Die hochteure Pforte von göttlicher Beschaulichkeit

(Text von Jakob Böhme aus „Der Weg zu Christo“ um 1622, deutsche Überarbeitung 2021)

Das erste Kapitel

Was Gott sei, und wie man sein göttliches Wesen an seiner Offenbarung erkennen kann.

1.1. Der Verstand spricht: Ich höre viel über Gott reden, daß es einen Gott gäbe, der alle Dinge erschaffen habe, auch alle Dinge erhalte und trage. Aber ich habe noch keinen gesehen, oder von einem gehört, der Gott gesehen habe, oder der da sagen könnte, wo Gott wohne oder sei, oder wie er sei. Wenn ich das Wesen dieser Welt ansehe und betrachte, wie es dem Frommen nicht anders als dem Bösen geht, und wie alle Dinge sterblich und vergänglich sind, auch wie der Fromme keinen Erretter sieht, der ihn von der Angst und Widerwärtigkeit des Bösen erlöst, und er deshalb voller Ängste im Elend ins Grab fahren muß, dann denke ich, es geschehen alle Dinge so zufällig, als gebe es keinen Gott, der sich des Leidenden annehme, weil Er den, der so auf Ihn hofft, im Elend stecken und darin ins Grab fahren läßt. Und man hat auch von keinem gehört, der da aus der Verwesung wiedergekommen sei und gesagt habe, er wäre bei Gott gewesen.

1.2. Antwort: Der (gedanklich-sinnliche) Verstand ist ein natürliches Leben, dessen Grund in einem zeitlichen Anfang und Ende steht. So kann er nicht in den übernatürlichen Grund kommen, darin Gott erkannt wird. Doch wenn er sich gleichsam in dieser Welt beschaut und in seiner Beschaulichkeit keinen anderen Grund findet, so fühlt er doch eine Begierde nach einem höheren Grund in sich, darin er ruhen könne.

1.3. Denn er versteht, daß er aus einem übernatürlichen Grund entstanden sein muß, und daß es einen Gott geben müsse, der ihn in ein Leben und Wollen gebracht hat. Und oft erschreckt er in sich selber vor seinem Wollen der Bosheit, schämt sich seines eigenen Wollens und verurteilt sich im bösartigen Wollen als ungerecht. Auch wenn er trotzdem Unrecht denkt und tut, dennoch klagt er sich selber an und fürchtet sich vor einem Gericht, das er nicht sieht. Denn er ahnt, daß der verborgene Gott, der sich in der Natur verkörpert hat, in ihm wohnt und seine bösartigen Wege bestraft, und daß derselbe (verborgene Gott) nicht das Wahrnehmbare der Natur sein könne, weil ihn der Verstand weder sehen noch begreifen kann.

1.4. Dazu empfindet der gottverlassene Verstand, der hier mit vermeintlichem Unrecht im Elend gequält wird, eine Begierde in sich, sich selbst immer mehr zu verlassen, und ergibt sich willig dem Leiden. Aber in seinem Unrecht-Erleiden bewahrt er eine Hoffnung, daß er das, was er durch das Erleiden geschaffen hat, in sich verinnerlichen werde, und sucht damit in dem zu ruhen, das nicht mehr leidend ist. So sucht er (der gedankliche Verstand) in dem Ruhe, das er selber in sich nicht ist: Er begehrt des Sterbens in seiner Ichheit, und begehrt doch nicht ein Nichts zu sein, sondern begehrt nur der Qual abzusterben, auf daß er in sich selbst ruhen könne.

1.5. Dem Leiden ergibt er sich darum, auf daß der Leiden Gewalt seine Leiden töte und er in seinem Leben durch den Tod seines Ich-Sterbens, in dem er ein leidvolles Leben hat, in das leidfreie eingehen kann.

1.6. In diesem (Vorgang) versteht man recht den verborgenen Gott, wie er sich im Gemüt des Menschen offenbart und das Unrecht im Gewissen straft, und das Unrecht leidende (Gemüt) durch Leiden zu sich zieht; und wie das Verstandesleben als das natürliche Leben im Leiden eine Begierde überkommen muß, sich wieder in das hinein zu entwickeln, daraus es ausgegangen ist, und wie es begehren muß, sich selber zu hassen und des natürlichen Wollens abzusterben, so daß es das übernatürliche erreichen kann.

1.7. Der Verstand spricht: Warum hat Gott ein qualvoll leidend Leben geschaffen? Könnte es nicht ohne Leiden und Qual in einem besseren Zustand sein, wenn Er doch aller Dinge Grund und Ursprung ist? Warum duldet Er den Widerwillen? Warum zerbricht Er nicht das Böse, so daß allein ein Gutes in allen Dingen sei?

1.8. Antwort: Kein Ding ohne Widerwärtigkeit (bzw. Gegensatz) kann sich selbst offenbar werden. Denn wenn es nichts hat, das ihm widersteht, dann geht es immerdar von sich aus, und geht nicht wieder in sich ein. Wenn es aber nicht wieder in sich eingeht, nämlich in das, daraus es ursprünglich ausgegangen ist, dann weiß es nichts von seinem Ursprung.

1.9. Wenn das natürliche Leben keine Widerwärtigkeit hätte und ohne ein Ziel wäre, dann würde es auch niemals nach seinem Grund fragen, aus dem es entstanden sei. Dann bliebe der verborgene Gott dem natürlichen Leben unerkannt. Wenn keine Widerwärtigkeit im Leben wäre, dann wäre auch keine Empfindlichkeit (kein sinnliches Bewußtsein), kein Wollen, kein Wirken, auch weder Verstand noch Wissenschaft darin. Denn ein Ding, das nur einen einzigen Willen hätte, das hätte keine Unterschiedlichkeit, weil es keinen Widerwillen empfindet, der es zum Treiben der Bewegung (bzw. Entwicklung) verursacht, und so steht es stille. Denn ein einziges Ding weiß nicht mehr als Eines. Auch wenn es in sich gut ist, so kennt es doch weder Böses noch Gutes, denn es hat in sich nichts, das es empfindlich (bzw. bewußt) macht.

1.10. So können wir auch über den Willen Gottes philosophieren und sagen: Wenn sich der verborgene Gott, der nur ein Einig Wesen und Wille ist, nicht mit seinem Willen aus sich herausgeführt hätte, also nicht aus der ewigen (ganzheitlichen) Weisheit durch Unterschiedlichkeit des Willens herausgegangen wäre, und diese Unterschiedlichkeit nicht in eine Greifbarkeit zu einem natürlichen und kreatürlichen Leben hineingeführt hätte, und wenn diese Unterschiedlichkeit im Leben nicht im Streit (der Gegensätze) stünde, wie könnte dann der verborgene Wille Gottes, der in sich nur Einer ist, offenbar werden? Wie kann in einem Einigen Willen eine Erkenntnis seiner selbst sein?

1.11. Wenn aber eine Unterschiedlichkeit in dem Einigen Willen entsteht, daß sich die Unterschiedlichkeit in Zentrum (bzw. Egozentrik) und Eigenwillen hineinführt, daß also in dem Abgeschiedenen (bzw. Getrenntem) ein eigener Wille ist, und also in einem Einigen Willen grundlose (illusorische) und unzählbare Willen entstehen, wie die Zweige aus dem Baum, dann sehen und verstehen wir, daß sich in solcher Unterschiedlichkeit ein jeder abgeschiedene Wille in eine eigene Form hineinführt, und daß ein Streit der Willen um die Formen entsteht, weil in der Teilung eine Form anders als die andere erscheint, obwohl sie doch alle in Einem Grund stehen.

1.12. Denn ein Einiger Wille kann sich nicht in unterschiedliche Teilstücke zerbrechen, gleichwie sich das Gemüt nicht in Stücke zerbricht, wenn es sich in ein böses und gutes Wollen scheidet, sondern die Äußerung des Bewußtseins unterscheidet sich nur in ein böses und ein gutes Wollen, und das Gemüt bleibt in sich ganz und erleidet, daß ein böses und gutes Wollen in ihm entsteht und wohnt.

1.13. Da spricht der Verstand: Wozu ist das gut oder nütze, daß bei dem Guten ein Böses sein muß?

Antwort: Das Böse oder Widerwillige verursacht das Gute, nämlich den Willen, daß er wieder nach seinem Ursprung, also nach Gott strebe, und das Gute durch einen guten Willen begehrenswert werde. Denn ein Ding, das in sich nur gut ist und keine Qual hat, das begehrt nichts, denn es weiß nichts Besseres in sich oder außer sich, danach es streben könnte.

1.14. So können wir auch vom Einigen guten Willen Gottes philosophieren und sagen, daß er nichts in sich selber begehren könne, denn Er hat nichts in oder außer sich, das Ihm etwas geben könnte. Und darum führt er sich aus sich heraus in eine Unterschiedlichkeit, in ein Zentrum (einer Polarität), damit eine Gegensätzlichkeit in dem Ausfluß entstehe, nämlich im Ausgeflossenen (der „Existenz“), so daß das Gute durch das Böse empfindlich (wahrnehmbar), wirkend und wollend werde, und sich wieder vom Bösen scheiden und in den Einigen Willen Gottes eingehen will.

1.15. Weil nun aber der Ausfluß des Einigen ewigen Willens von Gott immerfort zu seiner Offenbarung aus sich ausgeht, so fließt mit solchem Ausfluß auch das Gute aus, nämlich die Göttliche Kraft aus dem ewigen Einen, und geht auch in die Unterschiedlichkeit und in die Zentren der Vielfalt ein.

1.16. So verursacht nun der immerwährende Ausfluß des Willens das Gute in ihm mit seiner Bewegung (der Schöpfung), so daß sich das Gute wieder nach dem Stillstehen sehnt und in das ewige Eine einzugehen begehrt. Und in solchem Aus- und Eingehen in sich selbst wird das Eine beweglich (lebendig) und begehrend. Und in solcher Wirkung stehen die Empfindlichkeit (sinnliche Bewußtheit), Erkenntnis und das Wollen.

1.17. Gott, soweit er „Gott“ heißt, kann nichts wollen, als sich selbst. Denn er hat nichts außerhalb von sich selbst, das er wollen könnte. Wenn er aber Etwas will, so ist das von ihm selbst ausgeflossen und ist ein Gegenwurf (bzw. Gegenspiel) in sich selbst, darin der ewige Wille in sich Etwas will. Wenn nun das Etwas nur Eins wäre, dann hätte der Wille darin kein Werk. Und darum hat sich der unergründliche Wille im Anfang geschieden und in unterschiedlichen Wesen verkörpert, so daß er Etwas bewirken kann, wie man ein Gleichnis am Gemüt (bzw. Geist) des Menschen hat.

