die Form des geistigen Reichs aus dem Lebensbaum dargestellt.

30.15. Adam war der Stamm, denn sein Leben entstand aus dem Wort. Weil sich aber das Leben der Natur in ihm über das Leben im geformten Wort schwang, das Regiment haben wollte und das Leben aus dem Wort verdunkelte, so gab sich das Wort selbst mit einem Bund zu einem Leben hinein und stellte seine Bildung in Abel dar, wie das Naturleben zerbrechen und aus dem ersten Leben das Wort der göttlichen Kraft wieder grünen sollte.

30.16. So war Abel die Vorbildung des zweiten Adams, als Christi, und mußte deshalb wegen des Bundes ermordet werden, denn Christus sollte den erhobenen natürlichen Willen töten und einen neuen ausführen. Darum sollte auch Abel kein natürliches Kind zeugen, sonst wäre es der Natur fremd gewesen. Denn sie sollten alle aus einem Stamm herkommen, und das Wort wollte durch den einigen Baum im Bund ausgrünen, auf daß die Kinder der Gnade aus dem Baum der Natur ausgeboren würden, wie der Tau aus der Morgenröte.

30.17. Denn so stellte sich auch die Bildung der neuen Geburt aus dem Stamm dar: Zuerst ging die Linie von Adam aus, welcher der erste war. Abel war der zweite, Seth der dritte, und Enos der vierte, da man vom geistigen Reich zu lehren begann. Kenan war der fünfte, der in der Natursprache eine ausgehende wiedergefaßte Lust göttlicher Beschaulichkeit heißt, in welcher sich das gelehrte Wort formte, als im Gebet und in der Willensbegierde, sowie in ihren Opfern.

30.18. Mahalaleel war der sechste, und heißt in der Natursprache eine englische Form eines englischen Reichs, da der Geist das Reich Christi in diesem Namen vorbildete.

30.19. Jared war der siebente, und mit dessen Namen versteht man in der Natursprache einen Priester oder Fürsten des geistigen Reiches. Denn wie Irad der Regent im Naturreich sein sollte, so sollte Jared ein Regent im geistigen Reich sein, denn aus Jared ist Moses Amt gekommen, und aus Irad das Reich der weltlichen Herrschaft und gefaßten Regiments.

30.20. Es zeigt sich aber die Natursprache klar, daß Jared nur ein Vorbild eines geistigen Reichs war, denn der Name führt den Cherub mit sich durch das Wort heraus. Denn das geistige Reich war auf Erden im Grimm Gottes gefangen, bis zu Christus, der den Zorn zerbrach.

30.21. So ist dieses Amt von Jared zweifach: Äußerlich ist die Bildung des geistigen Reichs mit dem Grimm Gottes verbunden, und innerlich ist das wahre heilige Reich, das der bußfertige Mensch einnimmt. Auswendig ist Moses, und inwendig Christus.

30.22. Aus diesem auswendigen Reich ist die große Mutter der babylonischen Hurerei im Reich Moses bei den Pharisäern und im Reich Christi bei den Buchstabschreiern entstanden, welche alle nur in der Bildung als ein Abgott prangen und sich sehen lassen, als wären sie das heilige geistige Reich. Aber der Cherub führt den Hall durch ihr Wort aus, als eine Mitstimme des grimmigen Zorns Gottes.

30.23. Und darum müssen sie um das Reich des göttlichen Willens zanken, denn sie haben nicht den Geist des inneren geistigen heiligen Reichs, sondern nur die Stimme aus der Bildung, darin Gutes und Böses im Streit sind. Den Buchstaben haben und führen sie, aber lediglich nur als ein Instrument, als eine Bildung der geistigen Form. Denn so stellt es auch der Geist mit dem Namen „Jared“ dar, als ein vermischtes Reich auf Erden, dadurch die inneren geistigen neugeborenen Kinder geübt und probiert werden sollten.

