Die drei Prinzipien Göttlichen Wesens

(Text von Jacob Böhme von 1619, deutsche Überarbeitung 2021)

17. Kapitel - Der Sündenfall von Adam und Eva

Vom schrecklichen, kläglichen und elenden Fall von Adam und Eva im Paradies, dem Menschen zum Spiegel.

17.1. Wenn mir in meinem Gemüt nicht die Tore der Tiefe eröffnet worden wären, so daß ich nun sehen kann, was die Widerwärtigkeit gegen Gottes Reich ist, dann vermeinte ich wohl auch, es würde nur um einen Ungehorsam und einen Apfelbiß gehen, wie es der Text von Moses darstellt, obwohl Moses gar wahrhaft schreibt.

17.2. Denn es ging wirklich um das irdische Essen und Trinken, durch die der paradiesische Mensch vom Geist dieser Welt gefangen wurde, der nun mit allen Menschen inqualiert. So bezeugt es auch die Heilige Schrift und die Vernunft, daß der Mensch im elementischen Reich dieser Welt nicht daheim ist. Denn Christus spricht: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt. (Joh. 18.36)« Und zu seinen Aposteln spricht er: »Ich habe euch von dieser Welt berufen. (Joh. 15.19)« Oder auch: »Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben. (1.Kor. 15.50)«

17.3. So sehen wir auch, daß das Reich dieser Welt vom Menschen abstirbt und zerbricht. Wenn nun Adam das Bildnis vom Reich Gottes getragen hat, das ewig und unzerbrechlich war und im Paradies stand, dann gibt es keinen Grund zu sagen, daß er das Bildnis des Reichs dieser Welt getragen habe, denn diese Welt ist vergänglich und zerbrechlich, aber das Bildnis in Adam war unvergänglich und unzerbrechlich.

17.4. Auch wenn wir sagen wollten, Adam hätte vor seinem Fall bereits im Quell der vier Elemente gelebt, so ist es doch unhaltbar, daß Adam ein zerbrechliches Bildnis gewesen sei, denn die vier Elemente müssen am Ende vergehen und in das eine Element eingehen.

17.5. Dann wäre er ja auch der Quelle unterworfen gewesen, denn es hätten Hitze und Kälte über ihn geherrscht. Aber bei Moses lesen wir, wie Gott erst nach dem Fall durch den Geist oder Engel des Rats dieser Welt Kleider aus Fellen gemacht hat und ihnen diese anzog, wie solches die Decke von Moses zudeckt, so daß man ihm nicht ins Angesicht sieht, und auch bei Israel zu sehen ist. Und wenn er nur aus Erde und den Elementen gewesen wäre, dann hätte er auch im Feuer verbrennen können, im Wasser ertrinken, in der Luft ersticken, oder Holz und Steine hätten ihn zerbrechen können. Aber es steht geschrieben, daß er am Tag der Wiederbringung durch das Feuer gehen soll, um als bewährt befunden zu werden, was ihn nicht behindern wird.

17.6. Denn dann wird ja kein anderer Mensch auferstehen als der, den Gott im Anfang erschuf. Denn er ist aus dem ewigen Willen nach seiner Seele geschaffen, die ihm eingeblasen wurde. Und sein Leib ist aus dem ewigen Element geschaffen, das im Paradies war und ist. Aber die vier Ausgänge der vier Elemente aus dem Element sind diese Welt, und darin war Adam nicht geschaffen.

17.7. Der Text sagt in 1.Mose 2.8., er sei im Paradies in Hebron geschaffen worden, das heißt, in den Toren der Tiefe zwischen der Gottheit und dem Abgrund des Höllenreichs. Sein Leib war aus dem Element, und sein Geist wurde ihm aus dem ewigen Gemüt Gottes des Vaters von der züchtigen Jungfrau der göttlichen Weisheit und Liebe eingeblasen.

17.8. Denn das Element ist ohne Verstand und ist das Angezogene in Gottes Willen, darin sich die ewige Weisheit Gottes im Unendlichen erblickt, und darin gehen Farbe, Kunst und Tugend sowie die ewigen Wunder auf, aus denen im Anfang in der Anzündung des Feuers im Grimm die vier Element entstanden sind.

17.9. Denn das ist auch ersichtlich und faßbar an der Erde und den Steinen, daß die vier Elemente in einem gewesen sind, und daß die Erde und Steine im Grimm der Anzündung des Elements geboren worden sind. Dann ist ein Stein auch nur Wasser, und so ist zu ersinnen, wie ein Grimm gewesen sein mußte, der das Wasser so hart zusammengezogen hat.

17.10. Dazu sieht man hier den Ausgang der vier Elemente im Grimm des Feuers, wie alsbald die starke Luft aus dem Feuer ausgeht, und der Stein oder auch das Holz ist nichts als ein Schwefel (eine Kristallisation) des Wassers und der Erde. Und wenn die Tinktur vom Grimm verzehrt wird, dann wird es zu Asche und schließlich zu einem Nichts. Wie dann am Ende auch diese Welt mit den vier Elementen zu einem Nichts werden wird, und nur ihre Schatten und Bilder im ewigen Element im Wunder Gottes bleiben. Wie wolltest du nun denken, daß Gott den ewigen Menschen aus den vier Ausgängen (der vier Elemente) geschaffen habe, die doch zerbrechlich (und vergänglich) sind?

17.11. Zwar müssen wir sagen, daß Eva zu diesem zerbrechlichen Leben geschaffen worden ist, denn sie ist die Frau (bzw. Weiblichkeit) dieser Welt. Es konnte auch damals nicht anders sein, denn der Geist dieser Welt mit seiner Tinktur hatte Adam überwunden und besessen, so daß er in den Schlaf niederfiel und nicht das jungfräuliche Bild aus sich gebären konnte, obwohl er doch die edle und züchtige Jungfrau der Weisheit Gottes erblickt hatte, welche ihm aus dem himmlischen Limbus (Samen) vermählt war, der die Matrix (Gebärmutter) in ihm war. Deshalb wurde ihm nach seiner Überwältigung die elementische Frau zugesellt, nämlich Eva, die durch die Überwältigung vom Geist dieser Welt nach der Gestaltung der Tiere aus Adam gestaltet wurde.

17.12. Damit wir aber den Leser in einer kurzen Summe recht erklären, was unsere hochsinnige Erkenntnis ist, die im Licht der Natur hoch ergriffen wurde, so sagen wir nach unserer Erkenntnis: Adam ist nach dem Gleichnis Gottes das (überbildliche) Bild Gottes gewesen, das Gott als Heilige Dreifaltigkeit in einem göttlichen Wesen durch die Jungfrau seiner ewigen Weisheit in der Weisheit im ewigen Element erblickt hatte, um ihn an der Stelle des gefallenen Teufels zu haben. Denn sein Rat im ewigen Willen mußte bestehen: Es sollte und mußte eine Thron- und Fürstenregion in diesem Reich sein, um die ewigen Wunder zu offenbaren.

17.13. So schuf nun Gott das Bildnis und Gleichnis aus dem ewigen Element, in dem die ewigen Wunder zu erkunden sind, und blies ihm den Geist der Essenzen ein, aus seinem ewigen ursprünglichsten Willen und aus den zersprengten Toren der Tiefe, wo das Rad der Bewegung und Durchbrechung im ewigen Gemüt steht, das die klare, wahre und reine Gottheit des Herzens Gottes erreicht.

17.14. Es ist nicht das Herz Gottes, sondern es reicht bis in das Herz Gottes und empfängt Kraft, Licht und Wonne vom Herzen und Licht Gottes, denn es ist im ewigen Willen des Vaters, aus dem er sein Herz und Wort seit Ewigkeit immerfort gebiert. Und seine Essenzen, die ihm ins Element seines Leibes als Vernunft im ewigen Wunder Gottes eingeblasen wurden, waren das Paradies wegen der hochtriumphierenden Freude des Anblicks aus dem Herzen und Licht Gottes. Seine Speise und Trank waren paradiesisch aus dem Element in seinem Willen, und damit zog er die Kraft der ewigen Wunder Gottes in sich und gebar den Schall, Ton oder ewigen Lobgesang von den ewigen Wundern Gottes aus sich vor dem Willen. Das stand alles vor der züchtigen, hochedlen und seligen Jungfrau der Weisheit Gottes im Liebespiel und war das wahre Paradies.

17.15. Was aber dieses nun sei, kann meine Feder nicht schreiben, und mich verlangt es viel mehr danach, es in Vollkommenheit zu erreichen und darin zu leben, welches wir hier im Licht der Natur in den Toren der Tiefe erkennen und schauen. Doch unser dreifaches Gemüt kann sich nicht dahinein erheben, bis das rauhe Kleid ausgezogen wird, und dann wollen wir es schauen, ohne zu wanken.

17.16. Weil aber die vier Elemente nunmehr aus dem einen Element ausgingen und mit der Quintessenz der Sterne und dem Herz der Essenzen als Sonne das dritte Prinzip hervorbrachten, in dem auch die großen Wunder standen, aber keine Kreatur gefunden wurde, die sie offenbaren konnte, als nur allein das Bild und Gleichnis Gottes, nämlich der Mensch, der die züchtige Jungfrau der Weisheit Gottes in sich hatte, so drang der Geist dieser Welt so hart auf das Bildnis nach der Jungfrau ein, um hiermit seine Wunder zu offenbaren, und besaß den Menschen, davon er erst seinen Namen „Mensch“ bekam, als eine vermischte Person.

17.17. Als aber die Weisheit Gottes sah, wie der Mensch vom Geist dieser Welt lüstern wurde, um sich mit den vier Elementen zu vermischen, da kam das Gebot und sprach: »Du sollst nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen!«

17.18. Nun ist ja die Erkenntnis des Guten und Bösen im Paradies und Himmelreich nicht offenbar, sondern nur im Ausgang aus dem Element im Grimm. Nur hier steht die Erkenntnis des Bösen offenbar. Nur hier sind die Essenzen entzündlich, und darin steckt der Tod, davon Gott sagte: »Wenn du davon ißt, dann wirst du des Todes sterben!«

17.19. Gott meinte damit den Leib, den er von der Infizierung mit den vier Elementen bekommen würde. Dieser müßte sterben, und so würde er auch bald in seinem zarten jungfräulichen Gemüt dem Paradies absterben und das Gemüt dieser Welt bekommen, in dem nur Stück- und Flickwerk, Krankheit und Verderben der Essenzen und schließlich der Tod stecken.

