De Signatura Rerum

(Text von Jacob Böhme 1622, deutsche Überarbeitung 2022)

8. Kapitel - Vom Sulphur-Sud der Erde und dem Wachstum

Vom Sulphur-Sud der Erde, wie das Wachsen in der Erde sei, und auch die Unterscheidung der Arten: Eine offene Pforte der weisen Sucher.

8.1. Der Leser betrachte nur das, was vorn vom Zentrum der Gebärung aller Wesen geschrieben wurde, dann kann er hier leichter vorankommen. Alles, was verkörpert ist, sei es Geist oder Leib, das steht in einer Sulphur-Eigenschaft (von „Seele-Körper“), nämlich der Geist in solcher geistigen, und der Leib aus dem Geist in einer solchen körperlichen Eigenschaft.

8.2. Denn alle Dinge sind vom ewigen Geist als ein Gleichnis des Ewigen entstanden. Das unsichtbare Wesen, welches Gott und die Ewigkeit ist, hat sich in seiner eigenen Begierde in ein sichtbares Wesen hineingeführt und mit einer Zeit offenbart, so daß er in der Zeit wie ein Leben sei, aber die Zeit in ihm wie stumm. Gleichwie ein Meister mit seinem Werkzeug sein Werk macht, aber das Werkzeug am Meister stumm ist, und doch das Machen ist, und der Meister führt es nur.

8.3. So sind alle Dinge in Zahl, Maß und Gewicht nach der ewigen Gebärung eingeschlossen (Weis. 11.21), und sie laufen in ihrer Wirkung und Gebärung nach der Eigenschaft und dem Recht der Ewigkeit. Und über dieses große Werk hat Gott nur einen einzigen Meister und Schnitzer geordnet, der das Werk allein betreiben kann: Das ist sein Amtmann, nämlich die Seele der großen Welt, darin alle Dinge als ihr Verstand liegen. Und über diesen Amtmann hat er ein Bild seines Gleichen aus sich geordnet, der dem Amtmann vormodelt, was er machen soll, und das ist die Vernunft als Gottes eigenes Regiment, um den Amtmann zu regieren.

8.4. So zeigt nun die Vernunft dem Amtmann, was die Eigenschaft von jedem Ding sei und wie die Unterscheidungen und Grade auseinandergehen, denn im Sulphur-Leib stehen und liegen alle Dinge, und Mercurius (das reflektierende Bewußtsein) ist das Leben des Sulphurs, und das Salz ist die Verdichtung (bzw. Kristallisation), so daß das Körperliche nicht zerstäubt und der Geist in einem greifbaren Wesen erkannt wird. Die Eigenschaft des Mercurius im Sulphur gleicht dem Sieden von Wasser, und der Sulphur ist das Wasser, darin der Mercurius siedet, und er macht immerzu zwei Gestaltungen aus dem Wasser, eine ölig-lebendige aus der Freiheit der Eigenschaft göttlicher Kraft, und eine tödliche aus dem Zerbrechen im Feuer durch den Salpeter-Schreck.

8.5. Die ölige ist in Steinen, Metallen, Kräutern, Bäumen, Tieren und Menschen, und die tödliche ist in Erde, Wasser, Feuer und Luft. So ist die ölige Eigenschaft in diesen vier Gestaltungen von Erde, Wasser, Feuer und Luft als ein Geist oder Leben, und diese vier Eigenschaften sind wie ein toter Leib, in dem das Öl ein Licht oder Leben ist, daraus die Begierde als das Wachsen entsteht, als ein Grünen aus dieser tödlichen Eigenschaft, als das vegetative Leben, ein Grünen und Wachsen aus dem Tod.

8.6. Nun könnte aber auch die ölige Eigenschaft kein Leben sein, wenn sie nicht in der Angst des Todes wäre. Denn die Angst macht sie quälend oder beweglich, so daß sie aus der Angst fliehen will und herausdringt, dadurch das Wachsen entsteht.

8.7. So muß der Tod eine Ursache des Lebens sein, damit das Leben beweglich wird, und so ist der Mercurius das wirklich bewegliche Leben. In der tödlichen Eigenschaft ist er böse und heißt das Leben des Todes, der Hölle und des göttlichen Zorns, und in der öligen Eigenschaft ist er gut durch die Macht der Sanftmut und Freiheit Gottes. Und er ist der Werkmeister des Amtmanns, mit dem er im vegetativen Leben die Grade unterscheidet, das lebendige vom tödlichen, die himmlische Wesenheit von der tödlichen oder irdischen, und es in zwei Reiche ordnet, nämlich das Gute im Öligen in ein himmlisches Reich, als in ein Licht, und das Tödliche in die Finsternis.

8.8. Diese zwei Reiche stehen ineinander in stetem Streit, und so ist ein stetiges Ringen (und Reflektieren) in ihnen, wie ein siedendes Wasser auf dem Feuer. Ein jedes siedet in seiner Eigenschaft, das Ölige in Freude und Sanftmut, und das tödliche in der Angst der Finsternis, und doch ist eines des anderen Ursache: Das Licht ist der Finsternis als der Angst ihr Tod, Sterben und Verderben, denn im Licht hat die Angst keine Gewalt, sondern wird in die Erhebung des Freudenreichs verwandelt und wird zur Ursache der Freude. Sonst wäre keine Freude, denn die Sanftmut allein ist still, aber die Qual der Angst macht sie erhebend, wie ein Lachen, und so ist die Angst als die Finsternis der öligen Eigenschaft der Tod und das Verderben. Denn wenn sie in der öligen Eigenschaft das Regiment bekommt, dann nimmt sie den Körper ein und macht aus dem Öl eine Giftqual-Quelle, als einen finsteren Geist und Leib, ganz irdisch, wie Adam wurde, als er in das Böse imaginierte.

