Von sechs theosophischen Punkten

(Text von Jacob Böhme 1620, deutsche Überarbeitung 2021)

10. Kapitel - Die vier Elemente des Teufels

Von den vier Elementen des Teufels und der finsteren Welt, und wie man sie in dieser äußeren Welt erkennen kann.

10.1. Das erste Element der finsteren Welt und des Teufels ist der überhebliche Stolz, das zweite ist der (egoistische) Geiz, das dritte der (persönliche) Neid, das vierte der (unzufriedene) Zorn. Diese vier Elemente brüten immer und ewig einen jungen Sohn aus, der Falschheit (bzw. Illusion) heißt. Dieser Sohn ist auch ein wirklicher Sohn des verdorbenen Adams, den er zu einem Herrn der Welt zurückgelassen hat. So ist er in der Welt König geworden, hat die ganze Welt in Besitz genommen und regiert an allen Enden im dritten Prinzip. Wer diesen König richtig erkennt, der erkennt auch die vier Elemente des Teufels, denn in der finsteren Welt haben diese vier Elemente das ganze Regiment in Körper und Geist und allem, was Wesen heißt.

10.2. Daran sehen wir klar, daß diese äußere Welt auf dem Grund derselben vier Elemente steht und ihre Neigungen von ihnen empfängt, sowie auch die Qual und den Willen. Denn der Sohn dieser vier Elemente regiert auf Erden, will alles unter seinem Gehorsam haben und hat viererlei Geschlechter seiner Untertanen. 1.) Das Geschlecht des überheblichen Stolzes, das über alles andere sein und sich nicht angleichen will. 2.) Das Geschlecht des Geizes, das alles allein besitzen, unter sich bändigen und haben will. Und dieses zweite Geschlecht ist der Sohn des ersten, denn auch der überhebliche Stolz will alles haben, damit er allein alles sei. 3.) Das dritte Geschlecht ist der Neid, der wiederum des Geizes Sohn ist. Wenn dieser sieht, daß er nicht alles allein haben kann, dann sticht er wie ein Gift und gönnt niemandem etwas. Sein Wille ist in allen Dingen, entweder, um sie an sich zu ziehen und allein zu besitzen, oder darin mit einem bösen (feindlichen) Willen zu wüten. 4.) Das vierte Geschlecht ist der Zorn, der des Neides Sohn ist. Was dieser nicht mit bösem Willen erreichen kann, das zündet er im Zornfeuer an und zerbricht es mit Gewalt, richtet Krieg und Morden an und will alles zerbrechen, denn dieses Geschlecht will alles mit Gewalt bezwingen.

10.3. Dies sind also die vier Elemente des Teufels, welche alle vier ineinander sind wie eins. Denn es geht jeweils eines vom anderen aus, und eines gebiert das andere. Sie alle entstehen aus der finsteren Natur, nämlich von Herb, Bitter, Angst und Feuer.

10.4. Weil ihnen aber Gottes Kraft entgegensteht, so daß sie in dieser Welt nicht volle Gewalt erlangen können, haben sie sich einen listigen Sohn geboren, mit dem sie regieren, und dieser heißt „Falschheit“. Er legt den glitzernden Rock der göttlichen Farben an, damit man ihn nicht erkenne, und will als ein Sohn der Wahrheit und Tugend gelten, ist aber ein Schalk, denn er redet anders als er denkt, und denkt anders, als er tut. Er führt auf der Zunge den Glanz Gottes, aber im Herzen des Teufels Kraft und Gift.

10.5. Dieser ist König auf Erden und verwaltet zwei Reiche: Das erste heißt „die Verderbnis“, und das andere „Babel, eine Verwirrung“ (auch bezüglich der himmelstrebenden Gedankengebäude, die in Verwirrung enden müssen). Dem Reich der Verderbnis hat dieser König die (persönliche) Stärke und Macht angezogen, und das ist das Kleid dieses Reiches. Dem anderen Reich von Babel hat er ein weißes und glitzerndes Kleid angezogen, das an Gottes Statt gelten muß, und damit regiert der König auf Erden, als wäre er Gott selbst. Und die Völker beten dieses Kleid an, aber unter dem Kleid ist der Mann der Falschheit und des Betrugs und hat seine Mutter als die vier Elemente in sich, nämlich Stolz, Geiz, Neid und Zorn.

