Die drei Prinzipien

(Text von Jacob Böhme von 1619, deutsche Überarbeitung 2021)

5. Kapitel - Vom dritten Prinzip der materiellen Welt

Vom dritten Prinzip der Erschaffung der materiellen Welt, samt den Sternen und Elementen, damit das erste und zweite Prinzip klarer verstanden werde.

5.1. Obwohl ich dem (wahrhaft) begierigen Leser nicht verständlich genug sein möchte und dem Gottlosen ganz stumm, kann man doch das ewige unauflösliche Band nur schwer und langsam erkennen, darin das Wesen aller Wesen steht. Dazu ist es dem begierigen Leser Not, daß er sich mit großem Ernst selbst betrachte, was er sei und woher ihm sein Verstand und die Sinne kommen, in denen er Gottes Gleichheit findet, besonders wenn er sinniert und erkennt, was seine Seele sei, die ein ewiger unzerbrechlicher (bzw. ganzheitlicher) Geist ist.

5.2. Denn der Leser kann nicht eher oder näher zur Erkenntnis der drei Prinzipien kommen, bis er selbst aus Gott geboren wurde und in der neuen Geburt betrachtet, wie die Seele durch Gottes Liebe im Licht neugeboren wird, und wie sie durch diese zweite Geburt aus dem Kerker der Finsternis ins ewige Licht kommt. Und wenn du nun diese Finsternis betrachtest, in der sie ohne der neuen Geburt sein mußte, und betrachtest dann auch (wie die Schrift sagt und auch die Erfahrung einem jeden lehrt, der in Gottes Zorn fällt, wozu auch schreckliche Beispiele vorhanden sind), wie die Seele in ihrer ichhaften Lebensgeburt in sich selbst feindliche Qualen erleiden muß, solange sie in Gottes Zorn steht, und dagegen, wenn sie wiedergeboren wird, welche erhebende große Freude in ihr aufgeht, dann findest du ja klar und deutlich zwei Prinzipien, und dazu Gott, Paradies und Himmelreich.

5.3. Denn du findest in der Wurzel des Ursprungs des Seelengeistes in sich selbst, im Wesen der ewigen Geburt und des unzertrennlichen ewigen Bandes der Seele, die allerschrecklichste und feindlichste Qual, darin sie ohne das göttliche Licht allen Teufeln gleich ist. Und so steht darin ihre ewige Qual, eine Feindlichkeit in sich selber, ein Widerwille gegen Gott, nichts Gutes oder Liebes zu wollen, ein Aufsteigen des eigensinnigen Stolzes in der Macht des Feuers und eine bittere Grimmigkeit gegen das Paradies, gegen Gott und das Himmelreich. Auch findest du darin, wie sich alle Geschöpfe allein im dritten Prinzip (der äußeren Welt) erheben, wie es dann die Bitterkeit im Feuer bewirkt.

5.4. Nun findest du aber auch, wenn die Seele im Licht Gottes neugeboren wird (wie die Schrift durchaus bezeugt und der neugeborene Mensch selbst erfährt), daß die Seele ein gar demütiges, sanftes, liebliches und wonnevolles Wesen sei, die jedes Kreuz und alle Verfolgung erduldet, die den gottlosen Weg des Leibes verwehrt, die keine Schmach von Teufeln und Menschen achtet, die ihr Vertrauen, Zuversicht und Liebe ins Herz Gottes setzt, die gar freudenreich ist, die vom Wort Gottes gespeist wird, in welcher ein paradiesisches Lachen und Triumphieren ist, und die der Teufel nicht berühren kann, denn sie ist in ihrem eigenen Wesen, mit dem sie kreatürlich im ersten Prinzip im unauflöslichen Band steht. Und wenn sie vom Licht Gottes erleuchtet wird, dann geht der Heilige Geist (der im Herzen aus der ewigen Geburt des Vaters und dem Licht des Herzens Gottes ausgeht) auch in ihr aus und bestätigt sie als Kind Gottes.

5.5. Darum geschieht alles, was sie tut, in Gottes Liebe, sofern sie in Gottes Licht lebt. Der Teufel kann sie nicht sehen, denn das zweite Prinzip (darin sie lebt und darin Gott und Himmelreich, auch Engel und Paradies stehen) ist ihm verschlossen, und er kann es nicht erreichen.

