Aurora oder Morgenröte im Aufgang

(Text von Jacob Böhme von 1612, deutsche Überarbeitung 2021)

12. Kapitel - Die Herrschaft der Engel

Von der Geburt und Ankunft der heiligen Engel, sowie von ihrem Regiment, ihrer Ordnung und ihrem himmlischen Freudenleben.

12.1. Nun fragt es sich: „Was ist denn eigentlich ein Engel?“ Siehe, als Gott die Engel erschuf, da erschuf er sie aus dem siebenten Quellgeist, welcher die Natur oder der heilige Himmel ist.

12.2. Das Wort „erschuf“ solltest du so verstehen, als wenn man „zusammenziehen“ oder „zusammentreiben“ spräche. Gleichwie die Erde zusammengetrieben ist, so zog, als sich der ganzheitliche Gott bewegte, auch die herbe Qualität den Salpeter der Natur zusammen und vertrocknete ihn. Daraus wurden die Engel. Und wie nun die Qualität an jedem Ort in ihrer Bewegung war, entsprechend wurde auch der Engel.

12.3. Erkenne die Tiefe: Es sind die sieben Geister Gottes, die sich alle sieben bewegt haben, und das Licht darin hat sich auch bewegt, und der Geist, der aus den sieben Geistern Gottes ausgeht, hat sich auch bewegt.

12.4. So wollte nun der Schöpfer nach seiner Dreiheit auch drei (Engels-) Heere erschaffen, und zwar nicht weit voneinander, sondern eins am anderen wie ein Kreis. Hier erkenne: Wie da die Geister in ihrem Wallen oder Aufsteigen waren, so wurden auch die Kreaturen. Inmitten jedes Heeres wurde das Herz jedes Heeres zusammenverkörpert, und daraus wurde ein englischer König oder Großfürst.

12.5. Wie der Sohn Gottes mitten in den sieben Geistern Gottes geboren wird und das Leben und Herz der sieben Geister Gottes ist, so wurde auch ein englischer König mitten in seinem Reich aus der Natur oder aus dem Himmel der Natur geschaffen, nämlich aus der Kraft aller sieben Quellgeister. Und dieser war nun das Herz in einem Heer, hatte die Qualität, Mächtigkeit und Stärke seines ganzen Heeres in sich und war der Allerschönste unter ihnen.

12.6. Gleichwie der Sohn Gottes das Herz, das Leben und die Stärke aller sieben Geister Gottes ist, so ist er auch ein König der Engel in seinem Heer.

12.7. Und wie in der göttlichen Kraft sieben vornehme (herausragende) Qualitäten sind, daraus das Herz Gottes geboren wird, so sind auch etliche mächtige Fürstenengel nach jeder Hauptqualität in jedem Heer geschaffen worden, deren Zahl ich nicht wirklich kenne. Und diese sind neben dem König Heerführer der anderen Engel.

12.8. Damit sollst du wissen, daß die Engel nicht alle von einer Qualität sind, auch sind sie so in der Kraft und Mächtigkeit nicht alle einander gleich. Es hat wohl ein jeder Engel die Kraft aller sieben Quellgeister in sich, aber es ist in jedem eine etwas Qualität die stärkste, nach dieser Qualität er auch glorifiziert ist.

12.9. Gleichwie jede Wiesenblume ihre Farbe von ihrer Qualität empfängt und auch ihren Namen nach ihrer Qualität hat, so auch die heiligen Engel. In etlichen ist die herbe Qualität am stärksten, und die sind licht-bräunlich (hellbraun) und der Kälte am nächsten.

12.10. Wenn dann das Licht des göttlichen Sohnes auf sie scheint, dann erscheinen sie in ihrer Qualität ganz hell wie ein brauner Blitz. Etliche sind von der Qualität des Wassers, und sind so licht wie der heilige Himmel. Und wenn das Licht auf sie scheint, dann erscheinen sie wie ein kristallenes Meer.

12.11. In etlichen ist die bittere Qualität am stärksten, und sie gleichen einem köstlichen grünen Stein, der da wie ein Blitz aussieht. Und wenn sie das Licht anstrahlt, dann erscheinen sie rotgrünlich, als ob ein Karfunkel daraus leuchten würde oder das Leben seinen Ursprung darin hätte.

