Das Mysterium Magnum

(Text von Jacob Böhme 1623, deutsche Überarbeitung 2022)

31. Kapitel - Die Wunderlinie aus Henoch

Von der Wunderlinie aus Henoch. (1.Mose 5.21-32 / 1.Mose 6.1-7)

31.1. Moses schreibt: »Henoch zeugte Methusalah.« Dieser Name heißt in der Natursprache so viel wie eine ausgehende Stimme, welche den Geist Henochs andeutet. Diese Stimme faßt sich in einen Körper, als in die Natur, und geht in starker Macht durch das Wort aus. Und wenn das gefaßte Wort ausgegangen ist, dann beschaut es sich. Denn die Silbe „sa“ ist ein feuriger Schein, und die Silbe „lah“ ist das ausgegangene Wort, das die Eigenschaft beschaut, was für ein Sein das sei, darin sich das Wort gefaßt habe. So beschaut sich der göttliche Hall im menschlichen Wesen und Wort, wie doch der freie Wille aus dem menschlichen Wesen den göttlichen Hall oder Hauch in eine Form des Geistes hineingeführt hat.

31.2. Und so spricht nun Moses: »Und Methusalah zeugte Lamech.« Der Geist aus Methusalah führte sich nun aus dem Wesen in einen anderen Zweig und nannte ihn Lamech, als eine Beschauung des großen Schadens, daß das menschliche Sein verdorben wäre. Denn gleichwie Lamech in Kains Linie den Schaden des Verderbens aussprach und von der siebenundsiebzigfachen Rache über den freien Willen sprach, welcher das Leben verdarb, so sprach auch hier der göttliche Geist: „Das menschliche Sein ist Lamech, das heißt, der Schaden ist zu groß und schwebt oben.“ Auch wenn der starke Odem Gottes in Methusalah aus dem prophetischen Hall ausging, so formte sich doch das Sein in der Fortpflanzung der verdorbenen Natur in Lamech, das heißt, in den zwei Willen, wie Moses sagt: »Der erste Lamech in Kains Linie habe zwei Frauen genommen, als Ada und Zilla.« So wollte es auch hier nicht anders sein.

31.3. So spricht nun Moses: »Und Lamech zeugte Noah.« Mit diesem Namen geht der Geist aus dem Schaden Lamechs in das Ende der Zeit, und führt das Ende in den Anfang. Denn Noah heißt in der Natursprache „Ende und Anfang“. So findet der Geist im Ende das heilige Wort, das sich im Bund einverleibt hatte, und spricht: »Dieser wird uns trösten in unserer Mühe und Arbeit auf Erden, die der Herr verflucht hat.«

31.4. Denn der Trost der Menschen sollte aus dem Anfang und Ende kommen, denn im Anfang ist und war das Wort Gottes, daß aller Dinge Anfang ist. Und auch im Ende ist das Wort Gottes, das aller Dinge Trost ist, so daß die Kreatur von der Eitelkeit erlöst werden soll. Dahin sah der Geist und sagte: »Dieser (damit meinte er das Wort, das sich in der Menschheit offenbaren wollte) wird uns trösten in unserer Mühe auf Erden, die der Herr verflucht hat.« Denn Noah konnte die Menschen nicht trösten, denn er predigte ihnen die Strafe und den Untergang. Aber der im Anfang und Ende war, der tröstete die Menschen in ihrer Mühe auf Erden, die sie im Fluch und Zorn Gottes hatten.

31.5. In diesem Namen „Noah“ sieht der Geist in Lamech vor sich in das Ende und hinter sich in den Anfang, und faßt sich im Anfang und Ende in eine Form, und nennt diese Noah, das heißt, ein Kasten (bzw. eine Arche) der Wunder, was im Anfang und Ende und in der ganzen Zeit wäre. Und führt diesen Geist der ganzheitlichen Form durch Noah in dreierlei Zweige aus, die aus dem Baum der Wunder, als aus dem prophetischen Wesen Henochs in menschlicher Eigenschaft ausgingen. Und davon sagt Moses: »Und Noah zeugte Sem, Ham und Japhet.« Das waren die drei Zweige der anderen (zweiten) Monarchie, darunter uns treffliche Geheimnisse zu verstehen sind.