8.9. Und doch ist uns nicht zu erkennen, daß die ölige Eigenschaft eine Giftquelle an sich nehme. Sondern der Mercurius führt sich als das Feuerleben in die Angst und vergiftet das Wesen der Zeit, welches sich der äußere Mercurius in seiner eigenen Begierde selber macht. Das heißt, er geht vom inneren öligen Wesen heraus, und so bleibt das Innere in sich unbeweglich stehen, und so scheiden sich Wesen und Geist der Zeit vom Wesen und Geist der Ewigkeit. Doch das ist kein Abtrennen, sondern zwei Prinzipien bleiben in einem Wesen, in welchem doch zwei Wesen sind, aber eines ergreift das andere nicht, gleichwie die Zeit die Ewigkeit nicht ergreift. Denn so starben auch Adam und Eva: Der seelische Mercurius ging aus dem Wesen der Ewigkeit mit seiner Imagination in das Wesen der Zeit, als in die Angstqual-Quelle, und da verlor das Wesen der Ewigkeit seinen Führer, und den brachte Christus mit dem göttlichen Wort oder Mercurius wieder her. So bekam das Wesen der Ewigkeit, das in Adam vom seelischen Mercurius verlassen worden war, wieder das Leben. Und so wissen wir, daß im ängstlichen Mercurius das Wesen der Ewigkeit gleichsam im Verschluß des Todes verborgen liegt.

8.10. Und das ist unser Schreiben und Lehren, wie man den giftigen Mercurius mit seiner Begierde dahin bringen könnte, daß er mit seiner Begierde wieder in das verschlossene Wesen der Ewigkeit eingehe und dieses Wesen der Ewigkeit wieder zu einem Leib annehme, um damit das Wesen der Zeit zu tingieren und in Eines zu bringen, so daß der ganze Körper der inneren und äußeren Welt nur Eines sei, daß nur Ein Wille im Geist ist, nämlich ein Liebehunger. Dann macht sich dieser Hunger auch nur einerlei Wesen, so daß jeder Geist von seinem Wesen oder Leib ißt, und so kann danach kein böser Wille mehr dahinein kommen.

8.11. So verstehen wir, daß Freud und Leid, Liebe und Feindschaft, alle durch Imagination und Lust entstanden. Denn in der Lust zu Gott, als zur freien Liebe, entsteht das Freudenreich mitten in der Todesangst. Aber wenn die Begierde aus der freien Liebe heraus in die Todesangst geht, als in die Qual-Qualität der Finsternis, dann wird die Begierde von der Todesqual erfüllt, und so qualifiziert auch der Mercurius in Todesqual.

8.12. Deshalb sagen wir mit Grund, daß kein Ding so böse ist, daß kein Gutes darin liegt, aber die Bosheit ist dessen nicht fähig. Oder: Im giftigen Mercurius liegt das größte Perlein-Kleinod, und wenn ihm sein giftiger Wille dahineingeführt werden kann, dann offenbart er selbst das Perlein, denn er verwandelt sich selbst, wie in der Erde zu sehen ist, darin der Mercurius sein Perlein sucht und im groben Stein zu Gold und anderen Metallen macht, alles entsprechend, wie der Sulphur an jedem Ort ist.

8.13. Denn es ist ein stetiges Ringen in der Erde: Die Ewigkeit sehnt sich durch die Zeit, die Eitelkeit loszuwerden, und in ihrem Sehnen ergibt sie sich dem Mercurius als ihrem Leben und Werkmeister. Und wenn es der Mercurius in seinen Hunger bekommt, dann wird er freudenreich und macht diese freie Lust in sich leiblich, und das ist Gold und auch Silber neben anderen Metallen und guten Kräutern, alles nach der Macht des jeweiligen Ortes. Wie der Sud an jedem Ort ist, so ist auch das Metall, alles nach den Eigenschaften der sieben Gestaltungen der Natur: Welche Gestaltung an einem Ort vorherrscht, nach derselben Eigenschaft wächst auch ein Metall, wie auch Kräuter und Bäume.

8.14. Dies sollte sich der Medicus merken und den Unterschied erkennen lernen, was in jedem Ding (bzw. Mittel), mit dem er kurieren will, für eine Eigenschaft die stärkste ist. Denn wenn er das nicht weiß, wird er seinem Patienten oft den Tod geben. Auch sollte er wissen, wie er die Eigenschaft des Patienten erkennen kann und welche Eigenschaft der Gestaltung unter den sieben natürlichen Gestaltungen der Mercurius im Sulphur ist, denn ein solches Salz macht er auch. Wenn ihm nun der Medicus ein widerwärtiges Salz eingibt, dann wird der Mercurius davon nur immer mehr erzürnt und giftiger. Wenn er aber sein eigenes Salz nach seiner Eigenschaft (danach ihn hungert) bekommen kann, dann erfreut er sich, und läßt seine Gift-Qual im Mars-Feuer sinken.

8.15. Aber der wahre Medicus hat eine andere Kur: Er führt seinen Mercurius, mit dem er kurieren will, zuvor aus der Todesangst in die Freiheit. Denn dieser kann (wahrlich) kurieren, alles andere ist gefährlich und ungewiß. Auch wenn er es trifft, dann ist es ein Glück und unbeständiges Wesen und kann keine Krankheit aus dem Grund entfernen, denn der äußere Mercurius ist verschlossen. So kann er nicht weiter als in die vier Elemente in das tödliche Wesen eingreifen, und im siderischen Leib vermag er nichts. Doch wenn er umkehrt und in die Liebe hineingeführt wird, wie oben erklärt, dann greift er die Wurzel und den Grund an, und renoviert (heilt und erneuert) bis an die göttliche Kraft und das zweite Prinzip.