12.12. Etliche sind von der Qualität der Hitze, und diese sind die allerlichtesten, gelblich und rötlich, und wenn das Licht auf sie leuchtet, dann erscheinen sie wie der Blitz des göttlichen Sohnes. In etlichen ist die Qualität der Liebe am stärksten, und diese sind ein Anblick des himmlischen Freudenreichs, ganz licht. Und wenn das Licht auf sie scheint, dann erscheinen sie im lieblichen Anblick wie lichtblau.

12.13. In etlichen ist die Qualität des Tones am stärksten, und sie sind auch licht. Wenn das Licht auf sie scheint, dann erscheinen sie wie ein Aufsteigen des Blitzes, als wollte sich dort etwas erheben.

12.14. Etliche sind auch von der ganzen Natur, wie eine allgemeine Vermischung. Und wenn das Licht auf sie scheint, dann erscheinen sie wie der heilige Himmel, der aus allen Geistern Gottes formiert ist.

12.15. Der König aber ist das Herz der Qualitäten und hat sein Revier in der Mitte wie ein Quellbrunnen, gleichwie die Sonne mitten unter den Planeten steht und ein König der Sterne und ein Herz der Natur in dieser Welt ist. So groß ist auch ein Cherub oder Engelskönig.

12.16. Und gleichwie die anderen sechs Planeten neben der Sonne Heerführer sind und ihren Willen der Sonne ergeben, damit sie in ihnen regieren und wirken kann, so ergeben alle Engel ihren Willen dem König, und die Fürstenengel sind im Rat mit dem König.

12.17. Du sollst aber hier wissen, daß sie alle einen Liebe-Willen untereinander haben. Keiner mißgönnt dem anderen seine Gestalt und Schönheit. Denn wie es in den Geistern Gottes zugeht, so auch unter ihnen. So haben sie auch alle zugleich die göttlichen Freuden, und genießen alle zugleich die himmlischen Speisen, und darin gibt es keinen Unterschied. Nur in den Farben und der Stärke der Kraft ist ein Unterschied, aber in der Vollkommenheit gar nicht, denn ein jeder hat die Kraft aller Geister Gottes in sich. Darum zeigt sich die Qualität jedes Engels mit der entsprechenden Farbe, wenn das Licht des göttlichen Sohnes auf sie scheint.

12.18. Ich habe hier nur einige der Gestaltungen und Farben aufgezählt, aber es sind viel mehr, die ich aus Gründen der Kürze nicht beschreiben will. Denn gleichwie sich die Gottheit mit ihrem Aufsteigen unendlich zeigt, so gibt es auch unerforschlich vielerlei Farben und Gestaltungen unter den Engeln. Ich kann dir in dieser Welt kein passenderes Gleichnis zeigen als den blühenden Erdboden im Mai, der dafür ein irdisches und (relativ) totes Abbild ist.

Von der englischen Freude

12.19. Nun fragt es sich: „Was tun denn die Engel Gottes im Himmel? Und warum oder wozu hat sie Gott geschaffen?“ Das sollten die Geizhälse erkennen, die in dieser Welt nach überheblichem Stolz, Ehre, Ruhm, Gewalt, Geld und Gut trachten und dem Armen seinen Schweiß und sein Blut abringen, ihm seine Arbeit verprassen und vermeinen, sie sind besser als der einfältige Laie und Gott hat sie dafür geschaffen.

12.20. Frage: „Warum hat Gott Fürstenengel geschaffen und nicht alle gleich?“ Siehe, Gott ist ein Gott der Ordnung. Wie es nun in seinem Regiment in ihm selbst, das heißt, in seiner Geburt und in seinem Aufsteigen geht, wallt und ist, so ist auch der Orden der Engel.

12.21. Wie in ihm hauptsächlich sieben Qualitäten sind, durch die das ganze göttliche Wesen getrieben wird und sich in diesen sieben Qualitäten unendlich zeigt, so sind auch diese sieben Qualitäten in der Unendlichkeit bestimmend, durch welche die göttliche Geburt in ihrer Ordnung unveränderlich und ewig besteht. Und gleichwie inmitten der sieben Geister Gottes das Herz des Lebens geboren wird, durch das die göttliche Freude aufgeht, so entsteht auch der Orden der Engel.