5.6. In dieser Betrachtung findest du, was ich unter diesem Prinzip verstehe, denn dieses Prinzip ist nichts anderes als eine neue Geburt und ein neues Leben. Es ist nicht mehr als ein Prinzip, in dem ein ewiges Leben ist, und das ist die ewige Gottheit. Doch diese würde nicht offenbar, wenn nicht Gott in sich selbst Kreaturen wie Engel und Menschen erschaffen hätte, die das ewige unauflösliche Band erkennen und wie die Geburt des ewigen Lichtes in Gott ist.

5.7. So wird nun darin verstanden, wie in der Wurzel des ersten Prinzips das göttliche Wesen im göttlichen Prinzip wirkt, das die Gebärerin in der ewigen Geburt aus dem Samen oder ursprünglichsten Wassergeist ist, durch deren Wirkung schließlich die Erde und Steine (sowie alle anderen Geschöpfe) geworden sind. Denn im zweiten Prinzip, als in der heiligen Geburt, da ist allein Geist, Licht und Leben sowie die ewige Weisheit, die auch in der ewig stummen und unvernünftigen Gebärerin wie in ihrem Eigentum vor dem Ursprung des Lichtes gewirkt hat. Daraus ist der dunkle Dunst geworden, der sich dann in der Erhebung Luzifers, als ihm das Licht Gottes verlosch und der Grimm des Feuerquells angezündet wurde, zu harter Materie verkörperte, wie zu Erde und Steinen. Daraus folgte die Verdichtung der Erde und der Sturz Luzifers von seinem Thron, und die Schöpfung des dritten Prinzips begann. Und so wurde er wie ein Gefangener unter dem dritten Prinzip (dieser äußeren Welt) verschlossen, wo er nun auf das Gericht Gottes warten muß. Ob ihm dies nicht Schande, Spott und Widerwille sein mag, so zwischen Paradies und dieser Welt gefangen zu sein und keines davon zu begreifen, gebe ich zu bedenken.

5.8. Wenn wir aber nun vom dritten Prinzip reden wollen, als vom Aufgang und der Geburt dieser Welt, und die Wurzel der Gebärerin betrachtet wird (zumal ein jedes Prinzip eine andere Geburt ist, aber nicht aus einem anderen Wesen), dann erkennen wir, daß im ersten Prinzip, im unauflöslichen Band (das in sich selbst stumm ist und kein wirkliches Leben hat, sondern die Quelle des wirklichen Lebens ist, geboren durch den wallenden Geist Gottes, der seit Ewigkeit im ersten Prinzip entspringt und seit Ewigkeit im zweiten Prinzip, nämlich in der Geburt des Herzens oder Sohnes Gottes, ausgeht) die Matrix (der Mutterschoß) der Gebärerin aufgeschlossen wird, die ursprünglich die Herbigkeit ist, aber im (göttlichen) Licht die sanfte Mutter des Wassergeistes. So sieht und findet man nun deutlich vor Augen, wie der Geist Gottes hier in der Matrix gewirkt hat, so daß aus der unbegreiflichen Matrix, welche nur Ein Geist ist, das begreifliche und sichtbare Wasser geworden ist.

5.9. Zum andern siehst du klar an den Sternen und dem feurigen Himmel die Unterscheidung, wie in der ewigen Matrix die ewige Unterscheidung sei, denn du siehst ja, wie die Sterne und der feurige Himmel mit dem Wäßrigen, Luftigen und auch Irdischen aus Einer Mutter geboren sind. Zumal sie auch ineinander qualifizieren und die Geburt dieses Wesens eins im anderen geschieht, und sie auch eins im anderen Kasten und Behälter sind, aber doch nicht einerlei Qualifizierung (bzw. Wirkung) haben. Also erkennst du hierin die Unterscheidung, wie die ewige Matrix eine Unterscheidung in sich habe, wie vorn im 3. Kapitel von der ewigen Geburt der vier Ängstlichkeiten erklärt wurde, weil sich zwischen Herb und Bitter das Feuer gebiert, und im Feuerblitz das Licht, und doch behält ein jeder Quell sein (natürliches) Recht.