8.16. Dessen haben wir ein schönes Beispiel an der blühenden Erde mit den Kräutern. Denn in der Erde ist der Mercurius irdisch und giftig. Doch wenn ihn die Sonne tingiert, greift er nach der Sonnenkraft mit ihrem Licht und führt es in seiner hungrigen und feurigen Mars-Begierde in sein Salz, als in sein körperliches Wesen hinein, nämlich in den Sulphur, der seine Mutter ist. Und er führt es mit seinem Drehen in der Essenz herum, als ob er es mit kochte. So greift dann die Freiheit als die höchste Kraft nach ihrer Eigenschaft, nämlich nach der sonnigen, und ergreift den Mercurius mit.

8.17. Wenn nun der Mercurius in sich das Himmlische schmeckt, dann wird er begierig nach der Kraft der Liebe und zieht diese in seine Begierde, und dadurch verwandelt er sich und sein Salz sowie seine Mutter als den Sulphur in eine liebliche Qualität. Und wenn nun die Freiheit so in ein bewegendes Leben mit dem Mercurius hineingeführt wird, dann ist sie freudenreich und in ihrer Freude aufgehend, wie ein Schein aus dem Feuer, und sie dringt durch den Schwefelgeist im Salz aus: So geschieht das Wachsen der Wurzel, und davon bekommt die Wurzel einen solchen lieblichen Geruch und Geschmack. Denn im Ursprung ist des Salzes Schärfe in der ersten Verdichtung vom Saturn eine Schärfe der Todesangst, doch hier wird es zu einer lieblichen Kraft, denn aller Geschmack in den Kräutern ist Salz.

8.18. So versteht weiter bezüglich der Wurzel in der Erde: Wenn so die innere Kraft von der Freiheit in der Eigenschaft des Mercurius, der jetzt verwandelt ist, aus sich zur Offenbarung der Gottheit dringt, dann dringt die Kraft der Sonne zur göttlichen Kraft und eignet sich mit großer Begierde in die höchste himmlische Tinktur und zieht diese mit ihrer Begierde zu sich, nämlich aus dem irdischen Leib in einen sonnigen.

8.19. So zieht die Sonne die Kraft aus der Wurzel der Erde, und der freudenreiche Mercurius geht mit auf und zieht immerfort die Kraft der Sonne von oben an sich, und von unten zieht er seine Mutter als den Schwefel aus der Erde an sich. Und damit gehen alle sieben Gestaltungen der Natur im Ringen in das Freudenreich mit auf, und eine jede will die oberste sein, denn so ist es im Geschmack, wie auch in der Gebärung der Natur. Und welche Gestaltung in der Natur die oberste wird, nach deren Geschmack wird das Salz im Schwefel, und ein solches Kraut wächst aus der Erde, es sei, was es wolle. Wie jetzt ein jedes Ding aus seiner Mutter entsteht, so haben doch alle Dinge (schon immer) ihren Ursprung genommen und nehmen ihn noch so, denn das ist das Recht der Ewigkeit.

8.20. Nun ist (nach der Wurzel auch) der Halm oder Stengel zu betrachten: Wenn das Kraut oder der Zweig aus der Erde entsteht, dann kommt es anfänglich im Unteren mit weißer Gestalt, und weiter hinauf mit brauner, und oben mit grüner Farbe. Das ist nun seine Signatur, was im Inneren in der Essenz für eine Gestaltung in der Qualität ist. Die weiße Farbe des Zweigleins ist aus der Freiheit der Liebelust, die braune ist die irdische vom Saturn mit der Verdichtung und vom Grimm des Mars, und die grüne, welche oben ausfährt, gehört dem Mercurius in der Gestaltung von Jupiter und Venus.

8.21. Denn Jupiter ist Kraft und Venus ist Liebebegierde, die zur Sonne eilen, nämlich zu ihrer Gleichheit. Und der Himmel, der aus dem Mittel des Wassers erschaffen ist, zieht sich sein blaues und grünfarbiges Röcklein an, nach der Sterne Macht. Denn auch der Sternengeist nimmt das neue Kind an und gibt ihm seinen Geist und Leib und erfreut sich darin: Jetzt gehen die Gestaltungen in das Ringen, und Mercurius ist der Werkmeister und Entscheider, Saturn verdichtet, Jupiter ist die liebliche Kraft im Sulphur, Mars ist der Feuerquell als die Macht im Sulphur, Venus ist das Wasser als die süße Begierde, Merkur ist das Leben, der Mond ist der Leib, und die Sonne ist das Herz als das Zentrum, dahin alle Gestaltungen dringen.

8.22. So dringt die äußere Sonne in die Sonne im Kraut, und die innere Sonne dringt in die äußere, und so ist nur ein Geschmack und Liebhaben von einer Essenz nach der anderen. Saturn macht sauer, Jupiter macht lieblich, Mars macht bitter von seiner schmerzlichen Art, Venus macht süß, Merkur unterscheidet den Geschmack, Luna (die Mondin) faßt es in ihren Sack und brütet es aus, denn sie ist von irdischer und himmlischer Eigenschaft und gibt ihm das Menstruum (das Monatsblut bzw. Lösungsmittel in der Alchemie), darin die Tinktur liegt. So ist es ein Treiben im Geschmack, und jede Gestaltung eilt dem süßen Wasser und der Sonne nach. Jupiter ist freundlich und geht mit der Liebebegierde oben aus im süßen Quellwasser. Darin wütet der Mars und denkt, er sei der Herr im Haus, weil er den Feuergeist im Sulphur führt. Davon erschrickt Mercurius, weil ihm Mars Unruhe macht, und Saturn macht den Schreck nach seiner strengen Verdichtung leiblich, und das sind die Knoten am Halm, und das ist der Salpeter-Schreck nach der dritten Gestaltung der Natur in der ersten Verdichtung zum Geistleben, als in der Angstgestaltung, dadurch der Sulphur entsteht. Und im Schreck geht Mercurius im Salpeter auf die Seite und nimmt die Venus mit in sich, als die Liebebegierde, davon am Halm, Stengel oder Baum die Zweige und Äste wachsen. Und was das dann ist, Kräuter, Bäume oder Halme, davon wird dann jeder Ast dem ganzen Gewächs gleich.