12.22. Die Fürstenengel sind nach den Geistern Gottes geschaffen, und der Cherub nach dem Herzen Gottes. Wie nun das göttliche Wesen wirkt, so wirken auch die Engel. Welche Qualität im Wesen Gottes aufgeht und sich in ihrer Wirkung besonders zeigt, nämlich im Aufsteigen des Tones oder des göttlichen Wirkens, Ringens oder Kämpfens, dieser englische Fürst, der dieser Qualität am stärksten zugetan ist, der beginnt auch seinen Reigen mit seinen Legionen, nämlich mit Singen, Klingen, Tanzen, Freuen und Jubilieren.

12.23. Das ist eine himmlische Musik, denn da singt ein jeder mit der Stimme seiner Qualität. Und der Fürst führt den Reigen an, gleichwie ein Kantor mit seinen Schülern. Und der König freut sich und jubiliert mit seinen Engeln, dem großen Gott zu Ehren und zur Vermehrung der himmlischen Freude. Und das ist im Herzen Gottes wie ein heiliges Spiel, und dazu sind sie auch geschaffen, zur Freude und Ehre Gottes.

12.24. Wenn nun die himmlische Musik der Engel aufgeht, dann gehen in der himmlischen Pracht im göttlichen Salpeter allerlei Gewächse, Figuren und Farben auf, denn die Gottheit zeigt sich unendlich in unerforschlicher Vielfalt von Arten, Farben, Formen und Freuden.

12.25. Welcher Quellgeist sich nun dazu in der Gottheit mit seinem Aufsteigen und Liebe-Ringen besonders zeigt, als wäre er der Bestimmende geworden, dieser Fürstenengel beginnt auch bald seine himmlische Musik mit seinen zugetanen Engeln, je nach seiner Qualität mit Singen, Klingen, Pfeifen und aller himmlischen Kunst, die in den Geistern Gottes aufgeht.

12.26. Wenn aber das Zentrum in der Mitte aufgeht, das heißt, wenn sich vor allem die Geburt des göttlichen Sohnes wie im Triumph zeigt, dann erhebt sich die Musik oder Freude aller drei königlichen Regimenter der ganzen Schöpfung aller Engel.

12.27. Was nun hier für eine Freude sein kann, gebe ich einer jeden Seelen zu bedenken. Ich kann es in meiner verdorbenen Natur nicht erfassen, viel weniger beschreiben. Doch mit diesem Gesang verweise ich den Leser in jenes Leben. Dann wird er selbst mit im Reigen sein und diesem Geist Glauben schenken. Denn was er hier nicht versteht, das wird er dort im Schauen haben (bzw. direkt und unvermittelt erkennen).

12.28. Du sollst wissen, es ist aus keinem Stein gezogen, sondern wenn der Blitz im Zentrum aufgeht, dann sieht und erkennt es der Geist. Darum schau zu und spiele an diesem Ort nicht höhnisch oder du wirst vor Gott als ein Spötter befunden werden, und dann könnte es dir wie König Luzifer gehen.

12.29. Nun fragt es sich: „Was tun dann die Engel, wenn sie nicht singen?“ Siehe, was die Gottheit tut, das tun auch sie: Wenn sich die Geister Gottes in sich selbst fein lieblich (harmonisch) einander gebären und ineinander aufsteigen wie ein liebliches Umarmen, Küssen und voneinander Essen, in welchem Geschmack und Geruch das Leben aufgeht und die ewige Erquickung, davon du weiter vorn ausführlich zu lesen findest, dann gehen auch die Engel fein freundlich, holdselig und lieblich im himmlischen Reich miteinander spazieren und schauen die wunderbare und liebliche Gestalt des Himmels und essen von den holdseligen Früchten des Lebens.

12.30. Nun fragst du vielleicht: „Was reden sie miteinander?“ Siehe, du prächtiger, stolzer und überheblicher Mensch, die Welt will dir hier zu eng werden, und du denkst, es sei dir niemand gleich. Hier bedenke dich, ob du auch die Art der Engel an dir hast oder Teufels.

12.31. Wem soll ich nun die Engel vergleichen? Den kleinen Kindern, will ich sie recht vergleichen, die im Mai, wenn die schönen Röslein blühen, miteinander in die schönen Blümlein gehen und diese pflücken, um feine Kränzlein daraus zu machen, und diese in ihren Händen tragen und sich freuen. Dann reden sie immerfort von den mancherlei Gestalten der schönen Blumen und nehmen einander bei den Händen, wenn sie in die schönen Blümlein gehen. Und wenn sie heimkommen, dann zeigen sie diese ihren Eltern und freuen sich, darüber dann auch die Eltern eine gleiche Freude an den Kindern haben und sich mit ihnen freuen.

