Vom dreifachen Leben des Menschen

(Text von Jacob Böhme 1620, deutsche Überarbeitung 2021)

2. Kapitel - Die ewige Gebärerin

Vom Grund der ewigen Gebärerin.

2.1. Wie wir euch einen solchen Grund gezeigt haben, so wollen wir euch ferner den Grund der Gebärerin zeigen. Denn wir sehen es klar an dieser Welt im Regiment der Elemente und noch um vieles mehr in uns selbst, in unserem Gemüt, daraus die Sinne entstehen und dadurch des Menschen Laufen, Wandel und all sein Tun verrichtet wird, daß da eine Gebärerin ist, die das alles gibt. Soll nun eine Gebärerin sein, so muß ein Zentrum oder Lebenskreis sein, in dem die Gebärerin ihr Regiment nimmt, denn ein Nichts bewegt sich nicht. Wenn es aber eine Bewegung gibt, die alles Leben bewegt, dann kann das nichts Fremdes sein, zumal es in allen Dingen ihr Geist und Leben ist, in den stumm Wachsenden wie auch in den Lebendigen.

2.2. Laß dich nicht von den Gleisnern (glitzernden Heuchlern) betören, die nur Historien-Gelehrte sind und mit fremden Sprachen umherglänzen, und dafür geehrt sein wollen, welche sie doch nicht im mindesten verstehen, denn sie verstehen nicht einmal ihre Muttersprache. Verstünden sie diese richtig und auch die Geister der Buchstaben, dann würden sie darin die Natur erkennen.

2.3. Es ist ein überheblicher Stolz, der dir das Suchen verbietet, damit du nicht findest, und damit er in seinem gekrönten Hütlein wie eine stolze Frau über den Wundern Gottes schweben kann. Denn so will es der Teufel haben, damit er nicht erkannt werde. So sind sie blinder als die einfältigen Laien.

2.4. Willst du suchen, dann klopfe an, damit dir die richtige Tür aufgetan werde, und suche in der Furcht und Liebe Gottes, dann wirst du wohl finden. Laß dich von der Lästerung der überheblich Stolzen nicht verwirren! Denn wenn dir die richtige Tür aufgetan wird, dann siehst du, wie blind sie sind, denn ihr Stolz hat die Welt geblendet, so daß jedermann nur auf die Kunst der Redegewandtheit in fremden Sprachen sieht und meint, sie verstehen es auch. So regieren sie über die Seele der Menschen, obwohl doch ihr Wissen nur im Zweifel steht, wie es an ihrem Gestreite zu sehen ist.

2.5. So sage ich auch, daß man seine Seele keinem heuchelnden Menschen anvertrauen sollte. Denn die Seele steht nicht in dieser Welt, sondern im Ursprung des Wesens aller Wesen, und ist im Zentrum des ewigen Bandes, darin Gott mit dem Himmel- und Höllenreich steht, und sie kann, wenn sie die Liebe Gottes im Licht erreicht (das in ihrem Zentrum wohnt), die ewige Natur mit Gott, Himmel- und Höllenreich wohl schauen. Sie lasse sich nur nicht blenden, dann ist es nicht schwer. Es geht hier nur um die Wiedergeburt aus der Finsternis ins Licht, ohne die du die Tiefe im Zentrum nicht erreichen kannst.

2.6. Wenn wir nun vom Zentrum oder Lebenskreis reden wollen, dann betrachten wir die Gebärerin, die das Zentrum und Wesen aller Wesen ist. Denn aus dem ewigen Zentrum sind alle Dinge geboren, und aus dem Geborenen sind alle Dinge geschaffen, die im (greifbaren) Wesen sind. Wie wir euch auch den Grund vorgelegt haben, daß im Anfang, nämlich im Zentrum, das ewige Wort gewesen sei, und das Wort Gott ist, und dieses Wort der ewige Wille ist, denn der ewige Gott hat diesen Willen in sich und er ist sein Herz. Und nach diesem wiedergefaßten Willen im ewigen Vater aller Dinge hat die Gottheit ihren Namen „Gott“.

2.7. Denn wir können nicht sagen, daß Gott einen Macher habe, und so hat auch der Wille keinen Macher, denn er macht sich seit Ewigkeit immer selbst, obwohl es doch kein Machen ist, sondern eine ewige Geburt als das Wort im Vater, und der Geist, der in der Kraft ausgeht, ist das Leben der Gottheit.

2.8. Nun sehen wir aber auch, daß ein Zweck im Zentrum steht, denn Gott ist auch ein zorniger und eifriger Gott, sowie ein verzehrendes Feuer. Und in dieser Qual (bezüglich der wirkenden „Quell-Geister“, der gestaltenden „Qualitäten“ und der feindlichen „Qual“) steht der Abgrund der Hölle und der Zorn und die Bosheit aller Teufel, sowie das Gift aller Kreaturen. Und man findet, daß ohne Gift und Grimm kein Leben ist. Daher kommt die Widerwärtigkeit allen Streites, und man findet, daß das Strengste und Grimmigste das Nützlichste ist, denn es macht alle Dinge und ist die einige Ursache der Beweglichkeit und des Lebens.

2.9. Denn wie vorn erklärt, ist das ewige Wort als der ewige Wille des Vaters der Schöpfer aller Dinge, und der ewige Vater ist das Wesen des Willens, aus dem das Wort alles geschaffen hat. Dann sind die Essenzen das Wesen, die den Willen verursachen, aber hier verstehe: Es sind zwei Willen in einem Wesen, und sie verursachen zwei Prinzipien, eines ist die Liebe, das andere ist der Zorn oder die Qual der Grimmigkeit.

2.10. Der erste Wille heißt nicht Gott, sondern Natur. Der zweite Wille heißt A und O, Anfang und Ende seit Ewigkeit und in Ewigkeit. Doch im ersten Willen wäre die Natur nicht offenbar, wenn der zweite sie nicht offenbaren würde, denn er ist die (wirkende) Kraft in der Stärke. Und so wäre einer ohne den anderen nicht.

2.11. Weil aber des Vaters Wille in Ewigkeit der erste ist, so ist er auch die erste Person in der Dreizahl, als das Zentrum selbst. So ist dies nun der Wille oder das Zentrum, nämlich das Begehren, um das Wort oder das Herz zu gebären. Denn es ist sonst nichts, und es kann auch nichts Vorheriges benannt werden, als das Begehren im Willen.

2.12. So ergründen wir tiefsinnig im Gemüt und finden (den Grund), daß das Begehren herb und anziehend ist. Denn es ist die strengste Macht, nicht nur an einem Ende, sondern überall in der Weite und der Enge, um sich zu offenbaren. Denn sonst wäre in der ganzen Tiefe nichts, und es erschiene auch nichts, sondern alles wäre ewig still.