31.6. Sem heißt eine aushauchende göttliche Lust aus der Bundesline, aus dem Leben des Menschen, und eine Fassung der Lust als ein Vorbild dessen, was danach unter der Lust verborgen hervordrang: Das deutet die Menschheit Christi im Fleisch an, dessen Vorbild Sem war, als eine Vorbildung in derselben Lust, in der dann auch der Bund mit Abraham gemacht wurde, vom Weibes-Samen, darin der Segen erscheinen sollte.

31.7. Den zweiten Zweig nannte der Geist Ham, das heißt ein starkes Hauchen aus dem Zentrum der Natur und ein grobes Fassen in ein Fleisch. Das deutet den irdischen, natürlichen und fleischlichen Menschen an, der Sem in sich gefangenhält, als den inneren Menschen, welcher vom Tod aus der Erde auferstehen soll, das heißt, den Menschen aus dem Stoff des guten Teils der Erde, der in Sem in die göttliche Lust gefaßt wurde.

31.8. Darunter verstehen wir noch nicht den ganzheitlich geistigen Menschen, der nur wie ein Geist ist, sondern den Menschen aus dem guten Anteil des Stoffs der Erde, der in Ham, das heißt, im groben tierischen Fleisch, gefangenliegt und ohne die göttliche Lust wie tot ist, welchen der geistige Christus, als der ganzheitlich geistige Mensch, am Ende der Tage in Noah (das heißt, aus dem Anfang und Ende) anziehen soll. Diesen verborgenen Menschen verschlingt sein grober irdischer Bruder Ham, als das grobe irdische Fleisch, das kein Nutzen ist. (Joh. 6.63)

31.9. Und aus der Lust des Sems entspringt der dritte Zweig aus dem Zentrum der Natur, darin sich die göttliche Lust durch die Natur schaut, und den nennt der Geist Japhet. Das bedeutet in der Natursprache ein Anhang (Anhenkel) des Sems, eine Geburt aus Kains Wunderlinie, darin sich die göttliche Lust durch die Natur in eine Form der Wunder göttlicher Weisheit hineinführt, nämlich mit Sem in eine Beschaulichkeit der geistigen Wunder in der Heiligkeit Gottes, und in Japhet in ein natürliches Wunder, als in die Siebenheit der ewigen und zeitlichen Natur, das heißt, in eine Form des siebenfachen Rades der Lebensgestaltung, in welchem Lebensrad der Geist Gottes wie ein Blitz der Wunder erscheint.

31.10. Sem ist ein Bild der Lichtwelt, und Japhet ein Bild der Feuerwelt, durch welche das Licht scheint. Japhet ist ein Bild des Vaters, und Sem ein Bild des Sohnes, aber Ham ist ein Bild der äußeren Welt.

31.11. Denn in den drei Brüdern stand das Vorbild der drei Prinzipien. Es zeigt die andere (zweite) Monarchie bis ans Ende der Welt an, was für Menschen hinfort die Welt besitzen würden, als eine geistige Welt und eine natürliche Welt der Wunder, und auch eine tierische Welt der Torheit. Das sind wie dreierlei Menschen, denn aus Sems Geschlecht kam Israel, die sich im Bund und Wort Gottes regierten, aus Japhets kamen die Heiden, welche sich im Licht der Natur regierten, und aus Ham jene in tierischer und viehischer Eigenschaft, über welche auch der Fluch Gottes in seinem Vater Noah durch den Geist ging, denn Paulus sagte: »Das Fleisch und Blut soll Gottes Reich nicht erben. (1.Kor. 15.50)«

31.12. Und Moses spricht nun weiter: »Weil sich aber die Menschen auf Erden zu vermehren begannen und sich Töchter zeugten, da sahen die Kinder Gottes nach den Töchtern der Menschen, wie sie schön waren, und nahmen zu Frauen, welche sie wollten. Da sprach der Herr: Die Menschen wollen sich von meinem Geist nicht mehr strafen lassen, denn sie sind Fleisch. Ich will ihnen noch eine Frist von 120 Jahren geben.« Hier hängt Moses abermals die Decke vor seine Augen, denn er sagt: »Die Kinder Gottes haben nach den Töchtern der Menschen gesehen, nach ihrer Schönheit, und haben zu Frauen genommen, welche sie wollten, und haben sich von seinem Geist nicht strafen lassen wollen.«