(Hinweis: Die mittelalterliche Lehre der vier natürlichen Grundelemente von Feuer, Luft, Wasser und Erde bezieht sich offenbar auf griechische Wurzeln. Dabei wurde das Feuer im Himmel gesehen, daß sich dort in Form der Sonne, Sterne und Planeten zeigte. Die Luft war dann der Luftraum über dem Wasser und der Erde. In der vedischen Überlieferung findet man ein ähnliches Modell mit den fünf Elementen von Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde. Der Raum nimmt hier die Stelle des mysteriösen fünften Elements oder der Quintessenz ein, die alle anderen Elemente beinhaltet. Der Wind steht hier für die Luft, und darüber hinaus sind Wind und Feuer in der Reihenfolge vertauscht, so daß Feuer und Wasser direkte „Nachbarn“ wurden, wie es auch Böhme oft beschreibt und symbolisch benutzt. Bezüglich dieser Reihenfolge werden die Elemente im vedischen Ring-Modell jeweils zehnfach größer zum niederen Element beschrieben, wie zum Beispiel im Vayu-Purana 1.4, so daß die Erde nur noch 1/10.000 des Raumes ist. Erstaunlicherweise war dies auch in der mittelalterlichen und griechischen Elemente-Lehre bekannt, wie zum Beispiel Meister Eckhart in der Auslegung zur Genesis in Kapitel 1 schreibt: „… wie aus einer Handvoll eines niederen Elementes zehn Handvoll eines höheren werden, so scheint es ein allgemeines Gesetz der Natur zu sein, daß der Ort, der Raum oder die Kugelschale, die das höhere Element einnimmt, zehnfach größer ist als bei dem niederen Element.“)

5.10. Also verstehe: Weil der Geist Gottes diese Matrix bewegte, so hat die Matrix gewirkt, und im Anzünden des Geistes Gottes in der fünften Gestaltungs-Qualität der Matrix ist der feurige Himmel des Gestirns aufgegangen, der eine reine Quintessenz war, geboren in der fünften Qualität der Matrix, aus der das Licht entspringt. Daraus wurde schließlich auch die Sonne geboren, mit der das dritte Prinzip aufgegangen ist, und die nun im dritten Prinzip das Leben und der Aufschließer in der Matrix des Lebens aller Lebewesen in dieser äußeren Welt ist. Gleichwie das Herz Gottes im paradiesischen und nichtmateriellen Himmel und der (geistigen) Geburt die ewige Kraft Gottes aufschließt, darin das ewige Leben für immer aufgeht und die ewige Weisheit für immer scheint, so schließt auch das aufgehende Licht der Sonne in der stummen Matrix durch den wallenden Geist in der Matrix das dritte Prinzip dieser materiellen Welt auf, das dritte und anfängliche Prinzip, welches in dieser Gestalt wieder ein Ende nimmt, und am Ende dieser Vervielfältigung wieder in seinen Äther (der Quintessenz) eingeht, wie auch die Schrift erklärt (in Hebr. 1.10).

5.11. So bleibt dann alles von diesem dritten Prinzip wieder in der ersten Matrix. Alles, was in diesem Prinzip angesammelt worden ist und auch aus dem paradiesischen Himmel und dem zweiten Prinzip entspringt, wie auch der Mensch, bleibt ewig in dieser Matrix. Hat er nun in dieser Zeit die Geburt des zweiten Prinzips erreicht und ist darin wiedergeboren, wohl ihm! Wenn aber nicht, dann bleibt er doch ewig in der Matrix, aber berührt das Licht Gottes nicht.

5.12. Nun weiß ich wohl, daß ich hier dem Leser an vielen Stellen nicht nur stumm und unverständlich erscheinen werde, sondern auch kümmerlich, dieweil ich von der Mutter geschrieben habe, in der die Geburt des göttlichen Wesens steht, aber nun schreibe, wie diese Matrix (der Mutterleib) stumm und unvernünftig sei, daraus auch ein unvernünftiges Prinzip geboren wird, wie uns solches vor Augen steht, wenn in dieser Welt weder im Gestirn noch in den Elementen eine Vernunft (erkennbar) ist. Denn in allen ihren Kreaturen läßt sich nur eine Vernunft qualifizieren, nähren und mehren, wie die Matrix in sich selbst hat.

5.13. Dazu wisse, daß die Matrix im zweiten Prinzip, welche doch im ersten Prinzip ihren Grund und ihre ewige Wurzel hat, allein nur ein ewiger anfangsloser und sanfter Geist ist, der kein so feurig und unerträgliches Licht hat, sondern überall lieblich und wonnevoll ist, so daß die ewige ursprünglichste Matrix nie erkannt wird, sondern das sanfte Licht des Herzens Gottes macht alles freundlich und wonnevoll.

