Die drei Prinzipien Göttlichen Wesens

(Text von Jacob Böhme von 1619, deutsche Überarbeitung 2021)

23. Kapitel - Testamente, Taufe und Abendmahl

Von Christi hochwürdigen Testamenten, nämlich von der Taufe und seinem letzten Abendmahl, das er am Gründonnerstag zu Abend mit seinen Jüngern gehalten hatte und uns hinterlassen hat. - Die alleredelste Pforte der Christenheit.

23.1. Wie man bisher in Babel um den Kelch von Jesus Christus und seine heiligen Testamente tanzte, ist offensichtlich, weil man auch viel Krieg und Blutvergießen dadurch angerichtet hat. Denn was in Babel für eine Erkenntnis davon gewesen war, das zeigen die Werke ihrer Liebe untereinander. Das haben ihre Konsilien angerichtet, wo man dem Heiligen Geist den Mund verstopfte und aus Christi Priestertum ein weltliches Regiment machte.

23.2. Oh ihr Hohenpriester und Schriftgelehrten! Was wollt ihr Christus antworten, wenn ihr so befunden werdet? Oder meint ihr, ihr steht im Dunkeln? Nein, ihr steht vor dem klaren Angesicht von Jesus Christus, der hier ein Richter der Lebendigen und Toten ist. Öffnet doch eure Augen, und weidet die Herde von Jesus Christus richtig! Er kommt und fordert sie von euch. Aber ihr seid nicht alle Hirten, sondern eingedrungene und geizige (egoistische) Wölfe. Ihr verlaßt euch auf eure Kunst von euren Schulen. Aber dies gilt vor Gott nichts! Denn daraus spricht nicht der Heilige Geist, und er läßt sich auch damit nicht binden. Wollt ihr Christi Hirten sein, dann müßt ihr in der Versuchung bestehen und im Herzen das Kleid des Lammes anziehen, und nicht nur die Wolle der Schafe tragen. Ihr müßt ihnen die Speise des Heiligen Geistes in wahrer Liebe geben und selbst entsprechend handeln. Wie wollt ihr sie aber geben, wenn ihr nur in der Wüste seid und euch in der letzten Versuchung das Reich dieser Welt erwählt habt? Was soll man noch darüber sagen? Ist doch der Zorn entbrannt, so tragt nur Holz dazu, denn Babel brennt und das Wasser (des Lebens) vertrocknet! Doch was habe ich mit dir zu tun, daß ich so schreiben muß?

23.3. Nachdem wir nun ein wenig die Menschwerdung und Geburt von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, dargestellt haben, wir aber noch so irdisch sind und es nirgends begreifen können, so stehen wir und fragen immerfort: „Wo ist denn Christus mit seinem Leib? Wo sollen wir ihn suchen?“ Deshalb begehrt unsere Seele von seiner Allgegenwart zu schreiben, und dies entgegen allem Wüten und Toben des Teufels und Antichristen.

23.4. Nachdem wir nun deutlich dargestellt haben, wie uns Gott durch seine Liebe und Barmherzigkeit aus Gnade sein liebes Herz wieder zugewandt hat und wie er unserer Seele die Pforte zum Himmelreich eröffnet habe usw., so wollen wir uns nun ferner des Leibes Christi entsinnen. Denn der Verstand spricht immer: „Christi Leib ist in den Himmel geflogen! Er ist weit von uns, und wir müssen ein Reich auf Erden errichten, damit wir ihm während seiner Abwesenheit dienen, wie Jerobeam mit den Kälbern.“ So heißt dieses Reich zurecht „Babel“ (ein wackliges Gedankengebäude).

23.5. Du rühmst dich ja, ein Christ zu sein. Warum glaubst du dann nicht den Worten von Christus, der sagte, er wollte alle Tage bei uns sein, bis ans Ende der Welt? (Matth. 28.20) Und er spricht ferner, er wollte uns seinen Leib zur Speise geben und sein Blut zum Trank. Denn sein Leib sei die wahre Speise, und sein Blut sei der wahre Trank. (Joh. 6.54) Was verstehst du hier? Einen Abwesenden? Oh du armer kranker Adam! Warum bist du abermals aus dem Paradies ausgegangen? Hat dich doch Christus wieder hineingeführt. Warum bist du nicht drinnen geblieben? Hast du nicht gesehen, daß die Apostel Christi und ihre Nachkommen, die mit ihrer Seele in Christi Paradies waren, so große Wunder taten? Warum bist du wieder in den Geist dieser Welt gegangen? Meinst du, du kannst das Paradies mit deinem Verstand in deiner Kunst finden? Weißt du nicht, daß es ein anderes Prinzip hat und daß du es nicht findest, es sei denn, du werdest wieder neugeboren.

23.6. Du sprichst: „Christus ist in den Himmel gefahren. Wie kann er dann in dieser Welt sein?“ Wenn du etwas weiterkommst, dann denkst du vielleicht, er sei hier allein mit seinem Heiligen Geist in seinen Testamenten gegenwärtig, und die Testamente seien nur ein Zeichen seines Verdienstes. Was sagst du aber von deinem neuen Menschen? Wenn die Seele bereits vom Heiligen Geist gespeist wird, was hat dann dein neuer Mensch? Denn ein jedes Leben ißt von seiner Mutter. Die geistige Seele ißt geistige Speise, und der neue Mensch ißt vom reinen Element, wie der äußere Mensch von der Ausgeburt der vier Elemente ißt.