31.13. Dies heißt so viel wie: Die Kinder Gottes, in denen sich Gottes Geist offenbarte, sahen in Fleischeslust nach fleischlichen Frauen, auch wenn sie von Hams Art ohne Gottes Geist waren, wenn sie nur schön erschienen zu ihrer Fleischeslust. So führten sie den Samen des heiligen Wesens in solche tierischen Gefäße und gebaren danach solche Tyrannen und fleischlich gesinnte Menschen, welche sich vom Geist Gottes nicht strafen lassen wollten, denn sie waren nur Fleisch ohne göttlichen Gleist und Willen.

31.14. Sie sollten sich nicht mit den tierhaften Töchtern vermischen, sondern nach denen sehen, in welchen der Geist Gottes wäre, welche Gott fürchteten und liebten. Doch so sahen sie auf Augen- und Fleischeslust und verdorben das heilige Sein im Bund, in welchem sich Gott einverleibt hatte. Darüber klagt hier der Geist: »Sie wollten sich nicht weisen lassen, sondern folgten der Lust des Fleisches.«

31.15. Diesen Spiegel sehen wir deutlich an Sem, Ham und Japhet, daß dem so sei, daß es der Geist nicht haben wollte, daß sich die Kinder Gottes mit den Tiermenschen vermischen, denn nach der Sündflut teilte der Geist die drei Brüder in drei Geschlechter und wollte, daß ein jedes Geschlecht bei dem Seinen bliebe.

31.16. Denn darum kam auch die Sündflut auf Erden, damit sie diese vermischten Völker verderbe und danach eine Absonderung unter ihnen erzeugte, nach Art der drei Prinzipien, so daß eine jede Eigenschaft seinen Chor und seine Linie in der Natur der Wunder besäße. Aber es wollte noch nicht helfen, und so unterschied sie doch schließlich der Geist durch die Verwirrung der Sprachen zu Babel, daß sie doch in eine Teilung kamen, denn die Eigenschaften des Baumes teilten sich damals in siebenundsiebzig (Sprachen und Völker), nämlich in die Wunder der Natur des geformten Wortes.

31.17. So spricht nun Moses: »Da aber der Herr sah, daß der Menschen Bosheit auf Erden groß war, und alles Dichten und Trachten in ihrem Herzen immerfort nur böse war, da reute es ihn, daß er die Menschen auf Erden gemacht hatte, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, von der Erde vertilgen, von den Menschen bis zum Vieh und Gewürm und auch alle Vögel unter dem Himmel, denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe.« Dies sind wunderliche Reden, wenn der Geist sagt, es reue Gott, daß er die Menschen und Kreaturen gemacht habe. Wer könnte das verstehen ohne göttliche Erkenntnis, daß den unwandelbaren Gott etwas gereuen sollte? Dann würde der Verstand fragen: „Hat er es denn nicht vorher gewußt, was es werden sollte? Wie kann ihn sein Wille reuen, der er selber ist?“

31.18. Hier muß man ins Zentrum gehen. Denn in Gott ist kein Gereuen, ihn kann nichts gereuen. Aber in seinem ausgesprochenen geformten Wort ist ein Reuen, denn es reut das geformte Wort in den Teufeln, das aus einem Licht-Wesen ein Sein der Finsternis geworden ist. Es reut den Teufel, daß er nicht ein Engel geblieben ist. Oder: Es reut den gottlosen Menschen ewig, daß er im göttlichen Wesen im geformten Wort stand, aber die Kraft des Wortes in Bosheit verwandelt hat. So ist ein Reuen im geformten Wort in der Natur über alle Geschlechter, weil die Eigenschaft des Grimms im Fluch des Zorns im geformten ausgesprochenen Wort herrscht. Denn es reut das Liebe-Sein aus dem Wort, daß der Teufel und Grimm in ihm herrscht und so viel verdirbt.