5.14. Darum ist auch der Geist, der in der sanften Matrix so ausgeht, der Heilige Geist und wohnt in Gott selbst, und nennt sich nur einen zornigen und eifrigen Gott nach der ursprünglichsten Matrix, welche im Paradies nicht offenbar ist, so daß dem Menschen anfangs auch verboten wurde, von der gut-böse Frucht der ursprünglichsten Matrix zu essen. Es hätte aber der Mensch die ursprünglichste Matrix nie erkannt, hätte er nicht danach imaginiert und von dieser Frucht gegessen, dadurch ihn die Matrix (der Mutterleib der Natur) alsbald fing und gefangenhielt, und (die Frucht nun) in ihm inqualiert (innerlich wirkt) und ihn auch nährt und pflegt, wie uns nunmehr vor Augen steht.

5.15. Also erkenne nun, daß das zweite Prinzip die Herrschaft hat, und allein darin die (ganzheitliche) Vernunft und Weisheit sowie die Allmächtigkeit ist. Und so ist das dritte Prinzip das Eigentum des zweiten Prinzips, nicht abgetrennt, sondern darin allwesend (allgegenwärtig), und doch ist eine Geburt zwischen ihnen, wie beim reichen Mann und dem armen Lazarus zu sehen war, als der eine im Paradies und der andere in der ursprünglichsten Matrix oder Hölle stand (Luk. 16.19).

5.16. Und darum hat Gott das dritte Prinzip geboren, damit Er durch die materielle Welt offenbar würde. Weil Er im zweiten Prinzip in der paradiesischen Welt die Engel und Geister geschaffen hatte, deshalb verstanden sie im dritten Prinzip die ewige Geburt und auch die Weisheit und Allmächtigkeit Gottes, darin sie sich spiegeln und ihre Imagination rein ins Herz Gottes setzen konnten, so daß sie in dieser Gestalt Engel und im Paradies bleiben konnten. Welches die Teufel ab nicht taten, sondern sie gedachten in der Matrix (der äußeren Natur) aufzusteigen und in großer Macht über das Paradies und alle englischen Reviere zu herrschen, weshalb sie aus dem Paradies fielen und dazu aus ihrem Reich in eine Enge getrieben wurden, so daß sie nun von der Matrix dieser Welt gefangengehalten werden.

5.17. Denn das Reich dieser Welt ist ihr englisches Königreich gewesen, als sie hier im Paradies und Himmelreich waren.

5.18. Wenn wir nun vom Paradiesischen und dann auch vom Prinzip dieser Welt reden wollen, von seiner Kraft und wunderlichen Geburt oder was die göttliche und ewige Weisheit sei, können wir unmöglich darüber (direkt) reden, denn der Brunnen der Tiefe kann in keinem Geist, weder im Engel noch Menschen, ergriffen werden. Darum bringt diese unbegreifliche und ewige Geburt und Weisheit im Paradies eine wunderliche und ewige Freude. Diese unbegreifliche Weisheit und Kraft wird nun von uns Menschen, wenn wir dies wahrnehmen, auch im dritten Prinzip erkannt. Denn wenn wir den Sternenhimmel, die Elemente und die Kreaturen wie Holz, Kraut und Gras anschauen, dann sehen wir an der materiellen Welt das Gleichnis der paradiesischen unbegreiflichen Welt. Denn diese Welt rührt aus der ersten Wurzel her, darin sie alle beide stehen, die materielle und auch die paradiesische geistige Welt, die unvergänglich und anfangslos ist.

5.19. Und wenn wir nun über den Ursprung der vier Elemente nachsinnen und denken, dann finden wir klar den Ursprung, den wir auch in uns selbst sehen und fühlen, aber nur, wenn wir (vernünftige) Menschen sind und keine Tiere voller Bosheit und Widersprechen gegen Gott und die Matrix dieser Welt. Denn der Ursprung kann im Menschen genauso erkannt werden, wie in der Tiefe dieser Welt. Obwohl es dem unerleuchteten Menschen sehr wunderlich vorkommt, daß er von einem Ursprung von Luft, Feuer, Wasser und Erde oder der Gestirne usw. reden sollte. Er hält es sogar für unmöglich zu erkennen. Er schwimmt also in seiner eigenen Mutter, aber will sie nicht erkennen, und es erscheint ihm wohl auch nicht nützlich, daß er es erkennen muß. Weil uns aber der Fall Adams dahinein gestürzt hat, so ist uns diese Erkenntnis (auch „Selbsterkenntnis“) höchste Not, um dem tierhaften Menschen zu entfliehen und im wahren Menschen zu leben.