12.32. Das tun auch die heiligen Engel im Himmel. Sie nehmen einander bei den Händen und spazieren im schönen Himmels-Mai, reden von den lieblichen und schönen Gewächsen in der himmlischen Pracht, essen von den holdseligen Früchten Gottes, gebrauchen die schönen Himmelsblümlein zu ihrem Spiel, machen sich schöne Kränzlein und freuen sich im schönen Mai Gottes.

12.33. Da ist nichts als ein herzliches Lieben, eine sanfte Liebe, ein freundliches Gespräch und ein holdseliges Beiwohnen, wo einer immer seine Lust am anderen sieht und den anderen ehrt. Denn sie wissen von keiner Bosheit, keiner List und keinem Betrug, sondern die göttlichen Früchte und Lieblichkeiten gehören ihnen alle gemeinsam. Einer kann sie gebrauchen wie der andere, denn da ist keine Mißgunst und kein Widerwille, sondern ihre Herzen sind in Liebe verbunden.

12.34. Daran hat nun die Gottheit ihr höchstes Wohlgefallen, wie die Eltern an ihren Kindern, wenn sich ihre lieben Kinder im Himmel so freundlich und wohl gebärden. Denn auch die Gottheit spielt in sich selbst so, wie ein Quellgeist im anderen.

12.35. Darum können die Engel auch nichts anderes tun, als der Vater, wie das auch unser englischer König Jesus Christus bezeugt, als er bei uns auf Erden war, und wie auch im Evangelium steht, daß er sprach: »Wahrlich, wahrlich der Sohn kann nichts von sich selber tun, sondern was er den Vater tun sieht. Denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. (Joh. 5.19)« Oder auch: »Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, dann könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. (Matth. 18.3)«

12.36. Damit meint er, daß unsere Herzen in Liebe verbunden sein sollen wie die heiligen Engel Gottes, und daß wir freundlich und lieblich miteinander handeln, einander lieben und mit Ehrerbietung zuvorkommen sollen wie die Engel Gottes.

12.37. Und nicht, daß wir einander betrügen und belügen sollen, vor großem Geiz uns gegenseitig den Bissen aus dem Munde reißen, auch nicht daß einer über den anderen stolzieren und glänzen soll und man den verachtet, der nicht seine schlimme Teufelslist gebraucht.

12.38. Oh nein, so leben die Engel im Himmel nicht, sondern sie lieben einander. Keiner dünkt sich schöner als der andere, sondern ein jeder hat seine Freude am anderen und freut sich der schönen Gestalt und Lieblichkeit des anderen, davon dann ihre gegenseitige Liebe aufsteigt, so daß sie einander an ihren Händen führen und freundlich küssen.

12.39. Erkenne hier die Tiefe: Wenn der Blitz des Lebens inmitten der göttlichen Kraft aufgeht, in dem alle Geister Gottes ihr Leben bekommen und sich hoch erfreuen, dann geschieht ein liebliches und heiliges Umarmen, Küssen, Schmecken, Fühlen, Hören, Sehen und Riechen, und in gleicher Weise ist es auch bei den Engeln. Wenn einer den anderen sieht, hört oder fühlt, dann geht in seinem Herzen der Blitz des Lebens auf, und so umfängt ein Geist den anderen wie in der Gottheit.

12.40. Hier erkenne den Grund und das höchste Geheimnis der Engel Gottes. Und wenn du wissen willst, wo ihre Liebe, Demut und Freundlichkeit herkommen, die in ihrem Herzen aufsteigen, dann erkenne es wie folgt:

12.41. Ein jeder Engel ist wie die ganze Gottheit beschaffen und ist wie ein kleiner Gott, denn als Gott die Engel erschuf, da erschuf er sie aus sich selbst. So ist nun Gott an einem Ort wie am anderen. Er ist überall der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

12.42. In diesen drei Namen und dieser Kraft steht der Himmel und diese Welt und alles, woran dein Herz denkt. Und wenn du (als körperliches Wesen) auch den kleinsten Kreis umschließen würdest, wo du kaum hineinsehen oder kaum etwas ergreifen könntest, dann ist dennoch die ganze göttliche Kraft darin, und der Sohn Gottes wird darin geboren, und der Heilige Geist geht darin vom Vater und Sohn aus. Und wenn es nicht in der Liebe geschieht, dann geschieht es im Zorn, wie geschrieben steht: »Bei den Heiligen bist du heilig, aber bei den Verkehrten bist du verkehrt. (Psalm 18.26)« Nämlich jene, die den Zorn Gottes über sich selber erwecken, der auch in allen Geistern Gottes an dem Ort entsteht, wo er erweckt wird. Wenn hingegen die Liebe Gottes erweckt wird, dann steht sie auch in voller Geburt der ganzen Gottheit, wo sie erweckt wird.