1.18. Wenn das Gemüt nicht selber aus sich ausflösse, dann hätte es keine Sinne. Wenn es aber keine Sinne hätte, dann hätte es auch keine Erkenntnis seiner selbst oder eines anderen Dings, und es könnte keine Werke oder Wirkung haben. Aber der sinnliche Ausfluß aus dem Gemüt, der ein Gegenspiel im Gemüt ist, darin sich das Gemüt bewußt wird, macht das Gemüt wollend oder begehrend, so daß das Gemüt die Sinne in Etwas hineinführt, nämlich in ein Zentrum der Ichheit, darin das Gemüt mit den Sinnen wirkt und sich selbst in dem Wirken mit den Sinnen offenbart und beschaut.

1.19. Wenn nun in diesen Zentren der Sinne im Gegenspiel des Gemüts kein Gegenteil wäre, so wären alle Zentren der ausgeflossenen Sinne nur Eines. In allen Zentren der Sinne wäre nur ein Einiger Wille, und der täte immerdar nur Ein Ding. Wie könnten dann die Wunder und Kräfte göttlicher Weisheit durch das Gemüt, das ein Bild göttlicher Offenbarung ist, erkannt und in Gestaltung gebracht werden?

1.20. Wenn aber ein Gegenteil, wie Licht und Finsternis, darin ist, dann ist ihm dieses Gegenteil selbst widerwärtig (bzw. gegensätzlich), und so verursacht je eine Eigenschaft die andere, so daß sich die andere in die Begierde hineinführt, gegen die andere streiten und sie beherrschen zu wollen. In dieser Begierde werden die Sinne und das Gemüt in einen natürlichen und kreatürlichen Grund zu eigenem Wollen hineingeführt, nämlich zu einer Beherrschung in seinem (kreatürlichen) Etwas mit seinem (ichhaften) Zentrum über alle anderen Zentren, wie ein Sinn des Gemüts über den anderen.

1.21. Daraus entstehen Streit und Angst, wie auch Widerwille im Gemüt, so daß das ganzheitliche Gemüt dadurch getrieben wird, in eine Zertrennung der Sinne und ein Ichwollen der Sinne als die natürlichen Zentren (der Wahrnehmung) zu gehen, um sich danach aus den Ängsten und Leiden des Widerwillens und Streits wieder in die ewige Ruhe hineinversenken zu wollen, nämlich in Gott, daraus alles entsprungen ist.

1.22. Und hieraus entstehen Glaube und Hoffnung, so daß das ängstliche Gemüt eine Erlösung erhofft und sich wieder nach seinem Ursprung, nämlich nach Gott sehnt.

1.23. Auf diese Weise können wir auch die göttliche Offenbarung verstehen. Denn alle Dinge haben ihren ersten Anfang aus dem Ausfluß göttlichen Willens, sei es Böse oder Gut, Glück oder Leid. Und weil doch der Wille Gottes kein Ding ist, weder Natur noch Kreatur, so ist darin auch weder Qual noch Leid oder Widerwille. Sondern aus dem Ausfluß des Wortes - nämlich durch den Ausgang des unergründlichen Gemüts, das die Weisheit Gottes als das große Mysterium ist, darin die ewige Vernunft im Ganzheitlichen innewohnt - daraus sind das (gedankliche) Verständnis und die (unterscheidende) Erkenntnis geflossen. Und dieser Ausfluß ist ein Beginn des Wollens, in dem sich das Verständnis in Gestaltungen unterschieden hat. So sind die Gestalten, eine jede in sich, begehrend geworden, einen entsprechenden Gegensatz zu haben. Und diese Begierde ist ein Ergreifen durch die Ichheit oder Eigenhaftigkeit gewesen, nämlich bezüglich einer Stätte (einem Standpunkt) und einem Etwas (dem Objekt des Ergreifens). Und durch dieses Etwas ist das Mysterium Magnum (das große Unbekannte), nämlich die übernatürliche Kraft, wesenhaft und natürlich geworden und hat sich das Etwas zu einem eigensinnigen Willen eingefaßt (bzw. eingebildet).

1.24. Denn dieser eigensinnige Wille ist ein Grund seiner Ichheit und schließt sich als ein begehrender Wille ein (bzw. grenzt sich ab), daraus die anhaftende Einbildung durch Abtrennung und Verhärtung ihren Ursprung genommen hat und zum Grund der Finsternis und des leidvollen Empfindens wurde, daraus Widerwillen, Angst und Fliehen durch die Empfindlichkeit entstehen. Und das ist ein Grund der Natur, daraus die Vielfalt der Eigenschaften kommt, so daß in solcher Gegensätzlichkeit je ein Wille aus dem anderen entstanden ist, um gegen die Leiden zu kämpfen, wie auch die Sinne aus dem Gemüt, so daß nun das Gemüt mit den Sinnen in stetiger Angst, Wirken, Wollen und Vergänglichkeit steht.

1.25. In solchem göttlichen Ausfluß, in dem sich die göttliche Kraft aus sich selbst aushaucht und in Natur und Kreatur hineinführt und geführt hat, können wir zweierlei erkennen. Zum Ersten die ewige Vernunft des Einigen guten Willens, die ganzheitlich ausgeglichen ist und sich also nur in eine Empfindlichkeit und ein Wirken hineinführt, nämlich zur Offenbarung der Kraft, Farben und Tugend, so daß Kraft und Tugend in Unterschiedlichkeit und Formhaftigkeit erscheinen und die ewige Weisheit offenbar und erkennbar werde. Daraus kommt dann auch der englische, seelische und kreatürliche Grund, sowohl die Thronen und Herrschaften samt der sichtbaren Welt.

1.26. Und zum Zweiten verstehen wir dann den anfänglichen (und damit vergänglichen) Willen der Natur, als die Greifbarkeit der Zentren, da sich ein jedes Zentrum durch Unterscheidung in eine Stätte (oder einen Standpunkt) der Ichheit und des Ichwollens wie in ein eigenes Mysterium oder Gemüt einschließt (und abgrenzt), daraus die Gegensätzlichkeit des Wollens entsteht, weil in diesen beiden ein Gegensatz erscheint, denn sie sind nun zwei in einem Wesen.

1.27. Zum einen begehrt das Inwendige vom Ursprung der göttlichen Kraft nur einen Gegensatz zum Ausgleich für das Gute, darin der gute und göttliche ausgeflossene Wille wirke und sich offenbare. Und zum anderen begehrt der ichgeborene, eigene und natürliche Wille in der Stätte der Ichheit und finsteren Einbildung der Trennung auch einen Ausgleich, nämlich einen Gegensatz zu seiner eigenen Greifbarkeit, durch welches Ergreifen er sich materialistisch macht und nichts anderes begehrt, als nur seine Körperlichkeit als einen natürlichen Grund.

1.28. In diesen beiden ist uns nun der gute und böse Wille in allen Dingen zu verstehen, und so wird damit recht verstanden, wie der innere geistige Grund aller Wesen aus göttlicher Kraft entsteht, wie in allen Dingen auch eine eigene natürliche Begierde entsteht, und wie alle Körper der sichtbaren sensiblen Wesen aus der Begierde der Natur entstehen.

1.29. Damit können wir nun klar erkennen, wie sich die eigene natürliche Begierde, welche einen Anfang hat, materialisiert und sich einen Gegensatz zum Ausgleich schafft, darin sie wirkt. Und in gleicher Weise schafft sich der göttliche Grund und Wille mit seiner Liebe-Greifbarkeit auch einen Gegensatz und ein geistiges Wesen, darin der göttliche heilige Wille wirkt und die göttliche Kraft in Formen und Unterschiedlichkeit hineinführt, um die göttliche Kraft und Herrlichkeit zu offenbaren.

1.30. Und so werden in dieser Welt die Wesen allemal als zwei Wesen in einem verstanden, als zum Ersten ein ewiges, göttliches und geistiges Wesen, und zum Zweiten ein anfängliches, natürliches, zeitliches und vergängliches Wesen in eigenem Willen. So befinden sich auch zweierlei Willen in einem Leben. Zum Ersten ein anfänglicher und natürlicher Wille, darin er ein eigenes Lebewesen wird und sich mit allen äußerlichen, natürlichen, elementischen und irdischen Qualitäten verbindet (inqualiert). Und zum Zweiten ein ewiger geistiger Wille oder ewiges geistiges Wesen, die eine Greifbarkeit oder ein ergreifbares Wesen des göttlichen Willens sind, damit sich auch der göttliche Wille einen Gegensatz und ein Wesen schafft, darin er wirkt. Und so werden diese zwei Wesen in zwei Prinzipien verstanden, das erste göttliche (Prinzip) in einem himmlischen (Wesen) und das zweite zeitliche (Prinzip) in einem irdischen (Wesen).

1.31. Und wie nun das himmlische Göttliche am Irdischen hängt, so hängt auch das Irdische am Himmlischen, und doch ist das eine nicht das andere, denn das Himmlische hat ein geistiges Wesen, das nur eine wesentliche Kraft ist und durch das Irdische hindurchdringt. Denn das Himmlische besitzt nur sein Prinzip und gibt dem irdischen Wesen die Kraft, so daß es auch einen anderen neuen Willen bekommen kann und sich nach dem Himmlischen sehnt. Diese Sehnsucht ist eine Lust, von der Eitelkeit der Natur abzugehen, davon die Schrift sagt: »Es sehnen sich alle Kreaturen neben uns, von der Eitelkeit loszukommen, der sie gegen (oder durch) ihren Willen unterworfen sind. (Röm. 8.20)«

1.32. Versteht es recht: Die ausgegangene Lust der göttlichen Kraft zur Natur, daraus die Natur und der eigene Wille entstanden sind, sehnt sich danach, vom natürlichen eigenen Willen befreit zu sein.

1.33. Diese Lust ist mit der Einbildung der Natur über ihren Willen beladen, um dessentwillen sie Gott da hineingeführt hat, damit sie am Ende dieser Zeit von der aufgeladenen Eitelkeit der Natur erlöst und in eine durchsichtig klare Natur gebracht werde. Dann wird offenbar sein, warum sie Gott in eine Zeit geschlossen und sie der Natur zum Leiden unterworfen hat, nämlich darum, daß durch das natürliche Leiden die ewige Kraft in den Formen, Gestalten und Gegensätzen zu Bewußtsein gebracht werde, und daß die Kreaturen als ein kreatürliches Leben in der Zeit darin offenbar würden, und dies alles ein Spiel im Gegenwurf zur göttlichen Weisheit sei. Denn durch die Torheit wird die Weisheit offenbar, wenn sich die Torheit ein eigenes Vermögen (der Ichheit) zumißt, die doch im gleichen Grund und Ursprung steht und endlich ist.

1.34. So wird das unendliche Leben durch die Torheit zur (äußeren) Schau getragen, auf daß darin ein Lob zur Ehre Gottes entstehe und das Ewige und Beständige im Sterblichen und Vergänglichen erkannt werde.