17.20. Daß aber die vier Elemente mit der Sonne und den Sternen so auf Adam eindringen und ihn infizieren konnten, das war die Ursache, daß er aus ihnen als ganzheitliches Element ausgezogen war und dann die Ursprünge aller drei Reiche in sich hatte, nämlich alle drei Prinzipien. Darum mußte er versucht werden, ob er im Paradies und Himmelreich bestehen konnte. Und dazu wurde ihm die himmlische und auch irdische Frucht vorgestellt.

17.21. Denn der Baum der Versuchung war irdisch, wie noch heute alle Bäume sind, und all die anderen waren paradiesisch, von denen Adam mit dem Mund die paradiesische Kraft essen konnte und keinen Magen oder Gedärme brauchte. Denn sie waren seinem Leib und dem Element gleich, aber der Baum der Versuchung war den vier Elementen gleich.

17.22. Daß aber Moses so hart darauf dringt und sagt »Gott schuf den Menschen aus dem Erdenkloß.«, das ist die Decke vor seinem Angesicht, damit ihm der irdische Mensch nicht ins Angesicht sehen soll. Freilich wurde er ein Erdenkloß und Erde, weil er die irdische Frucht aß, die ihm doch Gott verbot. Doch wäre Adam schon vor dem Fall irdisch aus Erde gewesen, dann hätte ihm Gott die irdische Frucht nicht verboten. Dazu, wenn er wirklich aus der Erde Element erschaffen gewesen wäre: Warum zog ihm dann das irdische Element nicht auch sein Kleid mit einer rauhen Haut an (wie bei Tieren)? Warum ließ es den Menschen so nackt und bloß? Und sogar, als es ihn besessen hatte, ließ es ihn immer noch nackt und bloß.

17.23. Moses redet hier von der Tafel Gottes, die mit den zehn Geboten beschrieben war, durch die man bis ins Paradies sehen konnte. Diese Decke hängte er vor sein Angesicht, wie auch bei Israel zu sehen ist, weil der Mensch irdisch geworden war. Und damit soll er das Irdische wieder ablegen, um dann mit Josua und Jesus ins gelobte Land des Paradieses zu gehen und nicht mit Moses in der Wüste dieser Welt bleiben, wo ihm die Decke dieser Welt vor dem Paradies hängt.

17.24. Man soll sich auch keinen Verstand einbilden lassen, daß Gott irgendein Tier aus einem Erdenkloß gemacht habe, wie der Töpfer einen Topf, sondern er sprach: »Es gehen allerlei Tiere hervor, ein jedes nach seiner Art!« Das heißt, aus allen Essenzen, ein jedes nach der Eigenschaft seiner Essenzen. Also wurde es auch durch das Schöpfungswort aus seiner eigenen Essenz gestaltet, wie auch alle Bäume, Kräuter und Gräslein, alles auf einmal zugleich. Wie könnte dann das Bild Gottes aus den vergänglichen Essenzen gemacht worden sein, zumal es im Paradies aus dem Ewigen erschaffen wurde?

17.25. Denn die Erde ist nicht ewig, und wegen dieser Vergänglichkeit muß der Leib des Menschen vergehen. Weil er das Vergängliche an sich gezogen hat, so ist ihm auch die paradiesische Weisheit, Lust und Freude entwichen. Und so ist er in den angezündeten Zorn der angezündeten vier Elemente gefallen, die mit dem ewigen Zorn im Abgrund nach ihrem Grimm inqualieren, obwohl die äußere Region von der Sonne besänftigt wird, so daß eine liebliche Wonne erscheint, wie vor Augen steht. Wenn aber die Sonne verginge, dann würdest du wohl Gottes Zorn sehen, fühlen und empfinden. Darüber denke nach!

17.26. So wird uns im Licht der Natur gezeigt: Als Adam solcherart vom Geist dieser Welt geschwängert wurde, baute Gott auf Erden im Paradies einen Garten Eden und ließ allerlei Früchte des Paradieses aufwachsen, lieblich anzusehen und gut zu essen, und den Baum der Versuchung mittendrin. Dieser hatte seine Essenzen vom Geist dieser Welt, und die anderen hatten paradiesische Essenzen.

17.27. Darin stand nun das Bild Gottes ganz frei. Er konnte alles ergreifen, was er wollte, nur vom Baum der Versuchung nicht, denn davor stand das Verbot. Hier ist er nun vierzig Tage in paradiesischer Weisheit, Freude und Wonne in diesem Garten gegangen, wo doch weder Tage noch Nächte für ihn waren, sondern nur die Ewigkeit. Er sah mit seinen Augen aus der göttlichen Kraft, und in ihm gab es kein Schließen seiner Augen. Er war nicht vom Licht der Sonne abhängig, obwohl ihm alles dienen und untertänig sein mußte. Die Ausgeburt der vier Elemente berührte ihn nicht. Es gab in ihm weder Schlaf noch Schmerzen oder Angst, und für ihn waren tausend Jahre wie ein Tag. Er war ein solches Bild, wie am Jüngsten Tag auferstehen wird. Denn kein anderes steht auf als das, was Gott im Anfang erschuf. Darüber denke nach!

17.28. Daß ich aber sage, der Mensch Adam sei vierzig Tage im Paradies gewesen, das zeigt mir die Versuchung Christi, des zweiten Adams, und die Versuchung Israels am Berg Sinai bei Moses auf dem Berg, welche alle beide vierzig Tage gewährt haben, was du bei Moses und der Versuchung Christi nachlesen kannst und die Wunder finden wirst.

17.29. Als aber Adam von der Lust infiziert wurde, von der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen, und ihn der Geist dieser Welt zusammen mit dem listigen Teufel im Geist dieser Welt drängte, der beharrlich auf Adam schoß, so daß Adam am Reich Gottes müde und blind wurde, da sprach Gott: »Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei (denn er wird doch die paradiesische Jungfrau nicht gebären, weil er vom Geist dieser Welt infiziert wurde und so die Keuschheit und Zucht verloren sind). Wir wollen ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei, mit der er sein Fürstentum erbauen und sich fortpflanzen kann. Es will doch nicht anders sein. Und er ließ einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so daß er einschlief. (1.Mose 2.18)«

17.30. Hier versteht man nun eigentlich, wie in Adam die Jungfrau in den Äther ihres Prinzips entwichen war, denn der Text sagt: »Gott ließ einen tiefen Schlaf auf Adam fallen.« Wo nun Schlaf ist, da ist die göttliche Kraft im Zentrum verborgen. Und wo sie im Geist grünt, da ist kein Schlaf. »Denn der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht (Psalm 121.4)«, so steht geschrieben.

17.31. Fragst du nun: Wie lange schlief Adam? Siehe die Ruhe Christi im Grab an, dann findest du den Zweck. Denn der zweite Adam muß mit seiner Auferstehung aus dem Grab den ersten Adam aus seinem ewigen Schlaf der höllischen Finsternis aus dem Grab dieser Welt wieder aufwecken.

17.32. So hat ihm Gott in seinem Schlaf die Frau aus ihm gemacht, durch die er sein Reich gebären sollte, denn es konnte nun nicht anders sein. Und als er aufwachte, sah er sie, nahm sie zu sich und sprach: »Das ist Fleisch von meinem Fleisch und Gebein von meinem Gebein.« So war Adam in seinem Schlaf ein anderes Bildnis geworden, denn Gott hatte den Geist dieser Welt in ihn gelassen, der seine Tinktur zum Schlafen müde machte.

17.33. Denn vor dem Schlaf lebte Adam in Engelsgestalt, aber nach dem Schlaf hatte er Fleisch und Blut, war ein Erdenkloß in seinem Fleisch und sah durch den dreifachen Geist. So empfing er mit seinen Augen das Licht der Sonne und kannte das erste Bildnis nicht mehr, obwohl die vier Elemente noch nicht auf ihn fielen und ihn bewegten, denn er war noch in der Unschuld.

17.34. Da wurde der Teufel geschäftig und ging in die Schlange ein, die er doch in seiner eigenen Gestaltung selber ist, und legte sich an den Baum und streute Zucker aus. Denn er sah wohl, daß Eva eine Frau und mit den vier Elementen infiziert war. Und obwohl sie sich etwas wehrte und Gottes Gebot vorwarf, ließ sie sich doch leicht überreden, als der Lügengeist sprach, daß die Frucht klug mache und ihre Augen aufgetan würden, damit sie wie Gott sein könne und vom Guten und Bösen wisse. Er sagte ihr aber nicht, daß sie sterben müßte, wenn sie davon äße. Sondern sie würde klug werden und schön sein, welche Sucht den Weibern immer noch im Hirn steckt, so daß sie gern das schönste Tier sein wollen.

17.35. Also riß sie einen Apfel ab, aß und gab auch ihrem Adam, der ebenfalls davon aß. Und das war ein Biß, mit dem sich der Himmel entfärbte und das Paradies erzitterte. Wie es dann auch wahrhaftig geschehen ist und im Tode Christi zu sehen war, als er in den Tod ging und mit der Hölle rang, so daß die Erde und Elemente erzitterten und die Sonne ihren Schein verlor, damit dieser Apfelbiß wieder geheilt werden konnte.

Die Pforte des großen Jammers und Elends der Menschen

17.36. Der Verstand steht vor der Decke von Moses und sieht nicht durch die beschriebene Tafel, die ihm Gott auf dem Berg Sinai gab. So kann er auch nicht die Decke vor seinen Augen aufheben und Moses ins Angesicht sehen, denn er hat ein verklärtes (erleuchtetes) Angesicht im Feuerschreck, vor dem der Verstand erzittert und sich fürchtet. Er spricht immerfort zu Moses: »Rede du mit dem Herrn, denn wir sind erschrocken und dazu ganz bloß und nackt. (2.Mose 20.19)«

17.37. Der Verstand sieht wohl Gottes Zorn und erzittert vor seinem Fall, aber weiß nicht, wie ihm geschehen ist. Er schiebt nur den Ungehorsam vor und macht aus Gott einen zornigen und boshaften Teufel, der nicht versöhnt werden könne. Obwohl er doch selber das Zornkleid in Adam und Eva an Leib und Seele angezogen hat und sich selber in das schreckliche Zornbad gegen Gottes Willen setzte. Aber Gott hatte so ein großes Erbarmen mit ihm, daß er sein eigenes Herz nicht verschonte, um es in die Tiefe des Zorns und der Hölle Abgrund zu senden, in den Tod und das Zerbrechen der vier Elemente im heiligen und ewigen Element, nur um dem gefallenen Menschen zu helfen und ihn aus Zorn und Tod zu erretten.