30.24. Und er zeigte in dieser Form an, wie der größte Haufen in diesem geistigen Amt im Schwert des Cherubs gefangen würde und ihnen das Amt vom Cherub vor Gottes Heiligkeit abgeschnitten und dem Zorn zu seinem geistigen ewigen Reich gegeben wird.

30.25. Denn gleichwie Lamech in Kains Linie zwei Frauen als zwei Willen nahm und sein Reich darin verwirklichte und schließlich die siebenundsiebzigfache Rache aus dem Zentrum der Natur aus den sieben Eigenschaften über den Mord des freien Willens führte, welcher sein Leben in vielen ermorden würde, so führte auch Jared zwei Willen in seinem Naturnamen, nämlich einen in Gottes Liebe und Erbarmen im Bund, und den anderen in die Bildung, in welcher der Zorn Gottes mitgeht und den schändlichen Abgottbauch mitführt. Und das ist wohl trefflich (auf symbolische Weise von Moses) dargestellt.

30.26. Und Moses sagt weiter: »Jared zeugte Henoch.« Hier geht die große Wunderpforte auf, darin aus Jared, als aus dem Reich der Wunder, der Prophet entstehen muß. Denn der Prophet ist des Reiches Mund. Er zeigt an, was das Reich sei, wie es im Bösen und Guten ergriffen ist, und was der Ausgang und das Ende aller Dinge sein werde. Auch weist er auf das Mittel, wie die Verwirrung das Leben ergriffen habe, und droht mächtig mit Gottes Zorn, wie das Schwert Cherubs die Falschheit abschneiden wolle.

30.27. Henoch heißt in seiner eigenen Sprache soviel wie ein ausgehauchter Odem göttlicher Lust, der sich so mit dem Aushauchen in der Zeit in einer Form geschaut hat, welche Kraft des Aushauchens den geformten Odem wieder in sich zieht und nur seinen Schall von sich gibt, als eine Stimme göttlichen Willens. Das deutet erstlich einen Zweig aus der Bundeslinie an, nämlich aus dem inwendigen Priesteramt, aus der heiligen göttlichen Lust der Weisheit Gottes aus Jehovah. Denn der Geist wollte in Jehovah die tiefste Liebe durch einen Namen in das Wort fassen, der Jesus hieß, spielte aber unterdessen in der Zeit der Bildung mit der heiligen Weisheit in der Linie des Bundes damit, als mit einem inwendig verborgenen heiligen Reich, das er in Erfüllung der Zeit offenbaren wollte.

30.28. Zum Zweiten deutet es die Kraft des geformten Wortes an, als die Person oder den Körper aus dem Stoff der Erde, aber des himmlischen Teils der Erde, so daß dieser Körper in das heilige Wort gefaßt und von dieser Irdischkeit entzückt werden sollte. Gleichwie das Licht die Finsternis in sich entzückt und verschlingt, so sollte auch der gute Teil der wahren Menschheit in Adams erstem Bildnis vom Wort aus der Irdischkeit entzückt (bzw. entrückt) werden und aus der Erde auferstehen, welches Henochs Entzückung von dieser Welt andeutet.

30.29. Zum Dritten deutet es den Propheten als die Stimme der göttlichen Lust an, der das Reich Christi und auch das Reich der Wunder verkündigte, wie es künftig gehen würde. Denn die prophetische Stimme offenbarte sich wieder aus der Verzückung und deutet aus dem Wesen des Geistes, als aus dem allergeistigsten Reich, dem menschlichen Engel-Reich, durch den seelischen Geist, und dann auch aus dem körperlichen Reich, als aus der Natur der Wunder, aus dem Stoff der Erde und des Gestirns, wie künftig das äußere Reich des Menschen im Wesen dieser Welt aufgehen würde und was darin geschehen soll. Das deutet der innere heilige und allwissende Geist durch den äußeren an, als durch die Wunder der Gebärerin der äußeren Wesen und den Geist der äußeren Welt, wie es mit dem menschlichen Reich auf Erden ergehen würde. Denn der innere Geist spiegelte sich durch die geformte Weisheit Gottes und beschaute sich im geformten Geist der Wunder. Dieses deutet uns der Name „Henoch“ an.