1.35. So sei nun dem Verstand auf seine erste Frage geantwortet: Wenn er meint, es geschehen alle Dinge zufällig und es gebe keinen Gott, weil Er den Frommen in Leid, Angst und Trübsal stehenläßt und ihn schließlich ebenso ins Grab führt, wie den Gottlosen, so daß es scheinet, als nähme sich Gott keines Geschöpfes an oder es gäbe gar keinen Gott, weil der Verstand Ihn nicht sieht, kennt oder empfindet, dann sei ihm gesagt, daß er in seinem eigenen Leben nur ein Gegenspiel des wahren Lebens ist. Und es sei ihm auch gesagt: Wenn er in sich keinen Hunger und keine Begierde nach dem empfindet, daraus er ursprünglich entstanden ist, dann sei er in seinem Leben nur eine Torheit und ein Spielzeug, darin die Weisheit ihre Wunder (der Illusion) hervorbringt.

1.36. Denn er sieht an dem (innerlich) Weisen nach seiner äußerlichen Natur eine solche Torheit, und sieht, wie Gott diese Torheit des Weisen verläßt, so daß er in Schande und Spott vor seiner eigenwilligen und närrischen Klugheit stehen muß, die doch ihr Ende (bzw. Ziel) nicht kennt. So meint der törichte Verstand, es gäbe keinen Erretter, und er weiß nicht, wie sich der Weise in sich selbst errettet und von der angeerbten Torheit erlöst wird, nämlich durch das Eingehen seines eigenen Willens. Das heißt, indem sein eigener Wille durch das Leiden und den Gegensatz der Gottlosen in sein Zerbrechen und Nichts-Wollen eingeht und sich wieder in seinen ersten Ursprung, als in Gottes Wollen hineinversenkt und darin neu geboren wird. Und so weiß der Verstand auch nicht, daß Gott mit dem groben sterblichen Fleisch allein nicht gedient sei, so daß Er die Errettung im tierischen eigenwilligen Leben verwirklicht, sondern daß Ihm daran gelegen ist, daß der Eigenwille zerbreche und sich wieder in Gott versenke. So wird das innerliche (geistige) gute Wesen in Gottes Willen eingefaßt, und so wird dem sterblichen Leib nur deshalb mehr Qual auferlegt, damit der eigene natürliche Wille nicht wieder in die eigensinnige Begierde zur Ichheit eingehe und sich zum Herrscher über den innerlichen (geistigen) Grund erhebe und das wahre (überbildliche bzw. ganzheitliche) Bild Gottes zerstöre.

1.37. Doch dies kann der irdische Verstand nicht verstehen, denn er erkennt nicht, wie Gott in ihm wohnt und was Gottes Wille und Wesen sei. Er weiß nicht, daß Gott durch ihn wohnt und ihm also nahe ist, und daß sein Leben nur eine Torheit der Weisheit sei, damit sich durch sein Leben die Weisheit offenbare, so daß erkannt werde, was Weisheit ist. Der (sinnlich-gedankliche) Verstandes-Wille ist von Gott in die Ichheit eingegangen und rühmt sich seines eigenen Vermögens, aber sieht nicht, wie sein Vermögen anfänglich und endlich ist, so daß es nur ein Spiegelwerk ist, durch dessen Spiegel sich die Weisheit eine Zeitlang in der Narrheit der Weisen beschaut, damit schließlich durch solches Leiden der Gottlosen die Torheit an den Weisen zerbricht, indem sie beginnen, das vergängliche törichte Leben zu hassen, mit dem Verstand zu sterben und den Willen Gott zu ergeben.

1.38. Dies hält der irdische Verstand für eine Torheit, vor allem wenn er auch an den Weisen sieht, daß Gott ihre irdische Torheit verläßt und den Leib solcher Torheit, darin sich die Torheit erkannt hat, ohne Hilfe ins Grab fahren läßt. So meint er, dieser Mensch habe keine Errettung von Gott empfangen. Und weil er Ihm doch vertraut hatte, so müsse ja sein Glaube falsch gewesen sein, sonst hätte Er ihn ja zu Lebenszeiten errettet.

1.39. Auch weil er seine Strafe nicht so schnell fühlt, meint er, es sei kein Ernst mehr damit. Und er weiß nicht, daß er sich mit der Zeit immer mehr in die Torheit einbildet und ein starker Quell ewigen Leidens in sich selber wird, daß, wenn ihm das Licht der äußeren Natur zerbricht, darin er eine Zeitlang in der Ichheit stolzierte, er danach in sich selber in ewiger Finsternis und Leiden steht und daß seine falsche (illusorische) eigene Begierde nur eine rauhe, stachlige und harte (schmerzliche) Schärfe und ein Widerwille ist.

1.40. Er hofft in dieser Zeit auf eine äußerliche Hilfe und führt sich in Wollust seines Willens und hält das für sein Himmelreich. Aber wenn ihm das äußere Licht im Tode verlischt, dann steht er danach in ewigem Verzagen und sieht auch keinen Erretter um noch in sich.

1.41. Aber der Weise wird sich in dieser Zeit selber zum Narren und lernt seine Torheit hassen, die der Verstand für Klugheit hält. So muß seine Weisheit, welche die Welt für Torheit hält, dem Verstand eine Torheit sein, daran er sich ärgert. Und (wie der zergliedernde Verstand die ganzheitliche Weisheit haßt) so haßt auch Gott in dem Weisen das törichte tödliche (bzw. sterbliche) Leben, gleichwie es der Weise selber haßt, damit das wahre göttliche Leben in ihm mit der ganzheitlichen Vernunft regiere. Darum ist bei Gott keine Klage um den sterblichen Leib des Weisen, denn er faßt in ihm sein göttliches Sein in seinen Geist und Willen und läßt den Leib der Torheit mit dem Törichten in sein Grab hinfahren, bis zum Tag der Entscheidung aller Wesen.

1.42. Doch das versteht der Verstand nicht, darum ist er närrisch, und darum soll ein Mensch nicht nach der Torheit, sondern nach Gottes Geist ein Mensch sein und das Göttliche nicht nach dem bildlichen (gedanklich eingebildeten) Verstand richten. Denn es steht geschrieben: »Wer auf das Fleisch baut (als auf den sterblichen Verstand des eigenen Willens), der wird vom Fleisch das Verderben erben. Wer aber auf den Geist baut (als auf göttlichen Willen), und seinen Willen in die Hoffnung göttlicher Zusage setzt, der wird vom Geist das ewige Leben erben. (Gal. 6.8)«

Das zweite Kapitel

Vom Gemüt, Willen und Denken des menschlichen Lebens, wie es seinen Ursprung vom Willen Gottes hat und wie es ein Gegensatz zum (überbildlichen bzw. ganzheitlichen) Bild Gottes sei, in dem Gott wolle, wirke und wohne.

2.1. Der Verstand spricht: Wenn das Gemüt mit den Sinnen ein anfängliches (und damit auch vergängliches) natürliches Leben ist, das in einer Zeit und Vergänglichkeit steht, wie kann es dann in dieser Zeit zu dem übersinnlichen göttlichen Leben gebracht werden? Oder wie wohnt das Göttliche im Leben?

2.2. Antwort: Das Leben des Menschen ist eine Form des göttlichen Willens und ist vom göttlichen Einhauchen in das geschaffene Bild des Menschen entstanden. Es ist das gebildete Wort göttlicher Weisheit, aber wurde vom Gegenhauch des Teufels und Grimms der zeitlichen Natur vergiftet, so daß sich des Lebens Wille mit dem äußeren irdischen Gegensatz der tödlichen (bzw. sterblichen) Natur gebildet hat und aus seiner ausgeglichenen Ganzheit in die Unterschiedlichkeit der Eigenschaften gekommen ist.

2.3. Durch solche Ursachen steht das menschliche Leben immer noch in irdischer Bildung und wird nun im folgenden in drei Prinzipien betrachtet: Im ersten Prinzip steht es nach seinem wahren Ursprung im ausgehenden Willen Gottes, in göttlicher Weisheit, die anfänglich eine ausgeglichene Ganzheit war, darin allein die göttliche Kraft sinnlich wirkte. Darunter kann man ein wahrhaftes Paradies oder Wirken göttlicher Kräfte verstehen, nämlich eine immerwährende Bildung göttlichen Willens, dessen Grünen in dem Wirken der guten Sinne verstanden wird, dadurch sich die göttliche Weisheit figürlich auf göttliche Art bildete und durch solches Bilden die göttliche Erkenntnis durch die Wirkung des sinnlichen Lebens offenbarte. Diesbezüglich kann es wahrlich ein Bild Gottes genannt werden, in dem sich der göttliche Wille offenbarte.

2.4. Als aber dieses Leben im ersten Prinzip vom grimmigen Teufel in seinem Bildnis angehaucht wurde, da sprach ihm der Teufel ein, es wäre ihm nützlich und gut, daß sich das sinnliche Wirken aus dem Leben der ausgeglichenen Ganzheit trennte und in ein eigenes Bildnis nach den Eigenschaften der Vielfalt einführte, um die Ungleichheit zu erfahren, nämlich Böses und Gutes zu erkennen und zu empfinden.

2.5. So hat der eigene Wille des Lebens darin eingewilligt, und die Sinne als die ausgehende Lust da hineingeführt, und sich selber in Begierde zur Eigenheit geführt und sich in die Ichheit gepreßt oder gefaßt.

2.6. Zugleich ist damit der Verstand des Lebens in den Eigenschaften offenbar geworden und wurde von der Natur in der Ungleichheit (bzw. Gegensätzlichkeit) gefangen und durch ihr Regiment hervorgebracht. Damit ist er leidend geworden, und der inwendige göttliche Grund des guten Willens und Wesens ist verloschen, das heißt, für die Kreatur wirkungslos geworden. Denn der Wille des Lebens trennte sich davon und ging in die eigene Empfindlichkeit, aus der Einheit in die Vielfalt, und widerstrebte der Einheit, nämlich der ewigen Einigen Ruhe, dem Einigen Guten.

2.7. Als solches geschah, war der göttliche Grund, als das zweite Prinzip, im falschen Willen verblichen, als sich die göttliche Kraft mit dem aushauchenden Willen Gottes in das bildliche Leben eingebildet hatte, wie in einen Gegensatz zu Gott, das heißt zur Weisheit Gottes als dem wesentlichen Willen Gottes. So hatte sich das heilige Wesen als die Ursache der Schöpfung zur Irdischkeit gewandt, in der Böses und Gutes im Streit stehen.

2.8. Versteht es recht: Der ewige unergründliche Wille des Lebens hatte sich vom heiligen göttlichen Sein abgewandt, um in Böse und Gut zu herrschen, und darum ist ihm das zweite Prinzip verloschen, nämlich das Reich Gottes, und statt dessen das dritte Prinzip in der eigenen Bildlichkeit als die Qual (bzw. Qualität) des Gestirns und der vier Elemente aufgewacht, davon der Leib grob und tierisch und die Sinne falsch (illusorisch) und irdisch geworden sind.