17.38. Obwohl die Decke vor dem Angesicht von Moses im Tod Christi aufgehoben wurde, haben nun an deren Stelle die Sterne mit den vier Elementen dem Menschen einen Dunst und Nebel durch das Infizieren des Teufels gemacht, so daß er Moses nicht in die Augen sieht (denn die Region dieser Welt hat den Antichristen geboren und vor Moses Angesicht in den Dunst gesetzt, als wäre er der Christus, damit Moses Angesicht nicht erreicht werden kann). Deshalb tut uns nun die Lilie not, welche durch die beschriebene Tafel von Moses grünen und mit ihrem starken Geruch erblühen wird, der ins Paradies Gottes dringt. Von dieser Kraft werden die Völker so kräftig und stark werden, daß sie den Antichristen verlassen und durch die Dunkelheit zu dem Duft der Blüte laufen, denn der Durchbrecher durch die Tore der Tiefe hat diese Lilie gepflanzt und in die Hände der edlen Jungfrau gegeben. Und diese wächst im Element als Wunder gegen den schrecklichen Ansturm der Hölle und des Reiches dieser Welt, wo dann viele Zweige zu Boden fallen, von denen der Antichrist verblendet und im Dunst und Nebel ganz toll und unsinnig wird und die vier Elemente im Grimm (gegen sich) erregt. Hier ist es nun den Kindern Gottes höchste Not, vom Schlaf des Dunstes aufzuwachen, denn das erkennt der Geist im Licht der Natur, ganz ohne Scherz.

17.39. So wollen wir vom Fall des Menschen nach unserer Erkenntnis eine Andeutung geben, was uns alles ganz offenbar und im Licht des Tages erscheint und überzeugt. Wir bedürfen deshalb der Narrheit des Antichristen nicht, der mit dem Blut und Tod Christi nur seinen Geiz, überheblichen Stolz und seine Wollust sucht und uns die Decke Moses vor die Augen zieht, damit wir nicht durch die beschriebene Tafel den Josua oder Jesus im gelobten Land des Paradieses sehen sollen, und damit er getrost auf seinem grausamen und gefräßigen Tier des Geizes und überheblichen Stolzes reiten kann, das so groß und stark geworden ist, daß es den Kreis der Erde überschattet und mit seinem Grimm so wunderlich über alle Berge und Täler herrscht. Doch der Duft der Lilie wird es ohne Hände zerbrechen, darüber sich die Völker dann wundern und sagen werden: „Wie stand deine schreckliche und große Macht auf so unordentlichem und unzuverlässigem Grund?“

17.40. Wenn wir nun den elenden Fall Adams und Eva betrachten, dann dürfen wir nicht lange dem tollen Antichristen nachlaufen, um von ihm Weisheit zu erforschen, denn er hat keine. Wir sehen uns nur selbst an und betrachten das himmlische und irdische Bild gegeneinander, dann sehen wir gleichzeitig den Zweck und den Grund. Dazu brauchen wir keinen Doktor, auch keine Fremdsprachen, denn es steht in uns selbst in Leib und Seele geschrieben. Doch wenn wir es sehen, dann erschreckt es uns so sehr, was Eva und Adam in ihrem Fall geschehen ist, daß wir davor erzittern.

17.41. Und wenn wir den Schlangentreter im Scheideziel in den Toren der Tiefe zwischen dieser Welt und dem Höllenreich nicht erblicken würden, dann sähen wir nichts als nur Not und Tod, was uns kaum vom Schlaf aufwecken kann.

17.42. Siehe dich nur an, du blindes Gemüt, und betrachte dich: Wo ist deine Engelsgestalt in dir? Warum bist du so zornig, grimmig und boshaft? Warum steigst du in deiner Bosheit noch in überheblichem Stolz, Macht und Pracht auf und glaubst, ein schönes Tier zu sein? Was tust du? Warum hast du den Geist dieser Welt in dich gelassen, der dich nach seinem Willen in Hochmut und Stolz führt, in eigene Macht und Pracht, in Geiz und Lügen, in Falschheit und Trug, und schließlich in Krankheit und Zerbrechen?

17.43. Was bleibt dir dann nach deinem Zerbrechen, wenn du stirbst? Betrachte dich, was bist du? Ein Geist bist du! Was hast du für Qual in dir? Zorn, Bosheit, Stolz, Eigensinnigkeit im Aufsteigen nach zeitlicher Wollust, und doch kein Finden, sondern ein falsches Gemüt im Geist voller Lügen und Betrügen, ganz mörderisch in seinem Wesen. Und wie du auf Erden zu den Menschen warst, ein solcher Geist von dir wird aus dem zerbrechlichen Leib der Elemente ausfahren. Wo soll er nun bleiben, wenn diese Welt vergeht? Meinst du etwa, er wird ein Engel? Hat er denn die Quelle der Engel? Ist sein Quell in der Liebe, Demut und Sanftmütigkeit? Ist sie im Gehorsam Gottes, im Licht der Freude?

17.44. Oh du blindes Gemüt mit deiner Macht und Pracht voll Bosheit und Grimm des Teufels, du bist bei allen Teufeln im Abgrund der Hölle! Wenn du nicht umkehrst und durch ernste Reue und Buße deines Gräuels in die englischen Fußstapfen trittst, wo dir der Heiland und Zertreter der Schlange des Grimm, Zorns, Betrugs, der Bosheit und Lüge und sowie deines angeborenen Stolzes und Geizes begegnet, der dich in seine Arme nimmt und dich in sich neu gebiert, damit er dich in den Schoß der züchtigen Jungfrau gibt, so daß du ein Engel werdest. Ansonsten gehst du in den ewigen Tod der ewigen Finsternis und erreichst nimmermehr das Reich Gottes.

17.45. Oder meinst du vielleicht, ich schreibe ohne Licht und Erkenntnis vom Fall des Menschen? Ist solches nicht auch in der Heiligen Schrift zu erkennen, die davon spricht, daß der Mensch vor dem Fall in seinem Gemüt und Leib so frei wie ein Engel war? Siehe nur, was Christus sagt: »In der Auferstehung der Toten werden sie weder freien noch sich freien lassen, sondern sie sind den Engeln Gottes gleich. (Matth. 22.30)« Und ein solches Bild hat auch Gott im Anfang zu seinem Gleichnis geschaffen.

17.46. Denn kein zorniges, boshaftes, stolzes, eigensüchtiges, lügenhaftes, diebisches, räuberisches, mörderisches, unzüchtiges oder unkeusches Gemüt ist Gottes Gleichnis, sondern ein demütiges, züchtiges, keusches, reines und freundliches Gemüt, das sich mit seiner Begierde und Liebe zum Herzen Gottes neigt. Nur das ist Gottes Gleichnis, in dem der feuerflammende Geist in der Freude und Sanftmut aus dem Willen und für den Willen aufgeht, so daß man den Willen seines Geistes, der von Ihm ausgeht, auch gern seinen Brüdern gönnt, um sich mit ihnen zu vereinen, oder wie man im Sprichwort sagt, das Herz mitzuteilen. Und dies geschieht in einem Geist, in welchem die himmlische Freude im ewigen Element aufgeht und die Wunder Gottes in der Jungfrau zum ewigen Gemüt und Lobgesang Gottes erblickt werden, wo das Gemüt auf der Harfe Davids aus dem Lobgesang Gottes spielt und wo dann im ewigen heiligen Gemüt die Erkenntnis, die Farben im Element und die Wunder im Geist mit Taten und Kraft aufgehen.

17.47. Und das ist das Bild Gottes, das Gott zu seinem Lob und seiner Freude erschuf, und kein anderes. Laß dir bloß durch den tollen Antichristen kein anderes vormalen, denn es gibt kein anderes. Davon überzeugt dich dein Leib und deine Seele wie auch Himmel und Erde, Sterne und Elemente. Siehe an, was du willst, es überzeugt dich alles. Und wenn du nicht umkehren willst und in dieses Bildnis eingehen, zu dem dich Gott erschuf, dann wirst du dich vor allen Kreaturen schämen, wenn dein Leib zerbricht und dein Gemüt im Seelengeist ohne Leib entblößt sein wird. Das sagen wir wertvoll, im Willen Gottes hoch erkannt.

17.48. So ist uns auch der elende Fall unserer ersten Eltern hoch erkenntlich, wegen dem Gott bewirkte, daß sein Zorn in uns ist und daß wir sterben müssen und sogar ewig verderben, wenn wir nicht den Schlangentreter ergreifen. Damit wir nun eine kurze Zusammenfassung des Falls dem Leser verständlich vorsetzen können, der wegen der Einfalt seines kalten, trägen und dunklen Gemüts unseren Sinn und unsere Erkenntnis nicht begreifen kann, so wollen wir es kurz und klar andeuten, um auch ihm unsere Erkenntnis und Gemüt gern zu gönnen, wie es uns im göttlichen Bildnis gebührt.

17.49. Adam stand vor seinem Schlaf vierzig Tage im Bildnis der Engel und in ihm waren weder Tag noch Nacht, auch keine Zeit, obwohl er nicht bloß ein Geist gewesen war wie ein Engel. Denn sein Leib war aus dem Element, welches kein verständiger Geist ist, sondern das Angezogene im Willen Gottes (oder der Limbus), das vor Gott steht, darin die züchtige Jungfrau der Weisheit Gottes wohnt und das aus dem Element durch das Schöpfungswort Gottes das Bildnis erblickte und schuf.

17.50. Und aus demselben Limbus (Samen) sind während des Zorns der Verkörperung der Erde die vier Elemente wie aus einem Brunnen ausgegangen. Und was die Jungfrau der Weisheit Gottes unzählbar erblickte, daraus wurden die Sterne als eine Kraft oder Ausgeburt aus dem Limbus. Sie sind das fünfte Wesen zu den vier Elementen, nicht abgetrennt von den vier Elementen, sondern miteinander inqualierend (wechselwirkend), und doch aus den vier Ausgängen mit ihrer scharfen Essenz ausgezogen. Sie sind die Sucht der vier Elemente (oder wie ich es ins Gleichnis setzen möchte), der Mann, und die Elemente sind die Frau, und das Herz dieser Dinge ist das eine Element in einem Wesen, und die Essenzen darin sind die Kraft der Wunder und die Weisheit Gottes und heißen Paradies oder Wonne der Freuden.