23.7. Wenn nun die Seele von der klaren Gottheit ißt, was hat dann der Leib? Denn du weißt ja, daß Seele und Leib nicht ein Ding sind. Wohl ist es ein Körper, aber die Seele ist Geist und muß geistige Speise haben, und der Leib leibliche Speise. Oder willst du dem neuen Menschen irdische Speise geben? Wenn dem so ist, dann bist du noch fern von Gottes Reich. Auch der himmlische Leib von Christus hat keine irdische Speise genossen, sondern nur der äußere irdische. Ist doch Christi Leib jetzt in der Heiligen Dreifaltigkeit (Ternarius Sanctus) (das heißt, in der reinen heiligen Wesenheit, als in der englischen Welt) und ißt die Speise des Paradieses. Warum dann nicht unser neuer Mensch? Hat er nicht in der Wüste vierzig Tage himmlische Speise gegessen und danach immerfort? Sprach er nicht beim Jacobs-Brunnen zu seinen Jüngern: »Ich habe eine Speise zu essen, von der ihr nichts wißt. (Joh. 4.32)« Und weiter: »Das ist meine Speise, daß ich den Willen meines Vaters im Himmel tue.« Ist Gottes Wille seine Speise, warum nicht auch unsere, wenn wir in ihm leben? Hat nicht Christi Gottheit das Himmelreich zu einem Leib angezogen? Ist nicht das reine Element sein Leib, in dem die Gottheit wohnt?

23.8. Da fragt der Verstand: „Der Leib Christi war doch an einem Ort. Wie kann er überall sein? Er war doch eine Kreatur, und eine Kreatur kann nicht zugleich überall sein!“ Höre, lieber Verstand, als das Wort Gottes im Leib Marias Mensch wurde, war es damals nicht auch hoch über den Sternen? Als es zu Nazareth war, war es nicht auch zu Jerusalem und überall in allen Thronen? Oder meinst du, als Gott Mensch wurde, daß er so in die Menschheit eingepreßt und hineingesteckt wurde, daß er nicht mehr überall sein konnte? Meinst du, die Gottheit habe sich in Christi Menschwerdung zertrennt? Oh nein, er ist nie von seinem Sitz gewichen, das kann nicht sein.

23.9. Als er nun Mensch geworden war, so ist ja seine Menschheit überall gewesen, wo seine Gottheit war. Denn du kannst nicht sagen, daß es im Himmel und dieser Welt einen Ort gäbe, wo Gott nicht sei. Und wo nun der Vater ist, dort ist auch sein Herz in ihm, und dort ist auch der Heilige Geist in ihm. Nun ist sein Herz Mensch geworden, und ist in der Menschheit Christi. Wenn du nun denken wolltest, Christi Leib ist fern im Himmel, dann mußt du ja auch sagen, daß das Herz Gottes in ihm ist. Wenn du aber sagst, Gott der Vater sei hier überall gegenwärtig, wie willst du dann behaupten, es sei nicht auch sein Herz in ihm hier überall gegenwärtig? Oder willst du Gottes Herz zerteilen, und willst einen Funken davon in Christi Leib haben, und dann das andere überall gegenwärtig? Was tust du da? Laß ab davon! Ich will dir den richtigen Grund wahrhaftig und eigentlich zeigen.

23.10. Siehe, Gott der Vater ist überall, und sein Herz und Licht ist überall im Vater, denn es wird von Ewigkeit immer überall im Vater geboren, und seine Geburt hat weder Anfang noch Ende. So wird es noch heute immerfort vom Vater geboren. Auch als es im Leib Marias war, so stand es doch in der Geburt des Vaters, wie es vom Vater immer geboren wurde. Und auch der Heilige Geist ist seit Ewigkeit immer vom Vater durch sein Herz ausgegangen. Denn die ganze Geburt der Gottheit ist nichts anderes und kann nicht anders wirken.

23.11. Nun ist der Vater größer als alles, und auch seine Barmherzigkeit ist größer als alles, und so ist auch der Sohn in ihm größer als alles. Und das Element steht in seiner Barmherzigkeit und ist so groß wie Gott. Nur weil es von Gott geboren wurde und wesentlich ist, ist es unter Gott, und darin ist die Heilige Dreifaltigkeit mit Gottes Weisheit in den Wundern, denn alle Wunder werden darin offenbart. Und das ist Christi himmlischer Leib, mit unserer hier angenommenen Seele darin, und darin ist die ganze Fülle der Gottheit im Zentrum. Und so ist die Seele von der Gottheit umgeben und ißt von Gott, denn sie ist Geist. Also, meine liebe Seele, wenn du in Christus wiedergeboren wirst, dann ziehst du den Leib Christi aus dem heiligen Element an, und dieser gibt deinem neuen Leib Speise und Trank, wie der Geist dieser Welt in den vier Elementen dem alten irdischen Leib.

23.12. Also wisse hochteuer: Gleichwie Christus im Garten Eden einen Bund mit uns geschlossen hat, daß er so (wie oben erklärt) ein Mensch werden wolle, so hat er auch einen Bund mit uns (für die nachfolgende Zeit) geschlossen, nachdem er das Irdische wieder abgelegt hatte, und hat uns seinen Leib zur Speise und sein Blut zum Trank beschieden, sowie das Wasser des ewigen Lebens im Ursprung der Gottheit zu einer heiligen Taufe, und hat befohlen, daß wir dieses gebrauchen sollen, bis er wiederkomme.