5.20. Wenn du nun deine Augen des Gemüts öffnest, dann siehst du, wie das Feuer im Wasser ist, was wir auch im Wetterleuchten erblicken, und es wird doch hier kein beharrlich brennendes Feuer begriffen, obwohl es doch das gleiche Feuerwesen ist, das Häuser anzündet und verbrennt. So siehst du auch, wie vom Feuer eine große Macht der Luft (bzw. des Windes) ausgeht, und so eines im anderen ist. Dazu siehst du auch, wie das Wasser aus der Luft geboren wird.

5.21. Doch hier wirst du die Wurzel nicht finden. Du mußt nur in die Matrix (den Mutterschoß der Natur) schauen, denn dort ist sie ganz offenbar, und dann erkennst du sie in allen Dingen. Denn die Matrix dieser Welt steht in der ewigen Matrix, aus der Paradies und Himmel entstehen.

5.22. Wie nun die ewige Matrix eine ausgehende Geburt ist, wo im Ursprung Herb, Finster, Härte und Angst sind, so siehst du, wie die innerliche (ursprüngliche) Matrix wirkend und qualifizierend geworden ist, als sie der Geist Gottes angezündet hatte.

5.23. Denn erstlich ist im Ursprung das Herbe, und das zieht an sich, schließt ein, macht finster und scharfe Kälte. Nun kann die Bitterkeit das Anziehen nicht erdulden, denn das Anziehen in der Kälte bringt den Stachel der Bitterkeit hervor, der dann kämpft und sich gegen den Tod in der Verhärtung wehrt. Weil aber dieser Stachel von der Herbigkeit nicht wegkommen kann (weil sie seine Mutter ist, darin sie steht), so wütet er ganz schrecklich, als wollte er die Herbigkeit zersprengen, sticht über und neben sich und findet doch keine Ruhe, bis die Geburt der Herbigkeit in ein ängstliches und schreckliches Wesen gerät, gleich einem Schwefelgeist ganz rauh und hart in sich stechend, wie ein drehendes Rad. Damit steigt die Bitterkeit ganz schnell über sich hinaus, und daraus wird ein schielender Feuerblitz, vor dem die finstere Herbigkeit erschrickt und wie überwunden zurücksinkt. Und wenn nun die Bitterkeit die Mutter so überwunden und gleichsam halb getötet oder ohnmächtig findet, dann erschrickt sie noch viel mehr als die Mutter. Weil aber der Schreck in der herben Mutter geschieht, die nun halbtot und ohnmächtig ist, verliert die Bitterkeit ihr schreckliches Naturrecht und wird weiß, licht und hell, und wird zur Entzündung oder Geburt des Feuers, wie zuvor beschrieben.

Lieber Leser, halte dies nicht für Spott, auf daß dich diese Geburt, die doch am Anfang deines Lebens in fast gleicher Weise geschieht, nicht verwirrt, und erkenne weiter:

5.24. Als sich Gott in der ersten Matrix zur Schöpfung bewegte und die Engel erschuf, hat er diese im Paradies in der Matrix des heiligen Lichtes (bzw. Bewußtseins) geschaffen, welche eigentlich die einzige ist und es keine andere gibt. Denn die Matrix mit ihrem feurigen, finsteren und herb-bitteren Naturrecht stand ganz verborgen (war noch nicht entstanden), denn das Licht Gottes hat sich in der Ewigkeit lieblich, hell und wonnevoll erhalten (bzw. „bewahrt“). Und als sich Gott zur Schöpfung bewegte, ist sie offenbart worden, denn die Engel sind vom unauflöslichen Band aus dieser Matrix erschaffen und vom wallenden Geist Gottes verkörpert.