17.51. Und der Geist der ewigen Essenzen (der da vernünftig ist und die Erkenntnis hat, auch Fühlung und Probierung aller Dinge, in dem die Quelle steht, die im Menschen ist) wird ihm durch die Weisheit Gottes durch den treibenden Willen, der vor sich geht, aus dem ewigen Gemüt aus den zersprengten Toren der Tiefe durch das Wort mit dem wallenden Geist Gottes eingeblasen. Er hat (1.) hinter sich die Anrührung des Abgrundes der ewigen Qual als ein Band, und (2.) vor sich das Herz und Licht Gottes als einen Glanz der Freude und Anzündung des Paradieses, das in den Essenzen mit dem Freudenlicht aufgeht, und (3.) unter sich den Ausgang der vier Elemente in der Geburt aus dem Limbus, die in ihm war.

17.52. Und solange er seine Imagination ins Herz Gottes setzte, war das Paradies in ihm würzig. Das Band des Abgrundes war ein Paradies der aufsteigenden Freuden in der Qual, und das Reich dieser Welt hatte ihn auch von unten am Band, weil es vom Element ausgeht. Doch solange er sein Gemüt ins Herz Gottes setzte, konnte es ihn nicht ergreifen und war an ihm machtlos, wie auch diese Welt vor Gott ist.

17.53. Also standen Geist und Seele von Adam mitten im Paradies des Freudenreichs über vierzig Tage wie einen Tag und alles neigte sich ihm zu: Zuerst das Höllenreich des ewigen Ursprungs aus dem finsteren Gemüt, aus dem sein Seelen-Wurm in den zersprengten Toren (der Finsternis) hervorgegangen war. Zweitens auch die Gottheit des Himmelreichs in den zersprengten Toren vor ihm, die ihn freundlich anblickte. Und Drittens der Geist der Sterne und Elemente, die ihn mit ihrem Band anzogen und herzlich begehrten.

17.54. Und so stand Adam in der Versuchung, denn sein zorniges Gemüt aus dem Ursprung des ersten Prinzips stand durch das Licht Gottes in der Freude, und die Quelle des Zorns bewirkte die aufsteigende Freude, denn das göttliche Licht machte alles sanft und freundlich, um sich der reinen Liebe zu widmen, und damit stand er wirklich im Paradies auf Erden.

17.55. Die vier Elemente dieser Welt zusammen mit Sonne und Sterne konnten in ihm nicht inqualieren, und er holte auch keine Luft in sich, sondern der Geist Gottes in der Jungfrau war sein Anzünden und Anblasen des Feuers im Geist.

17.56. Weil er aber so im Paradies zwischen dem Reich der Hölle und dieser Welt stand, an beide gebunden war und doch auch ganz frei in der Macht Gottes, so erblickte er sich in der großen Tiefe des Reichs dieser Welt, darin auch die großen Wunder im Zentrum verborgen liegen. Nun sehen wir, daß sie der Mensch durch sein ewiges Gemüt erblickt und zutage gebracht hatte, als würden sie ihm (äußerlich) vor Augen stehen, doch in seinem Erblicken imaginierte er und geriet in Lust. Denn der Geist dieser Welt empfing ihn, wie eine Mutter ihr Kind im Mutterleib. So wurde der Geist dieser Welt von der Lust schwanger, so daß er an Gott erblindete, und er konnte Gott mit seiner Jungfrau in seinem Gemüt nicht mehr sehen. Also blieb das Himmelreich mit den geöffneten Toren der Allmacht im Paradies in seinem Prinzip für sich, und darin blieb auch die Jungfrau im Zentrum verborgen. Sie war zwar in Adam, aber Adam war mit seinem Gemüt nicht mehr in Gott, sondern im Geist dieser Welt, und wurde am Reich Gottes machtlos, fiel nieder und schlief ein.

17.57. Da schuf Gott durch den Geist dieser Welt mit dem Schöpfungswort das Weib dieser Welt aus ihm, mit der er sein Reich vermehrte. Das Weib kam aus der Matrix, die vor der Infizierung eine keusche Jungfrau war, welche Adam aus sich gebären sollte. Als aber die Zucht der Weisheit und Fähigkeit von ihm wich, indem er in den Geist dieser Welt trat, konnte er nicht mehr selbst gebären, denn der Geist dieser Welt umkleidete ihn in seinem Schlaf mit Fleisch und Blut und gestaltete ihn zu einem Tier. Wie wir nun mit großem Jammer sehen und an uns erkennen, daß wir blind und am Reich Gottes bloß wurden, ohne wahre Kraft, im Schlaf des großen Elends und mit vergänglichem Fleisch und Blut umkleidet.

17.58. Als dann aber Adam vom Schlaf aufwachte, war er ein Mensch und kein Engel mehr. Er holte seinen Atem von der Luft und zündete damit seinen Sternengeist an, der ihn nun besaß. Er erkannte sein Weib, daß sie eine Frau war und aus ihm genommen wurde, und nahm sie zu sich, wie sich alle Tiere begatten. Doch hatte er noch reine Augen, denn der Grimm steckte noch nicht darin, sondern nur die Sucht als Mensch, und das Feuerelement mit seiner Bitterkeit, das mit dem Abgrund der Hölle inqualiert, hatte ihn noch nicht gänzlich eingenommen.

17.59. So ging nun Adam mit seinem Weib in großer Lust und Freude im Garten Eden umher, wo ihr Adam auch vom Gebot des Baumes erzählte. Aber Eva war eine Frau dieser Welt und achtete es wenig, sondern wandte sich von Adam zum Baum und sah ihn mit Lust an, so daß sie auch die Lust empfing. Denn der Lügenteufel beredete sie, weil sie mit ihm schwatzte und ihn nicht erkannte, auch von keinem Teufel wußte. So griff sie nach dem Baum, riß ab und aß von der Frucht der vier Elemente und Sterne, und gab auch Adam davon. Und weil Adam sah, daß Eva nicht starb, aß er auch von der Frucht.

17.60. Da wurden ihre Augen aufgetan und erkannten, daß sie Fleisch und Blut hatten und ganz nackt waren. Denn der Geist der großen Welt fing sie mit den vier Elementen und bildete ihnen Magen und Gedärme, obwohl diese Organe bereits im Schlaf Adams gebildet wurden, als die Matrix vom Limbus (der Mutterleib vom Samen) geschieden wurde. Aber sie erkannten es vor dem Apfelbiß nicht. Erst dann zog der Geist der Grimmigkeit ein und schuf sich seine Region, wie an Herz, Leber, Lunge, Galle, Blase und auch Magen zu sehen ist. Dieses Regiment hat Adam im Schlaf bekommen, und mit dem Apfelbiß hat sich der Geist der großen Welt hineingesetzt.

17.61. Da sahen sie einander an, schämten sich voreinander und fürchteten sich vor dem Grimm, der in sie kam, denn das war der Zorn Gottes. Also fing sie das erste Prinzip, nämlich der Abgrund der Hölle, und hielt Adam und Eva mit ihrer Seele im Ewigen gefangen, denn es ging mit Schrecken, Furcht und Zweifel am Reich Gottes auf, und sie vermochten keinen Trost mehr zu finden. Denn sie sahen das Paradies nicht mehr, sondern den Garten in Eden. Auch hatten sie die Gottheit verloren und konnten keinen Willen mehr hineinbewegen, denn Zorn und Zweifel standen davor.

17.62. Da kam der Geist dieser Welt mit seinem rauhen Kleid, mit Hitze und Kälte, und drang auf sie als nackte Menschen ein. Da schlugen sie mit Zorn, Angst und Zweifel sowie ihrer Qual durch Hitze und Kälte das Bild Gottes halbtot und ließen es in Marter, Angst und Zweifel liegen. Hier ist nun der Mensch von Jerusalem aus dem Paradies nach Jericho ins Haus der Mörder gegangen, die ihm das paradiesische Kleid auszogen und raubten, ihn mit ihrem Gift der Marter, Plagen und Krankheiten ihrer Infizierung halbtot schlugen und davon gingen, wie im Gleichnis der zweite Adam im Evangelium spricht (Luk. 10.30).

17.63. Hier gab es nun keinen Rat mehr, weder im Himmel noch in dieser Welt, denn sie waren in einer schweren Sklaverei gefangen, in Not und Tod, denn der Abgrund der Hölle hielt die Seele, und der Geist dieser Welt hielt den Leib. So waren Tod und Vergänglichkeit und nur noch ichhafte Anfeindung von den rauhen Essenzen der Sterne im Leib, so daß jeweils eine Qual gegen die andere angeht und eine die andere zerbricht, nämlich mit großer Marter und Leiden des Leibes, mit Zittern und Schreien und schließlich mit Zerbrechen und Tod, wie es uns vor Augen steht.

17.64. Da hatte der Teufel das Spiel gewonnen, denn das Reich dieser Welt war abermals sein. Er hatte einen Zugang im Menschen bekommen und konnte ihm in die Essenzen seiner Seele greifen, denn sie waren nun beide in einem Reich.

17.65. Er dachte: „Nun ist das Reich dieser Welt dein, und du willst mit dem Menschenbild, das deinen Stuhl besitzen sollte, nach deiner Macht spielen, denn sein Geist ist in deinem Reich.“ Und er verspottete Gott in seinem Gemüt: „Wo ist nun dein edles Bild, das du geschaffen hast, um über meinen Thron zu herrschen? Bin ich nicht der Herr der großen Feuersmacht? Ich will herrschen über deinen Thron, und mein ist die Kraft und Macht! Ich erhebe mich über die Throne der Stärke, und niemandes Macht kann mir widerstehen.“

17.66. Ja freilich, er erhebt sich wohl über die Throne, aber er kann nicht auf die Throne, denn er erhebt sich in den ersten ewigen Ursprung des strengen und herben, finsteren, harten, kalten, rauhen und hitzigen Feuerquells. Denn er kann nicht durch die geöffneten Tore der Tiefe ins Licht zu Gott, sondern erhebt sich überheblich in seinen ewigen Abgrund der grimmigen Höllenqual, und sonst erreicht er nichts. Darum ist er ein Fürst, aber nur im Abgrund der Hölle, die am Menschen nach seinem elenden Falle genug erkannt wird.