2.9. Auf diese Weise hat das Leben die ausgeglichene Ganzheit verloren, nämlich die ewige Ruhe, und hat sich mit der eigenen Begierde finster, leidend, streng, hart und rauh gemacht. Das Leben ist nur noch eine Unruhe geworden und läuft nun in irdischer Kraft im ewigen Grund, um in der Vergänglichkeit Ruhe zu suchen, aber findet keine, denn die Vergänglichkeit ist nicht des Lebens Ausgeglichenheit. Darum schwingt sich nun das Leben über das Wesen dieser Welt und beherrscht die tödliche Kraft der Sterne und Elemente wie ein eigener Gott der Natur, und ist mit solcher Herrschaft närrisch und töricht geworden, so daß es in solcher irdischen Bildung und Eigen-Annehmung nicht mehr seinen Grund und Ursprung erkennen kann, worin seine ewige Ruhe stünde. Und so wird es zu Recht töricht genannt, denn es hat sich aus dem göttlichen Sein in ein irdisches (tierisches) Sein geführt und in ein vergängliches Wesen gesetzt, und es will in dem herrschen, das ihm doch zerbricht und geschwind wie ein Rauch vergeht.

2.10. Und wenn das nun (im körperlichen Tod) zerbricht, darüber das Leben in der Zeit geherrscht hat, dann bleibt es danach in seiner Widerwärtigkeit (Feindlichkeit zum Licht) im ersten Prinzip, in der Finsternis, und ist nichts anderes als ein immerwährender, unverlöschlicher und leidvoller Feuerquell, wie auch die Teufel solche sind.

2.11. Diesem gefangenen Leben ist die große Liebe Gottes wieder zur Hilfe kommen und hat sich alsbald nach solchem Abfall wieder in das innerliche Wesen eingehaucht, nämlich in das verloschene Wesen göttlicher Eigenschaft. Und das wurde wie in einem Gegensatz zum (bisherigen) Leben als ein neuer Quellbrunnen göttlicher Einigkeit, Liebe und Ruhe dem verblichenen göttlichen Wesen eingegeben und hat sich darin offenbart, daraus nun das Leben schöpfen und seine Leiden und Unruhe in den Zentren der Eigenheit erlöschen (bzw. erlösen) kann.

2.12. Auch hat sich dieser neue Quellbrunnen göttlicher Liebe und Einigkeit mit seinem Ausfluß in Christus in das wahre Leben aller drei Prinzipien menschlicher Eigenschaft verkörpert und ist in die bildliche Sinneswahrnehmung als in den natürlichen kreatürlichen, abgewichenen und bildlichen Willen des Lebens eingegangen und hat Menschheit angenommen. Damit wurde die Ichheit mit dem eigenen Wollen durch den Einfluß der einigen Liebe Gottes und des ewigen Seins zerbrochen und der Wille des Lebens wieder in das ewige Eine als in eine ausgeglichene Ganzheit hineingewandt, weil dann des Teufels eingeführter Wille zerstört und die Qual (bzw. Qualität) des Lebens in die wahre Ruhe gebracht wurde. Und so wurde die todbringende Einschließung (eigensinniger Körperlichkeit) zersprengt und das göttliche, sensible und paradiesische Grünen mit den heiligen Sinnen und Wirken wieder hervorgebracht. Und so wurde auch das heilige Leben durch den Verschluß des Todes hindurchgeführt und der Wille von Tod und Teufel zum Spott gemacht. Damit sei also kräftig erwiesen, wie das ewige Eine mächtig über die Vielfalt und Eigenheit herrschen könne, so daß nicht die Macht der Bildlichkeit ein Gott sei, sondern die Macht der Über- und Unbildlichkeit alles beherrsche. Denn das Bildliche ist nur ein Gegenspiel des unbildlichen (bildlosen bzw. überbildlichen) Willen Gottes, durch das der Wille Gottes wirkt.

2.13. Weil aber die große Liebe Gottes in Christus dem menschlichen Leben in seiner irdischen Bildung so zu Hilfe gekommen ist und uns armen Menschen im Leben der Menschheit Christi eine offene Gnadenpforte zum göttlichen Eingang gegeben hat, so liegt es jetzt an dem, daß der gefangene Wille des Lebens in seiner Bildlichkeit das Irdische wieder verlasse, nämliche die Ichheit und den Eigenwillen, und sich einzig und allein in diese menschgewordene Gnade versenke, die von Einem, als von dem ersten Menschen, auf alle gekommen ist (Röm. 5.18), und daß er sich dieser Gnade annehme und sich in Kraft solcher Annehmung und göttlicher Einigung mit dem gelassenen Lebenswillen in das übersinnliche, übergründliche und ewige Eine versenke, nämlich in den ersten Grund des Lebens Anfang, und sich wieder in den Grund hineinergebe, daraus das Leben entstanden ist. So ist es dann wieder in seinem ewigen Ort, nämlich in der ausgeglichenen Ganzheit und wahren Ruhe.

2.14. Da fragt der Verstand: Wie kann das ein Mensch tun, zumal die Schrift spricht: »Der erste Mensch sei zum natürlichen Leben gemacht, daß er herrsche über alle Kreaturen und Wesen dieser Welt (1.Moses 1.28)« Dann muß doch das Leben seine Begierde in die irdischen Eigenschaften hineinführen!?

Antwort: Das menschliche Leben ist in ein Gegenspiel des göttlichen Willens gesetzt, in und mit dem Gott will. Und die irdischen Kreaturen sind in ein Gegenspiel des menschlichen Lebens gesetzt, in und mit dem der Mensch wollen sollte. Des Menschen Wollen sollte mit Gottes Wollen (vereint) über alles natürliche und kreatürliche Leben wollen und herrschen. Nicht im tierischen Wesen sollte es stehen, sondern im göttlichen Wesen. Auch wenn der Mensch gleichsam mit dem Leben in die Natur gesetzt wurde, so war doch seine Natur eine ausgeglichene Ganzheit und sein Leben ein Behältnis göttlichen Willens.

2.15. Weil aber nun das Leben im irdischen Wesen diese Zeit bestehen muß und sich das nicht ersparen kann, so muß man die dreifache Art des Lebens nach den drei Prinzipien betrachten, mit welchem Grund des Lebens sich der Mensch in das übersinnliche Wesen Gottes schwingen könnte und wie dasselbe geschehen könne und möge.

2.16. Christus sprach: »Ohne mich könnt ihr nichts tun. (Joh. 15.5)« Kein Mensch kann aus eigenem Vermögen in den höchsten Grund gelangen, es sei denn, daß er seinen innersten Grund des ersten Prinzips (der Finsternis) nach des Lebens Bildlichkeit in die einverleibte Gnade Gottes versenke und in göttlicher Hoffnung nach diesem Grund vom eigenen Wollen stillstehe und sich mit dem Wollen Gott ganz ergebe, und zwar in solchem Maße, daß sein Wollen aus diesem Grund nicht mehr sprechen (bzw. wirken) will, ohne daß Gott durch diesen Grund spricht und will. Dann ist er am höchsten Ziel.

2.17. Ist es möglich, daß er eine Stunde oder weniger von seinem innerlichen Ich-Wollen und Ich-Sprechen stillstehen kann, so wird ihm das göttliche Wollen einsprechen. Durch dieses Einsprechen verinnerlicht sein Wollen das Wollen Gottes, das nun dem bildlichen, natürlichen, wesentlichen und äußeren Verstandesleben einspricht und die irdische Bildung des Verstandeswillens zerbricht und erleuchtet, so daß zugleich das übersinnliche göttliche Leben und Wollen in dem Verstandeswollen grünt und sich ganzheitlich verinnerlicht.

2.18. Denn so wenig das eigene Wollen des Lebens in der Ichheit und von Gottes Wollen abgewandtem Wollen in der Natur nur einen Augenblick von seiner Wirkung stillstehen kann, es versenke sich denn außer aller Natur, so wenig kann auch in dem zu Grund gelassenen Leben das göttliche Sprechen von seinem Wirken stillstehen.

2.19. Denn wenn das Leben von seinem Eigenwollen stillsteht, dann steht es im Abgrund der Natur und Kreatur (im ungestalteten und grundlosen Grund) im ewigen Aussprechen Gottes, und so spricht Gott darin.

2.20. Denn von Gottes Sprechen ist das Leben ausgegangen und in den Leib (der Körperlichkeit) gekommen, und es ist nichts anderes als ein bildlicher (schöpferischer) Wille Gottes. Wenn nun das eigene Ich-Bilden und Ich-Wollen stillsteht, dann geht das göttliche Bilden und Wollen auf. Denn was willenlos ist, das ist mit dem Nichts ein Ding, und es ist ohne alle (gebildete bzw. geschaffene) Natur, und dieser Ungrund ist Gott selbst.

2.21. Weil dann der Ungrund, also Gott, ein ewiges Sprechen ist, sozusagen ein Aushauchen seiner selbst, so wird auch dem gelassenen Leben der Ungrund eingesprochen. Denn das Hauchen des Ungrundes spricht dann durch den stillstehenden Grund des Lebens, denn das Leben ist aus dem göttlichen Hauchen entstanden und ist eine Gleichheit göttlichen Hauchens. Darum bringt die Gleichheit immer wieder Gleiches hervor (das nur äußerlich gegensätzlich erscheint), wie wir das an des Lebens Sinnen verstehen, die auch ein solcher Ausfluß vom Hauchen des Gemüts sind, wie auch das Gemüt ein (äußerlich bzw. natürlich) gegensätzlicher Ausfluß vom göttlichen Geist göttlicher Weisheit ist.

2.22. Wie sich nun Gott mit seinem Aushauchen seiner ewigen Weisheit und Wissenschaft mit der Natur und Kreatur, beides mit dem inwendigen heiligen Leben (Willen), im Leben der Engel und Menschen offenbart und den Willen seiner Wissenschaft in die Bildung zum Wieder-Aussprechen durch gebildete erkennbare Art hineingeführt hat, so geschah es auch mit der ganzen Natur und ihrer Wieder-Aushauchung der Kreaturen zur sichtbaren Welt. Damit hat Er überall das Äußere, von der Natur Ausgesprochene, dem inneren Grund untertänig gemacht, so daß das Innere durch das äußere Körperliche herrschen und ein Geist des Äußeren sein soll.

2.23. Also wisset, daß auch das eingewandte (geistig zu Gott gewandte) neugeborene Leben des Menschen in göttlicher Kraft und Macht über das äußere Verstandes-Leben von Sternen und Elementen herrschen kann und soll. Wenn das nicht geschieht, daß das inwendige ewige Leben im Menschen in göttlicher Kraft und Licht über das äußere, irdische und astralische (weltliche) Leben der vergänglichen Lust herrscht und der irdischen Lust (darin das Schlangen-Monstrum steckt) den Willen zerbricht, dann ist noch keine neue Wiedergeburt oder kein göttlicher Wille in solchem Leben wirkend oder offenbar. Ein solcher Mensch, solang er allein im irdischen Willen steht, ist kein Kind des Himmels. Denn die göttliche Wissenschaft wurde durch die Ich-Bildung des falschen (illusorischen) Willens in irdische und tierische Eigenschaft (bzw. Ichhaftigkeit) gewandelt und ist nach dem Leib ein bösartiges Tier und nach der Seele ein abgewandter falscher Wille, der nicht mit Gott will, auf Art der Teufel, die auch in eigener Bildung der sinnlichen Wissenschaft stehen.