23.13. Nun fragts du: „Was hat Christus seinen Jüngern im letzten Abendmahl gegeben, als er bei ihnen am Tisch saß?“ Siehe, die Gottheit ist nicht faßbar und so ist auch der heilige Leib Christi nicht meßbar. Er ist wohl kreatürlich, aber nicht meßbar. Denn er gab ihnen seinen heiligen himmlischen Leib zu essen und sein heiliges himmlisches Blut zu trinken, wie seine eigenen Worte lauten. (Matth. 26.26)

23.14. Fragst du: „Wie kann das sein?“ Sage mir, wie kann das sein, daß das heilige Element diese Welt angezogen hat, im Leib dieser Welt ein zweites Prinzip hat, und das heilige Element der himmlische Leib von Christus ist? So hat Christus seinen Jüngern äußerlich Brot gegeben und äußerlichen Wein im Reich dieser Welt, und darunter seinen himmlischen Leib im zweiten Prinzip, welcher das äußere hält, sowie sein himmlisches Blut, darin die himmlische Tinktur und das heilige Leben stehen.

23.15. Darauf spricht der Verstand: „Das wäre ein fremder Leib in fremdem Blut, und es wäre nicht der Leib seiner Kreatur.“ Lieber Verstand, sage mir, wie das ein fremder Leib sein kann? Wohl ist er in einem anderen Prinzip, aber von keiner anderen Kreatur. Sprach nicht Christus: »Ich bin nicht von dieser Welt! (Joh. 8.23)« Und er war doch nach dem äußeren Menschen von dieser Welt. Oder verstehst du das allein von seiner Gottheit? Wo bliebe dann seine ewige Menschheit, nach welcher er ein König der Verheißung auf dem Stuhl Davids ist?

23.16. Wenn uns die Verheißung hätte freikaufen können, dann hätte das Werk nicht folgen müssen. Dann hätte auch Moses das Volk Israel ins wahre gelobte Land führen können, welches sogar Josua, der ein Vorbild von Jesus Christus war, nicht tun konnte. Sondern er führte sie nur ins Land der Heiden, wo immer Krieg und Streit war und nur ein Jammertal.

23.17. Doch dieser Christus sitzt auf dem Stuhl Davids, auf dem Stuhl der Verheißung. Gleichwie David ein äußerlicher König war, aber in seinem Geist ein Prophet vor Gott, so saß er entsprechend äußerlich als ein Richter in der Welt und innerlich als ein Priester vor Gott, der da von diesem Christus weissagte, daß er kommen sollte, und er hieß alle Türen aufmachen und (Fall-) Tore hochheben, damit dieser König der Ehren einzöge. Hier sprach er nicht allein von seiner Gottheit, aus welcher er weissagte, denn die war ohnedies bei ihm. Er sprach zwar aus dieser Kraft und Erkenntnis, aber er weissagte von seiner ewigen Menschheit. Denn das wäre kein König, der nur im Geist dasäße, denn diesen könnten wir nicht sehen und mit ihm umgehen. Aber das ist ein König, der in der Menschheit dasitzt.

23.18. So wurde nun dieser König von Gott verheißen, daß er die Tore seiner Feinde besitzen und die Feinde gefangenführen soll, und diese Feinde sind die Teufel.

23.19. Wie meinst du nun, wenn diese Kreatur die Teufel zu Jerusalem gebunden hätte und als eine meßbare Kreatur, die (örtlich) nicht weiterreichte, gefangengeführt, wer hätte dann die Teufel zu Rom gebunden? Sprichst du: „Seine Gottheit!“ Oh nein, das war nicht ihr Amt, denn die Teufel sind ohnedies in der innersten Wurzel des Vaters in seinem Zorn (gebunden). So könnte es nur eine Kreatur tun, die so groß wäre, daß sie überall bei den Teufeln sein konnte.

23.20. Darum mußte Christus in seiner Versuchung das Reich des Zorns und seiner Ausgeburt überwinden. Und in seinem Eingang in den Tod zertrat er der Schlange (dem Teufel und allen Teufeln) den Kopf und nahm sie gefangen. Das solltest du so verstehen, daß das innere Element, welches den ganzen Leib dieser Welt hält, Christi ewiger Leib geworden ist. Denn die ganze Gottheit im Wort und Herzen Gottes ist hier überall eingegangen und hat sich in Ewigkeit vermählt, um darin zu bleiben. So ist diese Gottheit eine Kreatur geworden, eine solche Kreatur, die überall sein kann, wie die Gottheit selbst. Und dieselbe Kreatur hat alle Teufel im Reich dieser Welt gefangen. Und alle Menschen, die sich mit ihrem Gemüt diesem Christus nähern und ihn mit wahrem Ernst begehren, die werden durch den Geist des Vaters von der klaren reinen Gottheit in diese Menschheit Christi als das reine Element vor die Heilige Dreiheit (Trinität) gezogen.