31.19. Wenn nun Gott spricht, es reue ihn, dann versteht man es nach der Schöpfung des geformten Wortes, nicht nach dem ewigsprechenden Wort, das unwandelbar ist, sondern nach der guten Eigenschaft in der Schöpfung, daß sie durch ihren Willen mit der bösen beladen sein soll. Denn der Geist sagt in Moses: »Und es habe ihn in seinem Herzen bekümmert.« Jawohl, zu Recht hat es ihn in seinem Herzen bekümmert: Das gute Sein der Erde, das in eine Verdichtung mit eingegangen ist, das besteht aus der Eigenschaft der geistigen Welt, aus dem heiligen Wort, aber wurde in der Sünde im Tod gefangen und im Fluch in der Erde verschlossen. Jetzt reute es das geformte Wort und bekümmerte das ewigsprechende Wort, nämlich Gottes Herz.

31.20. Denn unsere Seele schreit in das Herz Gottes, als in das ewigsprechende Wort, und bewegt oder bekümmert es, damit es sich durch seine Liebe in uns bewegen soll. Jetzt wirkt das menschliche Wort im Göttlichen und bekümmert das Göttliche, damit das Göttliche in unser Sündenreuen eingeht und uns hilft, unsere Sünden zu bereuen. Denn der Geist bei Moses sagte, als Lamech den Noah gebar: »Dieser wird uns trösten in unserer Mühe.«

31.21. Das war nun der Geist des Anfangs und Endes aller Dinge. Der bereute durch die Natur die Bosheit der Menschen und das Gefängnis der Eitelkeit der Geschöpfe und wirkte Buße in das heilige und ewigsprechende Wort. Denn der Geist im geformten Wort der ganzen Schöpfung dieser Welt sprach: „Es reut mich, daß ich mich in den Geschöpfen in eine solche bösartige Eigenschaft hineingeführt habe.“ Und er wirkte Buße in das lebendige ewigsprechende Wort, daraus das ausgeflossene geformte Wort ausgegangen war.

31.22. Daß dem so ist, dazu nehmen wir uns ein Beispiel an unserer Buße: Wir können keine Buße wirken, es reue denn unseren inneren Seelenmenschen, daß er das Tier der Eitelkeit in sich geschaffen oder geboren hat. Soll es ihn aber reuen, dann muß sein geformtes Wort in Gottes Herz einfallen und dieses bekümmern und in ihm bewegen. Und wenn das geschieht, dann kommt alsbald die Sündflut über den bösartigen Menschen des eitlen Willens, der dann durch seine Reue im Wort des Todes ersaufen muß. Dann reut es Gott im Menschen, daß das böse Tier voll Sündenbegierde geboren ist, und in derselben göttlichen Reue muß es in Gottes Liebe ersaufen und des grimmigen bösartigen Lebens und Willens absterben.

31.23. So versteht nun Gottes Reuen im Geschöpf der Kreaturen richtig: Der Geist in der ganzen Schöpfung, in allem Leben, das in Feuer und Luft lebt, sprach: „Es reut mich, daß ich dieses Bild der Eitelkeit an mir gebildet habe!“ Und diese Reue des geformten Geistes im ausgesprochenen Wort bekümmerte, das heißt, bewegte das ewigsprechende Wort in ihm. Und so sprach das ewige Wort: „Ich will ihnen noch eine Frist von 120 Jahren geben.« Denn so lange währte noch die Zeit im Regiment des Geistes von Seth, und dann sollte die Verwirrung mit allem Fleisch untergehen. Denn dieses Reuen war nichts anderes, als daß das Wort im Bund das Elend und die Eitelkeit der Menschen reute und die Menschen aus dem Bund durch Noah trösten wollte, welcher Trost sich in Abraham, als in Enos Eröffnung erst eröffnet.

31.24. Denn der Trost ging in der Bundeslinie fort und eröffnete sich mit seinem Zweig in seinem rechten Ziel: Denn Gott hat alle Dinge in ein Ziel beschlossen, wann jedes Ding geschehen soll. Und aus dem Trost des bewegenden Wortes im Bund kam das Urteil, daß der alte adamische Mensch mit all seinen Begierden und Lüsten im Bund, wenn sich dieser im Fleisch eröffnen würde, im Blut dieser neuen Menschheit Christi ersaufen und absterben sollte. Und aus dem Trost des Bundes sollte ein neuer menschlicher Geist und Wille auferstehen, der in Gerechtigkeit und Reinheit lebt. Dessen war die Sündflut ein Vorbild.