2.24. Deshalb sagte Christus: »Wer nicht mit mir sammelt«, das heißt, wer nicht mit der einverleibten Gnade Gottes wirkt, will und tut, die Gott durch Christus offenbart hat und darbietet, sondern durch natürlichen eigenen Willen wirkt, »der zerstreut (Math. 12.30)«, nicht allein die göttliche Ordnung der Sinne, sondern er streut auch seine Werke in falschen Grund.

2.25. Betrachtet ein Gleichnis von der Sonne: Wenn ein Kraut keinen Saft hat, dann verbrennt es der Sonnenstrahl. Hat es aber Saft, dann erwärmt es der Sonnenstrahl, davon es wächst. So geschieht es auch im Leben dem menschlichen Wesen: Hat es nicht das Sein (den Lebenssaft) von Gottes Güte und Liebe, als von dem Ewigen Sein, dann verinnerlicht es sich in eine grimmige feurige Schärfe, so daß das Gemüt ganz rauh, hungrig, geizig, neidisch und stachlig wird. Und solcher falscher Sinn und Wille geht auch danach aus dem Leben in den Leib und in alle seine Eigenschaften und Werke.

2.26. Also zerstreut und zerbricht solche feurige, geizige und neidische Art mit dem scharfen (zertrennenden) Verstand des Lebens alles, was gut (und ganzheitlich) ist. Bei allem, mit dem es umgeht, ist Gefährlichkeit, denn es führt seine Giftstrahlen dahinein und will alles an sich ziehen und sein Gift hineinführen, nämlich den hungrigen Geiz. Wenn aber das feurige Leben von göttlicher Liebe essen kann, dann gleicht es dem Licht, das vom Feuer ausströmt und ausgeht. Denn so dringt auch das rechte Leben aus der feurigen Art mit einem neuen Geist und Willen göttlicher Liebe von innen heraus und ist nicht mehr nehmend, wie des Feuers Art ist, sondern gebend. Denn der Liebe Wille gibt sich selber, wie das Licht aus dem Feuer, das sich in alle Dinge gibt und in allem ein Gutes bewirkt.

2.27. Wenn die Sonne nicht mehr in die Tiefe der Welt schiene, dann würde der Spiritus Mundi (der Erd- oder Weltgeist) mit der Schärfe des Gestirns in der sulphurischen und mercurialischen Art (wie Schwefel und Quecksilber) in den vier Elementen ganz streng, rauh, trocken, herb, dick, finster und hart. Dann ginge alles Leben in den Elementen zugrunde, und man würde bald sehen, was die Hölle und der Zorn Gottes sei.

2.28. Ähnlich ist auch der äußere Mensch eine Hülle der äußeren Welt der Elemente, dessen Leben in der Sonnen- und Sternenkraft besteht, und dessen Leib, wie auch die Erde, eine Gerinnung des Spiritus Mundi (des Erd- oder Weltgeistes) ist. Und wenn er in seiner Ernährung in der Speise die Licht-Liebe-Kraft der Sonne nicht haben will, wird er ganz bösartig, feurig und tödlich werden, so daß das äußere Leben zugrunde gehen muß.

2.29. Ähnlich ist dann auch die Seele eine Hülle von der inneren geistigen Welt aus dem Mysterium Magnum (dem großen Unbekannten), nämlich durch den Ausgang und Gegensatz göttlicher Wissenschaft, die ihre Nahrung aus dem Mysterium Magnum göttlicher Kraft und Wissenschaft beziehen muß. Wenn sie aber nun das Sein göttlicher Liebe zu ihrer Speisung nicht haben will, so daß sie sich vom Ungrund abtrennt, nämlich von der Gelassenheit, dann wird sie auch so scharf, feurig, finster, rauh, stachlig, neidisch, feindselig, widerwillig und eine große Unruhe in sich selbst, und sie führt sich selber in eine tödliche, sterbende und grimmige Qual hinein, die ihre Verdammnis ist, darin sie verdirbt, wie es dem Teufel geschehen ist und auch allen Gottlosen geschieht.

2.30. Ist es aber, daß solcher Feuerquell wieder göttliche Liebe erreichen und in sich empfangen kann, nämlich das wesentliche Licht Gottes, dann wird dieser seelische Feuerquell der Qual in ein Freudenreich verwandelt, ins Lob Gottes. Aber ohne umgewandelten Willen, der von seiner (ichhaften) Einbildung und Einschließung nicht stillstehen kann, ist das nicht möglich. Denn das Licht der Sonne kann in einem harten Stein oder Metall nicht so wirken, wie in Kräutern und Bäumen, weil darin das Wasser (als Lebenselement) in eine harte Einbildung gefaßt und geronnen ist.

2.31. So ist es auch mit dem falschen eigenen Willen der Seele und der göttlichen Güte zu verstehen, daß nämlich die göttliche Güte in solcher geizigen und neidischen Feuer-Begierde keine Wirkung hervorbringt. Denn Christus sagte zu Recht: »Welches menschliche Leben nicht das Brot essen könne, das vom Himmel gekommen sei, um der Welt das Leben zu geben, das hätte kein Leben in sich. (Joh. 6.53)« Damit deutet er die wesentliche Liebe an, welche Gott in ihm (in Christus) durch einen neuen Quellbrunnen der armen verdorrten Seele zur Erquickung offenbart hat. Welche Seele nicht davon essen würde, die könne das göttliche Licht nicht erreichen und wäre ohne göttliches Leben. So nennt er sich dann auch das Licht der Welt (Joh. 8.12). Oder in den Psalmen: Ein Licht, das im Finsteren leuchtet und die Finsternis in Licht verwandelt. (Psalm 112.4).

Das dritte Kapitel

Vom natürlichen Grunde, wie die Natur ein Gegenspiel göttlicher Wissenschaft ist, dadurch sich der ewige (einige) Wille mit der unergründlichen und übernatürlichen Wissenschaft empfindlich, sichtlich, wirkend und wollend macht. Und was das Mysterium Magnum (das große Geheimnis) sei, wie alles von, durch und in Gott ist, und wie Gott allen Dingen so nahe ist und alles in allem erfüllt. Eine hochteure Pforte, dem gottliebenden Leser wohl zu betrachten.

Es steht geschrieben (in Joh. 1.1): »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.«

3.1. Der Anfang aller Wesen ist das Wort als das Aushauchen Gottes, und Gott ist das ewige Eine seit Ewigkeit dagewesen und bleibt es auch in Ewigkeit. Aber das Wort ist der Ausfluß des göttlichen Willens oder der göttlichen Wissenschaft (bzw. Weisheit). Gleichwie die vielfältigen Sinne aus dem Gemüt ausfließen (bzw. entstehen) und das Gemüt doch nur ein Einziges ist, so ist auch das ewige Eine im Ausfluß des Willens stets anwesend. Das heißt: »Im Anfang war das Wort.« Denn das Wort, als der Ausfluß vom Willen Gottes, ist der ewige Anfang gewesen und bleibt es ewig. Denn er ist die Offenbarung des ewigen Einen, damit und dadurch die göttliche Kraft in eine Wissenschaft des Etwas gebracht wird. So verstehen wir mit dem „Wort“ den offenbaren Willen Gottes, und mit dem Wort „Gott“ verstehen wir den verborgenen (und unergründlichen) Gott, als das ewige Eine, daraus das Wort ewig entspringt.

3.2. Also ist der Ausfluß des göttlich Einen das Wort und doch Gott selbst, als seine Offenbarung.

3.3. Dieser Ausfluß fließt aus Gott, und das Ausgeflossene ist die Weisheit und der Anfang und Ursprung aller Kräfte, Farben, Tugenden und Eigenschaften.

3.4. Aus solcher Offenbarung der Kräfte, darin sich der Wille des ewigen Einen beschaut, fließt der Verstand und die Wissenschaft des Ichts (das „Nichts“ ohne Negation, also ein Etwas) aus, darin sich der ewige Wille im Ichts (im Etwas) schaut und aus der Weisheit in die Lust zu einem Gleichnis und Ebenbildnis hineinführt.

(Hegel (1770-1831), der berühmte Philosoph, spricht zum „Ichts“: Ein Wortspiel von „Nichts“, denn es ist eben das Negative; aber zugleich Gegenteil von Nichts, und das Ich des Selbstbewußtseins liegt darin. Der Sohn, das Etwas, ist so Ich, Bewußtsein, Selbstbewußtsein; das abstrakte Neutrale ist Gott, das Sichsammeln zum Punkt des Fürsichseins ist Gott. Das Andere ist nun das Ebenbild Gottes... Der Separator ist das Betätigende, sich Unterscheidende; und Böhme nennt ihn - dies Ichts - nun auch den Luzifer, den erstgeborenen Sohn Gottes, - den kreatürlich erstgeborenen Engel. Aber dieser Luzifer ist abgefallen, - Christus an seine Stelle gekommen... Denn das Ichts - das Sichselbstwissen, Ichheit - ist das Sich-in-sich-Hineinbilden, das Sich-in-sich-Hineinimaginieren, das Fürsichsein, das Feuer, das alles in sich hineinzehrt. Dies ist das Negative im Separator, die Qual, oder es ist der Zorn Gottes; dieser Zorn Gottes ist die Hölle und der Teufel, der durch sich selbst sich in sich hinein imaginiert. Das ist sehr kühn und spekulativ; so sucht Böhme aus Gott selbst den Zorn Gottes zu fassen. Der Wille, das Ichts ist auch die Selbheit (bzw. Ichheit); es ist das Übergehen des Ichts (Ichheit) in Nichts, daß sich das Ich in sich hinein imaginiert. Er sagt: »Himmel und Hölle sind so fern voneinander wie Tag und Nacht, wie Ichts und Nichts.« - In der Tat ist hier Böhme in die ganze Tiefe des göttlichen Wesens hineingestiegen... Quelle: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie)

3.5. Und diese Ebenbildung (des Prozesses der gleichnishaften Ein- und Ausbildung) ist das Mysterium Magnum (das große Geheimnis) als der Schöpfer aller Wesen und Kreaturen, denn es ist der Separator (Unterscheider) im Ausfluß des Willens, der den Willen des ewigen Einen unterschiedlich macht. Er ist die Unterschiedlichkeit im Willen, daraus die (gegensätzlichen) Kräfte und Eigenschaften entstehen.