30.30. Nun deutet der Geist in Moses weiter und spricht: »Henoch war 65 Jahre alt und zeugte Methusalah, und nachdem er ihn gezeugt hatte, blieb er noch 300 Jahre in einem göttlichen Leben und zeugte Söhne und Töchter, so daß sein ganzes Alter 365 Jahre war. Und weil er ein göttliches Leben führte, nahm ihn Gott hinweg, und er wurde nicht mehr gesehen.« Hier hängt zu Recht eine Decke vor Moses Angesicht, wegen der Unwürdigkeit der Menschen. Doch der Geist in Moses deutet es klar, wenn wir nur Augen der Vernunft hätten und diese Geheimnisse offenbar werden sollten.

30.31. Weil uns aber der Höchste durch seinen Rat ein solches zu verstehen vergönnt, so wollen wir den Unseren diese Geheimnisse etwas auswickeln, soweit wir sollen, und das edle Perlein den Kindern zeigen. Aber den falschen Herzen wollen wir auch ein Schloß vor unserer Beschreibung hängenlassen, und nur den Unseren genug und gründlich verständlich sein.

30.32. Moses deutet in den Linien in jedem Grad nur auf eine Person, die er in die Linie setzt, durch die der Geist der Wunder geht. Danach spricht Moses »Und er lebte noch eine solche Zeit und zeugte Söhne und Töchter«, von denen er weiter nichts sagt. Er will dadurch den Geist der Offenbarung der Wunder Gottes in jeder Linie andeuten. Ihr Alter, das der Geist setzt, deutet die Zeiten an, wie lang jedes Regiment, sowohl das weltliche als auch das geistige, in seiner Fassung bestehen würde. Das heißt etwa, wie lange jede angehende Monarchie der weltlichen Herrschaft währen sollte, sowie auch die geistige Monarchie.

30.33. Und diese Monarchen der Wunder werden sogleich aus den ersten Zweigen vom Anfang des menschlichen Baumes dargestellt, nämlich in jeder Linie in sieben Zahlen, von Adam über Kain bis zu Lamech, und in der anderen Linie von Adam bis zu Jared (bzw. Henoch), durch welche Zahlen und Namen der Geist in jeder Linie vor allem auf sieben ausgehende Eigenschaften des Baumes und der Kraft der Wunder deutet, nämlich wie sich die Kräfte der Wunder entsprechend in Regimente einführen würden, und wie eine Bildung aus der anderen entstehen werde, wie eine die andere zerbrechen würde und das Zerbrechen eine andere Form bildet, wie dann im geistigen und weltlichen Regiment geschehen ist. Denn es wird allezeit das Weltliche unter dem Geistigen mit verstanden, denn das äußere geformte Wort im Regiment der Natur bildet allzeit seine Form neben und durch die geistige Formung. Darum erkennt es hier genau:

30.34. Sieben Zeiten (bzw. Zeitalter) sind aus dem Baum des Lebens im Wort der Kraft bestimmt. Die erste Zeit kommt aus dem reinen Leben Adams, denn vor der Kreatur war das Leben im Wort. Da war es rein in das Bild hineingeführt, und das währte bis zum (Sünden-) Fall. Aus diesem reinen Leben entsproß im Inneren ein Zweig, und das war Abel. Weil ihm aber der Fall im äußeren anhing, so war dieses reine Leben durch den Tod in die heilige Welt geführt. Und das deutet das Reich Christi an, der uns durch den Tod wieder in das reine Leben hineinführen sollte.

30.35. Die zweite Zeit beginnt mit Seth, denn Moses sagt: »Adam war 130 Jahre alt und zeugte einen Sohn, der seinem Bild ähnlich war, und nannte ihn Seth.« Das heißt, er war ein Bild wie Adam nach dem Fall war, und war in der geistigen Wunderlinie, und Kain darunter in einer weltlichen natürlichen Wunderlinie, denn beide Reiche gehen miteinander. Seths Zeit währte bis zur Sündflut und führte das Oberregiment bis zur Sündflut.