31.25. Denn das geformte Wort im Leben erfuhr die Reue aus dem Bund. Und darum, weil dieses Wort die Eitelkeit bereute, mußte auch die Eitelkeit der Kreatur ersaufen. Denn der Wille im Bund ging aus der Eitelkeit heraus und bekümmerte das Leben Gottes. Damit bewegte er die Matrix der Natur in der Geburt des Wassers und ersäufte den feurigen Grimm in der Feuersnatur.

31.26. Es klagt aber der Geist bei Noah besonders über die Menschen, über die sodomitische und viehische Lustseuche des Fleisches, wie über Unzucht und Geilheit, und zum anderen über die Gewaltigen und Tyrannen, welche sich in eigener Lust erhoben und geherrscht haben, und nicht mehr den Geist Gottes in sich herrschen lassen wollten, so daß sie sich selber ohne Herrschaft bezwungen hätten. Dies alles war ein Übel vor Gott, und es reute den Geist im geformten Wort, daß er solche bösartigen Tiere geboren hatte, und wollte sie nicht mehr.

31.27. Eben dieser prophetische Geist, dessen Wurzel sich in Henoch eröffnete, welcher bei Henoch seine Linie mit seinen Zweigen weitertrieb, und den bei Noah die Bosheit der Menschen reute, und der sie mit der Sündflut ersäufte, der ist es, den nun auch die große Sünde und Eitelkeit der Menschen reut, denn sein Mund war ihm jetzt aufgetan, und er ist im Geist Christi verzückt gewesen. So bereut nun das Wort, das Mensch wurde, die Eitelkeit und Bosheit der Menschen, daß sich seine Kinder des neuen Bundes nicht mehr vom Geist Christi ziehen lassen wollen. Und so kommt dieser prophetische Mund jetzt hervor, denn es ist die Zeit seiner Offenbarung, und verkündigt die große Sündflut durch Gottes Zorn und das Feuerschwert Elias, der auch in das Mysterium verzückt wurde, denn er soll sein Schwert in der Verwirrung führen.

31.28. Das laß dir gesagt sein, Babel! Er klagt mächtig über deine viehische Unzucht und Tyrannei deiner eigenen, genommenen Gewalt, mit welcher du stolz und geil bist und dich damit in Gottes Regiment gesetzt hast. Er will dich in deiner Tyrannei und viehischen Unzucht im Feuer des Zorns ersäufen. Weil du deine Eitelkeit nicht bereuen willst, so reut er durch dich mit der Verwirrung und will deine Verwirrung ersäufen, auf daß sein Reuen in seinen Kindern offenbar werde, und auch sein Trost der Erquickung aus seiner Reue.

31.29. Denn ohne Gottes Reuen gibt es in uns keine wahre Reue über die Eitelkeit, denn der natürliche Geist begehrt nicht zu reuen. Und könnte er noch grimmiger und böser sein, dann liebte er sich darin, denn es ist des Naturgeistes Stärke und Macht. Aber das Wort Gottes, das sich in der Schöpfung in das menschliche Sein zu einem kräftigen Leben mit hineingegeben hat, das bereut, wenn es bewegt wird, daß es ein solch bösartiges Tier in der geformten Natur an sich hat, und spricht: „Es reut mich, daß ich das bösartige Tier in der Natur geschaffen habe.“

31.30. Aber diese Reue ist nicht eine Reue zur Nichtigkeit (bzw. Vernichtung), so daß er die Kreatur nicht mehr wollte, sondern es ist eine Reue, die Gottes Herz als das heilige göttliche Wort bekümmert und bewegt und dem natürlichen Geist eine Zeit zur Buße setzt, damit er in die göttliche Reue eingehen soll. Wenn aber nicht, dann will er den natürlichen Geist in seinem bösartigen Willen und Wesen ersäufen, wie bei der Sündflut geschah.

31.31. Denn Gott sprach: »Die Erde ist verdorben und voll Frevel, und alles Fleisches Ende ist vor mich gekommen. Ich will sie vertilgen.« Hier ist es abermals ein großes Geheimnis, daß Gott sagte: »Die Erde wäre vor ihm verdorben, alles Fleisch hätte seinen Weg verdorben, und die Erde sei voll Frevel von ihnen vor seinen Augen.« Die Erde war vorher bei Kain entsprechend der Eigenschaft der Eitelkeit verflucht worden. Nun sagte er aber auch an diesem Ort: »Alles Fleisch habe seinen Weg verdorben, und alles Fleisches Ende sei vor ihn gekommen.« Dies ist nicht so ein schlechtes Ding, wie man es ansehen will, denn der Geist klagt über alles Fleisch, es sei alles eitel vor ihm geworden und voll Frevel.