3.6. Diese Kräfte sind wiederum ein Ausfluß ihrer selbst, da sich eine jede Kraft entsprechend ihres Wesens in einen eigenen Willen hineinführt. Daraus entsteht die Vielfalt der (unterschiedlichen) Willen, und daraus hat auch das kreatürliche Leben der Ewigen seinen Ursprung genommen, nämlich der Engel und Seelen. Und doch kann man nicht sagen, daß darunter eine (eigenständige) Natur oder Kreatur verstanden sei, sondern die ewige Bildlichkeit göttlichen Wortes und Willens, weil der Geist Gottes in solchem Gegensatz innerhalb der Kräfte seiner Weisheit mit sich selber spielt, daraus solche Gestaltungen der Gleichheit entstehen.

3.7. Gleichwie sich das Gemüt des Menschen in der (ganzheitlichen) Vernunft durch die (unterscheidenden) Sinne in die Gegensätze der Einbildung hineinführt und mit derselben ausfließt und in Gestaltung einfaßt (d.h. mit einer Hülle umgibt), wobei die Einbildung die Gedanken des Gemüts sind, darin der Wille des Gemüts wirkt und sich so mit der Lust in eine (trennende) Schärfe, wie in eine magnetische Annehmung (Anziehung und damit auch Abstoßung) einfaßt, daraus Freude und Leid entstehen.

3.8. Das Gleiche können wir auch vom ewigen Gemüt der Empfindlichkeit (bzw. Sinnlichkeit) erkennen, daß sich der Ausgang des Einigen Willen Gottes durch das Wort in Unterschiedlichkeit hineingeführt habe, und die Unterschiedlichkeit hat sich in Annehmlichkeit, als in eigene Lust und Begierde zu seiner Ich-Offenbarung hineingeführt, aus der Einheit in die Vielfalt.

3.9. Diese Begierde ist der Grund und Anfang der Natur der Empfindlichkeit (Sinnlichkeit) des eigenen Willens, denn darin wird die Unterschiedlichkeit der Einheit in Annehmlichkeit gebracht, daraus die Unterschiedlichkeiten der Willen in Empfindlichkeit einer Ichheit gebracht werden, darin das wirkliche, kreatürliche, empfindliche, englische und seelische Leben verstanden wird.

3.10. Denn der Wille des ewigen Einen ist unempfindlich und ohne Neigung zu Etwas, denn er hat nichts, dazu er sich neigen könnte, als nur sich selbst. Darum führt er sich selbst aus sich heraus, und führt den Ausfluß seiner Einheit in die Vielfalt und in die Annehmung (bzw. Anhaftung) zur Ichheit, nämlich zu einer Stätte einer Natur, daraus Eigenschaften entstehen. Denn eine jede Eigenschaft hat ihren eigenen Separator, Unterscheider und Macher in sich und ist doch in sich selber auch ganz, nämlich nach der Eigenschaft der ewigen Einheit.

3.11. Auf diese Weise führt der Unterscheider jedes Willens wieder Eigenschaften aus sich heraus, davon die unendliche Vielfalt entsteht und dadurch sich das ewige Eine empfindlich (sinnlich bewußt) macht, nicht bezüglich der Einheit selbst, sondern bezüglich des Ausflusses (der Gestaltung) der Einheit. Allein der Ausfluß führt sich so weit, bis in die größte Schärfe mit der magnetischen Annehmlichkeit (bzw. Anhaftung), bis in die feurige Art, in der das ewige Eine majestätisch (herrschend) und ein Licht (des Bewußtseins) wird. Auch wird die ewige Kraft dadurch begierig und wirkend und zum Ursprung des empfindlichen (bewußten) Lebens, weil im ausgehauchten Wort der ausfließenden Kräfte ein ewig empfindliches Leben entsteht. Denn wenn das Leben keine Empfindlichkeit hätte, dann hätte es kein Wollen noch Wirken. Aber das Leiden macht es wirkend und wollend. Und das Licht (des Bewußtseins) solcher Entzündung durch das Feuer macht es freudenreich, denn es ist eine Salbung (bzw. Heilung) des Leidens.

3.12. Aus diesem ewigen Wirken der Empfindlichkeit und Sinnlichkeit, daraus sich diese Wirkung von Ewigkeit her in der Natur als Eigenschaften entfaltet hat, ist die sichtbare Welt mit all ihrem Heer (der gegensätzlichen Wesen) entsprungen und zu einer Schöpfung geworden. Denn die Ewigkeit solcher Wirkung bezüglich Feuer, Licht und Finsternis hat sich mit der sichtbaren Welt in ein Spiel der Gegensätze geführt und hat den Separator (Unterscheider) in allen Kräften des ausgeflossenen Wesens durch die Begierlichkeit zu einem Amtmann (dienendem Verwalter) der Natur geordnet (und bestimmt), mit dem der ewige Wille alle Dinge regiert, macht, formt und bildet.

3.13. Also können wir nicht behaupten, daß Gottes Wesen etwas Fernes sei, das (irgendwo) eine besondere Stätte oder einen bestimmten Ort besitze oder habe, denn der Abgrund der Natur und Kreatur ist Gott selbst.

3.14. Die sichtbare Welt mit ihrem Heer (der gegensätzlichen Wesen) und ihren Kreaturen ist nichts anderes als das ausgeflossene Wort, das sich in Eigenschaften verkörpert hat, weil in den Eigenschaften ein eigener Wille entstanden ist. So ist mit der Annehmlichkeit der (unterschiedlichen) Willen das kreatürliche Leben entstanden, das sich im Anfang dieser Welt in eine Annehmlichkeit (von Gestaltungen) zu einem kreatürlichen Grund gestaltet hat, und das der Separator (das unterscheidende Bewußtsein) nach der Eigenschaft unterschieden und in ein eigenes Wollen (bzw. Begehren) nach solcher Gestalt gebracht hat. So ist mit dem eigenen Wollen solcher Begierde das Wesen wie auch der Leib entstanden, und zwar je nach Annehmlichkeit aus seiner Gleichheit und Eigenschaft. Und dadurch hat sich der Separator signiert und sichtbar gemacht, wie an allem Leben zu erkennen ist.

3.15. In solchem Gegenspiel des göttlichen Willens können wir nun zweierlei Leben erkennen, nämlich ein ewiges und ein zeitliches und sterbliches. Das Ewige ist in dem Ewigen, entsteht aus dem ewigen Wort und steht im Grund der ewigen geistigen Welt, nämlich im Mysterium Magnum (dem großen Unbekannten) des göttlichen Gegenspiels, und ist das sinnlich vernünftige Leben im Grund des ewigen Feuers und Lichts.

3.16. Der innerste Grund ist ein Funke des ausgeflossenen Willens Gottes durch das ewige Hauchen Gottes und ist mit Gottes Wort verbunden. Es kann nichts anderes wollen, als nur das, was der Einige Wille Gottes durch solchen Ausfluß will.

3.17. Es ist nichts anderes als ein Behältnis göttlichen Willens, dadurch sich der göttliche Wille offenbart, und es ist zu keiner Eigenheit eigenen Willens offenbar geworden, sondern nur zum Werkzeug göttlichen Willens, mit dem derselbe seine Wunderwerke verrichten will. Es ist der Separator (das schöpferische Bewußtsein) göttlichen Willens als ein Werkzeug Gottes, darin sich der göttliche Wille zu einem Wundertäter der Allmacht und Herrlichkeit gebildet hat, damit Er alle Dinge beherrschen will, weswegen ihm auch die göttliche (ganzheitliche) Vernunft gegeben worden ist.

3.18. Das andere (sterbliche) Leben ist ein anfänglicher Ausfluß des Separators aller Kräfte und heißt die Seele der äußeren Welt. Dieses Leben ist in den ausgeflossenen Eigenschaften kreatürlich geworden und ist ein Leben aller Kreaturen der sichtbaren Welt, in denen sich der Separator oder Schöpfer dieser Welt bildet und ein Gleichnis nach der geistigen Welt macht, darin sich die Kraft der inneren geistigen Welt ausformt, ausbildet und beschaut.

3.19. Denn die geistige Welt bezüglich Feuer, Licht und Finsternis steht hinter der sichtbaren Welt der vier Elemente verborgen und wirkt durch die sichtbare Welt und bildet sich durch den Separator mit ihrem Ausfluß in alle Dinge entsprechend ihrer jeweiligen Eigenschaft. Wie ein jedes Ding von einer Art und Eigenschaft ist, eine solche Eigenschaft empfängt es vom Separator der inneren geistigen Kraft. Doch nicht zu einer Habhaftigkeit und eigenen Macht empfängt das sichtbare Wesen das unsichtbare, so daß das äußere dadurch in das innere verwandelt werden könnte. Nein, so ist das nicht. Die innere Kraft bildet sich nur damit aus, wie wir das an den Kräften der Kräuter, Bäume und Metalle verstehen können, so daß deren äußerlicher Geist nur ein Werkzeug des inneren Geistes als der inneren Kraft ist, dadurch sich die innere Kraft im äußeren Geist ausbildet.

3.20. So daß wir nun in solchen Kräften der Wachsenden (bzw. Gestaltungen) dreierlei Geist (Spiritus) in unterschiedlichen Zentren verstehen, und doch nur in einem Körper. Der erste und äußerliche Geist gleicht dem Groben von Schwefel, Salz und Quecksilber. Er ist ein Wesen der vier Elemente oder des Gestirns nach der Sterne Rauhigkeit (grobstofflichen) Eigenschaft. Dieser (Geist) macht den Körper und verkörpert sich selbst, oder faßt sich in ein Wesen, oder zieht das innere aus dem geistigen Separator an sich, sowohl auch von außen die Elemente, und gerinnt sich damit, davon alsbald die Signatur oder Bezeichnung vom Separator geschieht. Derselbe bildet die sichtbaren Körper nach der Eigenschaft der größten Kraft des Spiritus Mundi (des Erd- oder Weltgeistes), wie die Konstellationen der Sterne oder Eigenschaften der Planeten und der nun entzündeten (und sichtbar gewordenen) Elemente.

3.21. Der zweite Geist, der ein eigenes Zentrum hat, liegt im Öl des Schwefels, den man die fünfte Essenz nennt, als eine Wurzel der vier Elemente. Dieser ist die Sänftigung und Freude des groben leidvollen Schwefel- und Salz-Geistes, und nimmt seine Nahrung zuerst von innen aus dem Licht der Natur, nämlich vom Ausfluß der geistigen Güte vom inneren geistigen Feuer und Licht. Und zum anderen nimmt er von außen seine Nahrung von der Sonne und von der subtilen Kraft des Spiritus Mundi (des Erd- oder Weltgeistes). Er ist die eigentliche Ursache des wachsenden Lebens, eine Freude der Natur, wie auch die Sonne in den Elementen wirkt.