17.67. Weil ich dem Leser nicht unverständlich sein möchte, wenn ich schreibe „der Mensch wohnt im Abgrund der Hölle beim Teufel“, so will ich ihm den Zweck aufzeigen, so daß er es fühlen und erkennen kann. Auch wenn er davor fliehen will, so ist es ihm doch zum Erkennen gemacht, und so wird es ein Zeugnis über ihn sein.

17.69. Christus nennt den Teufel nicht umsonst einen Fürsten dieser Welt (Joh. 12.31), denn er ist es auch nach dem ersten Prinzip, nach dem Reich der Grimmigkeit, und bleibt es in Ewigkeit. Aber nach dem Reich der vier Elemente und Sterne ist er es nicht. Denn wenn er darin volle Macht hätte, dann würden keine Gewächse noch Kreaturen auf Erden sein. Er kann den Ausgang der vier Elemente nicht betreten, denn er ist im Ursprung, und so ist ein Prinzip dazwischen. Nur wenn das Gestirn in den Elementen den Grimm des Feuers im Ungewitter erregt, dann wird er „Meister Gaukelfechter“ und belustigt sich, obwohl er eigentlich keine Gewalt hat. Es sei denn, sie wird ihm durch Gottes Zorn gegeben, und dann ist er Henkersknecht und vollstreckt das Recht als Diener, aber nicht als Richter, sondern als Scharfrichter.

17.69. So ist er im Reich dieser Welt der Scharfrichter, die Sterne sind der Rat und Gott ist des Landes König. Wer nun von Gott abfällt, der fällt in den Rat der Sterne, und sie laufen mit manchem zum Schwert, um sich selber zu ermorden, mit manchem auch zum Strick oder Wasser, und da ist der Teufel geschäftig und wird zum Vollstrecker und Henker.

17.70. In so großes Elend ist der Mensch gefallen und wurde dem Reich der Sterne und Elemente nach seinem Leib ganz untertänig. Was nun diese mit ihm tun, das ist Wirklichkeit und steht im wirklichen Wesen. Den einen machen sie groß, den anderen klein, den einen gerade, den anderen schief und krumm, dem einen fügen sie Glück und Reichtum zu, dem anderen Armut, aus einem machen sie einen listigen und klugen Menschen nach dem Reich dieser Welt und aus dem anderen einen Narren, einen machen sie zum König und den anderen zerbrechen sie, einen töten sie, den anderen gebären sie, und führen des Menschen Gemüt zu aller Zeit, jedoch nur in Mühe, Schmerzen und Unlust.

17.71. Dazu schnappt das Reich der Hölle und des Grimms immerfort nach der Seele und sperrt seinen Rachen auf, um die arme gefangene Seele zu verschlingen. Denn diese sitzt mit zwei schweren Ketten gebunden, eine vom Reich der Hölle, und die andere vom Reich dieser Welt. Sie wird mit ihrem schweren, tölpischen, tierhaften und ganz süchtigen Leib wie ein Dieb abgeführt, den man immer wieder vor Gericht stellt, der aber durch Fürbitte immer wieder entledigt wird und nur ins Gefängnis geht. So muß die arme Seele während des ganzen Lebens gefangenliegen, weil einerseits der Teufel mit seinem Luder, Grimm, Zorn und Bosheit über sie rauscht und mit ihr in den Abgrund will, und anderseits die gleisnerische Welt mit Macht, Pracht, Geiz und Wollust des Verderbens oder auch Krankheit und Angst, und so ist sie immer am Zittern. Wie entsetzt sie sich schon, wenn der Mensch nur im Finsteren geht, und fürchtet immer, es werde sie der Scharfrichter ergreifen und das Recht vollstrecken!

Die Pforte der großen Sünden und Widerwillen gegen Gott durch den Menschen

17.72. Wenn wir uns im Menschen des Gräuels und der großen Sünden vor Gott entsinnen, die uns unsere ersten Eltern vererbt haben, dann könnten wir wohl in unserem Gefängnis dieser Welt nimmermehr fröhlich werden, wenn uns nicht der Geist dieser Welt in närrische Spiegelfechter-Freude stürzte, oder aber die Wiedergeburt uns manchmal so hoch erfreute, um aus diesem Gefängnis befreit zu werden. Denn wir empfinden doch in diesem Leben nichts als nur Gräuel, Sünde, Not und Tod und erlangen kaum einen einzigen Anblick der ewigen Freude des ewigen Lebens.

17.73. Nun fragt das Gemüt: „Was ist denn Sünde? Und wie ist es Sünde? Warum hat Gott einen Ekel an dem Wesen, das er geschaffen hat?“ Siehe, du Menschenkind, vor Gott im Himmel gibt es keine Sünde. Nur in dir ist die Sünde, und die Sünden scheiden uns und unseren Gott voneinander. Sonst ist alles beständig und in seinem eigenen Wesen gut (bzw. vollkommen). Sogar das Reich der Hölle und des Zorns ist in sich selbst nach seiner Region gut. Es legt sich selber keine Marter oder Leiden auf, sondern sein Leiden ist seine Geburt und sein Aufsteigen (der Qualität) der Qual. Sonst begehrt es auch nichts.

17.74. So ist auch das Reich dieser Welt für sich selbst beständig und gut, und es legt sich auch kein Leiden auf, sondern das Erheben der Elemente, wie das Anzünden von Hitze und Kälte sowie Luft und Wasser ist sein Wachsen und Grünen, und es tut sich in sich selbst nicht weh, und es hat auch kein Zagen oder Ängstigen in sich selbst.

17.75. Nur der Mensch, der aus dem zweiten Prinzip ausgegangen ist, hat in diesen beiden Prinzipien Leid, Not, Klagen und Zagen. Denn er ist nicht in seinem Vaterland, und von diesen beiden Prinzipien kann auch keines sein Vaterland erreichen. Darum muß sich die arme Seele so quetschen und drängen, um wieder in ihr Vaterland zu kommen, muß wieder durch die Tore der tiefen Angst des Todes gehen, muß zwei Reiche zersprengen, steht hier zwischen Tür und Angel und wird immerfort mit den Dingen infiziert, die sie zurückhalten und so sehr quetschen, als würde sie in einer Presse stehen.

17.76. Sobald sie zu Gott drängt, hält sie auf der einen Seite der Teufel am Band und auf der anderen Seite die Welt, und beide schlagen auf sie ein. Der Teufel entzündet sie mit Grimm und Zorn, denn das ist eine Quelle der Sünde, die das Reich Gottes nicht erreichen kann. Und die Welt führt sie in überheblichen Stolz, Geiz und Fleischeslust, so daß die Essenzen der Seele vom fleischlichen Willen angefüllt werden, denn der Wille des Gemüts zieht diese Dinge in die Seele, und so wird die Seele ganz unrein, aufgeschwollen und finster durch das Angezogene und kann das Licht Gottes nicht erreichen. Ihre Essenzen, die sie mit Gott vereinen sollen, können es nicht, denn sie find zu rauh und können nicht ins Licht, und es zündet sich auch nicht darin an. Es müßten nur die Tore der Tiefe zersprengt werden, dann würden die Essenzen in die Freiheit ohne Finsternis drängen. Wenn aber das Gemüt angefüllt ist, dann kann es dies nicht, und dann beginnen Schrecken, Ängste, Verzagen und Verzweifeln am Reich Gottes und bereiten der Seele große Qual.

17.77. Auch sollst du wissen, wie es vor Gott Sünde ist: Du hast in dir das (ewige bzw. göttliche) Element, das eine Wonne vor Gott ist. Wenn du nun durch die Qual der Hölle wütest und tobst, dann berührst du damit dieses Element und erweckst den Grimm zum Aufgang, und du handelst wie der Teufel handelt, als er den Grimm im Schöpfungswort erregte und anzündete, so daß der Grimm die Erde und Steine gebar. Damit sündigst du bis in den Himmel vor Gott, darüber die Propheten an vielen Stellen klagten, daß das ungehorsame Volk ihren Gott beleidigte. Wenn es ihm auch selbst nicht wehtut, so wird doch damit sein Grimm nach dem ersten Prinzip in den Toren der Tiefe entzündet, in dem die Seele steht, und das ist nur Gräuel vor ihm.

17.78. Siehe, alles was du in dein Gemüt hereinläßt, wenn deine Seele nicht mit Gott vereint ist, so daß sie mit Glauben und Zuversicht auf ihn sieht, das wird dir alles zur Sünde, was du auch tust. Denn du führst ein irdisches Gemüt in die Tore der Tiefe, wo der Geist Gottes geht, und verunreinigst das Element, das vor Gott ist.

17.79. Fragst du: „Wie denn? Gott wohnt doch im Himmel!“ Oh du blindes Gemüt voller Finsternis! Der Himmel, wo Gott wohnt, ist auch in dir, gleichwie Adam auf Erden im Paradies war. Laß dich vom Antichristen nicht jenseits dieser Welt über die Sterne verweisen. Er lügt, wie der Teufel persönlich. Gott ist überall, und auch der Grund der Hölle ist überall, wie der Prophet David sagt: »Würde ich mich auch zur Morgenröte oder in die Hölle schwingen, so bist du da. (Psalm 139.9 Oder: »Wo ist die Stätte meiner Ruhe? Bin ich es nicht, der alles erfüllt? Ich sehe aber den Elenden an, dessen (eigensüchtiger) Geist zerbrochen ist, und in dem will ich wohnen. (Jes. 66.2)« Oder: »In Jacob will ich wohnen, und Israel soll meine Hütte sein.«

17.80. Verstehe es recht: Er will im zersprengten und zerbrochenen Geist wohnen, der die Tore der Finsternis zersprengt hat, und zu dem will er eindringen.