8.23. Allein die Sonne nimmt dem Mars immer mehr die Gewalt, davon der Salpeter erlischt und der Mars seine bittere Eigenschaft verliert. Dann ergeben sich Jupiter und Venus im Mond-Sack ganz der Sonne, und so nimmt die äußere Sonne die innere Sonne ganz ein. Versteht: Die innere Sonne ist ein Sulphur im Mercurius, und sie ist die Eigenschaft der göttlichen Kraft aus der Freiheit Gottes, die sich allen Dingen einbildet und allen Dingen Kraft und Leben gibt.

8.24. Wenn dies nun geschieht, daß sich Jupiter und Venus der Sonne Macht ergeben haben, dann treibt Jupiter nicht mehr über sich, sondern Mars und Merkur drehen den Halm von unten aus immer mehr in die Höhe. Jupiter bleibt oben in der inneren und äußeren Sonnenkraft stehen, und hier ist die liebliche (bzw. liebevolle) Verbindung (Konjunktion) mit der Zeit und der Ewigkeit.

8.25. Hier sieht sich die Ewigkeit in der Zeit in einem Bild, und hier geht das Paradies auf, denn der Sulphur und das Salz im Sulphur werden hier im Paradies verwandelt, und die paradiesische Freude im Geruch und Geschmack dringt aus sich. Das ist nun der Kolben der Blüte, darin das Samenkorn wächst. Der liebliche Geruch ist zu einem Teil aus der göttlichen Kraft und aus der Freiheit paradiesisch und zum anderen Teil nach der äußeren Sonne und der äußeren Welt irdisch.

8.26. Die himmlische Eigenschaft stellt ihre Signatur mit den schönen Farben der Blättlein an den Blüten dar, und die irdische mit dem Laub um die Blüten. Weil aber dieses Reich der äußeren Welt nur eine Zeit ist, darin der Fluch liegt, und Adam im Paradies nicht bestehen konnte, so geht die paradiesische Eigenschaft mit ihrer Signatur bald dahin und verwandelt sich in das Samenkorn, das da in der Blüte wächst. Darin liegt die Eigenschaft der inneren und äußeren Sonne, als der inneren und äußeren Kraft, eine jede Eigenschaft in ihrem Prinzip. Denn Gott hat die Erde verflucht, und darum soll niemand denken, daß das Äußere göttlich sei. Nur die göttliche Kraft dringt durch und tingiert das Äußere, denn Gott sprach: »Des Weibes Samen soll der Schlange den Kopf zertreten. (1.Mose 3.15)« Das geschieht nun nach dem Fluch in allem Dinglichen, das sich der Gottheit naht und darin der Mercurius ein Gift ist. Dem zertritt Gott mit der inneren und äußeren Sonne den Kopf und nimmt ihm die giftige Macht im Zorn.

8.27. Wenn ihr es doch nur verstehen lernen wolltet, ihr lieben Herren und Brüder, womit ihr kurieren sollt: Nicht mit dem zornigen Mercurius, der in manchem Kraut eine böse Giftqual-Quelle ist, sondern mit dem inneren Mercurius. Wollt ihr Doktor und Meister heißen, dann solltet ihr auch wissen, wie ihr den äußeren Mercurius im Sulphur in die Liebe verwandeln könnt, so daß er von der Angstqual befreit und in ein Freudenreich gesetzt wird, nämlich das Irdische in ein Himmlisches, der Tod in ein Leben. Das ist euer Doktorat in wahrer Vernunft, und nicht nur durch den Amtmann (der Weltseele) des Verstandes.

8.28. Gott hat den Menschen über den Amtmann gesetzt und in die Vernunft als in sein eigenes Regiment geordnet. So hat er die Macht, die Natur zu verwandeln und das Böse in ein Gutes zu setzen. Aber nur, wenn er sich selbst zuvor verwandelt hat, denn anders kann er es nicht. Solange er in der Vernunft tot ist, so lange ist er Knecht und Diener des Amtmanns. Wenn er aber in Gott lebendig wird, dann wird der Amtmann sein Knecht.

8.29. Ihr stolzen Hütlein, laßt euch sagen: Der überhebliche Stolz und die eigene Ehre, wie auch die irdische Wollust des Fleisches liegen euch im Weg, so daß ihr in den Geheimnissen keine Meister, sondern blinde Kinder seid. Ihr wollt die Hände nicht an die Kohlen legen, aber das Geld nehmt ihr von den Armen, und gebt manchem, daß es wohl besser wäre, er hätte es nicht gekauft. Dafür sollt ihr schwere Rechenschaft geben.

8.30. So ist es gleichsam auch mit dem Sulphur-Sud in der Erde mit den Metallen. Die Kraft ist in den Metallen stärker als in Kräutern, und die Tinktur ist mehr himmlisch als irdisch. Wenn ihr der Künstler zu Hilfe kommt, dann verwandelt sie sich selbst, nämlich das Irdische in ein Himmlisches, welches doch an vielen Enden ohne des Künstlers Kunst geschieht. Wie man dann sieht, daß der Mercurius im Sulphur in seinem Sud die himmlische Tinktur ergreift, mit welcher er sein gemachtes Wesen, das er im Sulphur macht, durch die Macht der Tinktur in Gold und Silber verwandelt, das heißt durch den Anteil der himmlischen Eigenschaft. Denn aus der Erde oder aus der abgetöteten Eigenschaft im Salpeter kann kein Gold werden, weil nichts Beständiges darin ist.