23.21. Und wenn sie beständig bleiben und nicht wieder von Gott abgehen und in die Sucht des Teufels fallen, dann wird die edle Perle in ihre Seele gesät, nämlich das Licht Gottes (das göttliche Bewußtsein). Das zieht den edlen Leib von Jesus Christus mit dem Paradies und Himmelreich an sich, und so wächst an der Seele der wahre neue Christus-Mensch in der himmlischen Jungfrau der Weisheit Gottes in der Heiligen Dreifaltigkeit im Himmelreich. Und so ist ein solcher Mensch nach diesem neuen Menschen im Leib von Jesus Christus im Himmel, und nach dem alten irdischen Menschen, der dem heiligen noch anhängt, im Sündenhaus in dieser Welt. Dann treibt die Gottheit den neuen Menschen, und der Geist dieser Welt treibt den alten, bis er diesen im Tod ablegt. Denn er ist ein Mensch, der im Himmel geboren wurde, in der Barmherzigkeit Gottes und im Leib von Jesus Christus. (Er ist mit dem inneren Seelen-Menschen in der neuen Geburt im Himmel der Ewigkeit, und mit dem äußeren sterblichen Menschen in der Eitelkeit der Zeit, darin das Sünden-Joch noch lebt.)

23.22. Noch höher betrachtet: Siehe, wie die Thron- und Fürstenengel im Anfang durch die Weisheit Gottes erblickt wurden. Dieser Blick hat das Schöpfungswort eingefangen, um im Thronengel die unzählbare Vielheit zu erschaffen, alles nach der ewigen Weisheit in den Wundern Gottes. All das wurde im Schöpfungswort Gottes nach allen Essenzen des ewigen Samens Gottes so geschaffen, daß in jedem Thron alle Engel ihren Willen in den Thron- und Fürstenengel ergeben, wie solches beim Fall Luzifers genug zu erkennen ist, aber auch an den Regionen der königlichen Regimente dieser Welt erkannt werden könnte, wenn nicht der Teufel die rechte Einigung so verwüstet hätte, wie nun gar kläglich zu sehen ist.

23.23. Oh edles hochteures Gemüt, verstehe uns doch: So besteht auch diese zweite hochteure Schöpfung im Schöpfungswort. Denn als Gott unseren kläglichen Fall sah und erkannte, erblickte er sich durch seine heilige ewige Jungfrau seiner Weisheit in den ewigen Wundern in der Barmherzigkeit, die aus seinem Herzen immer geboren wird, und erfaßte mit seinem Blick den Thron, erblickte sich dann in diesem Thron vieltausendmaltausendfach ohne Zahl und setzte dahinein seinen Bund mit seinem Eid, nämlich mit seiner teuren Verheißung vom Weibes-Samen.

23.24. So vernimm es, mein hochteures Gemüt: Derselbe Thron war in der Zeit, als die Zeit (-Spanne) seines Bundes eröffnet wurde, ein höchster Fürstenengel in der Barmherzigkeit Gottes, im heiligen reinen Element in der heiligen Dreifaltigkeit geworden (das heißt, in der heiligen Erde, in der die Gottheit substantiell erkannt wird). So ist die vollkommene Barmherzigkeit Gottes, die unermeßlich und überall in der Heiligen Dreifaltigkeit ist, die den Himmel und diese Welt hält und auch entsprechend groß im heiligen Element besteht, ein Mensch geworden, das heißt, ein substantielles Gleichnis des Geistes der Heiligen Dreiheit, in dem die Heilige Dreiheit in ganzer Fülle wohnt. (Kol. 2.9) Und in diesem großen Thron- und Fürstenengel besteht seit Ewigkeit der anfängliche Blick in die unendliche Vielheit aus allen Essenzen im Samen des Vaters, und wurde während der Verheißung im Schöpfungswort auf rechte Weise erblickt.

23.25. So stehen auch jetzt noch bis heute alle Dinge im Schaffen, und die Schöpfung hat kein Ende bis zum Gericht Gottes. Dann wird alles, was im heiligen Baum gewachsen ist, von den unheiligen Disteln und Dornen geschieden werden. So sind wir Menschen diese unzählbaren Blicke im Schöpfungswort des großen fürstlichen Thrones. Und die wir heilig sind, werden im Leib dieses Fürsten in Gott geschaffen, die wir aber verderben, werden ausgeworfen wie faule Äpfel für die Säue des Teufels.

23.26. So wurden wir in Jesus Christus vorgesehen, noch bevor der Welt Grund gelegt worden war, so daß wir seine Engel und Diener in seinem hochfürstlichen Thron im Leib seines Elements sein sollen, in welchem sein Geist als die Heilige Dreiheit wohnen will.

23.27. Dies wollte ich dir am Reich dieser Welt klar beweisen, ja in allen Dingen. Du solltest nichts mehr nennen können, mit dem dies nicht zu beweisen wäre, wenn es uns Gott erlauben würde. Weil es aber zu viel Raum bedarf, will ich noch ein eigenes Buch darüber schreiben, wenn es der Herr zuläßt.

23.28. Darum, meine liebe Seele, sei lebendig und siehe, was dir dein edler Bräutigam zuletzt in seinen Testamenten gelassen hat, nämlich das Wasser seines Bundes aus seinem heiligen Leib des Ursprungs in der Taufe, damit wir in dieser Welt die vier Wesen von Feuer, Luft, Wasser und Erde, in denen unser irdischer Leib steht, als die Ausgeburt seines Leibes erkennen.