17.81. Darum hüte dich vor der Sucht! Sprich nicht: „Ich stehe doch im Finstern, und der Herr sieht mich nicht, was ich denke und tue.“ Er steht in der Pforte deines Gemüts, wo die Seele in den zersprengten Toren vor dem klaren Angesicht Gottes steht. Hier werden alle deine Gräuel vor Gott erkannt, denn du entfärbst damit das Element Gottes. Du betrübst die züchtige Jungfrau, die dir zur Gesellin in dein Gemüt gegeben ist. Sie wohnt in ihrem Zentrum und warnt dich vor den gottlosen Wegen. Wenn du folgst und umkehrst und durch ernste Buße zu ihr kommst, dann krönt sie dir dein Gemüt mit Weisheit und Vernunft, so daß du dem Teufel wirklich entfliehen kannst. Wenn aber nicht, dann fällst du aus einer Sünde und Gräuel in die andere und machst dein Maß voll und überfliesend, und so hilft dir dann der Teufel in seinem Reich. Du dienst ihm wirklich, denn du bist eine Peitsche der Kinder Gottes, und nicht allein mit Spotten, sondern mit tätiger Hand, was der Teufel nicht tun darf. Aber du bist ihm ein guter Diener. Dazu kitzelt er dich noch fein mit dem Namen Gottes, damit du ihn auf deinen Lippen führst und selber lehrst, aber dein Herz ist ein Mörder und Dieb, und du bist völlig tot am Himmelreich.

17.82. Darum, oh liebes Gemüt, prüfe dich, wohin du geneigt bist. Bist du zur Gerechtigkeit, Liebe, Treue und Wahrheit geneigt, also zur Keuschheit, Zucht und Barmherzigkeit? Wohl dir, dann ist es gut! Wenn aber nicht, dann greife in deinen Busen und besiehe dein körperliches Herz und prüfe es. Raffe deine Sinne in ein Gefängnis zusammen, und setze deinem körperlichen Herzen zu, daß die Elemente in dir erbeben. Dann wird der Schmeichel- und Lügenteufel wohl weichen, der sich in dein körperliches Herz gesetzt hat. Denn er wird diese Stöße fühlen, die ihm nicht schmecken, und du wirst wohl anders gesinnt werden. Wahrlich, das ist aus keinem ungeübten Gemüt gedichtet, denn es hat dies selber erfahren, und darum soll es hier wie ein Denkmal zu beständiger Aufrichtung stehen. Wem nun gelüstet, der versuche es, und er wird Wunder erfahren.

17.83. Als nun Adam und sein Weib von der irdischen Frucht gegessen hatten, schämten sie sich voreinander, denn sie wurden der tierischen Organe ihres Leibes zur Fortpflanzung gewahr. Da brachen sie Blätter ab und hielten sie vor ihre Scham. Und die Stimme Gottes kam im Garten in ihrem Gemüt hoch, und sie Versteckten sich hinter die Bäume des Gartens.

17.84. Hier sehen wir klar und begreifen es auch, daß Gott ursprünglich kein solches Bildnis mit tierischen Organe zur Fortpflanzung geschaffen hatte, denn was Gott für die Ewigkeit schafft, davor gibt es keine Scham. Auch wurden sie nun erst gewahr, daß sie nackt waren. Denn sie besaßen nun die Elemente, die ihnen aber kein Kleid angezogen hatten, und das konnten sie auch nicht, denn des Menschen Geist entsprach nicht den Essenzen und Eigenschaften der vergänglichen Elemente, sondern dem ewigen Element.

17.85. Und so ist an dieser Stelle nichts Greifbareres, als daß man sieht und erkennt, daß Adam vor dem Schlaf und seinem Weib keine tierische Gestalt besessen hatte, denn er war weder Weib noch Mann, sondern eine Jungfrau ohne tierische Gestalt. Er hatte keine Scham oder Brüste, und er brauchte diese auch nicht, denn er hätte in reiner Liebe der Zucht ohne Leid oder Öffnung seines Leibes eine Jungfrau geboren, wie er selbst war. Und so wäre es möglich gewesen, daß das ganze Heer der englischen Menschen aus einem Brunnen ausgegangen wäre, wie bei den Engeln, wenn er in der Versuchung bestanden hätte. Gleichwie auch alle, die zu dem Einigen Erzhirten und seiner Ruhe kommen, durch einen Einigen Menschen vom ewigen Tod und der Höllenqual erlöst werden.

17.86. Hier finden wir nun, wie sie die Stimme Gottes im Garten gehört haben. Denn das Element, das vor Gott ist und mit welchem der Mensch inqualiert, erzitterte wegen der Sünden. So ist die Sünde im Element des Gemüts in Adam und Eva erst offenbar geworden, und damit sind Furcht und Schrecken in die Essenzen der Seele gefallen. Denn das erste Prinzip in der Grimmigkeit ist erregt worden. Es hat, wie man sagen könnte, Holz zu einem Feuerquell bekommen und ist entzündet in den Essenzen im Widerwillen aufgegangen, wo jeweils eine Gestalt gegen die andere gegangen war, nämlich als die Herbigkeit und Kälte mit ihrem Anziehen das bittere Stechen und Wehtun in den Essenzen der Tinktur des Geblüts im Geist erweckt hat, und die bittere Wüterei und ihr Aufsteigen hat das Feuer erweckt.

17.87. Und so ist anstelle der paradiesischen Freude und Wonne ein eitler Schwefelgeist entstanden, der in Angst und Zittern der Vergänglichkeit steht und die Tinktur des Geblüts entzündet, so daß Reißen, Stechen, Marter und Leid geschehen. Und wenn sich das Feuer im Schwefelgeist zu sehr entzündet, dann verbrennt es sogar die Tinktur, so daß des Lebens Licht verlischt und der Leib wie ein totes Aas dahinfällt. Denn dann entzündet sich durch das harte Anziehen die Herbigkeit und die Tinktur wird vom Anziehen und Halten hart, finster und kalt, und so erlöscht das Licht des Lebens und der Leib vergeht. Das Gleiche gilt auch vom Wasser, wenn sich die Tinktur der Sanftmut entzündet, die dann fett, dick und geschwollen, ganz süchtig, auch finster und schielend wird, darin der Blitz des Lebens wie ein Dornenstachel aufgeht. So ist das Leben des Menschen überall von Feinden umgeben, und die arme Seele wird immerfort im schweren Gefängnis von vielen Ketten gebunden, und sie fürchtet immer, daß der Leib zerbrich und sie dem Teufel als Scharfrichter in seinem Reich anheimfällt.

17.88. Auf diese Weise ist in Adam und Eva im Garten Eden nach dem Apfelbiß die erste Frucht aus den Toren der Tiefe aufgegangen, wo die Seele vor Gott steht und mit dem gerechten Willen des Vaters inqualiert (wechselwirkt), der seinen Willen im Zerbrechen der Finsternis in das Licht der Sanftmut vor sich bewegt und in der Kraft der Sanftmut des Willens seit Ewigkeit sein liebes Herz und Sohn als sein ewiges Wort immerfort gebiert.

17.89. So sollte auch der englische Mensch durch des Vaters Willen, mit dem die Seele inqualiert, seinen Willen vor sich in die zersprengten Tore der Finsternis in die Sanftmut des Herzens Gottes setzen, dann hätte ihn die Qual der Finsternis im Grimm nicht bewegt, sondern er wäre ein Siegesfürst im Triumph des Paradieses über das Reich der Hölle und dieser Welt geblieben.

17.90. Als er aber seine Imagination ins Reich dieser Welt setzte, da zog sein heller und reiner Wille der Seele das geschwollene Reich der Ausgeburt willentlich an sich, und so wurde die reine paradiesische Seele finster, und des Leibes Element bekam die Mensch-Masse, die den Willen der Seele des Gemüts ins Element (bzw. in die vier Elemente) zog. So wurde er ein fleischlicher Mensch und bekam den Grimm des ersten Prinzips, der das starke Durchbrechen in den Toren der Tiefe zu Gott zu harten Knochen und Gebeinen machte.

17.91. Das ist uns trefflich und hoch zu erkennen: Denn es wird im Lebenslicht gesehen, wie das Mark in den Gebeinen die edelste und höchste Tinktur hat, darin der Geist am süßesten und das Licht am hellsten ist, das wie ein Feuer erkannt werden kann, weil du ja sonst ohne Gegensätze blind bist. So wird klar erkannt, daß diese Gänge, wo jetzt die harten Gebeine sind, ursprünglich Wunderkräfte gewesen waren, welche die Tore der Finsternis zersprengt haben, so daß der englische Mensch im Licht stand.

17.92. Darum hat die göttliche Vorsehung, als Adam in die Sucht fiel, ihm diese Kraft und Stärke (bzw. Härte) mit der Macht des ersten Prinzips gegeben, nämlich mit der strengen Macht der Schärfe Gottes, damit ihn nicht so leicht die Qualen des ersten und dritten Prinzips berühren sollten. Und das ist in Adams Schlaf geschehen, als Gott den Adam zu dieser Welt erbaute, davon auch St. Paulus spricht (1.Kor. 15.45), daß der natürliche Mensch in das vergängliche Leben dieser Welt geschaffen worden sei, welches in der Versuchung Adams geschehen ist, in der Zeit, als Gott sein natürliches Weib aus ihm machte. Aber zuvor war er ein himmlisches Bildnis, und dies muß er in seiner Wiederkunft am Jüngsten Tag auch wieder werden.

17.93. Mögen auch der Teufel und diese Welt dagegen wüten, so ist es doch der Grund der Wahrheit, hoch im Wunder Gottes erkannt, und kommt nicht aus Gerede und Meinungen, wie die überheblich stolze und heuchlerische Welt jetzt um den Kelch von Jesus Christus tanzt, zu ihrer Pracht und ihrem Stolz, auch zu eigener Ehre und vermeintlicher Weisheit, zu ihrer Wollust und Bauchfülle, wie die stolze Braut zu Babylon, die auf dem bösen und gefräßigen Tier des Elenden reitet. (Obwohl wir hier an dieser Stelle aus dem ersten Adam (in seinem Geist) reden, so bekommt doch auch der zweite im Fleisch nur Spott zum Lohn.) So deutet nun der Geist: Ich habe dich nach Babel in die Verwirrung ausgespien (in ein illusorisches Gedankengebäude, das den Himmel erreichen soll, aber in Verwirrung endet), und in der Zeit des Zorns sollst du vom Kelch deines überheblichen Stolzes trinken, und deine Qual steigt in Ewigkeit auf.