2.13. So zieht nun das Begehren an sich, und weil es doch nichts als sich selber hat und das Angezogene des Begehrens Schwängerung ist und das Begehren voll (und dick) macht, und weil es doch nichts als eine Finsternis ist, denn das Angezogene ist dicker als der Wille, darum ist es eine Finsternis des dünnen (geistigen) Willens. Denn der Wille ist dünn wie ein Nichts und ganz still (als Potential), aber das Begehren macht ihn voll. Und das Anziehen im Begehren sind die Essenzen wie ein Stachel der Empfindlichkeit, der gegen die Einschließung kämpft, welches dann das Begehren auch nicht erdulden kann, sondern noch heftiger an sich zieht. So wird der Stachel größer und wütet gegen das Anziehen, und kann doch auch nicht daraus entkommen, denn das Begehren gebiert ihn, aber mag ihn auch nicht, denn es ist eine Feindschaft wie Hitze und Kälte.

2.14. Wenn dann das Begehren, das in sich ein Sehnen ist, durch sein Sehnen einen solchen Wütenden erweckt, der im stillen Willen so sticht, dann wird das Sehnen so herb und streng anziehend, um den Stachel zu halten, von dem die Beweglichkeit kommt, als ein Leben der Regung. Darin bekommt das Sehnen den ersten Schreck des Zitterns, dadurch eine widerwärtige Angst entsteht, denn in der Angst des Sehnens im harten Anziehen verursacht sich die strenge Kälte. Und das Ziehen ist ihr herber und bitterer Stachel, so daß es eine schrecklich strenge Macht ergibt, die der Stachel nicht dulden mag und darüber hinaus ausreißen will. Aber er kann es nicht, denn er wird von seiner eigenen Mutter gehalten, die ihn gebiert. Und weil er dann nicht über sich ausreißen kann, so wird er drehend wie ein Rad und zersprengt (und zerteilt) die Herbigkeit, daraus die Essenzen der Vielfalt entstehen.

2.15. Und das ist das wahre Zentrum, denn in diesem Rad entsteht die Natur der Beweglichkeit und der Essenzen, und es ist ein Band des Geistes, obwohl noch ohne Fühlung oder Vernunft, sondern heißt in dieser Gestalt nur das Zentrum, denn es ist der Kreis des Lebens, den das Begehren aus der stillen Weite in eine Enge geschlossen hat. Obwohl es auch nicht umfaßbar (und umgrenzt) ist, sondern überall so, nur Geist und Gestaltung der Natur.

2.16. Wenn nun der Wütende so ein stachliges und bitteres Rad in der herben Kälte macht, dann ist das Zentrum so schrecklich, gleich einer großen Angst, weil das Leben immerfort zerbrochen und durch die Essenzen auf solche Art wieder erbaut wird, und gleicht dem Leben und Tod.

2.17. Die Philosophen und hohen Naturkundigen beschreiben, daß die Natur in drei Dingen bestehe, nämlich in Sulphur, Mercurius und Sal (Schwefel, Quecksilber und Salz). Es ist zwar richtig, aber der Einfältige wird darunter nichts verstehen, und obwohl es den Gelehrten in der Begrifflichkeit offensteht, so verstehen doch heute die wenigsten das Zentrum, sondern erfassen es in der Historie, wie auch die Theologen vom Mund der Apostel, was heutzutage auch nur als eine Geschichte ohne Kraft und lebendigen Geist hervorkommt, welcher bei den Aposteln noch gewesen war, nämlich wie es ihre Buchstabenstreiterei und ihr Mundgeschrei eröffnet und sie überzeugt.

2.18. Wenn wir dann aus göttlicher Gnade das Licht erreichen und das Zentrum erkennen können, welches unseres Lebens Geburt ist, dann haben wir Macht das aufzuzeigen, was in den drei Worten Sulphur, Mercurius und Sal begriffen und verstanden wird. Nicht daß wir damit über die Blindheit der Unwissenden spotten wollen, sondern als Christen wollen wir ihnen das Licht gern gönnen und zeigen. Und wenn unsere Rede auch ganz einfältig erscheint, so ist doch unsere Erkenntnis mit Sinn und Begriff gar tief, so daß sich diesbezüglich keiner an der einfältigen Rede ärgern sollte, als hätten wir keinen tiefen Begriff. Er lese es nur mit rechtem Ernst und denke in Gottesfurcht ernsthaft nach, dann wird er wohl finden, wessen Geistes Kind wir in unserem Aufschreiben gewesen sind. Damit wollen wir ihn treulich vor den Spöttern und Scheinheiligen gewarnt haben.

2.19. Wie vom „Sulphur“ ausgesprochen, heißt das Zentrum zu Recht „Phur“ („Körper“). Wenn aber das Licht geboren wird, dann heißt das scheinende Licht aus dem Phur „Sul“, denn es ist eine Seele. Und wie ich vom finsteren Zentrum rede, darin das göttliche Licht geboren wird, so auch von der Natur, obwohl es eins ist, aber wir müssen so reden, damit wir den Leser in den Sinn bringen können, so daß er sein Gemüt zum Licht neige und es so empfange.

2.20. Denn diese zwei Gestaltungen, nämlich herb-kalt und bitter-stachlig, welche sich im ewigen Willen durch das Sehnen gebären, halten das Zentrum und machen das Rad der Essenzen, darin die Sinne und auch die Fühlung der Beweglichkeit immer und ewig entstehen.

2.21. Nun stehen diese beide Gestaltungen in sehr großer schrecklicher Angst in sich selber außerhalb der anderen Gestaltungen, die aus ihnen geboren werden. Denn die Herbigkeit gleicht den harten Steinen, und der Stachel des Anziehens ist der Herbigkeit Zerbrecher. Also geht es wie ein Rad und heißt zu Recht „Phur“, wie das die Natursprache in der Silbe gibt (entsprechend der natürlichen Artikulation und Wirkung).

2.22. Wenn dann die zwei Gestaltungen im Willen so schrecklich in sich gehen und den Willen in der Finsternis halten, dann will er nicht gefangen sein, denn sein eigenes Recht ist es, sanft und still zu sein. Und das will er auch in den zwei Gestaltungen nicht verlieren, denn er ist unfaßbar, obwohl er doch in den zwei Gestaltungen sein muß, im Stachel wohnt und sein Blitz ist. Denn die zwei Gestaltungen sind in sich selber finster, aber der Wille nicht, denn er ist in sich selbst frei. Doch die zwei Gestaltungen nehmen ihn in ihre Eigenschaft, denn er ist ihr Vater und schärft sich in ihren Eigenschaften, so daß er in sich selbst wie ein Blitz erscheint.

2.23. Denn das Herbe macht finster, und der bittere Stachel im Rad zersprengt die Finsternis. So erscheint die Freiheit des stillen Willens in diesem Rad in der Verwirrung wie ein Feuerblitz, denn von der Herbigkeit schärft er sich so, daß er so streng wird. Da ist so ähnlich, als würden Stein und Stahl aneinander gerieben, daß es ein Feuer ergäbe.