30.36. Die dritte Zeit beginnt mit Enos, unter Seths Zeit, und führte sich wie eine geistige Predigt oder Erkenntnis Gottes unter Seths Zeit hindurch als ein verborgenes Reich, und währte bis zu Abraham, dem der Bund von Christus im Fleisch bestätigt wurde.

30.37. Die vierte Zeit beginnt mit Kenan, welche die geistige Form mit dem Gebet und den geistigen Opfern ist, darin sich das Wort in der Weisheit formte, und führte sich unter Seths und Enos Zeit hindurch und offenbarte sich mit Moses, gleichwie sich die Zeit von Enos erst recht mit Abraham und der Verheißung im Bund offenbarte. Diese Zeit Kenans währte in ihrer Offenbarung und Herrschaft unter Moses bis zu Christus im Fleisch.

30.38. Die fünfte Zeit beginnt mit Mahalaleel und ist die Fassung der englischen Form, als der neuen Wiedergeburt aus dem Bund, und geht unter der Predigt Enos, sowie unter der Zeit von Seth und Kenan verborgen im Wort der Verheißung hindurch, durch alle drei Zeiten, und offenbarte sich mit der Erfüllung des Bundes in der Menschheit Christi, darin der rechte Mahalaleel und das englische Bildnis, das in Adam erlosch, in Christi Menschheit wieder offenbar wurde.

30.39. Die sechste Zeit beginnt mit Jared, und das ist das geistige Priestertum unter dem äußerlichen, darin von außen Seth, Enos, Kenan und Mahalaleel in ihrer Ordnung während ihren Zeiten waren, nämlich die Predigt Enos von Gott und seinem Wesen und Willen, sowie die Predigt Abrahams vom Bund und der Beschneidung, und auch Moses mit dem Gesetzbuch. Unter diesen allen ging der innerliche Priester Jared verborgen hindurch. Innerlich ist dieses geistliche Priestertum Christus im neuen Menschen, aber äußerlich ist es Babel in den selberwählten Priestern.

30.40. Diese sechste Zeit begann im Reich Christi (nach dem Tod der Apostel Christi), als sich die Menschen ihre Lehrer aus Gunst und äußerlichem Ansehen erwählten. Das heißt, sie hat sich dann zuerst aus der Verborgenheit des Schattens eröffnet und mit den steinernen Kirchen hervorgetan, als die Kirche anstatt des heiligen Tempels Christi bestand. So regierte ja innerlich in den Kindern Christi der heilige Jared, als Christi Stimme, aber äußerlich der Cherub mit dem Schwert. Denn die äußerliche Macht der selbsterkorenen Priester, die sie führen, ist das Schwert Cherubs, das im Namen „Jared“ mitten im Wort in der Natursprache hindurchdringt.

30.41. Diese sechste Zeit ist in ihrer Bildung heimlich und offenbar, denn sie ist erkannt worden und auch nicht erkannt worden. Denn Christus sprach: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt. (Joh. 18.36)« So mußte diese Zeit unter dem Antichrist verborgen hingehen, da innerlich in den Kindern Gottes Christi Reich offenbar geworden ist. Und in den anderen, welche auch unter dieser Zeit gelebt und sich auch Christen genannt haben, ist nur Babel und der Antichrist offenbar gewesen, sowohl im Priester als auch seinen Zuhörern. Denn welche aus Gott geboren waren, die hörten in sich den wahren Jared als die Stimme Christi. Die anderen hörten nur die äußere Stimme zu Babel, nämlich das Zanken und Streiten über Christi Reich.

30.42. Denn jeglicher Krieg, den die Christen führen, ist das Schwert Cherubs aus Babel. Die wahren Christen führen keinen Krieg, denn sie haben das Schwert Cherubs im Tod Christi zerbrochen und sind mit Christus gestorben und in ihm auferstanden. So leben sie nicht mehr die äußerliche Macht und Herrschaft, denn ihr Reich ist in Christus offenbar und nicht von dieser Welt.