8.31. So ist uns dieser Prozeß des Sudes in der Erde im Sulphur zu betrachten: Wo das Erdreich an einem Ort sulphurisch in der Saturn-Eigenschaft ist und die Sonne das Oberregiment innerlich führt, da ist ein solcher Sud. Die äußere Sonne hungert nach der inneren, die im Zentrum im Sulphur in ihrem eigenen Prinzip wohnt und ihre Begierde nach der Zeit setzt. Denn die Zeit, als die Kreatur, sehnt sich nach der Ewigkeit, nämlich nach der Freiheit, von der Eitelkeit frei zu sein, wie die Schrift erklärt (Röm. 8.22). Und so sehnen sich alle Kreaturen mit uns, von der Eitelkeit frei zu sein.

8.32. Hier gibt sich die Freiheit in den Sonnen-Hunger in die Zeit, und wenn dies Mercurius schmeckt, dann wird er freudenreich und dreht sein Rad in der Freude. Dann verdichtet Saturn die Sanftmut, und Mars, der im Mercurius-Rad in der Verdichtung entsteht, gibt die Feuerseele dahinein, so daß es ein Treiben und Wachsen ist. Denn die Freiheit dringt in der Eigenschaft des Mercurius (bzw. Merkur) aus sich heraus, und Mercurius unterscheidet dadurch immer den Saturn und den Mars. Denn er will ein schönes Kind zu seiner Freude haben. Die Venus läßt er im Kind bleiben, denn sie ist dem Kind in der Eigenschaft verwandt: Das Kupfer (der Venus) ist dem Gold (der Sonne) wegen der Materieeigenschaft am nächsten, ihm fehlt nur die Tinktur. Mars (als Eisen) hat es zu hart im Besitz, doch kann er davon abgebracht werden, dann ist es Gold, welches der Künstler wohl versteht.

8.33. Mars (als Eisen) ist nach der Venus dem Gold verwandt, denn er hat die Venus in seinem Grimm verschlungen und gebraucht sie zu seinem Leib. Er hat sonst in seiner Selbsteigenschaft kein leibliches Wesen, denn er ist nur Grimm, der verzehrt. Er macht sich den Leib aus dem Wasser der Venus, und das verschlingt er in sich, und Saturn macht es ihm leiblich. Darum besudelt er ihm sein Eisen so mit Rost, denn das ist seine Eigenschaft als ein Fresser seines Leibes. Aber die Venus ist lieblich und macht in ihm das Wachsen. Und er frißt wieder, was die Venus-Eigenschaft in ihm macht, denn die Venus in der Saturn-Eigenschaft ist die Speise des Mars. Darum ist dem Künstler zu bedenken, was im Mars liegt. Hat er nur die Sonnen-Tinktur, dann bedarf er nichts mehr dazu, so daß er nun dem Mars die Gewalt nehmen kann, denn von der Venus hat der Mars seine Zähigkeit.

8.34. Mars ist in seiner Selbsteigenschaft nur spröde und gibt die Härte, wie ein Feuer tut (um das Eisen zu härten), aber Saturn ist das Verdichten aller Dinge. Venus bedarf auch nur der Tinktur, dann ist sie vollkommen. Darum soll es der Künstler richtig verstehen, wo die Möglichkeit liegt, nämlich im Sulphur, wo Saturn den Sulphur im Bauch hat und Mercurius (Merkur) dessen Farbe sehen läßt. Dort ist er im Willen, kann aber nicht, denn Saturn hält ihn in sich zu hart gefangen. Wenn ihm aber der Künstler zu Hilfe kommt, so daß er sein Rad schwingen kann, und ihm die Speise seiner Mutter gibt, die sie im Zentrum verborgen hat, dann wird er stark und wirft den Saturn weg und offenbart das Kind. Denn so ist es auch in der Erde, wo Mercurius in seiner Mutter, als im Sulphur, lebendig ist, daß er nicht gehalten wird und daß er in seinem Hunger nur die Venus zu einer Speise erreichen kann. Dann wird die Sonne bald scheinend werden, denn in der Sanftmut der Venus blickt sie hervor. So kocht er seine Speise mit seinem eigenen Feuer und bedarf keinen Künstler dazu, welches dem Künstler wohl zu erkennen ist, denn er hat seinen Mars in sich.

8.35. Wie nun der Sud in der Erde ist, so ist er auch über der Erde. Wenn die Frucht aus der Erde wächst, ist sie anfänglich herb und bitter, auch sauer und widerwärtig, wie der Apfel auf dem Baum, denn Saturn hat im Anfang das Regiment: Er zieht es zusammen, und Merkur formiert es. Mars gibt dem Merkur das Feuer, welches Saturn in seine kalte Eigenschaft nimmt. Venus gibt den Saft, und Luna (die Mondin) nimmt es alles in ihren Leib, denn sie ist die Mutter und nimmt den Samen aller Planeten in ihr Menstruum (das Monatsblut bzw. Lösungsmittel in der Alchemie) und brütet es aus. Jupiter gibt die Kraft dahinein, und die Sonne ist der König darin. Aber im Anfang ist die Sonne schwach, denn die Materie ist zu sehr irdisch und kalt.

8.36. So liegt nun das ganze Wesen mit seinem (kochenden) Sud im Leib des Sulphur (dem „Seelenkörper“), und im Sulphur macht der Salpeter-Schreck im Mars-Rad nach jeder Eigenschaft ein Salz, denn der Schwefel verwandelt sich in Salz, das heißt, in Geschmack. Und in diesem Geschmack in der Sulphur-Eigenschaft ist ein Öl im Zentrum verborgen, das von der freien Liebelust entsteht, als aus der Ewigkeit, und sich mit einem äußerlichen Wesen in der Zeit offenbart, und das ist die Offenbarung Gottes.