Von der Stimme Gottes im Garten Eden, zwischen Gott und den beiden Menschen, das Gespräch von der Sünde

17.94. Als sich nun Adam und seine Eva nach dem Apfelbiß ansahen, wurden sie der tierhaften Bildung und des Tieres Gestalt gewahr und fühlten in sich den Zorn Gottes und die Grimmigkeit der Sterne und Elemente, denn sie wurden sich ihres Magens und der Gedärme bewußt, in welche sie die irdische Frucht eingesackt hatten. Diese begann nun zu wirken, und sie sahen ihre tierische Scham. Da erhob sich ihr Gemüt nach dem Paradies, aber sie fanden es nicht mehr, liefen zitternd und ängstlich davon und krochen hinter die Bäume, denn durch die irdische Frucht hatte der Zorn ihre Essenzen im Geist erregt. Da erschien die Stimme Gottes im Zentrum der Tore der Tiefe, rief Adam und sprach: „Adam, wo bist du?“ Und er antwortete: „Ich bin hier, aber ich fürchte mich, denn ich bin nackt.“ Und der Herr sprach: „Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du etwa von diesem Baum gegessen, von dem ich dir sagte, du sollst davon nicht essen?“ Und er antwortete: „Das Weib gab mir, und ich aß davon.“ Da sprach er zum Weib: „Warum hast du das getan?“ Und sie antwortete: „Die Schlange betrog mich, so daß ich davon aß.“

17.95. Hier sieht man nun eigentlich, wie auch der Teufel seine englische Bildung verloren hatte und nun mit seinen mörderischen Lügen in der Gestalt einer Schlange erscheint und das Weib betrügt. Weil er Adam nicht gänzlich fällen konnte, so setzte er dem Weib zu und verhieß ihr Klugheit und dieser Welt Reichtum, so daß sie darin wie Gott sein würden.

17.96. Dazu vermischte der Teufel Lüge und Wahrheit untereinander und sprach. „Ihr werdet wie Gott sein!“ Er meinte aber nur nach dem Reich dieser Welt und dem ersten Prinzip des Grimms, und das Paradies ließ er außen vor. Eva verstand aber, sie würden im Paradies in der göttlichen und lieblichen Wonne bleiben.

17.97. Darum ist es nicht gut, mit dem Teufel zu schwatzen, denn er ist ein Mörder und Lügner, seit sein Reich besteht, und ein Dieb dazu. Er kommt nur, weil er morden und stehlen will, wie überall hier, und so ist uns der Teufel die höchste Ursache des Falls. Denn auch für Adam streute er Zucker aus, damit er nach dem Reich dieser Welt imaginierte. Doch als ihn Adam nicht wollte, da schlich er noch in die Essenzen des Grimms und streute eitlen paradiesischen Höllenzucker darauf, so daß Adam danach lüstern wurde.

17.98. Weil er aber Adam und Eva mit seinem Zucker betrogen hatte, hat ihm Gott ein solches Wohnhaus zugerichtet, nämlich wie Adam vom irdischen Zucker zum unteren Ausgang herausläßt. Das soll ihm von der Vergänglichkeit der Erde bleiben, wenn sie in ihren Äther geht. So soll ihm der Geruch vom Gestank der Sünden und Gräuel im Reich des Grimms bleiben, den er so sehr liebt, und diesen Zucker soll er ewig essen und darin seinen Willen zu weiterem Zucker im Backofen des Feuers wieder schöpfen. Dann mag er sich diesen zurichten, wie er ihm am besten schmeckt, vor dem er aber selbst erzittert, wenn er den Geist deuten hört. Denn hiermit sei allen gottlosen Menschen angedeutet, daß sie diesen Zucker ewig essen werden, den sie hier immerfort mit Lästern, Fluchen, Geizen, Spotten, Dornstechen, Morden, Rauben und Ausbeuten der Armen gebacken haben und damit ihren Hochmut treiben.

17.99. Als nun die beiden armen Menschen, die vom Teufel und dieser Welt gefangenen waren, so vor Gott mit Furcht und großem Schrecken standen und Gottes Zorn und ernstes Gericht fühlten, jammerte es das Herz Gottes, der sie gemacht hatte. So wurde geschaut, ob irgendein Rat wäre, den armen Menschen zu helfen und sie vom Band des ewigen Grimms und vom sterblichen Leib dieser Welt zu erlösen. Aber es wurde im Himmel und dieser Welt nichts gefunden, was sie befreien konnte. Es gab keinen Fürsten- oder Thronengel, der die Macht dazu hatte. Alles war aus, und sie waren im ewigen Gericht des zeitlichen und ewigen Todes. Denn das erste Prinzip hatte sie im Geist der Seele gefangen und inqualierte (wechselwirkte) mit der Seele. Das Himmelreich im Licht war verschlossen, denn der feste Verschluß eines Prinzips war dazwischen. So konnte er es nicht wieder erreichen, es sei denn, er würde wieder aus Gott geboren, sonst gab es keinen Rat, weder Hilfe noch Zuflucht zu etwas.

17.100. Da spottete der Teufel des Bildes, und die Hölle sperrte ihren Rachen auf. Sie hielt den Zügel in ihren Essenzen und zog mit ihm immerfort ins höllische Feuer des Grimms. Da war ein großes Zittern und Schrecken im Gemüt, und sie konnten die Liebe Gottes nicht mehr erreichen. Der Himmel feindete sie an, und kein Engel nahte sich ihnen, als nur die rauhen Teufel, die sich sehen ließen und schrieen: „Joh! Wir haben gewonnen, wir sind Fürsten der Menschen und wollen sie nun quälen, weil sie unseren Thron besitzen wollten. Wir sollten ihre Fußschemel sein, doch nun sind wir ihre Richter. Was fragen wir nach Gott? Wohnt er doch nicht in unserem Reich! Warum hat er uns auch ausgestoßen?! So wollen wir uns nun an seinem Bild rächen!“

Die allerholdseligste und liebreichste Pforte von der Verheißung des Schlangentreters, hoch zu betrachten

17.101. Als nun kein Rat gefunden wurde und die Menschen unter dem großen Triumph der Teufel in die Hölle sanken, sprach Gott zur Schlange, dem Teufel: »Weil du das getan hast, seist du verflucht, und des Weibes Samen soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihm in die Fersen beißen. (1.Mose 3.15)«

17.102. Dadurch erzitterte wohl der Abgrund der Hölle, aber der Teufel verstand es nicht gänzlich, was es bedeuten sollte. Er sah nur, daß sich das Wort in Adam und Eva im Zentrum des Lebens einbildete und dem Grimm des Höllenreichs entgegenstand, davor er sich wohl fürchtete, und sein Jubilieren wurde kleiner, denn dieser Braten schmeckte ihm nicht.

17.103. Moses schreibt hier so, als wäre Eva von der Schlange betrogen worden. Denn Gott verfluchte sie, daß sie Erde essen soll und auf dem Bauch kriechen. (1.Mose 3.14) Aber Moses macht hier wieder eine Decke vor die Augen, damit man ihm nicht ins Angesicht sieht. Denn jede Prophezeiung steht in einem dunklen Wort, damit es der Teufel nicht erkennt, die Zeit erlernt und seinen falschen Samen zuvor einstreuen kann, bevor die Wunder Gottes erscheinen. Solches ist bei allen Propheten zu sehen, die vom Schlangentreter weissagen.

17.104. Uns ist auch erkenntlich, daß der Teufel in die Schlange geschlichen war und aus der Schlange geredet hatte, denn Gott meinte nicht, daß der Schlangentreter der tierischen Schlange den Kopf zertreten sollte, sondern dem Teufel, um den Abgrund der Hölle zu zerstören. Und das war die Bestrafung der tierischen Schlange, daß sie ein giftiger Wurm ohne Füße bleiben sollte, Erde essen und mit dem Teufel Gemeinschaft haben. Denn so erschienen auch alle bösen Geister aus der Hölle in ihrer jeweiligen Gestalt nach ihrer Qual als Schlangen, Drachen, schreckliche Würmer und bösartige Tiere.

17.105. Das verstand der Teufel nun nicht, weil Gott von der Schlange sprach und sie zu einem schrecklichen Wurm verfluchte, und so meinte er, es ginge ihn nichts an. Er kennt auch sein Gericht noch nicht, nur was er vom Menschen erlernt, der im Geist Gottes deutet. Obwohl ihm der Geist Gottes sein Gericht nicht gänzlich andeutet, sondern alles ganz weit in der Tiefe, so daß er es nicht ganz versteht. Denn es werden dem erleuchteten Menschen alle Prophezeiungen, auch über die Bosheit der Menschen, nur so gegeben, daß er sie nicht klar darstellen kann, damit der Teufel den Ratschluß Gottes nicht gänzlich erlernt und seinen Zucker dahinein streut. Obwohl an diesem Ort (der Erleuchtung) gar treffliche Dinge stehen, die man aber der Welt nicht offenbaren darf, denn sie bleiben zum Gericht Gottes, damit der Teufel nicht wieder neue Sekten hineinbringt und die Menschen in Zweifel führt. So soll es übergangen werden, bis zur Zeit der Lilienblüte.

17.106. Wenn wir uns nun der großen Liebe und Barmherzigkeit Gottes entsinnen, die er zu den Menschen gewandt hat, dann finden wir Ursache genug von diesen Taten zu schreiben und zu lehren, denn es betrifft unser ewiges Heil und die Erlösung aus dem Rachen der Hölle. Deswegen will ich den Grund vom verheißenen Messias darstellen, um die nachfolgenden Schriften besser zu verstehen, besonders den Moses in seinem Gesetzbuch, wo es Not tut. Wer aber hier nichts sehen will, dem helfe Gott, denn er muß wohl blind sein. Denn die Zeit der Heimsuchung der verstockten Juden, Türken und Heiden kommt, und wer es sehen will, der kann es sehen, denn die Lampe des Bräutigams wird bald angezündet. Er kommt, und wer Gast sein will, der schicke sich mit hochzeitlichem Kleide!