2.24. Denn zwei Dinge werden mit dem Feuer verstanden, nämlich die Freiheit jenseits der Natur, und die Strenge der Natur, wie ihr ein Beispiel an einem Stein habt, aus dem man Feuer schlägt. Denn wenn man auf des Steines Schärfe (bzw. Härte) schlägt, dann schärft sich der bittere Stachel der Natur und wird aufs höchste ergrimmt, denn die Natur wird in der Schärfe zersprengt, so daß die Freiheit wie ein Blitz erscheint. Und daran seht ihr, daß es wahr ist. Denn sobald die Freiheit erscheint, verzehrt sie die Finsternis, und daher ist des göttlichen Vaters Schärfe ein verzehrendes Feuer. Denn sobald der Blitz in der Schärfe etwas ergreift, das da wesenhaft (greifbar) ist, dann verzehrt er es augenblicklich, so daß keine Natur mehr dableibt.

2.25. Und daß der Blitz so geschwind verlischt, kommt daher, weil ihn die Schärfe nicht halten kann. Denn er ist von der Natur her frei, und wird nur in der Zersprengung gesehen.

2.26. So geben wir euch zu verstehen, daß diese Freiheit jenseits der Natur Gott der Vater ist, und die Natur wird so in ihm geboren, daß er ein Allmächtiger der Natur ist, gleichwie des Menschen Gemüt über die Sinne. Denn es hat alles einen Ursprung, wie wir euch im folgenden noch zeigen wollen.

2.27. Ferner geben wir euch von der Geburt der Natur noch dies zu verstehen, aber als ein Gleichnis: Wenn der Blitz in der herben Angst so erscheint, dann ist es ein sehr großer Schreck, den die Herbigkeit fängt und sich noch viel mehr erschreckt. Denn ihr finsteres Recht im herben Tod wird augenblicklich getötet, so daß sie ihr strenges Recht verliert, zurücksinkt und nicht mehr so streng anziehen kann. Dann geht auch der Blitz gerade durch den Stachel der Wüterei des drehenden Rades, weil sich dann der Stachel zu beiden Seiten ausgeben muß, und der Blitz fährt mitten hindurch. So wird aus dem Rad ein Kreuz, und es kann sich nicht mehr drehen, sondern steht zitternd in der scharfen Macht des Willens der ewigen Freiheit, der Gott der Vater ist.

2.28. Wenn nun die strenge Herbigkeit den Blitz der Freiheit gefangen hat, so daß sie ihr Recht verliert, dann wird die vierte Gestaltung geboren, nämlich der Geist des Salzes. Denn die grimmige Härtigkeit wird vom Feuer und Schreck weich, aber behält doch seine Schärfe, und so gleicht diese Gestaltung einem scharfen Wasser-Geist. Und der Blitz als der Schreck ist die dritte Gestaltung, die in sich selber in der herben getöteten Angst einen Schwefel-Geist macht.

2.29. Denn wenn die strenge Herbigkeit ihr erstes dürres (verhärtendes) Recht verliert, dann soll sie sanft sein, und kann doch nicht, denn sie ist schrecklich scharf. Und hier ist das Ziel des ewigen Todes, denn das Begehren aus dem freien Willen kann nicht mehr so anziehen, denn es steht in der Angst des Schrecks und behält doch sein Recht im Anziehen.

2.30. Denn eine jede Angst hat einen Willen, aus der Qual herauszukommen. Und das ist das natürliche Recht der Angst, aus sich herauszutreiben. Weil es aber nicht kann, sondern die Qual dadurch nur ausdehnend und größer wird, wie man das an einem wütenden ängstlichen Schaden versteht, wenn das Glied in den Essenzen arbeitet, um die Qual loszuwerden, die aber in dieser Arbeit der Essenzen noch größer wird, so daß sich die Qual im Schwefelgeist nur aufbläht. Denn je mehr sich die Essenzen wehren, desto größer wird das Rad der Angst. Das gebe ich den Sinnenden zu bedenken.

2.31. Und damit gebe ich euch die Natur zu bedenken, die ihr nicht bestreiten könnt, wenn ihr euch besinnt, denn sie ist in allen Dingen und hat so ihr Geburtsrecht, und entsprechend steht die Natur in vier Gestaltungen im Zentrum.

2.32. Nämlich zuerst im herben und strengen Anziehen, das heißt „Herb“ und macht in sich selber eine strenge Kälte.

2.33. Und zum Zweiten hat dann das Anziehen seinen (bitteren) Stachel, der in der Herbigkeit wütet und die Härtigkeit zerbricht. Und so bewirkt er das Rad der unzählbaren Essenzen, darin die Wunder geboren werden.

2.34. Aber der Blitz der Freiheit des ewigen Willens, der sich in der Herbigkeit schärft und ein verzehrendes Feuer wird, zerbricht ihm sein Rad, indem er wie ein Blitz augenblicklich durchdringt und seine Mutter als die Herbigkeit erschreckt, die dann ihr hartes Recht verliert und in eine Schärfe gleich dem Salz naturalisiert wird. Und in dieser Schärfe verliert auch der Stachel sein eigenes Recht und wird bitter, denn er hat zwei Gestaltungen in sich, nämlich das Wüten und auch den Feuerblitz. Diese gleichen dem Schwefel und sind die Macht zur Anzündung des Feuers, denn des Feuers Qual-Quelle besteht darin.

2.35. So versteht uns nun recht! Der Feuerblitz aus der Schärfe bewirkt die dritte Gestaltung (der Angst) in der Natur, denn er macht durch den Wütenden in der Herbigkeit den bitteren Stachel, und in der herben Angst einen Schwefel-Geist, in dem der Blitz steht. Und das ist die Seele oder das ewige Leben der vier Gestaltungen. Denn die Angst bewirkt in sich selber wieder ein Begehren, um aus der Angst zu entfliehen, obwohl doch nichts ist, was entfliehen kann. Aber so ist es im Zentrum, doch es heißt hier nicht mehr „das Zentrum“.

2.36. Die vierte Gestaltung (des Wassers) ist die Verwandlung der harten Herbigkeit, wenn der Schreck des Blitzes die finstere Herbigkeit erschreckt, so daß sie weich und wie tot überwunden wird, weil sie wie Sal (Salz-Wasser) wird, aber das Recht des herben Anziehens behält.

2.37. Also heißen die vier Gestaltungen der Natur jetzt (als Ganzes) nicht mehr „das Zentrum“, auch wenn sie das Zentrum in sich in ihrem Ursprung haben, sondern Sulphur, Mercurius und Sal (Schwefel, Quecksilber und Salz). Denn der Schwefel-Geist ist die Seele der vier Gestaltungen, weil er das Feuer in sich hat. Und die Angst macht einen anderen Willen in sich, so daß die vier Gestaltungen einen ewigen Willen in sich selber haben, der ihr eigen ist. Denn dieser (Eigen-) Wille besteht, um aus den vier Gestaltungen über die Natur hinaus zu fliehen und die Natur im Feuer (der Leidenschaft) anzustecken, und so in schrecklicher Macht zu sein, wie das auch an den Teufeln zu ersinnen ist, die in diesem Willen leben, wie wir noch erklären wollen.