8.37. Nun ist in diesem Öl der Hunger oder die Liebebegierde nach dem Wesen der Zeit, als nach der Offenbarung der Gottheit. Diese Begierde greift im Wesen der Zeit wieder nach ihrer Eigenschaft, nämlich nach der Sonne, und die Eigenschaft der Sonne greift nach dem Öl im Zentrum der Frucht und sehnt sich heftig danach, ergibt sich in die Frucht und saugt die Kraft in sich, und gibt sich in ihrer Freude heraus in die strenge Eigenschaft der Frucht und besänftigt sie alle mit der Liebe, die sie im Zentrum im Öl der Freiheit empfängt. So wird eine Frucht, welche anfänglich sauer und herb war, ganz lieblich und süß, so daß sie der Mensch essen kann. Und so geschieht die Reifung aller Früchte.

8.38. So werdet ihr nun an der Signatur im Äußeren die innere Gestaltung erkennen, denn die Gestaltungen im Salz, als in der Kraft, zeigen sich äußerlich.

8.39. Die Farben sind allgemein vier, nämlich Weiß, Gelb, Rot und Grünlich. Nach welcher Farbe nun die Frucht, wie ein Apfel, am meisten signiert ist, danach ist auch der Geschmack im Salz. Nämlich weiß mit einer klaren und feinen Haut und manchmal ein wenig dunkel ergibt das Süße, und das ist die Venus-Eigenschaft. Ist der süße Geschmack stark und kräftig, dann ist Jupiter mächtig darin. Ist er aber schwach und eklig, dann ist der Mond stark darin. Ist die Frucht aber hart und etwas braun in der Farbe, dann ist der Mars stark darin. Wenn aber die weiße Farbe graubraun wird, dann ist Saturn stark darin. Wie die Venus weiße Farbe gibt, so gibt der Mars rote Farbe und bitteren Geschmack, denn der Mars macht die Venus-Farbe licht (bzw. feurig). Merkur gibt vermengte Farbe und eröffnet im Mars die grüne. Jupiter neigt zur blauen Farbe, Saturn zur schwarzen oder dunkelgrauen, und die Sonne macht die gelbe Farbe und gibt die wahre Süße im Salz und bringt den lieblichen Geruch hervor, der aus dem Schwefel entsteht. Saturn macht herb und sauer. Und so stellt sich jede Eigenschaft im Äußeren dar, wie es innerlich im Regiment ist, auch an der Gestaltung im Laub.

8.40. So kann man jede Wurzel, wie sie in der Erde ist, an der Signatur erkennen, wozu sie nützlich sei, denn eine solche Gestaltung hat das Kraut, und an den Blättern und Stengeln sieht man, welcher Planet Herr in der Eigenschaft ist, vielmehr noch an der Blüte. Denn was für einen Geschmack das Kraut und die Wurzel hat, ein solcher Hunger ist in ihm, und eine solche Kur liegt darin, denn es hat ein solches Salz.

8.41. Daran soll der Medicus erkennen, was für eine Krankheit im Leib entstanden ist und in was für einem Salz der Ekel (bzw. das Übel) im Mercurius entstand, damit er seinem Patienten nicht noch mehr Ekel gibt. Denn wenn er ihm das Kraut gibt, in welcher Eigenschaft der Mercurius zuvor einen Ekel empfangen hat, dann gibt er ihm ein Gift, so daß sich das Gift im Ekel des Körpers im Mercurius noch mehr entzündet. Es sei denn, daß er dieses Kraut zu Asche verbrennt und ihm gibt, denn dann verliert das Gift des Ekels seine Macht, denn diese Asche ist dem Gift des lebendigen Mercurius ein Tod. Das finden wir in der Magie gewaltig. (Dieses Prinzip wird noch heute in der Naturheilkunde für sogenannte Nosoden angewendet.)

8.42. Der Medicus wisse, daß alle Krankheiten vom Ekel (bzw. feindlichen Übel) in der Gestaltung der Natur entstehen. Nämlich wenn eine Gestaltung im Leben die oberste ist und ihr dann ein widerwärtiges Ding, das ihrer Eigenschaft ganz zuwider ist, mit Gewalt eingeführt wird, sei es vom Gestirn oder von den Elementen oder von den sieben Gestaltungen des Lebens, dann nimmt es dieser oberen Gestaltung, die des Lebens Führer ist, seine Stärke und Kraft in seinem Salz, und dann beginnt der Mercurius (bzw. das reflektierende Bewußtsein) dieser oberen Gestaltung zu qualifizieren, das heißt, zu hungern und zu ekeln. Und wenn er seine Selbsteigenschaft nicht bekommt, das heißt, von der leiblichen Gestaltung, die unter den sieben Eigenschaften oder Gestaltungen im Körper vorherrschend ist, dann entzündet er sich in seiner eigenen Gift-Qual nach seines Lebens Eigenschaft und treibt sich so lange, bis er feurig wird. Damit erweckt er seinen eigenen Mars und seinen eigenen Saturn, die ihn verdichten und das Fleisch im Körper im Giftfeuer verzehren und auch das Öl des Lichtes ganz verzehren, und dann erlischt das Lebenslicht (des Bewußtseins), und so ist es geschehen.