17.107. Nun fragt der Verstand: „Wie konnten Adam und Eva erkennen, was Gott mit dem Schlangentreter meinte?“ Ja, freilich erkannten sie es nicht gänzlich, aber sie sahen, daß der Teufel von ihnen weichen mußte und sich äußerlich nicht mehr sehen ließ. Und das Gemüt im Zentrum des Lebens, das in das ewige Element vor die züchtige und keusche Jungfrau der Weisheit Gottes durchbricht, verstand es wohl, denn es empfing einen teuren und werten Gast. Denn das Wort, das Gott der Vater vom Schlangentreter zu ihnen sprach, kam aus dem Herzen und Mund Gottes. Es war der Funke der Liebe aus dem Herzen Gottes, der von Ewigkeit im Herzen Gottes gewesen war und in welchem Gott der Vater das menschliche Geschlecht erblickt und erwählt hatte, noch bevor der Welt Grund gelegt wurde, damit sie hier leben sollten. Und dieser sollte im Aufgang des Lebens stehen, und auch Adam stand in seiner Schöpfung darin.

17.108. Und das ist es, was Paulus spricht (Eph. 1.4), daß der Mensch in Jesus Christus schon vor der Welt Gründung erwählt war, und nicht die Zweifel-Suppe, die man jetzt von der Gnadenwahl lehrt. Das ist keine wahre Vernunft. Ich will dir Paulus mit seiner Gnadenwahl an passender Stelle wohl erklären, wenn ich von den tierischen, wolfischen und hündischen Gemütern der Menschen schreibe, die den Schlangentreter nicht hereinlassen wollen, damit sie der himmlische Vater in seinem Sohn Jesus Christus durch seine Menschwerdung, sein Sterben und seinen Tod nicht zu sich zöge. Dieses Ziehen wollen sie nicht dulden, denn sie besitzen die Essenzen der Schlange, die in die Hölle ziehen. Aber dies geschieht so nicht durch Gott, als würde er sie gern verlassen, sondern durch ihre Hundeart, die von den Sternen und dem Teufel eingesät wurde, und welche Gott wohl kennt und die Perlen nicht vor die Säue und Hunde werfen will. Was doch immer noch möglich wäre, wenn sie nur umkehrten und in die Wiedergeburt einträten, dann erreichten sie das Kleinod, obwohl es selten geschieht. Aber darum kennt Gott die Seinen.

17.109. Wie oben erklärt, so hat sich dieses Wort aus dem Herzen Gottes, das Gott zu Adam und Eva sprach, in ihr Zentrum des Lebenslichtes mit eingebildet und mit der teuren und werten Jungfrau der Zucht vermählt, um ewig bei Adam und Eva zu bleiben und sie vor den feurigen Essenzen und Stichen des Teufels zu beschützen. Und wenn sie sich dieses Wort aneignen würden, dann würden sie davon die Strahlen der heiligen Dreifaltigkeit und die Weisheit der Jungfrau empfangen.

17.110. Denn dieses Wort sollte die Seele erleuchten und im Zerbrechen des Leibes das Licht der Seele sein, um die Seele durch die Tore der Finsternis ins Paradies vor das klare Angesicht Gottes zu führen, nämlich in das zweite Prinzip und in das Element, wo keine Qual ist.

17.111. Denn das Wort hat die Seele bekleidet und das Höllenreich zugeschlossen. Damit soll sie bis zum Tag der Wiederbringung warten, und dann soll sie aus dem (ewigen) Element nach ihrem hier gewesenen Leib (wenn der Grimm abgewaschen und im Feuer abgeschmolzen ist) am Jüngsten Tag wieder einen Leib bekommen, und zwar keinen fremden, sondern den sie hier im Element getragen hat, das in den vier Elementen verborgen ist. Derselbe soll hervorgehen und grünen wie Adam in der Schöpfung.

Die Pforte der Erlösung

17.112. Und dieses Wort wurde durch die ersten beiden Menschen von einem auf den anderen fortgepflanzt, nämlich in der Geburt des Lebens und der Anzündung der Seele, aber im Zentrum. Und so ist einem jeden das Himmelreich in seinem Gemüt nahe, und er kann es erreichen, wenn er nur selbst will, denn Gott hat es ihm aus Gnade geschenkt.

17.113. Du sollst aber wissen, daß dieses Wort nicht in deinem Fleisch und Blut steckt. So wenig dein Fleisch das Himmelreich erben kann, so wenig steckt es im Fleisch, sondern in seinem Prinzip im Zentrum der Seele, und es ist wie der Bräutigam der Seele. Wenn sie treu ist, dann ruht es in ihrem Schoß, aber wenn sie falsch wird, dann trennt sie sich vom Wort.

17.114. Denn die Seele steht im Zentrum in der Pforte, nämlich in der Tür zwischen Himmel und Hölle, und das Wort ist im Himmel. Wenn sich die Seele aus der Pforte ziehen läßt, dann verliert sie das Wort. Wenn sie aber zu ihrem Wohl wieder nach der Pforte greift, dann erreicht sie es wieder. Und die Jungfrau, die des Wortes Dienerin ist, geht stets mit der Seele und warnt sie vor unheilsamen Wegen.

17.115. Aber wenn die Seele wie ein Hund, eine Natter oder Schlange geworden ist, dann entweicht sie dem Wort des Himmels und die Tür ist zu. Dann liegt eine ganze Geburt zwischen der Seele und dem Wort, wo sonst nur eine halbe ist. Hier gilt es zu kämpfen, und schwerlich wird es ins Himmelreich gehen, doch es ist möglich.

17.116. Dasselbe Wort hat die Seele der Menschen, die ihr Gemüt dahin geneigt haben, aus der Welt, wenn der Leib gestorben ist, in den Schoß Abrahams geführt, ins Paradies, ins Element und in die Ruhe ohne Qual. Doch hat die Seele ohne Leib keine paradiesische Qualität, sondern sie ruht in den zersprengten Toren im sanften Element, im Schoß der Jungfrau vor ihrem Bräutigam, nach dem langen Streit der Unruhe und wartet auf ihren schmerzlosen Leib. Und vor ihr ist keine Zeit, sondern sie ist in der Stille, aber schläft nicht, sondern sieht ohne Wanken im Licht des Wortes.

17.117. Weil aber die Essenzen der Seele mit des Teufels und der Hölle Gift infiziert waren, so daß der Seele nicht geholfen werden konnte, es sei denn, sie würde durch das Wort aus dem Mund Gottes wieder neugeboren, nämlich durch sein liebes Herz, und weil sie dann wieder paradiesische Freude und Qualität haben sollte, um in den paradiesischen Essenzen zu inqualieren, und auch ihr Leib aus dem Element wieder zur Seele kommen sollte, deshalb mußte das Wort in jungfräulicher Zucht Mensch werden, das Fleisch und Blut des Menschen annehmen, eine menschliche Seele werden und in den Tod eingehen, sowohl in das erste Prinzip, in das finstere Gemüt der Ewigkeit, wo der Seele Wurm entspringt, als auch in den Grund der Hölle, um die finsteren Tore im Abgrund der Seele und die Ketten des Teufels zu zersprengen und die Seele aus dem Grund wieder neu zu gebären und ein neues Kind ohne Sünde und Zorn vor Gott zu stellen.

17.118. Und wie die erste Sünde von Einem auf Alle drang, so dringt auch die Wiedergeburt durch Einen auf Alle und niemand ist ausgeschlossen, wenn er nur selber will. Wer anders spricht, der hat keine Erkenntnis im Reich Gottes, sondern redet historisch ohne den Geist des Lebens.

17.119. So wollen wir hier den großen Wundertaten Gottes klar, hoch und ordentlich nachgehen, dem kranken Adam zum Trost, der jetzt in der Presse steckt und sich geißeln lassen muß. Das soll gegen alle Pforten des Teufels stehen, auch gegen alle Rotten und Sekten, und all dies im Grund und Licht, wie uns von Gott gegeben wurde, und dazu auf dem Grund der Heiligen Schrift, auf den teuren Worten der Verheißung in den Propheten und Psalmen, wie auch der apostolischen Väter, denen wir doch Genüge erweisen wollen, auch wenn wir hier nicht alle ihre Schriften heranziehen können und eine summarische Beschreibung genügen muß.

Die Pforte der Menschwerdung Jesus Christus, des Sohn Gottes, und die starken Glaubenssätze der Christen

17.120. Liebes Gemüt, wir schreiben keine unnützen Märchen. Es ist Ernst und kostet Leib und Seele. Wir müssen davon Rechenschaft geben, wie von einem Pfund, das uns anvertraut wurde (siehe Luk. 19.11). Will sich jemand darüber ärgern, der sehe wohl zu, was er tut. Denn es ist wahrlich Zeit, vom Schlaf aufzuwachen, denn der Bräutigam kommt.

17.121. (1.) Wir Christen glauben und bekennen, daß das ewige Wort des Vaters ein wahrer selbständiger Mensch mit Leib und Seele im Mutterleib der Jungfrau Maria geworden ist, ohne Zutun eines Mannes. Denn wir glauben, er sei empfangen vom Heiligen Geist und geboren aus dem Leib der Jungfrau, ohne Verletzung ihrer jungfräulichen Zucht. (2.) Wir glauben, er sei in seinem menschlichen Leib gestorben und begraben worden. (3.) Und er sei in die Hölle niedergefahren und habe des Teufels Bande zerbrochen, mit denen er den Menschen gefangenhielt, um die Seele des Menschen zu erlösen. (4.) Wir glauben, er sei freiwillig um unserer Schuld willen gestorben, um seinen Vater zu versöhnen und uns in seine Gnade zu bringen. (5.) Wir glauben, er sei am dritten Tag vom Tod wieder auferstanden und zum Himmel aufgestiegen, wo er zur Rechten Gottes sitzt, dem allmächtigen Vater. (6.) Wir glauben, daß er am Jüngsten Tag wiederkommen wird, um die Lebendigen und Toten zu richten und seine Braut zu sich hereinzuführen und die Gottlosen zu verdammen. (7.) Wir glauben, er habe hier auf Erden eine christliche Gemeinde, die in seinem Blut und Tod zu Einem Leib mit vielen Gliedern geboren sei. Diese pflegt er, regiert sie mit seinem Geist und Wort und vereinigt sie immerfort durch die heilige Taufe seiner Selbst-Einsetzung und durch das Sakrament seines Leibes und Blutes zu einem Leib in sich selbst. (8.) Wir glauben, daß er diese beschütze und beschirme und in einem Sinn erhalte. - So wollen wir nun im Folgenden aus dem tiefen Grund alles in seinem Wesen darstellen, was in unsere Erkenntnis kam und gegenwärtig nötig ist.


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