23.29. Denn auch im himmlischen Leib stehen solche vier Wesen: Das Feuer ist die Anzündung der göttlichen Begierde. Das Wasser ist dasjenige, was das Feuer begehrt und davon das Feuer sanft und ein Licht wird. Die Luft ist der freudenreiche Geist, der das Feuer anfacht und im Wasser die Beweglichkeit macht. Und die Erde ist das wirkliche Wesen, was in den dreien geboren wird, und heißt zurecht Heilige Dreifaltigkeit (Ternarius Sanctus). Denn darin wird die Tinktur im Licht der Sanftmut (bzw. Güte) geboren, und darin wird aus dem Wasser auch das heilige Blut wie ein (Lampen-) Öl des Wassers geboren, in dem das Licht scheint und der Geist des Lebens steht.

23.30. Darin erkenne das Wasser des ewigen Lebens im Samen Gottes in der Heiligen Dreifaltigkeit, und das ist das Wasser, das die Seele tauft, wenn wir den Gebrauch seines Testaments bewahren. Denn die Seele wird in Christi Bund in dieses Wasser eingetaucht und gewaschen, und das ist ein wirkliches Bad der Wiedergeburt. Denn sie wird mit dem Eintauchen in das heilige Wasser vom heiligen Wasser empfangen und erquickt und kommt in den Bund Christi, in die Seele Christi, zwar nicht hinein, sondern in seinen Leib und wird Christi Seelenbruder. Christi Seele ist eine Kreatur wie unsere Seele, die im Leib der Barmherzigkeit in der Heiligen Dreiheit von Christi Seele umgeben wird und diese in sich zu einer Speise und Stärke bekommt. So sind auch unsere Seelen im Bund, wenn sie treu und in Gott bleiben, die Seelenbrüder von Christus.

23.31. Denn unsere Seele hat Christus wie ein Pfand von uns Menschen in Maria angenommen. Und dessen erfreuen wir uns in Ewigkeit, daß Christi Seele unser Bruder und Christi Leib unser Leib im neuen Menschen ist.

23.32. Sollte ich mich nicht freuen, daß meine Seele in Christi Leib ist, Christi Seele mein Bruder ist, und die Heilige Dreiheit meiner Seele Speise und Kraft ist? Wer will mich richten, fangen oder verderben, wenn ich in meinem wahren Menschen in Gott bin, unsterblich in meinem neuen Menschen? Warum zögere ich noch so viel im irdischen Menschen, welcher der Erde gehört?! Ein jedes nehme das Seine, dann wird meine Seele den Treiber los.

23.33. Was soll ich noch dazu sagen? Muß ich nicht in diesem Leib, den ich hier in der Irdischkeit trage, durch den neuen Menschen Gottes Wunder eröffnen, damit seine Wunder offenbar werden? Dabei rede ich nicht allein von mir, sondern von allen Menschen, gute und böse. Es muß ein jeder in seinem Reich, in dem er steht, die großen Wunder eröffnen, sei es in der Liebe oder im Zorn. Und nach dem Zerbrechen der Welt wird alles in der Bildung stehen, denn diese Welt steht jetzt in der Schöpfung aus dem Samen und gleicht einem Acker, der Frucht trägt.

23.34. So wollen wir alle unser Tagewerk in Seinem Acker hervorbringen und vollenden, und zur Ernte wird ein jeder in seiner Arbeit stehen und sein Gewächs genießen, das er gesät hat. Darum soll meine Hand nicht faul sein, zu graben. Das sagen wir ohne Scherz, hochteuer in den Wundern Gottes erkannt, im Rat der edlen Jungfrau.

Vom Gebrauch der hochwürdigen Testamente von Jesus Christus, dem Sohn Gottes

23.35. Christus hat den Brauch der Taufe mit Johannes begonnen, der sein Vorläufer war, denn Johannes wurde vor Christus in dieser Welt geboren. Was bedeutet das? Öffne die Augen! Gleichwie im Ursprung das Wasser eine Ursache und ein Anfang des Lebens ist, und durch die Tinktur im Wasser zuerst der Schwefel (die Kristallisation bzw. Verkörperung) geboren wird, in dem das Leben wächst, so gebiert die Tinktur wieder den Schwefel und das Wasser, in dem danach das Blut in der Tinktur wird. Wie nun des Lebens Anfang ist, so müßte dann auch die Ordnung in der Wiedergeburt sein, so daß die arme Seele zuerst das Wasser des ewigen Lebens empfinge und darin eingetaucht würde. Dann gibt ihr Gott das Senfkorn der Perle, und wenn sie diese annimmt, dann wird daraus ein neues Gewächs in Gott.

23.36. Darum hat er seinen Engel vor ihm hergesandt, damit er mit dem Wasser des ewigen Lebens taufe. Denn so kann der ewige Leib, in den die Seele eingehen sollte, in seiner Tinktur und seinem Blut wieder neugeboren und in den Leib Christi gesetzt werden. Dazu müßte man noch viel schreiben, aber ich will es kurz machen und in einem anderen Buch erklären. So will ich jetzt gleich nach dem Wesen des Brauchs greifen, der für den Einfältigen fast unbegreiflich ist. Deshalb wollen wir kindlich mit ihm umgehen, damit er sehend werde und die Perle finden kann. Denn nicht alle werden finden, was wir in Gottes Liebe gefunden haben, auch wenn wir es wohl gern allen gönnten. Denn ein Großes liegt dazwischen, nämlich das angeschwollene Reich dieser Welt mit dem Teufel, der sich wie ein bissiger Hund wehren wird. Doch weil ihn der Geruch der Lilie ohnmächtig macht, so wollen mir jetzt kindlich reden.