5.25. Als nun Gott mächtige Fürsten-Engel im Reich der vierten Gestaltungs-Qualität (dem Wasser-Geist) in der Matrix erschuf, worin der Feuerquell entspringt, waren sie nicht alle beständig und haben in sich die fünfte Qualität (des Liebe-Feuers) imaginiert, in der die Ausgeburt des Paradieses steht. Sondern sie haben ihre Imagination zurück in sich selber erhoben und einen eigenen Willen in der Matrix geschöpft, um im Feuer über das Paradies und das Licht Gottes zu herrschen. Denn die feurige Matrix, die der Hölle Abgrund ist, hat sich in der Schöpfung so hartnäckig mitbewegt, daß daraus der Großfürst Luzifer seinen Willen schöpfte und darin verblieb und vermeinte, selber ein großer und schrecklicher Herr in seinem ganzen Reich zu sein.

5.26. Auf diese Weise hat der Teufel die Matrix, und die feurige Gestaltungsqualität hat den Teufel bewogen. Denn auch sie wollte wie alle Qualitäten in der Matrix kreatürlich sein, welches aber gegen die fünfte Qualität in der Matrix läuft, in der im sanften und hellen Licht der holdselige Quell der Liebe aufgeht, darin das zweite Prinzip ewig steht.

5.27. Als nun dieser Sturm in der Schöpfung im ersten Prinzip ergangen war, stand die Matrix erheblich und überaus feurig entzündet, und so hat jede Gestaltungsqualität in der Matrix gewirkt. Weil sich hier aber der Zorn und die Grimmigkeit erhoben und diese Welt so nicht im (ganzheitlichen) Paradies bestehen konnte, hat Gott diese Welt noch mehr in der Matrix (der Natur) bewegt, so daß sich diese noch mehr entzündete. Damit entstand einerseits das (Höllen-) Bad des Teufels, und anderseits stand die vierte Qualität im Feuerblitz, der zurück in die Mutter blickte und den Geist Gottes in der Gestaltung fand und damit augenblicklich sein grimmiges Recht verlor und in großer Freude weiß, hell und licht wurde.

5.28. Und an dieser Stelle entsteht das Schöpfungswort (Fiat), mit dem Gott Himmel und Erde geschaffen hat, denn vor dem Schöpfungswort war das dritte Prinzip (der äußeren Welt) nicht offenbar gewesen, sondern allein das (ganzheitliche) Paradies im Reich dieser Welt.

5.29. Als aber Gott sah, daß der Großfürst Luzifer in diesem Reich mit der Macht des Feuers in der Matrix (der Natur) herrschen wollte, hat er ihm die fünfte Qualität (des Liebe-Feuers) in der Matrix des Paradieses verschlossen, denn diese war in seiner verkörperten Gestalt verloschen und damit auch äußerlich.

5.30. Als dadurch die Matrix vom aufgegangenen (weltlichen) Licht wieder dünn, tot und überwunden wurde, da wurde sie materiell zu dem Wasser, wie wir es jetzt sehen. Und in dieser Anzündung vor dem Licht der Sonne, als die Matrix noch im herben Grimm stand, hat die Matrix das Gewirkte im Wassergeist zusammengezogen, daraus Felsen und Steine geworden sind, sowie die dunkle Erde, welche vor der Zeit der Schöpfung nur ein dunkler Dunst gewesen war. In dieser Stunde war das dritte Prinzip aufgegangen, nämlich der feurige Himmel in der fünften Qualität der Matrix durch das Schöpfungswort, das Gott der Vater durch sein Herz oder seinen Sohn durch und im Ausgang seines Geistes gesprochen hat, der allgegenwärtig über der Matrix schwebte. Und so wurde in der Matrix durch die fünfte Gestaltungsqualität der feurige Himmel formiert, wie der teure Moses deutlich beschreibt, denn die Matrix ist im Ursprung der Wassergeist in der ersten Qualität. Und als sie nun im Reich dieser Welt materialisiert wurde, schwebte der Geist auf dem Wasser in der himmlischen Matrix (die nun materiell wurde und das materielle Wasser geboren hat), und formte die Geschöpfe.

5.31. Also wurde mit diesem Aufgang der materiellen Matrix die feurige Grimmigkeit (mit dem Wasser) wieder gelöscht und kam in seinen Sitz (der Finsternis). Und so ist der Teufel im Ursprung der Matrix, die in Ewigkeit nicht anders sein kann, zwischen Paradies und dieser Welt in der finsteren Matrix geblieben, und wurde mit der Schöpfung der Erde von seinem höheren Sitz gestoßen (wo jetzt der feurige Sternenhimmel ist).


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