10.6. So herrschen die vier Elemente des Teufels unter einem glitzernden Rock, und die Menschen reißen sich um diesen Rock, und ein jeder will ihn anziehen. Wer ihn aber anzieht, der zieht die Hölle und Gottes Zorn an. Solcher Rock wird an Gottes Statt geehrt, und ist doch der Rock, den der Zorn Gottes Adam und Eva anzog, als der Teufel sie betrog, so daß sie von Gottes Gehorsam abfielen. Und das ist eben das Röcklein, davor uns Gott seit Beginn der Welt gewarnt hat, daß wir es nicht anziehen sollen, denn darin ist der Teufel zur Herberge. Wenn wir das anziehen, dann ziehen wir beim Teufel zur Herberge ein und müssen tun, was er will, denn er ist Wirt in diesem Haus und ruht in diesem Röcklein.

10.7. Doch weil er ein Gefangener Gottes ist, so zieht er uns sein Röcklein an und schickt uns damit in seinem Dienst nach Babel, wo wir über Gott spotten müssen. Denn wir glauben, Gottes Röcklein zu tragen, aber haben den Teufel darunter zur Herberge und zu Gast. So gibt die Zunge Gott gute Worte, aber das Herz hat den Geist der vier Elemente des Grimms. So wird durch den Teufel über Gott gespottet, damit Gott doch sehen soll, daß er als Teufel der Herr und König über die Menschen sei und Gottes Herrschaft im Menschen nur wie einen glitzernden Rock achtet, wo er als Teufel der Mann darin ist und den Menschen in seinen Armen gefangenhält. Er deckt sich zwar das Röcklein über und läßt sich von den Menschen „Gottes Kind“ nennen, aber der Mensch tut ihm in diesem Rock seinen Willen, und alles, was der Teufel im äußeren Reich nicht tun kann noch darf, das tut ihm der Mensch in seinem Dienst. Denn der Teufel darf niemanden töten, aber das tut ihm der Mensch gern zu Gefallen. Auch kann der Teufel die Geschöpfe Gottes nicht gebrauchen, aber der Mensch mißbraucht sie ihm gern zu Gefallen, um Gott damit zu spotten. Er treibt damit Stolz und Geiz, auch Falschheit und Bosheit, und richtet darunter alles aus, was der Teufel haben will. So glänzt er auch damit, als wäre er Gott selbst.

10.8. Darum ist das äußere Reich eine stetige Mordgrube des Teufels geworden, und der falsche vermeintliche Mensch (der sich einen Menschen nennt, aber keiner ist) verrichtet die Mörderei und vermehrt Gottes Zorn, und zündet die finstere Welt in dieser äußeren an, so daß Gottes Zorn überall in dieser Welt brennt.

10.9. So wird Gottes Reich behindert und der Wille des Teufels geschieht, und so bleibt der Teufel ein Fürst auf Erden, wo er sonst kein Hervorbringen auf Erden hätte, denn der vermeintliche Mensch steht ihm im Dienst und vollbringt seinen Willen. So wohnen zwei Geschlechter der Menschen auf Erden beieinander: Das eine sind wahre Menschen, die Gott im Rock der Demut und Armut dienen. Derer spottet der Teufel und plagt sie mit dem anderen Geschlecht und vollbringt alle seine Wunder an ihnen, durch jene, die ihm dienen.

10.10. Das andere Geschlecht nennt sich auch Menschen, und sie gehen auch in Menschengestalt, aber sind bösartige Tiere, die sich das Kleid der Falschheit ihres Königs anziehen und in der Kraft der vier Elemente ihres Königs leben, nämlich in Stolz, Geiz, Neid und Zorn.

10.11. Der überhebliche Stolz ist seine erste Untugend, die dem wahren Menschen das Brot aus dem Mund reißt und den Armen bezwingt, um sich selber genugzutun. Sie will nicht, daß ihr jemand gleicht, denn sie will allein das schönste Kind im Haus sein und hat das glitzernde Röcklein angezogen. Sie will fromm genannt sein, und man soll sie ehren und sich vor ihr beugen. So soll ihr nichts gleichen, sie will Herr sein und spricht: „Ich bin züchtig in meinen Gebärden.“

10.12. Aber ihr Herz ist voller Geiz, wie ein Wolf, der dem Elenden seinen Schweiß und seine Arbeit auffrißt. So steigt sie über alles auf und sucht täglich in den Wundern Gottes, wie sie glänzen könne. Sie stellt sich freundlich und züchtig, als wäre sie eine Jungfrau voller Zucht, und ist doch eine brüchige Hure, und haßt im Herzen alle Tugend, Zucht und Gerechtigkeit. Sie ist ein steter Feind der Liebe und Demut. Was einfältig ist, das verachtet sie, und zwingt doch das Einfältige unter ihr Joch. So spricht sie zum wahren Menschen: „Du bist mein Hund, und ich jage dich, wohin ich will. Du bist närrisch, und ich bin klug!“ Doch selber ist sie der größte Narr, denn sie verscherzt sich Gott und das Himmelreich wegen einer kleinen Weile Augenlust. Sie wirft sich in die Finsternis und zieht den Rock der Angst an.