8.43. Kann aber die Gestaltung des Lebens, davon der Mercurius im Ekel in der Angst- und Gift-Qual entzündet wurde, seine Eigenschaft in seinen Hunger bekommen, die in Geist und Leib vorherrscht, dann bekommt er seine eigene natürliche Speise, davon er lebt, und so erfreut er sich wieder und läßt den Ekel von sich, und so vergeht der Ekel und wird ausgestoßen. Der Medicus soll also achthaben, ob nicht das Mittel, das er dem Patienten geben will, in seiner Eigenschaft zu stark im gleichen Wesen steht, davon der Ekel im Leib entstanden ist.

8.44. Ich gebe ein Beispiel: Es wäre ein Jupiter-Mensch, der seinen Ekel von der Mond-Eigenschaft empfinge. Nun wüßte der Arzt, wie er seinen Ekel habe und richtete ihm eine Jupiter-Kur nach seinem eigenen Geist oder Mercurius-Hunger zu, das wäre dann richtig. Wenn aber die Mond-Eigenschaft stark in dem Salz wäre, das er dem Ekel eingeben wollte, dann gibt er ihm Ekel ein. Wenn aber die Jupiter-Kur vom Mond frei wäre, dann nimmt der Jupiter-Mercurius seine eigene Speise mit großer Begierde ein und verläßt den Ekel. So ist es auch mit den Krankheiten, welche im Salpeter vom Erschrecken entstehen. Da gehört nur wieder ein solcher Schreck dazu, wie der erste war, und schon ist die Kur da, oder auch ein solches Kraut, darin der Salpeter in solcher Eigenschaft liegt, wie er in diesem Menschen liegt.

8.45. Ich weiß und mir wird gezeigt, daß der Sophist mich tadeln wird, weil ich schreibe, daß die göttliche Kraft in der Frucht sei, und sich Gottes Kraft in die Gebärung der Natur hineineigne. Höre, mein Lieber, werde nur sehend! Ich frage dich, wie ist das Paradies in dieser Welt gewesen? Ist es auch in der Natur offenbar gewesen? Ist es auch in der Frucht gewesen? Ist es in der Welt oder außerhalb der Welt gewesen? Stand das Paradies in Gottes Kraft oder in den Elementen? Ist die Kraft Gottes in der Welt offenbar gewesen oder verborgen? Oder: Was ist der Fluch der Erde und das Austreiben von Adam und Eva aus dem Paradies? So sage mir: Wohnt Gott auch in der Zeit? Ist nicht Gott alles in Allem? Es steht ja geschrieben: »Bin ich es nicht, der alles erfüllt? (Jer. 23.24)« Oder: »Dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. (Matth. 6.13)«

8.46. Hier besinne dich und laß mich ungetadelt. Ich sage nicht, daß die Natur Gott sei, viel weniger die Frucht aus der Erde. Sondern ich sage: Gott gibt allem Leben Kraft, sei es gut oder böse, einem jeden nach seiner Begierde. Denn er ist selbst Alles, aber wird nicht nach allem Wesen „Gott“ genannt, sondern nach dem Licht. Damit wohnt er in sich selbst und scheint mit der Kraft durch alle seine Wesen. Er gibt seine Kraft allen seinen Wesen und Werken, und ein jedes Ding nimmt seine Kraft entsprechend seiner Eigenschaft an: Eines nimmt Finsternis, das andere Licht. Jeder Hunger begehrt seine Eigenschaft, und das ganze Wesen ist doch alles Gottes, sei es gut oder bös. Denn von und durch ihn ist Alles. Und was nicht in seiner Liebe ist, das ist in seinem Zorn.

8.47. Das Paradies ist noch in der Welt, aber der Mensch ist nicht mehr darin, es sei denn, daß er aus Gott wiedergeboren werde. Dann ist er nach dieser neuen Wiedergeburt darin, aber nicht mit dem vier-elementischen Adam. Wenn wir dieses Eine doch nur kennenlernen wollten und es am geschaffenen Wesen verstünden!

8.48. Seht, im Saturn liegt ein Gold verschlossen, in ganz unachtbarer Farbe und Gestalt, das wohl keinem Metall ähnlich sieht. Und wenn man es auch ins Feuer bringt und ganz zerschmilzt, dann wird man doch nichts haben als ein unachtbares Wesen ohne eine Gestaltung der Tugend, bis der Künstler darüber kommt und den richtigen Prozeß mit ihm hält: Dann wird offenbar, was darin gewesen ist.

8.49. In ähnlicher Weise wohnt auch Gott in allen Dingen, aber das Ding weiß nichts von Gott, denn er ist dem Ding nicht offenbar, und doch empfängt es die Kraft von ihm, aber nur nach seiner Eigenschaft, entweder von seiner Liebe oder von seinem Grimm. Und wovon es nimmt, so signiert es sich auch im Äußeren. Und so ist auch das Gute in ihm, aber der Bosheit gleichsam ganz verschlossen. Wie ihr dessen ein Beispiel an einem Dornenstrauch oder an anderen stachligen Pflanzen habt, daraus doch eine schöne wohlriechende Blüte wachsen kann. So liegen zwei Eigenschaften darin, eine liebliche und eine feindliche, und welche siegt, die bildet die Frucht.

8.50. In ähnlicher Weise war auch der Mensch als eine schöne Paradiesblume und Frucht geschaffen, aber der Teufel erweckte ihm seine dornige Eigenschaft durch die Schlange, das heißt, aus dem Zentrum der grimmigen Natur Eigenschaft, welches in seiner paradiesischen Qualität in ihm nicht offenbar wurde. Als aber sein Hunger in die dornige falsche Schlangen-Eigenschaft als in den Tod einging, da drang des Todes und der falschen Schlange Eigenschaft mit der teuflischen Begierde in seinen Hunger ein und erfüllte Seele und Leib. So begann der Hunger der falschen Schlange in ihm zu qualifizieren, und der Tod wachte in ihm auf. Und damit verbarg sich das Paradies in ihm, denn das Paradies trat in sich ein, und das Gift der Schlange in der Eigenschaft des Todes wohnte auch in sich, und jetzt war es Feindschaft.