2.38. So versteht uns recht, was die alten Weisen unter diesen drei Worten von Sulphur, Mercurius und Sal verstanden haben. Auch wenn sie wohl das hohe Licht nicht alle ergreifen konnten, so haben sie doch dessen genug im Verstand gehabt, nämlich im Licht dieser Welt als im dritten Prinzip, welches alles einerlei (gedanklich-sinnlichen) Verstand und Begriff hat. Nur daß sie die Prinzipien nicht verstanden, sonst hätten sie Gott erkannt. Aber so sind sie mit ihrem Verstand als Heiden im Licht dieser Welt geblieben, denn sie haben zwar die vier Gestaltungen im Licht der Sonnenkraft gefunden, aber weiter ist ihnen das andere (zweite) Prinzip nicht offenbart worden.

2.39. Wie die Seele im ewigen Band steht und wie im Kreuz der Natur aus dem ursprünglichsten ewigen Willen das ewige Wort (der „In-formation“) geboren wird, welches der Schöpfer und Macher in der Natur ist, dies ist ihnen verborgen geblieben, sogar noch bis heute. Aber nun offenbart es die Zeit, so daß es wie ein Banner dasteht, aber davon mehr an seinem Ort.

2.40. Also wird der sinnreiche Verstand gar hell in unserer Beschreibung, was Sulphur, Mercurius und Sal sei. Denn „Sul“ ist die Seele und somit der (entzündbare) Schwefel-Geist, der den Feuerblitz mit allen Gestaltungen in sich hat. Wenn also die Kraft und das Licht der Sonne in ihm wirkt, während die Seele im Fleisch und Blut steht, dann bewirkt sie mit ihren freundlichen Strahlen aus dem herben Salz-Geist ein Öl, das vom Feuer angezündet wird. Dann brennt der Schwefel-Geist und ist ein Licht (des Bewußtseins) in den Essenzen. Und aus dem ängstlichen Willen wird das Gemüt, und aus dem Rad der Essenzen werden die Gedanken, denn auch das Gemüt hat die Kraft der Sonne, so daß es nicht (nur) in der Angst steht, sondern sich in der Kraft des Lichtes erfreuen kann.

2.41. Auf diese Weise ist „Sul“ die Seele. In einem Kraut ist es ein Öl, wie auch im Menschen nach dem Geist dieser Welt im dritten Prinzip, das immerfort aus der Angst des Willens im Gemüt geboren wird. Und der Schwefel-Wurm ist der Geist, der das Feuer hat und brennt. „Phur“ ist das herbe Rad an ihm selber, das es verursacht.

2.42. „Mercurius“ begreift alle vier Gestaltungen, darin das Leben aufgeht, und hat doch seinen Anfang nicht im Zentrum, wie „Phur“, sondern nach dem Feuerblitz, wenn die herbe, harte und finstere Gestalt erschrickt und sich die Härtigkeit in die weiche Schärfe verwandelt, daraus der andere Wille entsteht, nämlich der Wille der Natur, der „Angst“ heißt. Und hier hat Mercurius seinen Ursprung, denn „Mer“ ist das zitternde Rad, ganz schrecklich, scharf, giftig und feindlich, welches sich in der Herbigkeit im Feuerblitz so benimmt, daß das grimmige Leben entsteht. Die Silbe „cu“ ist dann der Druck aus dem strengen ängstlichen Willen des Gemüts der Natur, der aufsteigend ist und oben herauswill. Die Silbe „ri“ ist die Fassung des Feuerblitzes, die im „Mer“ einen hellen Ton und Klang ergibt, denn der Blitz macht den Klang. So wird der Salz-Geist zum Schall, und seine Gestaltung ist körnig wie der Sand. Und darin entstehen Stimmen, Hall und Laute, so daß „cu“ den Blitz ergreift und der Druck gleich wie ein (Lebens-) Wind ist, der über sich stößt und dem Blitz einen Geist gibt, so daß er lebt und brennt. Entsprechend benennt die (letzte) Silbe „us“ das brennende Feuer, das mit dem Geist immer von sich treibt, weil die Silbe „cu“ immer auf den Blitz eindringt.

(Damit erinnert Mercurius oder „Quecksilber“ bzw. „lebendiges Silber“ an die „lebendige Reflexion“ im Blitz bzw. Licht des Bewußtseins, daraus dann durch Zusammenziehung und Inselbildung das eigenwillige und entsprechend überhebliche Ichbewußtsein entsteht:)

Mercurius, Quecksilber oder lebendiges Silber als Gleichnis von Jacob Böhme für die lebendige Reflexion im Licht des Bewußtseins

2.43. Und der dritte Begriff „Sal“ ist der Salz-Geist, weil die alten Weisen gesehen haben, wie die Natur in so viele Teile zerteilt (und kristallisiert) ist, so daß eine jede Gestaltung der Natur seine besondere Materie in dieser Welt hat, wie das auch in der Erde zu sehen ist. Und besonders der Salz-Geist ist der größte Teil in den körperlichen Wesen, denn er erhält den Körper, so daß er nicht verwest. So haben sie diese Pforte als die Mutter der Natur zu Recht allein gesetzt (und erklärt), denn aus dieser Gestaltung sind in der Schöpfung die Erde, Steine, Wasser und alle Metalle entstanden, jedoch mit Einmischung der anderen Gestaltungen, wie ihr im folgenden noch sehen werdet. Auf diese Weise, mein lieber Leser, verstehe uns nach unserem (symbolischen) Sinn und Begriff.

(Denn Salz ist ein wasserlösliches Mineral, das im Spiel von Wasser und Feuer entweder flüssig oder kristallisiert erscheint. Entsprechend könnte man die drei natürlichen Funktionen von Sulphur, Mercurius und Sal, die wir im folgenden mit Schwefel, Quecksilber und Salz übersetzen, auch als Seele-Körper, bewußte Reflexion und kristallisierende Verkörperung betrachten.)

2.44. Die vier Gestaltungen in sich selbst sind der Zorn und Grimm Gottes in der ewigen Natur, und sind in sich selber nichts als nur eine solche Qual und Geburt, die in der Finsternis steht, aber noch nichts Materialistisches ist, sondern ein Ursprung des Geistes, sonst wäre nichts. Denn diese Gestaltungen sind eine Ursache aller Dinge, wie ihr euch auch besinnt, daß alles Leben ein Gift hat, und dieses Gift selbst bewirkt das Leben. Darum ist manches Geschöpf so giftig böse, weil es einen giftigen Ursprung hat.