10.13. Die zweite Untugend dieses Königs der Falschheit ist der Geiz, der alles an sich zieht und das glitzernde Kleid des überheblichen Stolzes verfinstert. Er zieht Böses und Gutes gegeneinander an sich und füttert damit beständig den Stolz. Und wenn er ihn gesättigt hat, dann nimmt er seinen Sohn, den Neid, und quält den Stolz damit, so daß er keine Ruhe in seinem Glanz hat. Und der Neid sticht immer in den begehrenden Geiz, als wäre er toll und unsinnig, und martert den Stolz Tag und Nacht, daß er nimmer ruht. Der Geiz ist das wirklich grobe und säuische Tier, denn er begehrt immer mehr, als er fressen kann. Sein Rachen steht Tag und Nacht weit offen, und er läßt den Menschen nicht ruhen und quält ihn immer in seiner unreinen Irdischkeit, so daß er nach Erde trachtet und den Dingen, welche die Erde auch ohne den Geiz der Menschen gibt. Denn es gehörte nur Arbeit dazu, und kein Geiz.

10.14. Der Geiz plagt sich selber und ist sein eigener Feind, denn er füllt sich mit Leid und Unruhe und verdunkelt die Vernunft des Menschen, so daß er nicht mehr erkennen kann, daß alles aus göttlicher Hand kommt. Er macht dem Menschen das Licht seines Lebens finster, verzehrt den Leib und beraubt ihn der göttlichen Sinne und Herrlichkeit. Er wirft ihn in die Grube des Todes und bringt ihm den zeitlichen und ewigen Tod. Er zieht finstere Wesen in die edle Bildung des Menschen und macht aus einem Engel einen grimmigen Teufel. Er schafft Verwirrung über Leib und Seele und ist das greuliche Tier im Abgrund der Hölle, denn er ist die Ursache von Leid und Qual, weil ohne ihn keine Qual entstehen könnte. Er schafft Krieg und Streit, denn er läßt sich niemals genügen, und hätte er auch alle Welt, dann wollte er wohl auch den Abgrund haben, denn ihm ist keine Stätte zu seiner Ruhe geboren. Er baut Länder und Königreiche auf und zerbricht sie auch wieder, und treibt den Menschen in eitle Mühe und Unruhe. So ist er schlechthin des Teufels Herz und Wille.

10.15. Denn der Stolz ist der schöne Geist, der aus dem Geiz auswächst, und ist das schöne Kind, das da den Himmel besitzen sollte, aber der Geiz hat es zu einem Hurenkind gemacht und nach Babel in die Mutter der großen Hurerei auf Erden hineingeführt, wo der Stolz immer mit dem Geiz hurt, denn er ist nur ein Hurenkind vor Gott. Er kann den Himmel nicht besitzen, sucht sein Himmelreich auf Erden und buhlt mit dem König der Falschheit, der alle seine Arbeit annimmt und den vier Elementen des Teufels in der finsteren Welt gibt. Dort muß der Stolz mit dem Geiz dann auch hin, wenn der Angst-Geizsack zerbricht, der ja so gerecht ist, und nimmt doch seinen Geiz mit in den Abgrund, damit der Stolz seine Freude daran habe, wie ein Narr in seinem Narrenkleid, der sich müht und ängstigt, damit er Narrheit gebäre, und seinen Zuschauern gefalle, daß er ein unsinniger Narr sei. In gleicher Weise ist auch der Stolz mit dem Geiz des Gottes Narr und des Teufels Gaukler, der seine Freude daran hat, daß er aus Gottes Bild ein Narrenbild machen kann.