3.22. Der dritte Geist ist die Tinktur (ein Urwasser bzw. Meer aller Ursachen) als ein Gegenspiel des göttlichen Mysterium Magnum (dem großen Geheimnis), dem alle Kräfte in der Gleichheit (bzw. ganzheitlichen Ausgeglichenheit) verinnerlicht liegen. Er heißt zu Recht Paradies oder göttliche Lust, denn er ist ein Behältnis göttlicher Kraft, ein Behältnis der ewigen Seele, daraus alle äußerlichen Kräfte entspringen, in ähnlicher Art und Weise, wie der Wind aus dem Feuer entsteht.

3.23. Denn die Tinktur ist nichts anderes als ein geistiges Feuer und Licht, weil sie dem Feuer und Licht als ein eigen (einig) Wesen innerlich ist. Weil sie aber auch ihren Separator als den ausgeflossenen göttlichen Willen zur Offenbarung in sich hat, so ist sie der höchste Grund, daraus die erste Unterschiedlichkeit der Eigenschaften im Wesen dieser Welt ursprünglich entsteht, und gehört nach ihrer Selbst-Eigenschaft zur Ewigkeit. Denn ihr Ursprung ist die heilige Kraft Gottes, und sie hat ein eigenes Zentrum als den allerinwendigsten Grund der Kreatur, der aber der sterblichen Kreatur verborgen ist, weil der Mensch falschen (illusorischen) Willen dagegen geführt hat und daraus der Fluch der Irdischkeit im Fall des Menschen entstand. Jedoch dringt dieser hohe und heilige Grund aus seinem eigenen Zentrum durch alle Wesen dieser Welt mit heraus und fließt in die äußeren Kräfte, gleichwie die Sonne in die Elemente. Aber die Kreatur kann das Zentrum dieser Kraft nicht berühren, es geschehe denn durch göttliches Zulassen, wie es in der neuen (geistigen) Wiedergeburt geschieht.

3.24. Solche Offenbarung sieht man an allen Dingen der Lebendigen und Wachsenden. Alle Dinge stehen in diesen drei Prinzipien oder Ursprüngen. Ein Beispiel seht ihr an einem Kraut der Erde: Das hat seine Nahrung von innen und außen, nämlich innerlich von der Erde und äußerlich von der Sonne und den Sternen, dadurch sich der Erd-Geist samt dem äußeren mit bildet. Wenn dasselbe auswächst, dann geschieht das in solcher Gewalt. So zeigt (signiert) sich äußerlich am Kraut mit der Bildung und Form desselben der gestaltende Separator im Schwefel, Salz und Quecksilber, denn er ist des Krautes Wachstum und Empfindlichkeit und verkörpert sich.

3.25. Wenn ich also ein Kraut stehen sehe, dann sage ich mit Wahrheit: Dies ist ein Bildnis des Erd-Geistes, in dem sich die oberen Kräfte erfreuen und es auch für ihr Kind halten, weil der Erd-Geist mit den oberen auswendigen Kräften ein Wesen ist. Und wenn das Kraut ausgewachsen ist, dann blüht es, und mit der Blüte zeigt sich der ölige Geist in schönen Farben. Und mit dem lieblichen Geruch der Blüte zeigt sich die Tinktur, als der dritte Grund (bzw. Geist).

3.26. So versteht man dann, daß sich der inwendige, verborgene Geist der Elemente offenbart hat und sich mit in die Bildung der Frucht einführt. Denn die Erde hätte keinen solchen Geruch, weder Farbe noch andere Eigenschaften, wenn sich darin nicht die verborgene Kraft des göttlichen Ausflusses offenbaren würde.

3.27. So ist es auch an den Metallen zu sehen, die äußerlich ein grobstofflicher Körper vom Schwefel, Quecksilber und Salz sind, darin das Wachstum steht. In ihrem innerlichen Grund sind sie ein schöner und klarer (durchsichtiger) Körper, darin das eingebildete Licht der Natur vom göttlichen Ausfluß scheint. In diesem Schein kann man die Tinktur und große Kraft verstehen, wie sich die verborgene Kraft sichtbar macht. Von solcher Kraft kann man nicht sagen, daß sie elementisch sei, wie auch die Kraft der Blüte nicht. Die Elemente sind nur ein Behältnis und Gegensatz der innerlichen Kraft, eine Ursache der Bewegung der Tinktur (bzw. eine äußerliche Wirkung aus dem Urwasser oder Meer der Ursachen).

3.28. Denn von der Tinktur geht die Kraft durch Bewegung des groben elementischen Geistes aus und führt sich dadurch in Empfindlichkeit, wie in Geschmack und Geruch.

3.29. Denn der Geruch ist nichts anderes als die Empfindlichkeit der Tinktur, durch die sich der Ausfluß göttlicher Kraft offenbart und also Empfindlichkeit annimmt. Die Schärfe des Geruchs ist wohl elementisch, aber die wahre Kraft und Tugend in der Schärfe (äußeren Form bzw. Manifestation) des Geruchs, ist die Tinktur. Denn die Bewegung eines Dinges ist nicht der höchste Grund der Kraft, sondern der, aus dem die Ursache der Bewegung stammt.

3.30. Der Medicus (Heiler) gebraucht ein wohlriechendes Kraut zu seinen Medikamenten. Aber der Geruch, als die Schärfe des Geruchs, ist nicht die Kur, die den Patienten von der Krankheit kuriert. Sondern das ist die Kur, aus dem solcher heilsamer Balsam oder Geruch entsteht, nämlich die Tinktur, die sich in solchem Balsam einbildet (bzw. verwirklicht).

3.31. Christus sprach zum Feigenbaum: »Verdorre! (Math. 21.19)« Aber das äußere hörbare menschliche Wort als der Schall war nicht die Kraft, mit der es geschah. Sondern die Kraft war das, daraus das Wort kam. Wenn es nämlich der äußere menschliche Schall täte, dann könnten es andere Menschen auch tun.

3.32. In gleiche Weise ist auch der Glauben zu verstehen. Die Erkenntnis und Benennung eines Dinges ist nicht der wahre Glaube, noch weniger die Wissenschaft. Sondern das ist der wahre Glaube, daraus die Erkenntnis hervorgeht, nämlich der offenbarende Geist Gottes im inneren Grund der Seele, der sich durch die Erkenntnis ins hörbare Wort bildet und äußerlich sichtbar macht, und der mit den sichtbaren Elementen des Leibes wirkt und sich äußerlich zeigt, damit man (irgendwann) versteht, daß Gottes Geist im Werk des Glaubens mitwirkt, gleichwie Er mit und durch die Kraft der elementischen Welt wirkt und sich durch das Wesen dieser Welt mit den Gegensätzen sichtbar macht.

3.33. Also kann ich für alles, was ich ansehe, sei es böse oder gut, mit Wahrheit sagen: Mit diesem Ding hat sich der verborgene Geist des Separators (Unterscheider bzw. Schöpfer) aller Wesen in eine (bestimmte) Eigenschaft gebildet und hat sich damit einen Gegensatz oder ein Bildnis nach seinem Ausfluß gemacht, entweder nach Böse oder nach Gut. Alles nach den Eigenschaften der Natur, nach Hitze oder Kälte, nach Herb, Bitter, Süß oder Sauer, oder wie es auch sei, dort ist in all dieser Bildung nur äußerlich eine solche elementische Art, ähnlich wie Schwefel und Salz. Aber im innerlichen Grund, in der Tinktur, ist es gut und nützlich und gehört zu seiner Gleichheit, um das Leben zu ernähren, das nach der astralischen (weltlichen) und elementischen Art in allen Eigenschaften nach seinem äußeren Grund entsteht.

3.34. Ein jedes Ding, sei es Kraut, Gras, Baum, Tier, Vogel, Fisch, Wurm oder was es auch immer sei, ist nützlich und ist aus dem Separator (Unterscheider bzw. Schöpfer) aller Wesen, nämlich aus dem Wort oder unterscheidenden Willen Gottes ausgegangen, mit dem ihm der Separator der Eigenschaften aller Dinge ein Gleichnis oder Bildnis gemacht hat, darin er wirkt.

3.35. Denn diese sichtbare (körperliche) Welt, mit all ihrem Heer der gegensätzlichen Wesen, ist nichts anderes, als nur ein Gegenspiel zur geistigen Welt, die in dieser materiellen und elementischen Welt verborgen ist, gleichwie die Tinktur in den Kräutern und Metallen.

3.36. Und wie sich die Tinktur mit ihrer Tugend (heilsamer Wirksamkeit) in allen Dingen durch ihren Ausfluß verkörpert und sichtbar macht, so daß man an der Gestalt, wie an den Farben und am Geruch, sehen und erkennen kann, was in der Tinktur für ein Separator oder Ausfluß göttlichen Willens aus dem Mysterium Magnum (großem Geheimnis) ausgeflossen sei, so kann man auch an der sichtbaren Welt, an Sonne, Sternen, Elementen, Kreaturen und an allen Geschöpfen den inneren Grund erkennen, daraus sie entstanden sind.

3.37. Denn kein Ding oder Wesen eines Dings ist von fern (bzw. außerhalb) an seinen Ort gekommen, sondern an dem Ort, wo es wächst, dort ist sein Grund. Die Elemente haben ihre Ursache in sich selbst, daraus sie entspringen. So haben auch die Sterne ihr Chaos (lat. formlose Urmasse bzw. Tinktur) in sich selbst, darin sie stehen.

3.38. Die Elemente sind nichts anderes als ein bildliches bewegtes Wesen des unsichtbaren unbewegten Wesens.

3.39. So sind auch die Sterne ein Ausfluß der Eigenschaften der geistigen Welt entsprechend der Unterscheidung des Separators, dessen Grund das Wort oder der unterscheidende Wille Gottes ist.

3.40. Das Wesen und Weben der Elemente ist Feuer, Luft, Wasser und Erde, darin dick und dünn, naß und trocken, hart und weich ist, doch sie sind zusammengesetzt in Einem Wesen. Nicht daß jedes von einem besonderen Ursprung und Herkommen sei, sondern sie kommen alle nur aus einem einzigen Grund, und dieselbe Stätte, von wo sie hergekommen sind, ist überall. Man kann sich aber vorstellen, wie etwa an einem Ort eine größere Entzündung nach einer Eigenschaft geschehen ist, als an einem anderen, dadurch die Bewegung größer und die Materie in solcher Form und Wesen mehr geworden ist, als am anderen. So ist es auch an der Materie der Erde sowie am Wasser und an der Luft zu verstehen, warum ein Unterschied in ihren Gegensätzen an jedem Ort über der Erde ist. Daher kommen auch die Unterschiede der Sitten und Tugenden, wie auch der Regimenter, Ordnung und Kreaturen.

3.41. Aber die Unterscheidungen solcher Eigenschaften sind alle aus dem Mysterium Magnum (dem großem Geheimnis oder Unbekannten) durch die ursprüngliche Bewegung der Kräfte aller Wesen entstanden, als sich damit der Einige Wille aller Wesen auf einmal bewegt hatte, und sich aus der Unempfindlichkeit in die Empfindlichkeit und Unterschiedlichkeit der Kräfte herausgeführt und die ewige Kraft wirkend und wollend gemacht hat. Damit ist in jeder Kraft ein Gegensatz entstanden, wie eine eigene Begierde. Und diese eigene Begierde im Gegensatz der Kräfte hat sich wieder zu einem Gegenspiel aus sich herausgeführt, davon die Begierde dieses Ausflusses (der Gestaltung) scharf, streng und grob geworden ist und sich geronnen und in Materie gebracht (bzw. verkörpert) hat.