31.32. So spricht nun der Verstand: „Ein Tier sündigt doch nicht, denn es handelt entsprechend der Eigenschaft seiner Natur. Welcher Frevel kann ihm zugerechnet werden?“ Soweit kommt der Verstand, mehr weiß er nicht, und versteht auch nichts vom göttlichen Geheimnis. Denn er versteht nichts vom geformten Wort, das sich durch die Natur der Zeit geformt hat. Er sagt nur „Gott hat es geschaffen“, und betrachtet nicht, daß alle Dinge im Wort geschaffen sind, und daß sich das Wort in ein Sein hineingeführt und verdichtet hat. Er will auch nichts von der ewigen geistigen Natur göttlicher Offenbarung wissen, und versteht nichts vom Grund oder Ursprung der äußeren sichtbaren Welt mit ihren Kreaturen. Wenn er sagt „Gott hat alles aus Nichts gemacht.“, dann meint er, er selbst habe es ausgesprochen, und ist doch ganz blind und stumm daran. Er sieht nur die äußere Farbe an, und weiß nicht, woraus diese herkommt. So ist er sich nur der äußerlichen Farbe bewußt und schwätzt von einem Gemälde und von der Hülse, aber vom Wesen, daraus die Farbe entsteht, ist er stumm.

31.33. Der Geist klagt über alles Fleisch auf dem Erdboden, was in Luft und Feuer lebt: „Die äußere Natur in allem Leben hätte sich verdorben und das geformte ausgesprochene Wort in ein Sein der Eitelkeit geführt.“ Das war der Frevel und eigene Mutwille des natürlichen Lebens. Der Geist der Natur, der im Feuer seinen Ursprung nimmt, hatte sich in seiner feurigen Eigenschaft erhoben und in ein grimmiges Leben hineingeführt und es bis ans Ende der Sanftmut getrieben.

31.34. Denn der Teufel war ein innerlich fliegender Fürst in der Eigenschaft des Grimms, welcher dem Zentrum der äußeren Natur in der Feuermatrix Ursache gegeben hatte, und nicht allein das natürliche Leben der Menschen verdirbt, sondern auch die anderen Kreaturen. Denn er bewegte die Menschen im Zorn Gottes, und diese gebrauchten die anderen Kreaturen zu ihrem Dienst und ihrer Speise, so daß der Fluch und die Eitelkeit auch in allem Leben offenbar wurde, und der Mensch in all seinem Wandel im Fluch der Eitelkeit stand. So kam er im Fluch der Eitelkeit bis an den Abgrund, als an das Ende dieser Welt. Darum sprach der Geist: »Alles Fleisches Ende in ihrem Frevel ist vor mich gekommen.« Denn alles Leben hatte sich durch die Eitelkeit des Menschen an das Ende der äußeren Natur gebracht, und der Schlund des Grimms in der Natur stand offen und wollte alles im Grimm verschlingen.

31.35. Denn das Reich von Gottes Zorn, als die finstere Welt in ihrer Eigenschaft, hatte sich emporgeschwungen und den guten Teil der Natur an das Ende geführt. Darum bewegte und bereute das geformte ausgesprochene Wort durch alles Leben diese Eitelkeit, daß es das Übel an sich tragen sollte, und sprach, es wollte die Gebärerin der Eitelkeit aus der Feuer-Mutter mit Wasser vertilgen und ihr die Gewalt brechen.

31.36. Denn vor der Sündflut war die Feuerwurzel mächtiger als die Wasserwurzel gewesen, und zwar vom Ursprung der feurigen Bewegung, als das Schöpfen in der feurigen Eigenschaft stand und die Erde und Steine verdichtete. Daraufhin war ein großer Grimm in der Natur gewesen, und zwar von der Ausstoßung oder Verwerfung des Hierarchen Luzifer in die Finsternis.