23.37. Der Diener im brüderlichen und christlichen Amt des Bundes und Testaments Christi nimmt Wasser und gießt es in seinem Bund und Testament auf Befehl Christi dem Täufling auf das Haupt, im Namen des Bundes und im Namen der heiligen Dreifaltigkeit, des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes. Das ist nun Christi Gebot gewesen, und er hat damit seinen Bund mit uns aufgerichtet. Und das ist ein Testament, welches er danach mit seinem Tod bestätigte. Das sollen wir tun und nicht lassen. Es steht also nicht in der Willkür der Christen, es zu tun oder zu lassen, sondern wenn sie Christen sein wollen, dann sollen sie es tun, oder sie verachten sein Testament und wollen nicht zu ihm kommen.

23.38. Denn der Testator steht im Bund und spricht: „Komm!“ Und wer nicht kommen will, der geht nicht zu ihm ein. Darum liegt es nicht an unserer hohen Erkenntnis und Wissenschaft, denn er steht zu seinem Bund. So ist ihm das neugeborene Kind genauso lieb, wie der alte sündige Mensch, welcher umkehrt und in seinen Bund tritt. Denn es lag nicht an uns (und unserem Verdienst), daß er Mensch wurde und uns in seine Liebe nahm, sondern an seiner Liebe in seiner Barmherzigkeit. Wir wußten nichts von ihm oder ob uns geraten werden könnte, allein er erwählte uns und kam aus Gnade zu uns in unsere Menschheit und nahm sich unser an. So war doch sein Bund der Verheißung ein Liebesbund aus Gnade und nicht aus unserem Vorwissen und Verdienst. Darum, wer anders lehrt, der ist in Babel und verwirrt den Bund Christi.

23.39. Denn Christus sprach auch: „Laßt die Kindlein zu mir kommen, denn ihnen ist das Reich Gottes. (Matth. 19.14)« Deshalb sprich nicht: „Was soll einem Kind die Taufe? Es versteht doch noch nichts!“ Es liegt nicht an unserem Verstand, denn wir sind allzumal unverständig am Reich Gottes. Wenn das Kind, dein Zweiglein, in deinem Baum gewachsen ist und du im Bund stehst, warum bringst du nicht auch dein Zweiglein in den Bund? Dein Glaube ist sein Glaube, und deine Zuversicht im Bund zu Gott ist seine Zuversicht. Es sind ja deine Essenzen, die von deiner Seele geboren wurden. Und du sollst teuer wissen (wenn du ein rechter Christ im Bund von Jesus Christus bist), daß auch dein Kind in der Anzündung seines Lebens in den Bund Christi tritt, und sogar, wenn es im Mutterleibe stürbe, im Bund Christi befunden wird. Denn die Gottheit steht im Zentrum des Lebenslichtes, und wenn nun der Baum im Bund steht, dann natürlich auch seine Zweige.

23.40. Darum sollst du die Taufe nicht unterlassen. Denn wenn das Kind in die Welt geboren wird, dann wird es von seinem Baum abgetrennt und ist in dieser Welt. Hier soll es nun selber in den Bund treten, und du sollst es mit deinem Glauben hineinstellen und mit deinem Gebet Gott in seinen Bund geben. Dazu bedarf es keiner Pracht, mit welcher der Bund verunehrt wird. Und das meine ich ernst.

23.41. Denn es gibt drei Zeugen zu diesem Bund: Einer heißt Gott Vater, der andere Gott Sohn, und der dritte Gott Heiliger Geist. Sie sind die Werkmeister, die das Amt betreiben und taufen. Wenn du nun wie eine unflätige Spiegelhure so prächtig daherkommst und die arme Seele zum Bund Christi bringst, nur dastehst und prangst, aber nichts von der Taufe verstehst und wohl nicht einmal ein Vaterunser zu Gott bringst, was meinst du, wie du vor diesem Bund und der Heiligen Dreifaltigkeit stehst? Wie eine Sau vor dem Spiegel!

23.42. Oder soll ich schweigen? Ich muß es sagen, denn ich sehe es. Nun tue, was du willst! Es ist wohl wahr, du trägst eine neugewaschene Seele von der Taufe, aber dann bist du wie eine Sau, die sich im Reich aller Teufel suhlt. Denn das Bad der Wiedergeburt liegt nicht an dir (und deinem Verdienst), es liegt am Bund Christi, auch wenn du ein Tier bist und fern von Gottes Reich.

23.43. Aber das sage ich nach meiner Erkenntnis und nicht auf Befehl: Wenn die Eltern zu den Gottlosen gehören, vielleicht sogar im Reich des Teufels sind, und so aus ihren falschen (illusorischen) Essenzen ihre Frucht gezeugt haben, und wenn in ihnen kein wahrer Glaube ist, sondern nur eine falsche Scheinheuchelei, so daß sie als Christen nur zum Spott geachtet werden können, wie sich auch der Teufel oft in Gestalt des Lichtengels verstellt, und wenn sie dann wie solche geschmückten falschen Engel auch ihre Kinder vor den Bund Christi schicken, das ist wohl sehr gefährlich, was sich dann auch bald im Wachstum des Baumes erweist. Zwar bleibt der Bund, aber er muß ernsthaft sein, um dem Teufel zu entfliehen. So kann wohl auch manches Kind im Zorn Gottes getauft werden, weil man den Bund nur verachtet und manchmal sogar heillose trunkene Pfaffen amtieren, die wohl auch bis über den Kopf im höllischen Feuer stehen.