10.16. Die dritte Untugend in den vier Elementen des Teufels ist der Neid im Reich der Falschheit. Er ist ein Stachel, ein Wütender und Tobender, wie ein böses Gift, und kann nirgends bleiben, weil er keine Stätte zu seiner Ruhe hat. Denn seine Mutter, der Geiz, läßt ihm keine Ruhe, und so muß er immer wüten und toben, und muß in das eingehen, aus dem er nicht geboren wurde. Er ist der Mund des Geizes, ein stetiger Lügner und Verleumder. Er sticht in das Herz seines Nächsten und verwundet es. Er frißt sich selber aus giftigem Hunger und wird doch niemals satt. Er schafft Unruhe ohne Ziel und Maß, ist das größte Gift und das Auge der Hölle, denn damit sieht der Teufel dem Menschen in Leib und Seele. Ihm ist nichts gleich, er ist kein Feuer, aber der Stachel des Feuers. Er richtet alles Übel an und findet doch keine Ruhe, denn je mehr er treibt, desto unsinniger wird er. Er ist ein verschmachtendes Gift und braucht kein Wesen, aber wütet doch im Wesen. Damit macht er den Menschen mehr als unsinnig, so daß er begehrt, gegen Gott zu wüten und zu toben. So ist er die Essenz der Hölle und des Zorns, und macht aus der Liebe die größte Feindschaft. Er gönnt niemandem etwas, denn er ist selber ein hungerndes Nichts.

10.17. Dieser ist der Willen-Geist des Teufels, und welcher Mensch ihn zur Herberge hereinnimmt, der nimmt den Teufel mit Gottes Zorn herein, denn er führt die höllische Marter und Qual. Er ist die ewige feindliche Plage und Unruhe und zerstört die edle Bildung Gottes, weil er der Feind Gottes und aller Kreaturen ist.

10.18. Und die vierte Untugend in den vier Elementen im Königreich der Falschheit des Teufels ist der Zorn. Das ist die Bosheit und das wirklich höllische Feuer, denn der Zorn wird zwischen dem Geiz und Neid geboren und ist das Feuer und Leben des Neides. Was der Neid nicht vollbringen kann, das vollbringt der Zorn. Der Zorn nimmt Leib und Seele zusammen, läuft wie ein wütender Teufel und will alles ermorden und zerbrechen. Er läuft gegen Mauern und Schlösser, und wenn er auch daran zerbricht, so ist er doch so rasend wie ein tollwütiger Hund, der alles beißt und mordet, und ist in seinem Zorn so giftig, daß er alles, was er nicht gleich überwältigen kann, zumindest vergiftet. So ist der Zorn die wirkliche Pest in dieser Welt. Wenn der überhebliche Stolz in seinem glitzernden Röcklein die Gewalt mit List und Falschheit nicht bekommen kann, dann muß es danach diese vierte Untugend ausrichten, die mit Fäusten hineinschlägt und Krieg anrichtet. Oh, wie fröhlich ist der Teufel, wenn seine vier Elemente so regieren, dann glaubt er noch, er sei der Herr auf Erden! Obwohl er eigentlich gefangen ist, so verrichten ihm doch die Tier-Menschen sein Amt, und damit spottet er nur so der Menschen, weil sie bösartiger sind und handeln, als er es selber kann.

10.19. Dies sind also die vier Elemente der finsteren Welt, in welcher der Teufel vermeint, ein Gott zu sein, und damit regiert er auf Erden mit seinem getreuen Sohn, der Falschheit (bzw. Illusion). Sie ist zuerst das geschmückte Kätzlein, das vorn gute Worte gibt, aber zielt doch immer auf die Maus (der Seele), und kann sie die erhaschen, oh wie froh ist sie, wenn sie diesen Braten dem Teufel bringen kann. Von diesen vier Elementen ist der Mensch umgeben und in des falschen Königs Land zur Herberge. Diese schießen ihm alle Stunden zum Herzen und wollen seine edle Bildung ermorden. So muß er immer im Kampf gegen sie sein, denn sie sind bei und in ihm zur Herberge, stechen immer auf ihn ein und wollen ihm sein bestes Kleinod töten.

10.20. Wenn unter diesen vier Elementen nur eins im Menschen Gewalt bekommt, um zu qualifizieren, dann zündet das eine die anderen alle an, und sie rauben zur gleichen Stunde die edle Bildung des Menschen und machen eine Larve des Teufels aus ihm. Und so kann kein Mensch, der diesen vier Elementen Gewalt zum Qualifizieren läßt, mit Wahrheit von sich sagen, daß er ein Mensch sei, denn er qualifiziert in der Eigenschaft des Teufels und ist damit ein Feind Gottes. Und wenn ihn der Teufel auch mit einem glitzernden Rock bekleidet, so daß er gute Worte geben und sich fein gebärden kann, daß man meint, er sei ein Kind Gottes, so ist er doch kein Mensch, solange diese vier Elemente das Oberregiment in ihm führen. Sondern er ist ein verteufelter Mensch, halb Teufel und halb Mensch, bis er sein Maß vollmacht und ein ganzer Teufel in Menschengestalt ist.