30.43. Dieses sechste Reich beginnt nach dem Tod der Apostel und währt mit seinem äußerlichen Regiment bis zum Berg Zion, bis der verzückte Henoch in Geist und Kraft wieder erscheint. Denn Henoch ist die prophetische Wurzel und hält in seinem Regiment Noah, Moses und das Schwert Elias. Am Ende der sechsten Zeit fällt der äußere Jared, und mit ihm das äußerliche Gebäude als die Stadt Babel.

30.44. Das Zeichen des Endes steht mit einer solchen Bildung und deutet die Zeit an, da sich das dreifache Kreuz in der Stimme Henochs als eine Offenbarung der heiligen Dreifaltigkeit eröffnet, um diese in der Bildung und im Gleichnis an allen sichtbaren Dingen zu erkennen. Mehr noch deutet es die Überwindung des Cherub-Schwertes in Babel an, wenn die Gewalt der Stadt Babel ihr Schwert mit der Spitze unter sich (bzw. gegen sich) kehrt. Zum Dritten deutet es die große Rute der Strafe über Babel an, die ihre Gewalt mächtig über sie führt. Zum Vierten deutet es das grimmige Zornfeuer Gottes an, welches das Schwert und die Rute verschlingen soll. Dieses wird das Ende der sechsten Zeit sein. Das dreifache Kreuz zeigt auch die Zeit an, wann das geschehen soll. Wenn das Reich Christi eine solche Zahl haben wird, dann ist die sechste Zeit ganz vorüber.

30.45. Die siebente Zeit beginnt mit Henoch, als mit dem prophetischen Mund, der unter allen sechs Zeiten die heimlichen Wunder Gottes deutet, was geschehen sollte, und führt sich unter Noahs, Abrahams und Moses Decke hindurch bis ins Reich Christi. Dort wird dieser prophetische Geist in Christi Geist verzückt, bis zum Ende der sechsten Zeit. So offenbart er sich in der Zahl des dreifachen Kreuzes (bzgl. der Heiligen Dreifaltigkeit). Wenn sich das dreifache Kreuz offenbart, steht die wahre dreifache Krone auf dem Kreuz. Dann spricht der Prophetenmund Henochs die großen Wunder des dreifachen Kreuzes aus. Das heißt, er redet nicht mehr magisch, sondern zeigt die Heilige Dreifaltigkeit in der Bildung, als das geformte Wort Gottes an allen sichtbaren Dingen, und offenbart alle Geheimnisse von innen und außen.

30.46. Und dann ist die Zeit, da Henoch und die Kinder unter seiner Stimme ein göttliches Leben führen, dafür das erste Leben Henochs ein Vorbild war. Und das ist dann ein seliges und goldenes Jahr, bis Henochs letzte Verzückung geschieht. Dann wird die Verwirrung (Turba) geboren, die ihr Feuer anzündet, mit dem die Scheune gefegt werden soll. Denn das ist das Ende aller Zeiten.

30.47. Henoch hatte Methusalah, als den Menschen des höchsten Alters gezeugt, und ist danach nach 300 Jahren verzückt worden. Das deutet an, daß der Geist, welcher in Henoch einen Zweig mit Methusalah aus sich ausführte, welcher das höchste Alter erreichte, im letzten und höchsten Alter regieren soll, und sich unterdessen vor dieser Zeit verbergen und so verzückt bleiben soll, wie Henoch verzückt war, und nicht mehr gesehen wurde.

30.48. Seine Verzückung ist kein Sterben gewesen, oder ein Ablegen der Natur und Kreatur, sondern er ist in das Mysterium zwischen die geistige und äußere Welt eingegangen, nämlich ins Paradies. Und er ist die prophetische Wurzel aus dem Stamm Adams in der Bundeslinie, aus welchem Geist danach der prophetische Mund gesprochen hat.