2.45. Ihr könnt euch aber denken, daß die Natur, obwohl dies die Hauptursache der Natur ist, noch in vielen anderen Gestaltungen mehr besteht. Denn das macht das Rad der Essenzen, welches unzählbare Gestaltungen hervorbringt, weil in jeder Essenz wieder dieses Zentrum (der vier geistigen Gestaltungen) ist, so daß daraus ganze Geburten vieler anderer Gestaltungen erscheinen können. Darum ist die Macht Gottes (grenzenlos und) unerforschlich.

2.46. So verlangt auch unser Schreiben nicht danach, daß wir die Gottheit in der ewigen Natur ergründen wollen. Nein, das kann nicht sein. Sondern wir wollen dem Blinden den Weg weisen, den er selber gehen muß. Denn wir können nicht mit seinen Füßen gehen, aber als Christen wollen wir ihn gern leiten, und ihm mitteilen, was wir haben. Nicht zu unserem Ruhm, sondern um den großen Leib in Christus mit seinen Gliedern pflanzen zu helfen, dazu wir euch noch erklären wollen, zu welchem Ziel diese wahrlich hohen Dinge beschrieben werden. Nämlich damit wir euch den wahren Zweck im Ursprung zeigen können, auf daß ihr euch selbst erkennt und das Treiben dieser Welt verstehen lernt, wie alles so blind an Gott ist, und was die Ursache und dann auch sein Ziel (des Treibens) ist.

2.47. Wir geben euch dies, damit ihr euch recht entsinnen könnt. Denn diese vier Gestaltungen sind in allen Dingen, aber werden in dieser Welt als im dritten Prinzip in ihren wirklich ernsten Essenzen nicht verstanden. Denn die Kraft der Sonne in den Elementen gleicht alles (besänftigend) aus, so daß die Essenzen nicht so im grimmigen Qual-Quell stehen, sondern eine Wonne eines freundlichen Lebens sind, in gleicher Weise, wie das Licht aus dem zweiten Prinzip, welches das Licht aus dem Wort und Herzen des göttlichen Vaters ist, die vier Gestaltungen im Zentrum der englischen Geister erleuchtet, so daß sie in ihrem eigenen Zentrum im Freudenreich ganz lieblich und wonniglich sind.

2.48. Und auch, damit ihr den Fall der Teufel recht bedenken könnt, die das Licht des Herzens Gottes verloren haben und nun in den vier Gestaltungen des Ursprungs in solcher ängstlichen Qual stehen müssen, wie oben erklärt.

2.49. So ist auch die Seele des Menschen aus diesem ewigen Band in den Menschen eingeblasen und vom Licht Gottes erleuchtet. Aber im Fall Adams aus dem ewigen Licht des Herzens Gottes ist sie in das Licht dieser Welt hineingegangen und hat nun zu erwarten, wenn sie nicht wieder in das Licht Gottes eingeht und ihr dann das Licht dieser Welt zerbricht, so daß sie nur in den vier Gestaltungen jenseits des göttlichen Lichtes in der ernsten Lebensgeburt bei den Teufeln bleiben muß.

2.50. Denn die vier Gestaltungen ohne das ewige Licht sind der Abgrund, der Zorn Gottes und die Hölle. Und der schreckliche Feuerblitz im Rad der Zerbrechung im Aufgang des Quecksilbers (der „lebendigen Reflexion“) ist im Schwefel-Geist ihr Licht (des Bewußtseins), das sie in sich selbst erwecken müssen, sonst steht ihr Geist in ewiger Finsternis und ist eine lebendige Gestaltung des Abgrundes, ein Regiment der ernstlichen Qual, die so im Feuerblitz über Gott und Himmelreich aufsteigt und es doch nicht erreicht, weder sieht noch fühlt. Denn es ist ein Prinzip, das weder diese noch die englische Welt ergreift, und doch bezüglich Ort und Stätte nicht abgetrennt ist.

2.51. Dazu geben wir euch folgendes zu ersinnen: Gleichwie wir Menschen mit unseren weltlichen Augen Gott und die Engel nicht sehen können, welche doch alle Augenblicke vor uns sind, ja auch die Gottheit in uns, und wir sie doch nicht ergreifen können, wenn wir unsere Imagination und den ernstlichen Willen nicht in Gott setzen. Erst dann erscheint uns Gott im Willen und erfüllt das Gemüt, weil wir dann Gott fühlen und mit unseren Augen sehen.

2.52. Wenn wir dagegen unsere Imagination und unseren Willen in die Bosheit setzen, dann empfangen wir in gleicher Weise die Qual der Hölle im Zorn, und der Teufel greift uns im Zorn Gottes ins Herz, aber wir sehen ihn mit diesen Augen nicht. Nur das Gemüt und die arme Seele in ewiger Qual des Ursprungs verstehen das und erzittern vom Grimm, so daß auch manche Seele verzagt und sich selber in die Qual-Quelle des Ursprungs stürzt, und so den Leib zum Tod durch Schwert, Strick oder Wasser führt, nur damit sie die Qual in diesem Leben im dritten Prinzip bald loswird. Denn sie steht zwischen dem Reich des Himmels und dieser Welt im Spott, und darum eilt sie in den Abgrund.

2.53. Auch geben wir euch dies ernstlich zu bedenken, daß Gott nicht direkt eine Hölle oder besondere Qual geschaffen habe, darin er die Kreaturen wie Engel und Menschen plagen wollte, zumal er ein Gott ist, der nicht das Böse will und solches selbst verbietet. Auch hat er sein Herz darum Mensch werden lassen, damit er den Menschen aus der ewigen ängstlichen Qual helfe. Auf diese Weise ist uns ja die ernstliche Qual des Abgrundes recht zu bedenken, welche ewig ist.

2.54. Darum, sobald die Teufel aus dem Licht Gottes ausgingen und in ihrer Feuersmacht über die Sanftmut des Herzens Gottes herrschen wollten, da waren sie zur gleichen Stunde und im gleichen Augenblick im Abgrund der Hölle, und wurden darin gefangen. Denn es wurde ihnen keine besondere Qual gemacht, sondern sie blieben außerhalb von Gott (bzw. seinem Licht, dem göttlichen Bewußtsein) in den vier Gestaltungen der ewigen Natur.

2.55. So geht es in gleicher Weise auch der Seele des Menschen, wenn sie das Licht Gottes nicht erreicht, das mit großer Begierde nach der Seele besteht, aber im Zentrum verborgen ist. Und so geht es der Seele nur um dieses, daß sie ihren Willen als einen Ausgang aus den vier Gestaltungen wieder in das Licht Gottes setzt, so daß sie dann im Willen und Leben Gottes wieder neu geboren wird.

2.56. Wir fügen aber dem lieben Leser noch dies hinzu, daß die Kreaturen der Teufel, sowie die verdammten Seelen, nicht nur vier Gestaltungen im Band ihres Lebens haben, sondern ihre Gestaltungen sind unendlich, gleichwie die Sinne (bzw. Sinneserfahrungen) des Menschen unendlich sind und sich in die Gestalt aller Kreaturen verwandeln können. Doch es stehen ihnen nicht mehr als vier Gestaltungen offenbar, wie auch im Abgrund der Hölle, aber sie können alle Gestaltungen aus der Matrix (bzw. dem Mutterleib der Natur) hervorbringen, nur das Licht (des göttlichen Bewußtseins) nicht. So ist das Feuer ihr wirkliches Leben, und die (grobstoffliche) Herbigkeit der Finsternis ist ihre Speise.

2.57. Denn eine Essenz nährt die andere, so daß es ein ewiges Band besteht. Und so sind die Teufel, wie auch die verdammten Seelen, nur lebendige Geister in den Essenzen des ewigen Ursprungs, und wurden auch daraus erschaffen. Denn diese Matrix ist die ursprünglichste Gebärerin, die sich aus dem ewigen Willen immerfort gebiert.

2.58. Und nach dieser Gestaltung nennt sich Gott einen „eifrigen und zornigen Gott“, sowie ein „verzehrendes Feuer“. Denn das Feuer dieses Ursprungs ist verzehrend, weil es im Zentrum des ewigen Bandes ist. Wenn es darum in der herben Schärfe entzündet wird, dann verzehrt es alles, was in den vier Gestaltungen wesentlich (greifbar) erscheint, wie das beim Opfer von Moses und den Israelis zu sehen war, welche das Feuer verschlang (4.Moses 16.35), sowie auch bei Elia mit den zwei Hauptmännern über 50 Mann, wie das Feuer Gottes beidemal die 50 verschlang, als Israel durch das Wort in des Vaters Qual geführt wurde (2.Kön. 1.10).

2.59. So will ich euch nun ferner die Gestaltung der Gottheit zeigen, so daß ihr den Abgrund des ewigen Lebens ergründen und das ewige Gute verstehen lernt, wie auch das ewige Böse und das tödliche (bzw. sterbliche) von dieser Welt, und den Willen des höchsten Gutes ergründen und kennenlernt, was Gott, Himmel, Hölle und Teufel, sowie auch diese Welt sei, und was ihr darin tun sollt.

2.60. Der Evangelist Johannes schreibt zu Recht und dazu hoch und teuer, daß im Anfang das Wort gewesen war, und das Wort sei Gott gewesen, und alle Dinge sind durch dasselbe gemacht worden, denn das Wort macht die Gottheit offenbar und gebiert die englische Welt als ein Prinzip in sich selbst, und das ist als der Weg zu verstehen.

2.61. Der erste ewige Wille ist Gott der Vater, um seinen Sohn zu gebären, das heißt, sein Wort, nicht aus etwas anderem, sondern aus sich selbst. Nun haben wir auch von den Essenzen berichtet, die im Willen geboren werden; und dann, wie der Wille in den Essenzen in eine Finsternis gestellt wird; und wie die Finsternis im Rad der Ängstlichkeit durch den Feuerblitz zersprengt wird; und wie der Wille in vier Gestaltungen kommt, die im Ursprung alle vier nur eines sind, aber im Feuerblitz (des gedanklichen Bewußtseins) in vier Gestaltungen erscheinen; und dann wie der Feuerblitz entsteht, so daß sich der erste Wille in der grimmigen Herbigkeit schärft und die Freiheit des Willens im Blitz erscheint. Dann haben wir euch zu verstehen gegeben, daß der erste Wille im Blitz des Feuers erscheint und verzehrend sei, das heißt, durch die ängstliche Schärfe, weil dann der Wille in der Schärfe bleibt und in sich selber den anderen Willen faßt, nämlich im Zentrum der Schärfe, um aus der Schärfe auszugehen und in sich selbst zu wohnen, in der ewigen Freiheit ohne Qual.

2.62. So geben wir euch nun zu erkennen, daß dieser andere wiedergefaßte Wille, um aus der Schärfe auszugehen und in sich selbst in der ewigen Freiheit ohne Qual zu wohnen, von der Natur frei ist, das heißt, von ihrer Strenge (der äußeren Bindung), denn er steht im Zentrum in sich selbst und behält alle Kraft und Gestaltung des Zentrums aus allen Essenzen in sich selbst. Denn es ist die Kraft des ersten Willens und wird im ersten Willen geboren und macht in der Freiheit des ersten Willens ein Zentrum der Ausgeburt der vier Gestaltungen, die im ersten Willen unfaßlich sind. Und dieser andere (zweite) geborene Wille im ersten Willen ist das Herz des ersten Willens, denn es ist das ewige Zentrum des ersten Willens und ist im ersten Willen wie ein Wort, das in sich selbst schwebt und in der Geburt des ersten Willens ewig bleibt. Denn es ist sein Sohn oder Herz, und wird darum vom ersten Willen unterschieden, weil er ein besonderes Zentrum in sich hält.

2.63. So spricht nun der Vater, als der erste Wille, alle Dinge durch dieses Wort aus, nämlich aus dem Zentrum der Freiheit, und der Ausgang aus dem Vater durch das Wort ist der Geist der Kraft des Wortes im Vater, der das Ausgesprochene nach Geistesart formt, so daß es wie ein Geist erscheint.

2.64. Denn in der herben Matrix der Schöpfung (Fiat) wird alles gefaßt, und der Geist des Wortes formt es im Zentrum derselben Essenz, in welcher sich der Vater bewegt und durch das Wort spricht, so daß es im Wesen ist und bleibt. Denn was aus dem Ewigen formiert wird, das ist Geist und ist ewig, wie die Engel und die Seele der Menschen.

2.65. Weil wir euch in dieser Beschreibung stumm und unverständlich sein könnten, denn dieser Begriff besteht nicht im Geist dieser Welt, so wollen wir euch nun die anderen drei himmlischen Gestaltungen zeigen, wie sie geboren werden, darin vor allem Gott, Himmelreich und Paradies, sowie die englische Welt verstanden werden, damit der Leser in den Sinn gebracht werden kann.

2.66. Es ist aber nicht so zu verstehen, daß die Gottheit damit einen Anfang oder eine Änderung nehme. Nein, sondern ich schreibe auf eine Art, wie man das göttliche Wesen verstehen lernen kann. Denn wir können keine englischen Worte führen, und wenn wir sie führten, dann erscheint es doch in dieser Welt alles kreatürlich und dazu vor dem irdischen Gemüt irdisch. Denn auch wir sind nicht mehr als ein Teil aus dem Ganzen und können nicht ganzheitlich reden, sondern nur im Stückwerk. Das soll der Leser betrachten.

2.67. Denn allein das göttliche Gemüt im Herzen Gottes ist ein Ganzes, und sonst nichts, denn alles andere besteht in den Essenzen, und Gott allein ist frei, und sonst nichts. Darum reden wir vom Stückwerk und erfassen das Ganze nur im Gemüt, denn dazu haben wir keine Zunge, um es auszusprechen. So führen wir den Leser wie auf einer Leiter.

2.68. Wenn wir also wahrhaft von Gott schreiben oder reden wollen, dann müssen wir vom Licht und von der Flamme der Liebe reden, denn darin wird Gott verstanden.

2.69. Wir können ja nicht sagen, daß die Qual des Feuers das Licht sei. Wir sehen nur, daß es aus dem Feuer erscheint. Deshalb haben wir euch vom Ursprung des Feuers berichtet, wie es im Rad der Essenzen in der harten ängstlichen Schärfe geboren wird und seinen Blitz aus der ewigen Freiheit (des Bewußtseins) nimmt, weil die Freiheit in der Natur getrieben wird, so daß aus der Freiheit eine Qual wird, und das ist Feuer.

2.70. So haben wir euch auch berichtet, wie der Blitz stracks hindurchdringt, nämlich durch das Rad der Essenzen in der harten ängstlichen Schärfe, und ein Kreuz macht, so daß dann das Rad der Essenzen nicht mehr dreht, sondern zitternd im Schall steht. Und dann nehmen alle Essenzen ihre Kraft und Stärke im Blitz des Kreuzes, denn der Blitz dringt gerade durch und zertrennt die Essenzen des Rades, und die Essenzen dringen auf den Blitz quer hindurch, denn der Blitz ist ihr Geist, der in der Herbigkeit eine Schwefel-Gestaltung (der brennbaren Körper-Seele) macht.

2.71. So steht die Geburt quer (zum Rad), gleich einem Kreuz, und hat von unten das Zentrum zur Geburt und oben hinaus den Blitz, der treibt. So steht die ganze Geburt wie ein Gewächs, in dem das Feuer übertreibt, und die Essenzen dem Feuergeist als ihrem eigenen Geist nacheilen, der sie zieht und begehrt, denn sie sind seine Speise und Nahrung, und er ist ihr Leben. Und so besteht das eine nicht ohne dem anderen.

2.72. So versteht nun den Feuerschreck, der schrecklich und verzehrend ist und alle Gestalten aller Essenzen überwindet. Denn sobald der Blick umhergeht, werden alle Gestalten der Finsternis verzehrt, und die finstere Herbigkeit erschrickt wie der strenge Tod vor dem Leben und weicht zurück wie tot und überwunden, und so wird aus hart weich und dünn. Es wird schwer (bzw. niederstrebend) wie eine Ohnmacht, weil es selber nicht beständig ist, und davon kommt das Gewicht der Natur, denn die herbe Matrix wird dünn und licht und ein Wassergeist, von dem das Wasser geboren wird (die vierte der sieben Qualitäten oder geistigen Gestaltungen).

2.73. Nun ist der Schreck der Herbigkeit im finsteren Tod ein Schreck großer Freude, denn im Finsteren wird Licht. Und wenn sich dann der Blitz in der Herbigkeit des Stachels darin erblickt, erschrickt er noch viel mehr als seine Mutter, die Herbigkeit. Aber auch das ist kein feindlicher Schreck, sondern ein gar freudenreicher Schreck der Freude, weil er seine Mutter so dünn (geistig), weich und sanft findet, so daß er sein feuriges Recht verliert und in der ewigen Freiheit des ewigen Willens im Zentrum weiß, hell, licht, lieblich und freudenreich wird. Und damit entsteht die fünfte Gestaltung der Natur, nämlich die holdselige Liebe, denn da begehrt der Blitz mit großem Sehnen seine Mutter wie eine Speise. Und hier ist des Lebens wahrer Ursprung, denn es ist die Anzündung des Lichtes in der herben Matrix (Gebärmutter), wo sich die strenge Herbigkeit in eine Sanftheit verwandelt.

2.74. Doch sollt ihr hier recht verstehen, nicht ganz im Zentrum ihres Wesens, sondern wie ich im Gleichnis reden möchte, als ob sich ein Öl in der Sanftmut gebiert, aus dem das Licht beständig schiene und immer bliebe, indem der Blitz sein Recht verliert. So wird aus seiner Gestaltung ein Licht und ein Schein, darin ein besonderes Zentrum besteht, aus dem das Freudenreich aufgeht. Und doch behalten die ersten vier Gestaltungen ihr Zentrum für sich, denn die Finsternis bleibt als ein eingefaßtes Wesen, und das Licht scheint in der Finsternis, aber die Finsternis begreift es nicht.

2.75. Es sind also zwei Prinzipien, und das kommt daher, weil die Sanftmut aus dem ersten ewigen Willen entsteht, der in sich selbst von der Natur frei ist, so dünn wie ein Nichts und still. Was aber nun still und ohne (greifbares bzw. verfinsterndes) Wesen in sich ist, das hat keine Finsternis in sich, sondern ist bloß eine stille, helle und lichte Wonne ohne Wesen. Und das ist die Ewigkeit ohne etwas, und heißt vor allem anderen „Gott“, denn es ist nichts Böses darin und ist ohne (greifbares) Wesen.

2.76. So, versteht uns, ist Gott der Vater in sich selbst, aber ohne Namen. Denn er ist in sich selbst die lichte, helle und klare Ewigkeit, ohne Wesen, wenn wir rein vom Licht Gottes reden.

2.77. Weil er aber nicht ohne Wesen sein will, deshalb verstehen wir seinen Willen, den er in sich aus nichts faßt, nur bloß aus und in sich selbst. Und wir verstehen in seinem Willen das Begehren, und im Begehren das Zentrum der Gebärerin, darin das Wesen geboren wird.

2.78. Nun begehrt die ewige Gebärerin nichts als das Wort, damit es in der Gebärerin erschaffe, denn die ewige, stille und lichte Wonne erschafft nichts, sondern ist bloß still und licht. Denn wo keine Finsternis ist, da ist reines Licht ohne Wandel. Aber die Gebärerin macht im Begehren die Anziehung, so daß eine Finsternis ist, die ewig besteht, und in der die Natur geboren wird, wie oben erklärt wurde.

2.79. Nun begehrt aber die ewige Gebärerin im ersten Sehnen die Freiheit, also Gott, und nicht die Finsternis in sich, denn auch er will diese nicht, sondern nur das Wort, das da im Sehnen der Gebärerin erschafft. Aber es kann auch keine Gebärerin sein, ohne ein Anziehen, das sich selbst im Willen schwängert, und in welcher Schwängerung das Zentrum der Natur steht. Und so wäre auch kein Wort ohne die Natur, denn in der Natur entsteht das Wort.

2.80. Und so geben wir euch hier ganz hoch und teuer zur Erkenntnis, wie in der Natur zwei Worte geboren werden: Eines im ersten Zentrum der Gebärerin, in der strengen Grimmigkeit, um die strenge Macht der Mutter der ernsten herben Grimmigkeit im Feuer auszusprechen, das hier „die Natur des göttlichen Vaters“ heißt, und welche er so in seiner stillen Wonne in der Fassung seines Willens ohne Berührung (bzw. Einschränkung) der Freiheit des Lichtes gebiert.

2.81. Und das andere Wort, das er aus der Natur durch die Sanftmut gebiert, ist die ewige Freiheit des Lichtes, die „Gott“ genannt wird, welche aus der Natur kommt und die finstere Natur erblickt, aber im Feuer der Schärfe, wie vorn erklärt, so daß die Herbigkeit in ihrem eigenen finsteren Recht erschrickt und ihr strenges Recht verliert.

2.82. Denn der Blitz macht die finstere strenge Macht wieder dünn (geistig), und so geht in ihr ein Gewächs aus den unzählbaren Essenzen auf, und das ist die Kraft des anderen (zweiten) Zentrums, denn in diesem Aufgehen ist ein Liebe-Begehren, und das ewige Licht fängt die Freiheit jenseits der Natur, so daß sich die Freiheit jenseits der Natur in dieser Liebe entzündet und ein brennendes Licht wird, in dem der Glanz entsteht.

2.83. Denn jenseits der Natur ist kein Glanz (eines Spiegels), obgleich eine lichte stille Wonne ist, sondern der Glanz entsteht erst von der (trennenden) Schärfe. Nun ist aber im Aufgehen der Liebe keine Schärfe empfindlich, und wenn sie auch da ist, so ist es doch nur eine Geburt der Freude und eine wahre Erfüllung des ersten Willens, der Gottes ist, welchen er in das Begehren setzt und so die Natur gebiert, und aus der Natur das Gewächs der Liebe.

2.84. So wohnt das andere (zweite) Wort oder Gewächs der Liebe im ersten Willen und ist seine wahre Erfüllung, die er begehrt, denn es ist sanft, lieblich und freundlich, und es ist des ersten Willens Kraft und Herz, davon das ewige Begehren immerfort im Wesen und Willen besteht.

2.85. Und so zersprengt das Licht die Tore der Finsternis, und das Liebegewächs geht aus der finsteren Natur auf und wohnt in der ewigen Stille des Vaters, und ist die Kraft des Vaters, und wird sein Sohn genannt. Denn der Vater gebiert ihn aus seinem ewigen Willen und darin wird des Vaters Glanz offenbar, der sonst im ersten Willen in der finsteren Natur nur im Feuer erscheint, aber im anderen (zweiten) Zentrum im Licht in der Liebe.

2.86. Und damit wurden Liebe und Feindschaft betrachtet, wie sie gegeneinander stehen, denn die Liebe ist der Tod für die Grimmigkeit und nimmt mit ihrem Blick der Grimmigkeit die Gewalt. Und so ist hier die Macht Gottes in Liebe und Zorn recht zu betrachten.

2.87. Aber daß die Liebegeburt so geboren werden kann, verursacht der erste Wille aus der stillen Wonne. Denn die stille und helle Wonne ist zwar ohne Qual und begehrt auch keine Grimmigkeit, aber macht doch die Grimmigkeit. Denn wenn die Grimmigkeit nicht wäre, dann wäre keine Schärfe, und so könnte auch das andere (zweite) Zentrum der Liebe nicht geboren werden, aus dem das übernatürliche Licht (des göttlichen bzw. ganzheitlichen Bewußtseins) scheinend wird, und woraus dann auch der Name Gottes des Vaters und des Sohnes entsteht.

2.88. Denn wenn die ewige Freiheit (bzw. das ewige Freisein) nicht das Wesen der Natur gebären würde, dann wäre es kein Vater, sondern ein Nichts. Weil es aber das Wesen der Natur gebiert, deshalb wird der Gebärer Vater genannt, aus dem er (der Sohn des ewigen Lichtes) geboren wird.

2.89. So scheint das Licht in der Finsternis, und die Finsternis begreift es nicht, wie der Evangelist Johannes sagt. Und so bestehen Licht und Finsternis gegeneinander, und so ist das Licht der Herr der Finsternis, und es ist ein ewiges Band, weil eines ohne das andere nicht zum Wesen käme. Und so können wir hier die Feindschaft gegen die Kraft im Licht Gottes recht betrachten, und wie ein jedes entsteht.

2.90. Denn die Finsternis hält in ihrem Zentrum herbe Grimmigkeit, stachlige Angst im Schwefelgeist, Leid im Feuerblitz, große Macht im Rad der Zerbrechung (bzw. Vervielfältigung), sowie ein Aufsteigen der Essenzen im Blitz der Feuersmacht, und ist doch kein Entfliehen, sondern bewirkt zusammen einen solchen Willen, und der ist ein Geist, und der ist das Band der Natur, das Gott der Vater in seinem Willen gebiert und mit welchem er sich in der ewigen Stille offenbart, weil sonst nichts wäre. Und das ist Gott der Vater mit seiner Feuersschärfe, und damit ein strenger eifriger Gott und ein verzehrendes Feuer.

2.91. Laßt euch nun aufzeigen, ihr Philosophen, was euch im siebenten Siegel in der Heiligen Dreifaltigkeit (Ternario Sancto) aus Gottes Rat eröffnet wird.

2.92. Hier ist der Brunnen der Liebe eine Fassung und Haltung der strengen Grimmigkeit, ja eine Überwindung der strengen Macht, denn die Sanftmut nimmt der strengen und herben harten Macht des Feuers ihr Recht, und das Licht der Sanftmut hält die Finsternis gefangen und wohnt in der Finsternis.

2.93. Dagegen will die strenge Macht nur Grimmigkeit und Einschließen in den Tod, denn die strenge Herbigkeit ist der Einschließer in den Tod. Aber die Sanftmut dringt wie ein Gewächs heraus und grünt aus dem Tod, und überwindet den Tod, und macht das ewige Leben, und macht aus Feindschaft Liebe.

2.94. Das laßt euch ein Licht sein, ihr Theologen, und betrachtet die Schrift der Heiligen besser, und seht die Wunder Gottes mit anderen Augen an! Betrachtet, was Gott in Liebe und Zorn sei, und erkennt, wie zwei Prinzipien offenstehen, von denen ein jedes begehrt. Laßt ab von der natürlichen Weisheit (der „Natur-Wissenschaft“) dieser Welt, und betrachtet die ewige Natur, dann findet ihr Gott und Himmelreich. Eure Gesetze bringen es nicht, denn es muß ein anderer Ernst sein, wenn ihr Gott erkennen wollt. Ihr müßt das Babel (der künstlichen Gedankengebäude) verlassen, damit ihr das Zentrum des göttlichen Sohnes erreichen könnt. Dann werdet ihr in der Sanftmut und Liebe geboren, und dann könnt ihr Christi Schafe weiden, sonst seid ihr Mörder und Diebe, und steigt (wie Wölfe) ins Zentrum der Grimmigkeit, wo ihr nur Christi Schafe freßt und mit eurem höllischen Feuer anfacht. Oh, wie fälschlich handelt ihr gegen die Liebe! Wie wollt ihr dann erscheinen, wenn die Sonne aufgeht und ihr im Licht steht? Das soll euch im folgenden vor Augen gestellt werden.


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