23.44. Darum steht der Gnadenbund wohl auch zum Zeugnis über den Haufen der Gottlosen, aber das, was sie sehen und wissen, doch nicht ernsthaft tun, das wird sie richten.

23.45. Da spricht nun der Verstand: „Wie geschieht denn die Taufe? Ich sehe doch nur Wasser und höre Worte?“ Höre, lieber Verstand, dein äußerer Leib ist nur in dieser Welt, und darum muß ein äußerliches Wasser dazu dienen. Aber gleichwie der verborgene Christus-Mensch mit seinem reinen Element die Ausgeburt dieser Welt trägt (als die vier Elemente, in denen unser Leib steht) und alles sein ist, so trägt Christus auch das äußere Wasser und tauft mit dem inneren Wasser seines heiligen Elements, nämlich mit dem Wasser des ewigen Lebens aus seinem heiligen Leib. Denn der Heilige Geist im Bund tauft mit dem inneren Wasser, und der Diener tauft mit dem äußeren. So empfängt der äußere Mensch das irdische elementische Wasser, und die Seele empfängt das Wasser des Bades zur Wiedergeburt.

23.46. Und so wird die (kindliche) Seele im heiligen Wasser gewaschen, und das Wort steht für sie und sie steht im Bund. Dann kann sie nach der Perle greifen. Auch wenn sie hinter sich am Reich dieser Welt angebunden steht, so steht sie doch im Bund. Und wenn sie so im rechten Glauben der Eltern, Priester und Beistehenden im Bad der Wiedergeburt gewaschen wurde und in den Bund getreten ist, dann kann sie der Teufel nicht berühren, bis sie erkennt, was böse und gut ist, und ihr freier Wille in diese (weltlichen Gegensätze) eingeht.

23.47. Wenn sie nun in die Bosheit dieser Welt eingeht und sich vom Teufel ziehen läßt, dann geht sie aus dem Bund heraus und verläßt Gott und Himmelreich. Da steht dann die edle Jungfrau Gottes im Zentrum des Lebenslichtes, die sich nach Beginn des Lebens alsobald ins Zentrum des Lebenslichtes begeben hat, der Seele zu einem Geleitsmann und zu einem lieben Buhlen, und sie warnt die Seele vor widergöttlichen Wegen, daß sie umkehren soll und wieder in den Bund eintreten. Wenn das nicht geschieht und sie im Reich des Teufels bleibt, dann bleibt die Jungfrau (der Weisheit) im Zentrum des heiligen Paradieses stehen und ist eine Jungfrau für sich, denn die Seele hat sich betrübt. Also sind sie geschieden, bis die Seele in wahrer Reue und Buße wieder zu ihr kommt. Dann wird sie von ihrer Jungfrau mit großen Ehren und Freuden angenommen.

23.48. Darum hat Christus zwei Testamente gemacht, eines im Wasser des ewigen Lebens, und das andere in seinem wahren Leib und Blut, damit, wenn die arme Seele vom Teufel jemals wieder besudelt würde, sie dann im zweiten wieder in Christi Leib eingehen kann. Denn wenn sie mit Reue über ihre begangene Sünde umkehrt und ihr Vertrauen wieder in die Barmherzigkeit Gottes setzt, dann tritt sie wieder in den ersten Bund. Dahin kommt sie mit dem zweiten Testament und kann sich Gott nahen, dann wird sie mit Freuden wieder angenommen, wie Christus spricht, daß mehr Freude im Himmel über einen armen Sünder ist, der Buße tut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

23.49. Aber der Verstand sagt: „Ich sehe nur Brot und Wein, und Christus gab seinen Jüngern auch nur Brot und Wein.“ Antwort:

23.50. Wie die Taufe im Äußeren ein Wasser ist, so ist sie auch im Inneren ein Wasser, nämlich das Wasser des ewigen Lebens, und die Heilige Dreifaltigkeit tauft. So war es am Jordan zu sehen, daß drei Personen erschienen, der Sohn Gottes im Wasser, der Vater in der Stimme des Wortes, und der Heilige Geist über dem Wasser auf dem Haupt Christi schwebend. Und alle drei Personen tauften in der Gottheit diesen Menschen Christus. (Matth. 3.15)

23.51. So ist es auch im Abendmahl: Das Äußere ist Brot und Wein, wie auch dein äußerer Mensch irdisch ist, und das Innere in seinem Testament ist sein (Christi) Leib und Blut, das dein innerer Mensch empfängt. Verstehe es recht: Die Seele empfängt die Gottheit, denn sie ist Geist, und dein neuer Mensch empfängt den wahrhaftigen Leib und das Blut von Christus, nicht als einen Gedanken im Glauben (wiewohl der Glaube auch dasein muß), sondern im Wesen, dem äußeren Menschen unfaßbar.