30.49. Dieser Geist war in der lebendigen Stimme Christi, als diese aus dem Fleisch sprach, verzückt worden, und muß Schweigen bis Jareds Stimme vollendet wird. Dann kommt er aus seiner ersten Wurzel durch alle Stimmen wieder hervor, wie durch Noahs, welcher die Sündflut des Zorns über Babel verkündigt, und ging durch Noahs Stamm und ganze Ausbreitung seines Baums durch alle Linien auf, als durch die heidnische von Japhet und die von Sem, und durch die von Abraham und Nimrod, den Kindern zu Babel, und durch Moses und die Propheten, und schließlich durch die Stimme des geoffenbarten Wortes im Geist Christi. Und so offenbart er (der Geist Henochs) alle Heimlichkeit des Baums der Erkenntnis des Guten und Bösen.

30.50. Denn durch seine Stimme werden alle oben genannten Stimmen der Wunderlinie, daraus die Reiche der Welt entstanden sind, in Eine Stimme und Erkenntnis verwandelt, und in Ein Reich, als in den ersten Baum Adams versetzt, der dann nicht mehr Adam heißt, sondern Christus in Adam. Alle Völker, Zungen und Sprachen hören diese Stimme, denn es ist das erste Wort, daraus das Leben der Menschen hervorgekommen ist. Denn alle Wunder kommen im Wort wieder zusammen in Einem (ganzheitlichen) Körper, und dieser Körper ist das geformte göttliche Wort, das sich ursprünglich mit Adam in einen einigen Stamm hineingeführt hat, und durch ihn in einen Baum vieler Zweige, Äste und Früchte, zur Beschaulichkeit der göttlichen Weisheit in den Wundern der Kräfte, Farben und Tugenden, nach Guten und Bösen.

30.51. Dieser hohe Baum entblößt und verklärt (bzw. erleuchtet) sich, was er in der Zeit gewesen war und was er ewig sein wird. Und in seiner Entblößung legt Moses seine Decke ab und Christus eröffnet die Gleichnisse seiner Lehre. So spricht der prophetische Mund dieses Wunderbaums in göttlicher Kraft alle Stimmen der Kräfte des Baumes aus, dadurch Babel seine Beendigung (Endschaft) nimmt, und das ist Wunder. Und in diesem Wunder stehen alle Zahlen und Namen offenbar, und das kann niemand verwehren.

30.52. Denn das Verlorene wird in den Geistern der Buchstaben wiedergefunden, und die Geister der Buchstaben im geformten Wort der Schöpfung, und in der Schöpfung wird das Wesen aller Wesen gefunden und erkannt, und im Wesen aller Wesen die ewige (ganzheitliche) Vernunft der Heiligen Dreifaltigkeit. Dann hören die Streitigkeiten um die Erkenntnis Gottes, seines Wesens und Willens auf. Wenn sich die Äste erkennen werden, daß sie im Baum stehen, dann werden sie nie mehr behaupten, daß sie eigene Bäume sind, sondern sich in ihrem Stamm erfreuen und sehen, daß sie allesamt nur Äste und Zweige eines Baumes sind, und daß sie allesamt Kraft und Leben aus einem einigen Stamm haben.

30.53. Und hier soll Moses die Schafe hüten, und ein jedes Schaf ißt auf seiner eigenen Weide. Darum erkennt, wenn dieses naht, um zu geschehen, dann verkündigt Noah die Sündflut, und Elias führt das Feuerschwert über das falsche Israel, und die Verwirrung im Feuer des Grimms verschlingt den wilden Baum mit den Früchten und Ästen. Das laß dir gesagt sein, Babel!

30.54. Denn wegen Henochs göttlicher Zeit ist uns die Sprache genommen, weil es Babel nicht wert ist und auch nicht schauen soll, wie auch die Zeiten der Alter (die Altersangaben nach 1.Mose 5.1) zu entblößen, deren Zahl in den Rosen der Lilie offenbar stehen soll.


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