31.37. Und nun wurde mit der Sündflut der grimmigen Feuerwurzel im Zentrum der Natur die Gewalt genommen, denn des geformten Wortes Reuen war nichts anderes als ein Vorbild Christi, darin das ewige, lebendige und göttliche Wort in menschlicher Eigenschaft im geformten kreatürlichen Wort unsere Sünde und Eitelkeit bereute und dieser Eitelkeit durch seinen Tod in der Kreatur abstarb und das geformte kreatürliche Wort in menschlicher Eigenschaft mit göttlichem Wasser der Liebe und Sanftmut im heiligen himmlischen Blut ersäufte.

31.38. So bereute auch an diesem Ort das geformte Wort die Eitelkeit der Kreaturen, daß sie damit beladen waren, und führte das Leben aller Kreaturen in den Tod, und bewegte in seinem Reuen die Sanftmut des Wasserquells in der Natur, so daß sich alle Brunnen der Tiefe auftaten, wie Moses sagt, um den Feuerqual-Quell im Wasser zu verschlingen. Das deutet dem Menschen die Taufe Christi an, darin der Feuerquell der Seele im Zorn Gottes im Wort des Bundes Christi mit dem wiedergeborenen Wasser des Geistes getauft wurde, damit das göttliche Zornfeuer erlöschen soll. Wie auch oben von den sieben Zeiten beschrieben wurde, daß sich eine jede Zeit der sieben Grade der Natur an ihr Ende geführt habe, und am Ende ist ein Reuen über das Übel gewesen, und im Reuen ist die Verwirrung zerbrochen worden.

31.39. So seht nun: Hier bei Noah war mit der Sündflut die andere Zeit (das zweite Zeitalter) des Seths zu Ende. Und im Fall von Adam, als ihn gelüstete von der Eitelkeit zu essen, ging die erste Zeit zu Ende.

31.40. Bei Adam bereute das Wort und gab sich mit einem Bund ins Leben, um das Leben zu trösten und ihm zu helfen. Und bei Noah bereute das Wort und erregte alle Brunnen der Tiefe in der Natur, und ersäufte den Grimm und eröffnete den Gnadenbund.

31.41. Und als die Zeit von Enos zu Ende war, zur Zeit der Kinder Nimrods, bereute das Wort die Eitelkeit der Menschen, so daß sie Gott nicht erkennen wollten, und ersäufte die Vernunft der einigen Zunge, und zerteilte sie (mit dem Turmbau zu Babel), und gab aus der Reue die gewisse Vernunft in den Bund mit Abraham.

31.42. Auch als Kenans Zeit zu Ende war, so daß die Kinder des Bundes Abrahams in der Eitelkeit zur Dienstbarkeit gezwungen wurden, bereute das Wort die Eitelkeit und vertilgte den Pharao und danach alle Menschen der Kinder Israels in der Wüste, bis auf Josua und Kaleb, und gab ihnen aus der Reue das Gesetz seines Bundes, ein rechtes Vorbild Christi, der das Übel im Blut ersäufen sollte.

31.43. So auch als die Zeit von Mahalaleel zu Ende ging. Da bereute das Wort in höchster Reue und brachte das Leben Gottes in Jesus Christus in das geformte kreatürliche Wort im menschlichen Sein und ersäufte die Verwirrung im menschlichen Wesen mit Gottes Liebe und Barmherzigkeit, und gab ihnen den Geist des Trostes und das Evangelium.

31.44. Auch jetzt, da die Zeit von Jared zu Ende geht, die von Babel verdeckt gewesen ist, bereut nun das Wort unsere große Eitelkeit und will das Übel im Schlund des Grimms mit Schwert, Hunger, Feuer und Tod vertilgen, und gibt aus seinem Reuen und Büßen eine Lilie aus Henochs Mund in Gottes Süßigkeit.

31.45. Und wenn Henochs Zeit zu Ende sein wird, darin die Eitelkeit in der Verwirrung wieder wächst, kommt die allergrößte Reue über die Natur der Wunder, so daß sie am Ende ist und es keinen Rat mehr gibt. Dann kommt die letzte Bewegung mit der Verwirrung im ersten Prinzip der ewigen Natur und verschlingt die äußere Natur im Feuer. Dann wird das geformte Wort von der Eitelkeit ganz frei werden und ergibt aus der letzten Reue die heilige geistige Welt. Amen.


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