23.52. Dabei verwandelt sich das Heilige nicht in das Äußere, so daß du vom Brot, das du mit dem äußeren Munde ißt, wie auch vom Wein, den du mit dem äußeren Mund trinkst, sagen könntest, dieses Äußere sei Christi Fleisch und Blut. Nein, sondern es ist ein Kasten, obwohl es doch der Kasten nicht fassen noch einsperren kann, wie auch diese Welt den Leib Christi im heiligen Element, oder wie der äußere Leib an uns nicht den inneren neuen von der Seele erfassen kann. Auch das lehrt dich das erste (bzw. letzte) Abendmahl Christi, als Christus bei seinen Jüngern am Tisch saß und ihnen seinen heiligen und verborgenen Leib und sein Blut als Brot und Wein auf seine eigene Art zu essen und zu trinken gab.

23.53. Denn du kannst nicht sagen, wenn du das gesegnete Brot angreifst: „Hier halte ich den Leib Christi in meinen Händen, und ich kann ihn betasten.“ Nein, mein Geselle, das Äußere ist irdisches Brot aus den äußeren Elementen, und Christi Leib ist das Unbegreifliche im heiligen Element, der dir in diesem reinen Bund und Testament unter dem äußeren Brot dargereicht wird, und den dein neuer Mensch empfängt, während der alte Mensch das Brot empfängt. Und so ist es auch mit dem Wein.

23.54. Mache mir mit Christi Leib und Blut keine Trennung oder Abwesenheit, denn die Seele sollte nicht weit danach laufen. So ist in diesem Testament auch der Leib Christi in seinem Blut keine Speise für die Seele, sondern die reine Gottheit ist Seelenspeise, und der Leib Christi ist die Speise für den neuen Menschen (den die Seele aus dem Leib von Jesus Christus angezogen hat). Der Leib und das Blut von Jesus Christus speist den neuen Menschen, und wenn der neue Mensch im Leib Christi treu bleibt, dann wird ihm die edle Perle des göttlichen Lichtes gegeben, so daß er die edle Jungfrau der Weisheit Gottes sehen kann, und die Jungfrau nimmt die Perle in ihren Schoß, geht nun stets mit der Seele im neuen Leib und warnt die Seele vor allen falschen Wegen. Was das aber für eine Perle sei, dazu wünschte ich, daß sie alle Menschen kennen würden. Doch wie sie (heutzutage) erkannt wird, das ist leider vor Augen. Denn sie ist (eigentlich) schöner als der Sonne Glanz und wertvoller als die ganze Welt. Aber so hell sie auch ist, so heimlich (verborgen) ist sie auch.

23.55. Nun fragt der Verstand: „Was empfängt dann der Gottlose, der nicht wiedergeboren ist?“ Antwort: Höre, mein Verstand, was St. Paulus sagt: »Darum, daß er nicht den Leib Christi unterscheidet, empfängt er es zum Gericht. (1.Kor. 11.29)« Wie auch der Herr durch den Propheten sprach: »Mit ihren Lippen nahen sie sich mir, aber ihr Herz ist fern von mir. (Jes. 29.13)« Und wie vorn erklärt wurde: Wer von Gott abgeht, der geht in seinen Zorn ein.

23.56. Wie willst du den heiligen Leib Christi in der Liebe empfangen, wenn du ein Teufel bist? War doch der Teufel auch ein Engel gewesen. Warum ging er aus Gott heraus (in die grimmige Matrix)? Wenn nur dein alter Mensch im Zorn an deiner Seele ist und kein neuer, dann empfängt deine Seele den Zorn Gottes, und dein alter Mensch das Brot und den Wein der Elemente. Man wirft ja die edle Perle nicht vor die Säue. Zwar steht das Testament da und der Testator lädt dich dazu ein, aber du spottest seiner. Er wollte dir gern helfen, aber du willst nicht.

23.57. Ich sage damit nicht, daß du im Brot und Wein Gottes Zorn empfängst, sondern in deiner falschen Zuversicht. Du bist mit Leib und Seele im Zorn und willst nicht herausgehen. Was gehst du dann so oft zum göttlichen Bund (als Ritual), wenn du vom Teufel gefangen bist? Meinst du, Gott werde deine Heuchelei schmücken und seine Perle daran hängen, wenn du ein Wolf bist und mit den Hunden heulst? Wenn auch dein Mund betet, aber deine Seele ist ein Schalk.

23.58. Wenn sie vom Testament Christi kommt, dann geht sie wieder in den Raubstall und wird ein Mörder. Sie heult mit den Hunden und ist eine meineidige Hure. Wenn sie vom Bund kommt, dann geht sie in die Hurenwinkel und Diebswinkel. Hier steht man dann, gibt große Heiligkeit vor und spricht: „Ach, heute ist mir ein heiliger Tag, da kann ich nicht sündigen!“ Und denkt doch, morgen oder übermorgen willst du wieder hingehen (zum heiligen Testament).

23.59. Oh du Schalk, bleib nur von Christi Testament fern, wenn du keinen anderen Menschen dazu mitbringst! Du bist nur ein Mörder und ärgerst deinen Nächsten, solange du auf solchem Weg bist. Dein Gebet ist falsch, denn es kommt nicht vom Grund deines Herzens. Dein Herz begehrt nur die Wollust dieser Welt, und dein Gebet nimmt der Treiber auf, der dein Gott ist. Darum bedenke, was du tust!

23.60. Oh Babel, wir hätten viel mit dir zu reden, aber nicht hier. Es wird bald mit dir im Zorn geredet werden, so daß die Elemente erzittern. Gehe aus (von Babel), denn es ist Zeit, daß sich der Zorn lege.


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