8.51. So sprach Gott zu ihm: »Des Weibes Samen soll der Schlange den Kopf zertreten, und sie wird ihn mit dem Todesgift in die Ferse stechen. (1.Mose 3.15)« Das heißt, das verschlossene und im grimmigen Tod gefangene Paradiesbild, in welchem das Wort der Gottheit als der göttliche Mercurius regierte und wirkte, verblich, gleichwie das Gold im Saturn verblichen ist, so daß man es nicht mehr sieht, wie ein unachtbares Wesen, bis der rechte Künstler darüber kommt und den Mercurius im verschlossenen Gold wieder erweckt. Dann wird der tote verschlossene Leib des Goldes im Saturn wiederum lebendig, denn der Mercurius ist sein Leben, und der muß ihm wieder eingeführt werden. Dann blickt der tote Leib des Goldes hervor und überwindet den groben Saturn, darin er verschlossen lag, und verwandelt seinen unachtbaren Leib in einen schönen, herrlichen und goldenen.

8.52. In gleicher Weise liegt jetzt auch der Mensch nach seinem Fall in einer groben, ungestalten, tierhaften und toten Bildung verschlossen. Er sieht keinem Engel gleich, viel weniger dem Paradies. Er ist wie der grobe Stein im Saturn, darin das Gold verschlossen liegt. Seine Paradiesbildung ist an ihm, als wäre sie nicht, und ist auch nicht offenbar. Der äußere Leib ist ein stinkender Kadaver, weil er noch im Gift lebt. Er ist ein böser Dornenstrauch, aus dem doch manchmal schöne Röslein blühen und aus den Dornen wachsen und das Verschlossene offenbaren, was im grimmigen giftigen Mercurius verborgen liegt. Nämlich so lange verborgen liegt, bis der Künstler, der ihn gemacht hat, über ihn kommt und den lebendigen Mercurius wieder in sein verblichenes und im Tod gefangenes Gold oder Paradiesbildnis hineinführt, so daß das verschlossene Bild, welches aus göttlicher Sanftmut und Liebewesenheit erschaffen war, wieder im göttlichen Mercurius grünt, als im Wort der Gottheit, welches wieder in die verschlossene Menschheit einging. Dann verwandelt der göttliche Mercurius den grimmigen Mercurius in seine Eigenschaft. Und so ist Christus geboren, der der Schlange, als dem Gift und Tod im Zorn Gottes, den Kopf (der grimmigen Todesmacht) zertritt, und so steht ein neuer Mensch in Heiligkeit und Gerechtigkeit auf, der vor Gott lebt, gleichwie das verschlossene Gold aus der irdischen Eigenschaft hervorblickt.

8.53. Und so wird dem Künstler, der von Gott gesegnet ist, hiermit klar angedeutet, wie er suchen soll. Nämlich nicht anders, als er sich selbst gesucht und in der Eigenschaft des klaren Goldes gefunden hat. So ist auch dieser Prozeß, und kein Fünklein anders. Denn der Mensch und die Erde mit ihren Heimlichkeiten liegen im gleichen Fluch und Tod verschlossen und bedürfen einerlei Wiederbringung.

8.54. Aber dem Sucher sei dies gesagt, und ich will ihn treulich gewarnt haben, so lieb ihn seine zeitliche und ewige Wohlfahrt ist, daß er sich ja nicht eher auf die Bahn mache, um die Erde zu versuchen und das Verschlossene wieder hervorzubringen, er sei denn selbst zuvor aus dem Fluch und Tod durch den göttlichen Mercurius wiedergeboren und habe die göttliche Wiedergeburt in voller Erkenntnis. Sonst ist alles vergebens, und es hilft kein Lernen, denn was er sucht, das liegt im Tod und Zorn Gottes im Fluch verschlossen. Will er es lebendig machen und in sein Erstes setzen, dann muß dieses Leben in ihm zuvor offenbar sein. Dann kann er zum Berg sagen: »Erhebe dich, und stürze dich ins Meer!« Und zum Feigenbaum: »Es wachse keine Frucht mehr auf dir!« Und so wird es geschehen.

8.55. Denn wenn der göttliche Mercurius im Geist lebt und offenbar ist, und dann der Willengeist der Seele in etwas imaginiert, dann geht auch der Mercurius mit ihm in der Imagination und entzündet den im Tod gefaßten Mercurius, als das Gleichnis Gottes oder die Offenbarung, darin sich der lebendige Gott offenbart.

8.56. Ich weiß und sehe es, daß der Spötter in der Decke des Teufels mich noch mehr verdächtig machen wird, wenn ich hier vom inneren und äußeren Mercurius schreibe. Ich verstehe mit dem inneren das Wort Gottes oder den göttlichen Hall, als die Offenbarung der Ewigkeit des Ungrundes. Und mit dem äußeren verstehe ich den Amtmann in der Natur, als den Werkzeugen, den das innere, lebendige und kräftige Wort oder der göttliche Hall führt, damit er macht und wirkt. So wird es mir der Sophist übel deuten und sagen: „Ich vermenge es in Eines und halte die Natur für Gott.“ Wie es mir zuvor auch Babel getan hat. Dem sage ich, er sehe mein Wort recht an und lerne es recht verstehen. Denn ich rede bisweilen aus dem himmlischen Mercurius und sehe einzig denselben, und dann gar bald den Werkzeugen des himmlischen. Darum habe er acht auf den Verstand, denn ich schreibe nicht heidnisch, sondern theosophisch aus einem höheren Grund, als es der äußere Werkmeister ist, und dann auch wieder aus demselben.


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