3.42. Und wie nun der Ausfluß der inneren Kräfte aus Licht und Finsternis, aus Schärfe und Linde, aus feuriger oder lichter Art gewesen ist, so sind auch die Materien geworden. Je weiter sich der Ausfluß einer Kraft erstreckt hat, je äußerlicher und grobstofflicher ist die Materie geworden, denn es ist jeweils ein Gegensatz aus dem anderen entstanden, bis letztlich zur grobstofflichen Erde.

3.43. Wir müssen aber den Grund solcher Philosophie recht ausführen und andeuten, woraus Hart und Weich ihren Grund (bzw. Ursprung) genommen haben, wie wir es an den Materien erkennen. Denn eine jede Materie, die hart (geronnen bzw. verfestigt) ist, als da sind Metalle und Steine sowie Holz, Kräuter und dergleichen, das hat in sich gar eine edle Tinktur und hohen Geist der Kraft. Das ist auch an den Gebeinen der Kreaturen zu erkennen, wie die edelste Tinktur nach des Lichtes Kraft, das die größte Süße (Seligkeit) ist, im Mark der Gebeine (Knochen) liegt, und dagegen im Geblüt (im roten Blut) nur eine feurige Tinktur, wie im Salz, Schwefel und Quecksilber (den drei Grundqualitäten des leidenschaftlichen Lebens, ähnlich wie Glück, Leid und Ego). Dies kann man so verstehen:

3.44. Gott ist das ewige Eine, als die größte Sänfte (der gütige Träger von allem), soweit Er jenseits seiner Bewegung und Offenbarung in sich selbst ist. Aber seine Kraft der Bewegung - in der er „ein Gott“ in Dreifaltigkeit als ein dreieiniges Wesen heißt, da man über Drei spricht und doch nur Einen meint, und weil Er die „ewige Kraft“ und das „ewige Wort“ heißt - diese Kraft der Bewegung ist der teure und höchste Grund. So sollte man nun nachsinnen, wie sich der göttliche Wille in eine Stätte zu einer eigenen Kraft der Ichheit einschließt und in sich selber wirkt, aber durch sein Wirken ausgeht und dieser Wirkung einen Gegensatz in Form der Weisheit schafft, davon aller Wesen Grund und Herkommen entsprungen ist.

3.45. In gleicher Weise erkennt auch dieses: Alles was im Wesen dieser Welt weich, sanft und dünn ist, das ist ausfließend und sich selbst gebend, und es ist seinem Grund und Ursprung nach aus der Einheit der Ewigkeit, weil die Einheit immerdar von sich ausfließt, wie man dann auch am Wesen der Dünnheit, wie an Wasser und Luft, keine Empfindlichkeit oder Leiden erkennt, weil dasselbe Wesen einig in sich selber ist.

3.46. Was aber hart und geprägt ist, wie Gebeine, Holz, Kräuter, Metalle, Erde, Steine und dergleichen Materien mit dem (verkörperten) Feuer, darin liegt das Bild göttlicher Kraft und Bewegung, das sich mit seinem Separator (als dem Ausfluß göttlicher Begierde) wie ein edles Kleinod oder Funke göttlicher Kraft in der Grobheit (der Körperlichkeit) verschließt. Und darum ist es hart und feurig, damit es seinen Grund göttlicher Greifbarkeit hat, weil sich hier das ewige Eine immerdar in einen Grund der Dreifaltigkeit zur Bewegung der Kräfte hineinführt und sich doch vor dem Ausfluß verschließt, nämlich vor der Einführung des eigenen Willens der Natur (d.h. die Ichheit kann diesen göttlichen Grund nicht ergreifen). Und so wirkt es mit der Kraft der Einheit durch die (gestaltete) Natur.

3.47. Also kann man auch die edle Tinktur verstehen. Wo sie am edelsten wirkt, da ist sie am meisten von der Härte verschlossen (und verdeckt). Denn die Einheit liegt in ihr in einer Beweglichkeit, nämlich in einer Empfindlichkeit des Wirkens. Darum verbirgt sie sich. Aber in der Dünnheit liegt sie nicht in solcher Empfindlichkeit, sondern ist allen Dingen gleich, wie auch das Wasser und die Luft allen Dingen gleich und in allen Dingen sind. Aber das trockene (vom Feuer getrocknete) Wasser ist der rechte Perlen-Grund, darin die subtile Kraft des Wirkens der Einheit im Inneren liegt. Den Unseren, die dies wert sind, sei hiermit angedeutet, sich um das Weiche ohne feurige Art (das Weiche ohne das Harte wie auch das Wasser ohne das Feuer) nicht anzunehmen, um darin das Geheimnis zu suchen. Versteht dieses Geheimnis so:

3.48. So daß zwar das Weiche und Dünne aus der Einheit durch dessen Ausfluß aus dem Mysterium Magnum (dem großen Unbekannten bzw. Ungestalteten) entsteht und der Einheit am nächsten sei, aber dagegen der edelste Grund göttlicher Offenbarung in Kraft und Wirkung in der feurigen Härte (der Körperlichkeit) liegt. Dieser edelste Grund ist eine trockene Einheit (die Vereinigung von Feuer und Wasser) als eine Ausgeglichenheit, in der die Unterschiedlichkeit aller Kräfte wieder verinnerlicht liegt (bzw. ruht). Denn wo die Kräfte nicht in der Einheit eines Willens wirken, da ist der Wille zertrennt, und in dem Ding ist keine große Kraft zu finden. Das sollten vor allem die Medicis (die nach Heilung suchen) wohl verstehen, so daß sie nicht auf die groben Spirituosen (wirkenden Geister) mit starkem Geruch schauen sollen und diese für das richtige Heilmittel halten. Obwohl es auch dort enthalten ist, so ist aber die Tinktur darin sehr bewegt und ausfliegend (bzw. aufreizend).

3.49. Die wirkenden Geister der starken Kraft im Geruch müssen in Ausgeglichenheit gebracht werden, nämlich in die Einheit, und sollten nicht davonfliegen. Denn sonst will man mit dem Salz anstatt des Feuers Schärfe kurieren (Wohlgeschmack statt Medizin) und gibt dem Patienten Substanz ohne (wirksamen) Geist zur Einnahme.

3.50. Denn die Substanz solcher Heilmittel ist in ihren Eigenschaften zertrennt. Eine jede gibt sich in ihrer großen Freude in Besonderheit, aber sie sind in der Zertrennung zu widerwillig (und gegensätzlich). Sie einigen (bzw. heilen) nicht des Lebens Feindschaft und Zertrennung (die Krankheit), sondern verursachen des Lebens Zertrennung noch mehr.

3.51. Schließt sie zusammen und macht sie einig, so daß sie alle einen einzigen Willen in der Liebe haben! Dann habt ihr das Perlein (des göttlichen Samens) in der ganzen Welt. Zum Zorn Reizen verursacht Stolz und Streit, welches an allen Dingen zu erkennen ist.

3.52. Einen Gefangenen tröstet man nur mit seiner Befreiung, damit er seinen Willen in die Hoffnung setzt und sich mit Geduld faßt. So fällt schließlich seine (leidenschaftliche) Unruhe mit der Hoffnung in eine Ausgeglichenheit, und er lernt in solcher Hoffnung demütig zu werden. Wenn man dann so von seiner Befreiung spricht, dann freut er sich (denn er hat den Sinn seiner Gefangenschaft verstanden).

3.53. Also auch ihr Medicis (die nach Heilung suchen), merkt es euch! Das ist euer Perlein (des göttlichen Samens), wenn ihr dies verstehen könnt. Der Sinn (dieser körperlichen Gefangenschaft in der Welt) ist innerlich und äußerlich (geistig und körperlich).

Das vierte Kapitel

Von dem Ein und Aus: Wie sich der ewige Wille Gottes mit der Empfindlichkeit heraus- und hineinführt, um wieder in das Eine zu kommen. Damit kann man verstehen, zu welchem Ziel das Wesen dieser Welt geschaffen und wozu der kreatürliche Grund nützlich ist, auch wozu Freude und Leid offenbar geworden sind und wie Gott allen Dingen so nahe ist.

4.1. Im Evangelium steht: »Er, Jesus Christus, kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht an. Wie viele ihn aber annahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben, welche nicht vom Geblüt noch vom Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind. (Joh. 1.11)«

4.2. In diesen Worten liegt der teure Grund göttlicher Offenbarung, nämlich das ewige Ein und Aus. Denn sie sprechen von dem, wie das verborgene göttliche ewige Wort der göttlichen Kraft aus der Einheit heraus in das ausgeflossene, natürliche, kreatürliche, bildliche Wort in sein Eigentum gekommen sei, nämlich in die Menschheit.

4.3. Denn das ausgeflossene, bildliche, kreatürliche Wort ist des ewigsprechenden Wortes Eigentum. Damit wird klar angedeutet, daß Ihn die Seinigen mit ihrem abgewandten, bildlichen und eigenen Willen nicht angenommen haben. Dieser eigene und bildliche Wille war aus eigenem Grund entstanden, nämlich aus Fleisch und Blut eigener Natur durch Mann und Weib, das heißt, im Separator (im schöpferischen Unterscheiden) des ausgeflossenen Willens, weil sich der ewige Wille in ein Eigentum (der Ichheit) eingeschlossen hatte und in eigener Kraft und Macht ausgehen und herrschen wollte.

4.4. Dieser habe das ewige Wort, das als ein Ausfluß göttlicher Gnade wieder zu dem abgewandten Willen herauskam, nicht angenommen, denn er wollte ein eigener Herr sein. Welcher Wille sich aber umgewandt habe, so daß er wieder im göttlichen Ausfluß der Liebe neugeboren worden war, dem habe Er Macht gegeben, Gottes Kind zu werden. Denn nicht der natürliche eigene Wille kann die göttliche Kindschaft erben, sondern nur dieser, der mit der Einheit vereint allen Dingen gleich ist, und in dem Gott selber wirkt und will.

4.5. Darin können wir klar verstehen, wie sich der inwendige Grund herausgewandt und sichtbar gemacht habe und ein Eigentum Gottes sei, als ein Ausfluß göttlicher Kraft und Willens.

(Hinweis: Diese Schrift blieb vermutlich unvollendet...)

Verwendete Quellen zur deutschen Überarbeitung

Der Weeg zu Christo: Verfasset in neun Büchlein, Jacob Böhme, 1682
Der Weg zu Christo, verfasset in neun Büchlein, Jacob Böhme, 1715


Inhaltsverzeichnis Weiter