10.21. Darum lerne sich ein jeder kennen, was für Eigenschaften in ihm regieren. Findet er, daß diese vier Elemente alle oder nur eins in ihm regieren, dann hat er Zeit, gegen sie in den Krieg zu ziehen, oder es wird nicht gut werden und er wird sich des Himmelreichs nicht trösten können. Er sollte sich nur nicht vom Teufel den glitzernden Mantel umhängen lassen, wie jetzt geschieht, da man in diesen vier Elementen lebt und sich mit dem Leiden Christi nur kitzelt, das eine Decke für diesen Schalk sein muß. Der Schalk könnte kein Regiment behalten, wenn er sich nicht mit Christi Genugtuung kitzeln würde.

10.22. Oh, wie wird dir dieser glitzernde Rock Christi ausgezogen werden! Dann wird man zu Babel die Hure mit den vier Untugenden stehen sehen. Denn es gilt nicht allein, sich zu trösten, sondern dem Schalk zu wehren, daß er nicht Herr im Haus werde. Er darf das Regiment nicht führen, sondern die Gerechtigkeit, Liebe, Demut und Keuschheit, so daß man immer gern wohltun wolle, aber nicht in Stolz, Geiz, Neid oder Zorn, sondern in Demut und Wohltun mit gutem Herzen. Und das nicht nur durch Heucheln und gute Worte Geben, sondern im Tun. Denn es muß ein wirkliches Tun sein, um dem Willen des Teufels zu widersterben, sich an wenig begnügen zu lassen, sich mit Geduld in die Hoffnung auf Gott einzuschließen, den vier bösartigen Elementen zu widerstehen und Gottes vier Elemente einzunehmen, welche Liebe, Sanftmut, Barmherzigkeit und Geduld in der Hoffnung sind. Das sind die vier Elemente Gottes, die der Mensch in sich erwecken sollte, um damit beständig gegen die vier Elemente des Teufels zu kämpfen.

10.23. Der Mensch muß hier im Kampf gegen sich selbst bestehen, wenn er ein himmlischer Bürger werden will. Er darf kein fauler Schläfer im (Wohlstand von) Essen und Trinken sein, um nur seinen Bauch zu füllen, dadurch die Elemente des Teufels zu qualifizieren beginnen. Sondern er muß mäßig, nüchtern und wacker sein, wie ein Kriegsmann, der vor seinem Feind steht. Denn Gottes Zorn kämpft immer gegen ihn, und er wird dessen noch genug zu tun haben, um sich zu wehren.

10.24. Denn der Teufel ist sein Feind, sein eigenes verdorbenes Fleisch und Blut ist sein Feind, Gottes Zorn ist sein Feind in ihm, und die ganze Welt ist sein Feind. Wo er nur hinsieht, da sieht er Feinde, die ihn alle berauben wollen.

10.25. Darum heißt es zu kämpfen, nicht mit Mund und Schwert, sondern mit Geist und Gemüt, und nicht nachzulassen. Sollten auch Leib und Seele zerbrechen, so muß doch Gott des Herzens Trost bleiben, wie König David sagt: »Wenn mir auch Leib und Seele zerbrechen, so bist du doch mein Gott und meines Herzens Trost und Zuversicht. (Psalm 73.26)« Und wenn ein Mensch auch sähe, daß die ganze Welt gottlos wäre, solange er gedenkt, ein Kind Gottes zu werden, soll er doch beständig bleiben.

10.26. Und wenn es ihm auch scheint, als wäre er allein auf solcher Bahn, und die ganze Welt spräche „Du bist ein Narr, und bist unsinnig!“, so soll er doch sein, als wäre er in der Welt tot und hörte das vom Teufel sagen, der sein ärgster Feind ist. Und er soll nirgends abweichen, sondern denken, daß er in seinem Vorsatz Gott gefalle, und daß Gott selbst in ihm sein Vorsatz sei, so daß er ihn vom Teufel erretten und in sein Reich hineinführen wolle. - Amen.


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