12.43. So ist in diesen kein Unterschied. Die Engel sind einer wie der andere geschaffen, alle aus dem göttlichen Salpeter der himmlischen Natur. Allein darin liegt der Unterschied zwischen ihnen, daß, als sie Gott erschuf, jeweils eine besondere Qualität in der großen Bewegung, in höchster Geburt oder Aufsteigen stand. Daher kommt es, daß die Engel vielerlei Qualitäten und mancherlei Farben und Schönheit haben, und doch alles aus Gott kommt.

12.44. So hat nun ein jeder Engel alle Qualitäten Gottes in sich, aber eine ist die stärkste in ihm, und nach dieser ist er benannt und in dieser glorifiziert.

12.45. Und wie von den Qualitäten in Gott immerfort eine die andere gebiert, aufsteigt und herzlich liebt, und eine von der anderen immer ihr Leben bekommt, und wie der Blitz im süßen Wasser in der Hitze aufgeht, davon das Leben und die Freude ihren Ursprung haben, so geschieht es auch in einem Engel. Seine innerliche Geburt ist nicht anders als die äußerliche außerhalb von ihm in Gott.

12.46. Gleichwie der Sohn Gottes auch außerhalb der Engel im mittleren Quellbrunnen durch die Hitze im süßen Wasser aus allen sieben Geistern Gottes geboren wird und wiederum alle sieben Geister Gottes erleuchtet, davon sie ihr Leben und ihre Freude haben, so wird in gleicher Gestaltung auch der Sohn Gottes in einem Engel in seinem mittleren Quellbrunnen des Herzens durch die Hitze im süßen Wasser geboren und erleuchtet wiederum alle sieben Quellgeister des Engels.

12.47. Und gleichwie der Heilige Geist vom Vater und Sohn ausgeht und alles formt, bildet und liebt, so geht auch der Heilige Geist vom Engel in seine Mitbrüder aus und liebt diese und freut sich mit ihnen.

12.48. Denn es gibt keinen Unterschied zwischen den Geistern Gottes und den Engeln als nur den, daß die Engel Kreaturen sind und ihr körperliches Wesen einen Anfang hat. Aber ihre Kraft, aus der sie geschaffen sind, die ist Gott selbst und ist seit Ewigkeit und bleibt in Ewigkeit. Darum ist ihre Behendigkeit so geschwind wie die Gedanken der Menschen. Wo sie hinwollen, dort sind sie sogleich, und dazu können sie auch groß oder klein sein, wie sie wollen.

12.49. Und das ist das wahrhaftige Wesen Gottes im Himmel, ja der Himmel selbst. Wenn dir deine (geistigen) Augen geöffnet wären, dann würdest du es auch klar und deutlich hier auf Erden an der Stelle sehen, wo du bist. Und wenn es Gott einem menschlichen Geist sehen lassen kann, der noch im Leib steckt und sich ihm im Fleisch offenbaren kann, so kann er das auch wohl außerhalb des Fleisches tun, wenn er will.

12.50. Oh du Sündenhaus dieser Welt, wie bist du mit der Hölle und dem Tod umfangen! Wache auf, die Stunde deiner Wiedergeburt ist gekommen, der Tag bricht an und die Morgenröte zeigt sich. Oh du dumme und tote Welt, was forderst du noch Zeichen? Ist doch dein ganzer Leib erstarrt! Willst du nicht vom Schlaf aufwachen? Siehe, es wird dir ein großes Zeichen gegeben, aber du schläfst und siehst es nicht. Darum wird dir der Herr ein Zeichen in seinem Eifer (des Zorns) geben, den du mit deinen Sünden erweckt hast.

Von der ganzen himmlischen Wonne aller drei Königreiche der Engel

12.51. Hier zeigt der (sehende) Geist, daß der Ort oder das Reich in der himmlischen Natur, wo und woraus ein jeglicher Engel erschaffen und eine Kreatur wurde, sein eigener Wohnsitz ist, den er aus Naturrecht besitzt, solange er in Gottes Liebe bleibt. