Die drei Prinzipien Göttlichen Wesens

(Text von Jacob Böhme von 1619, deutsche Überarbeitung 2021)

28. Kapitel - Das dreifache Leben - Anhang

Das ist die gründliche und wahre Beschreibung des dreifachen Lebens im Menschen, nämlich:
1. Vom Leben des Geistes dieser Welt in der Qualität und im Regiment der Sterne und Elemente.
2. Vom Leben im Ursprung aller Wesen, das im ewigen Band steht und in welchem dann die Wurzel der menschlichen Seele steht.
3. Vom paradiesischen Leben in der Heiligen Dreifaltigkeit (Ternarius Sanctus), nämlich vom Leben in der neuen Wiedergeburt, welches das Leben des Herrn Jesus Christus ist, darin das englische Leben verstanden wird, wie auch das heilige Leben des neuen wiedergeborenen Menschen.

Alles ganz gründlich, im Licht der ewigen Natur erforscht, zum Trost der armen, kranken und verwundeten Seele, um das heilige Leben in der neuen Wiedergeburt zu suchen, in welcher sie aus dem irdischen Leben herausgeht und in das Leben von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, tritt.

28.1. Nun stehen in unserer vorherigen Schrift etliche Worte, mit denen wir dem Leser unverständlich sein könnten, besonders, wo wir geschrieben haben: „Wir werden in der Auferstehung der Toten im Leib von Jesus Christus in der Heiligen Dreifaltigkeit (Ternarius Sanctus) sein.“ Hier haben wir die Heilige Dreifaltigkeit eine „heilige Erde“ genannt, was doch nicht von der Erde her verstanden werden sollte, sondern vom heiligen Leib aus der heiligen Kraft der Dreiheit Gottes. Und unter der Heiligen Dreifaltigkeit (Ternarius Sanctus) wird in unserer Beschreibung eigentlich die Pforte des göttlichen Vaters verstanden, von dem alle Dinge wie aus einem Einigen Wesen ausgehen.

28.2. So wollen wir nun den Leser dieses Buches unserer Schriften noch etwas gründlicher unterrichten, damit er nicht nur am bloßen Buchstaben hänge und ein historisches Wesen aus unseren Schriften mache, sondern daß er auf den Sinn und Geist achte, was dieser meint, wenn wir vom göttlichen Leben sprechen und darin nicht einerlei Worte und Namen benutzen, weil doch manchmal drei- oder viererlei Namen eben nur dasselbe Einige göttliche Leben verstehen (bzw. bedeuten).

28.3. Denn wenn wir uns in der Schöpfung Gottes umschauen, dann finden wir gar wunderliche Dinge, welche doch im Anfang alle aus einem Brunnen gekommen sind. Denn wir finden Böses und Gutes, Leben und Tod, Freude und Leid, Liebe und Feindschaft, Traurigkeit und Lachen, und finden, daß dies alles aus einem Wesen entspringt.

28.4. Und das ist an fast allen Kreaturen zu sehen, vornehmlich am Menschen, welcher Gottes Gleichnis ist, wie auch Moses davon schreibt und das Licht der Natur uns überzeugt.

28.5. Deswegen ist es uns überaus nötig, das dreifache Leben im Menschen zu betrachten, welches so auch in der Pforte des göttlichen Vaters (in der Heiligen Dreifaltigkeit) gefunden wird.

28.6. Wenn wir uns dann der Veränderung entsinnen, wie sich das Gemüt so verändert und bald die Freude in Leid verwandelt wird, wie auch das Leid in Freude, so müssen wir ja nachsinnen, woher ein solcher Ursprung sei? Denn wir finden, daß es doch alles in einem Gemüt steht, wenn sich dann so eine Gestalt erhebt und vor den anderen Gestalten quillt, daraus dann alsobald ein Wesen folgt, so daß das Gemüt alle Sinne zusammenrafft und des Leibes Glieder ergibt, damit Hände, Füße, Mund und so weiter zugreifen können und ein Werk nach dem Begehren des Gemüts bewirken. So sagen wir, dieselbe Gestalt sei lebendig, das heißt, vor allen anderen Gestalten qualifizierend und wirkend. Obwohl da zwar auch alle anderen Gestaltungen der Natur darin liegen, aber verborgen und dieser einzigen Gestalt untertan sind. Warum ist das Gemüt so ein wunderliches Wesen, das bald aus einer Gestaltung, welche jetzt noch lebt oder vor allen anderen qualifizierend (wechselwirkend) ist, eine andere Gestaltung hervorbringt und erhebt, so daß die erste Entzündete gleichsam verdampft und wie ein Nichts wird, wie das auch an Freude und Leid zu erkennen ist?

28.7. Wenn wir nun nachsinnen, woraus dies alles entspringt, dann finden wir vornehmlich drei Gestaltungen im Gemüt: Wir reden also nicht allein vom Geist dieser Welt, denn wir finden, daß unser Gemüt auch nach einem anderen Gemüt ein Sehnen hat. Denn es sehnt sich auch nach dem, was die Augen des Leibes nicht sehen, der Mund nicht schmeckt, das Gefühl des irdischen Leibes nicht begreift, das irdische Gehör nicht hört und die Nase nicht riecht, aber was das edle Gemüt sehen, schmecken, fühlen, greifen (bzw. riechen) und hören kann, wenn die wahre göttliche Gestaltung in ihm lebendig oder vor den anderen beiden Gestaltungen qualifizierend wird, weil dann die anderen beiden Gestaltungen (dieser Welt und der Hölle) alsbald wie halbtot oder überwunden werden, und sich die göttliche allein erhebt, weil sie dann in Gott ist.

28.8. Wir sehen aber auch, wie das Gemüt alsbald eine zweite Gestaltung erhebt und lebendig macht, so daß die göttliche Gestaltung niedergedrückt wird und der Geist dieser Welt zu (egoistischem) Geiz und überheblichem Stolz wird, um den Armen zu unterdrücken und sich allein zu erheben und alles an sich zu ziehen. Daraufhin bricht dann auch bald die dritte Gestaltung aus dem ewigen Band (von Ursache und Wirkung) hervor, nämlich Falschheit, Neid, Zorn und Haß, und so steht die Bildung Gottes gleichwie im Tod oder überwunden, weil dann das Gemüt entsprechend im Zorn Gottes, im Tod und im Rachen der Hölle steht. Daran erfreut sich die Hölle im Zorn Gottes, denn ihr Rachen wird hier weit aufgesperrt und wird qualifizierend. Wenn aber die göttliche Gestaltung wieder hervorbricht, das Höllenreich überwunden und wie ein Tod wird, dann wird das Himmelreich wieder lebendig und qualifizierend.

28.9. Darum spricht St. Paulus: »Welchem ihr euch zu Knechten in Gehorsam begebt (entweder der Sünde zum Tod oder dem Gehorsam Gottes zur Gerechtigkeit), dessen Knechte seid ihr. (Röm. 6.16)« Und dessen Qualität haben wir, in demselben Reiche leben wir, und dasselbe Reich mit seiner Qualität führt uns dann. Denn wenn hier in diesem Leben alles im Samen und Wachsen ist, dann wird auch einmal die Ernte erfolgen, so daß dann ein Reich vom anderen geschieden werden wird.

28.10. Denn es sind drei Prinzipien im Gemüt des Menschen, die er in dieser Zeit alle drei aufschließen kann. Wenn aber der Leib zerbrochen ist, dann lebt er nur noch in einem, denn er hat den Schlüssel verloren und kann kein anderes mehr aufschließen. So muß er in derselben Qualität ewig bleiben, welche er hier angezündet hat.

28.11. Denn wir wissen, daß uns Adam mit seinem Ausgehen aus dem Paradies in diese Welt auch in den Tod geführt hat, und aus dem Tod grünt die Hölle im Zorn Gottes. Also ist unsere Seele des Höllenreichs fähig und steht im Zorn Gottes, weil dann der Rachen der Hölle gegen uns offensteht, um uns immerfort zu verschlingen, denn wir haben einen Bund mit dem Tod geschlossen und uns ihm im Stachel des Zorns im ersten Prinzip ergeben.

28.12. Aber wir wissen nicht nur das, sondern wir wissen auch, daß uns Gott im Leben seines Sohnes Jesus Christus zu einer lebendigen neuen Kreatur wiedergeboren hat, um in Ihm zu leben. Und wie er in den Tod gegangen ist, und durch den Tod wiederum ins ewige Leben, so müssen auch wir in Christi Tod eingehen und im Leben von Jesus Christus aus dem Tod ausgehen und in Gott, seinem Vater, leben. Dann ist unser Leben wie auch unser Fleisch nicht mehr irdisch, sondern heilig in Gottes Kraft, und wir leben wahrhaftig in der Heiligen Dreifaltigkeit, in der heiligen Dreizahl der Gottheit. Denn wir tragen dann vor Gott das heilige Fleisch aus dem heiligen Element, das unser lieber Bruder und Heiland oder Immanuel in unser Fleisch gebracht hat, und uns in sich und mit sich aus dem Tod in Gott, seinem Vater, geführt hat. Dann ist die heilige Dreiheit der Gottheit in uns wesentlich wirkend.

28.13. Und wie das ewige Wort im Vater ein wahrer Mensch und das Licht in ihm scheinend geworden ist, und wie er sich in die Menschheit erniedrigt und die Bildung in diesem unserem Leib angezogen hat, den wir hier tragen, nämlich die Bildung, welche wir in Adam verloren haben, aus dem reinen unbefleckten Element vor Gott, das in der Barmherzigkeit Gottes steht, wie in unserem Buch bereits nach allen Umständen klar erklärt wurde, so müssen auch wir dieselbe Bildung aus dem reinen Element, aus dem Leib von Jesus Christus an uns ziehen und in dem leiblichen Wesen leben, in welchem er lebt, in derselben Qualität und Kraft.

28.14. Wir verstehen hier nicht seine Kreatur, in die wir uns einschleichen sollten, sondern seine Qualität, denn die Weite und Tiefe seines Lebens in seiner Qualität ist unermeßlich. Wie Gott sein Vater unermeßlich ist, so auch das Leben Christi. Denn das reine Element in der Qualität des göttlichen Vaters in seiner Barmherzigkeit ist Christi Leib. Gleichwie unser irdischer Leib in den vier Elementen steht, so steht der neue Mensch in einem reinen Element, aus dem diese Welt mit den vier Elementen geboren wurde. Und die Qualität des reinen Elements ist die Qualität des Himmels und Paradieses, und so ist auch unser Leib in der neuen Wiedergeburt.

28.15. Damit ist nun dieses Element im ganzheitlichen Prinzip Gottes an allen Enden und Orten, und dazu unermeßlich und unendlich. Und darin ist Christi Leib und seine Qualität, und darin die Dreizahl der Gottheit, daß also der Vater im Sohn wohnt, das heißt, im Leib von Jesus Christus, und der Sohn im Vater als Ein Gott. Und der Heilige Geist geht entsprechend vom Vater im Sohn aus und wird uns gegeben, daß er uns wiedergebiert zu einem neuen Leben in Gott, im Leben von Jesus Christus. Dann hängt uns der irdische Mensch in seiner Bildung und Qualität in dieser Zeit nur noch an, obwohl wir in Gott mit unserem Gemüt wiedergeboren sind.

28.16. Denn gleichwie Gott der Vater in seinem eigenen Wesen alle drei Prinzipien begreift und selbst das Wesen aller Wesen ist, in dem Freude und Leid begriffen wird, und das doch in sich selber ausgeht, nämlich aus der Qual der Angst, und sich selber das Freudenreich macht, wo die Traurigkeit unfaßbar und die Qual seines Zorns in der Angst unbegreifbar ist, und sich selbst sein Herz in der Liebe gebiert, darin dann der Name Gottes entspringt, so hat auch das menschliche Gemüt alle drei Prinzipien an sich, in denen dann die Seele im Band des Lebens begriffen wird. Und diese Seele muß dann wieder in sich selbst eingehen, im Leben von Jesus Christus einen Willen schöpfen und sich nach diesem sehnen. Das muß sie mit starkem Willen begehren, und nicht bloß in der Historie oder in der Wissenschaft stehen, so daß man davon zu reden weiß und die Rede und Worte als eine christliche Person achtet, weil doch das Gemüt in Babel nur im Zweifel steht. Nein! Das ist nicht die Wiedergeburt, sondern es muß Ernst sein, und das Gemüt muß aus sich selber in der Demut vor Gott ausgehen und in Gottes Willen eintreten, nämlich in die Gerechtigkeit und Wahrheit, sowie in die (reine göttliche) Liebe.

28.17. Und obwohl es so ist, daß das Gemüt solches nicht aus eigener Kraft zu tun vermag (weil es vom Geist dieser Welt gefangen ist), so steht doch der entsprechende Vorsatz in seiner Macht. Und Gott steht hinter dem Vorsatz, nimmt diesen in seine Liebe und sät dahinein das Körnlein der Liebe in seiner Kraft, aus dem der neue Mensch im Leben Jesu Christi wächst.

28.18. Darum liegt es am rechten Ernst, was man auch rechte Buße nennt. Denn die Fassung des göttlichen Wortes in den Gehorsam der Liebe wächst nicht im irdischen Leben, sondern im neugeborenen, im Leben Jesu Christi.

28.19. Darum ist das Himmelreich ein Gnadengeschenk für den, der es ernsthaft begehrt. Nicht das man bei sich sagt: „Ich habe ja einen Willen, mich ernsthaft Gott zu ergeben, aber ich brauche noch eine Weile diese Welt. Danach will ich in den Gehorsam Gottes eingehen.“ Und so währt es eine Weile auf die andere, und einen Tag auf den anderen, und so wächst derweil der Mensch der Bosheit. Oder daß du es sogar bis ans Ende aufsparst und dann eine himmlische Geburt sein willst, obwohl du doch die ganze Zeit deines Lebens im Zorn Gottes und der Hölle Abgrund gewachsen bist. Nein, das ist Betrug, und du betrügst dich nur selber.

28.20. Der Pfaffe zu Babel hat danach keinen Schlüssel zum Himmelreich, um dir aufzuschließen. Du mußt selbst eingehen und neugeboren werden, anders ist kein Rat, weder im Himmel noch in dieser Welt. Hier in dieser Zeit stehst du im Acker und bist ein Gewächs. Wenn aber der Tod kommt und den Stock (die Wurzel im Acker) abschneidet, dann bist du kein Gewächs mehr, sondern eine Frucht, welche gewachsen ist. Bist du dann nicht eine Speise Gottes, so gehörst du auch nicht auf Gottes Tisch, und so wird Gott in dir nicht wohnen.

28.21. Denn wir wissen, daß nur die Gottheit die Kraft zur neuen Geburt ist. Und wenn du sie mit Sehnen und großem Ernst begehrst, dann sät sie sich in dein Gemüt der Seele, daraus der neue Mensch im Leben von Jesus Christus wächst, so daß ihm dann der irdische in dieser Welt nur noch anhängt.

28.22. So ist der Neue in Gott im Leben Christi, und der Alte in dieser Welt, davon St. Paulus in seiner Epistel an die Römer klar schreibt: »Daß wir also in der neuen Geburt in Gott leben, und im alten Adam in dieser Welt sind. (Röm. 6.11)« Damit verändert sich dann auch die Qual-Qualität des ewigen Bandes in der Seele, und die Seele geht in sich selbst ins Leben Christi ein, ins heilige und reine Element, das ich in meinem Buch zuvor an vielen Stellen „Heilige Dreifaltigkeit (Ternarius Sanctus)“ nannte.

28.23. Nicht nur nach dem Verstand der lateinischen Sprache, sondern auch nach dem Verstand der göttlichen Natur. Denn mit diesem Wort wird trefflich das Leben von Jesus Christus in Gott dem Vater ausgesprochen, wie es auch sein eigener Charakter und die Geister in den Silben bezeichnen, weil man darin die Geburt der Gottheit trefflich versteht.

28.24. Wiewohl das dem historischen Menschen von der Schule dieser Welt verborgen bleibt, aber dem von Gott erleuchteten ist es gar begreiflich, der dann auch die Qualität der Geister im Buchstaben versteht, welches zwar zur Zeit hier noch nicht zu leben ist, doch zum Verstand gebracht werden kann.

28.25. So ist dem Menschen in seinem Anfang zur neuen Geburt nichts nützlicher, als wahre, rechte und ernste Buße mit großer ernster Beständigkeit, denn er muß ins Himmelreich, ins Leben Christi eindringen, wo dann sein Wiedergebärer für ihn tief in seinem Gemüt im Lebenslicht steht und ihm mit Begierde und Ernst hilft, so daß er sich wie ein Senfkorn in die Seele des Menschen einsät, als eine Wurzel zur neuen Kreatur. Und wenn der Ernst in der menschlichen Seele groß ist, dann ist auch der Ernst in seinem Wiedergebärer groß.

28.26. Und es ist gar nicht möglich (bzw. nötig), die neue Wiedergeburt in Christus zu beschreiben, denn wer dahinein kommt, der erfährt es selber. Es wächst ein anderes Gewächs in seinem Gemüt, ein anderer Mensch mit anderer Erkenntnis, der von Gott gelehrt wird und sieht, wie alles Treiben in der Historie ohne Gottes Geist nur ein verwirrendes Werk zu Babel ist, aus dem Zank und Streit in eigenem Stolz kommen. Denn sie meinen nur überheblichen Stolz und ihre Erhöhung, um sich in den Gelüsten des Fleisches wohl zu ergötzen. Sie sind nicht Christi Hirten, sondern Diener des Antichristen. Sie haben sich auf Christi Stuhl gesetzt, aber denselben in diese Welt gebaut.

28.27. Aber Christi Reich ist nicht von dieser Welt, sondern steht in der Kraft. Und es gibt keine wahre Erkenntnis von Gott in einem Menschen, es sei denn, daß er in Gott aus seinem verdorbenen Sündenhaus wiedergeboren wurde, so daß sich dann der Grimm in die Liebe verwandelt und er ein Priester Gottes im Leben von Jesus Christus wird, der immer sucht, was im Himmel in den Wundern Gottes ist. Und so ist der neue Mensch im alten verborgen, nicht von dieser Welt, sondern in der Heiligen Dreifaltigkeit (Ternarius Sanctus), im heiligen Leib von Jesus Christus, das heißt, in der Kraft seines Leibes.

28.28. Dann ist auch sein Bund der Taufe und des letzten Abendmahls mit uns. Er nahm nicht sein Fleisch von seiner Kreatur und gab es den Jüngern, sondern einen Leib des reinen Elements vor Gott, in dem Gott wohnt, der allen Kreaturen gegenwärtig ist, aber in einem anderen Prinzip ergriffen wird. Diesen gab er den Jüngern unter dem irdischen Brot und Wein zu essen und zu trinken. Also tauft er auch den äußerlichen Menschen mit irdischem elementischen Wasser, aber den inneren neuen Menschen mit dem Wasser im heiligen reinen Element seines Leibes und Geistes, dessen Wesen allein im zweiten Prinzip erscheint und an allen Orten gegenwärtig ist, aber dem dritten Prinzip als dem Geist dieser Welt verborgen bleibt.

28.29. Denn wie wir wissen, daß unser Gemüt in diese ganze Welt reicht und sogar ins Himmelreich zu Gott, so reicht auch das Leben des reinen Elements an alle Enden, in welchem die Kreatur Christus und unser neuer Mensch in Christus im zweiten Prinzip steht. So ist überall die volle Fülle vom Leben Christi, aber allein im reinen Element und nicht in den vier Elementen im Sternen-Geist.

28.30. Darum bedarf es nicht vieler Marter und schwerem Denken in unseren tiefgründigen Schriften, denn wir schreiben aus einem anderen Prinzip. So versteht uns kein Leser richtig im Grunde, wenn sein Gemüt nicht in Gott geboren ist. Es sollte keine historische Wissenschaft in unseren Schriften gesucht werden. Denn wie es nicht möglich ist, Gott mit irdischen Augen zu schauen, so ist es auch nicht möglich, daß ein unerleuchtetes Gemüt himmlische Gedanken und Sinne in das irdische Gefäß fasse. Es kann nur Gleiches mit Gleichem erfaßt werden.

28.31. Wir tragen ja den himmlischen Schatz in einem irdenen Gefäß, aber es muß ein himmlischer Behälter im irdischen verborgen sein, sonst wird der himmlische nicht ergriffen und erhalten. Es sollte niemand denken, daß er die Lilie des himmlischen Gewächses durch tiefes Forschen und Sinnen (bzw. Denken) finden kann, wenn er nicht durch ernste Buße in die neue Geburt tritt, so daß sie in ihm selber wächst. Sonst ist es nur eine Historie, in welcher sein Gemüt den Grund nimmer erfährt, obwohl er doch denkt, er habe ihn ergriffen. Aber sein Gemüt macht es offenbar, wessen Geistes Kind er ist. Deshalb steht geschrieben: »Sie sind von Gott gelehrt. (Joh. 6.45)«

28.32. Wir wissen, daß ein jedes Leben ein Feuer ist, das da verzehrt und etwas zum Verzehren haben muß, oder es erlischt. So wissen wir auch, daß es ein ewiges Band des Lebens gibt, in dem eine Materie (bzw. Substanz) ist, von der das ewige Feuer immerfort zu zehren hat. Denn das ewige Feuer macht sich diese Materie selber zu einer Speise.

28.33. So wissen wir auch, daß da zwei ewige Leben in zweierlei Qualität sind, und ein jedes in seinem Feuer steht. Eines brennt in der Liebe im Freudenreich, und das andere im Zorn, im Grimm und Leid, und seine Materie (bzw. Substanz) ist überheblicher Stolz, Geiz, Neid und Zorn. Seine Qual-Qualität vergleicht sich einem Schwefelgeist, denn das Aufsteigen des überheblichen Stolzes im Geiz, Neid und Zorn macht zusammen einen Schwefel, in dem das Feuer brennt und sich immerfort durch diese Materie entzündet. Denn es ist eine große Bitterkeit, in der des Lebens Beweglichkeit steht, wie auch der Anfacher des Feuers.

28.34. So wissen wir nun, wie und warum ein jedes Feuer einen Schein und Glanz hat, denn dieser entsteht in sich selbst aus der Qual-Qualität und erleuchtet die Materie (bzw. Substanz) der Qualität, so daß in der Qualität eine Erkenntnis und ein Verstand des Wesens sei, daraus ein Gemüt mit der Macht entspringt, einen Willen zu Etwas zu fassen und zu tun, obwohl doch im Ursprung Nichts war. Und dieser Wille entsteht in sich selbst in der Qual-Qualität und schafft sich eine Freiheit aus der Qual. Denn der Wille begehrt die Freiheit, um darin zu stehen. Dann hat er sein Leben vom Willen im Licht und lebt in sich selbst in der Wonne ohne Qual, obwohl er doch im Ursprung im Grund der Qual steht.

28.35. Also, mein liebes, teures und suchendes Gemüt, wisse und merke, daß alles Leben auf dem Abgrund des Grimms steht. Denn Gott nennt sich ein „verzehrendes Feuer“ und auch einen „Gott der Liebe“. Aber sein Name „Gott“ entspringt in der Liebe, in welcher er dann aus der Qual-Qualität in sich selbst ausgeht und in sich selbst Freude, Paradies und Himmelreich macht.

28.36. So haben wir alle zusammen die Qual-Qualität des Zorns und Grimms im Ursprung unseres Lebens, sonst wären wir nicht lebendig. Aber wir sollen zusehen, daß wir mit Gott in uns selber aus der Qual des Grimms ausgehen und in uns die Liebe gebären. Dann wird unser Leben Freude und liebliche Wonne und steht wahrhaftig im Paradies Gottes. Wenn aber unser Leben im Grimm, also in Geiz, Neid, Zorn und Bosheit bleibt, und nicht in einen anderen Willen ausgeht, dann steht es in der ängstlichen Qual gleich allen Teufeln, in deren Leben kein guter Gedanke noch Wille sein kann, sondern nur eine In-sich-selber-Feindschaft.

28.37. Darum gibt es zwei (ewige) Leben, nämlich erstens das Leben, das in der Liebe wiedergeboren ist, und zweitens das Leben im Ursprung der Qual-Qualität gegeneinander. Doch weil das Leben in der Liebe nicht feindlich ist, so muß es sich (im Acker dieser Welt) entsprechend quetschen und von Dornen stechen lassen, und so wird ihm unter der Geduld der Sanftmut das Kreuz zu tragen auferlegt. Deshalb muß ein Kind Gottes im Gewächs dieses Ackers ein Kreuzträger sein, und mit diesem Ziel hat Gott ein Gericht und einen Scheidetag in sich bestimmt, um zu ernten, was in jedem Leben gewachsen ist. Dann werden dort alle Gestaltungen des ewigen Wesens offenbar werden, und so muß alles zu Gottes Wundertat bestehen.

28.38. Darum, oh Mensch, schaue zu, daß du dich nicht selber verdirbst! Schaue, daß du im Acker der Liebe, Sanftmut und Gerechtigkeit wächst, und gehe mit deinem Leben in dir selbst in die Sanftmut von Jesus Christus ein, in die Wiedergeburt zu Gott, dann wirst du in Gottes Qualität der Liebe leben. Und wenn dann der Acker dieses Gewächses von dir weggenommen wird, dann ist dein Leben eine Frucht und Gewächs Gottes, und du wirst mit einem neuen Leib aus dem reinen und heiligen Element vor Gott grünen und blühen, im Leben deines teuren Helfers und Erlösers Jesus Christus. Dem ergib dich ganz und gar in diesem Leben des Kampfes! Dann wirst du mit ihm durch seinen Tod und seine Auferstehung in einem neuen Menschen vor Gott grünen. Das ist das Schöpfungswort, Amen!

Ende.


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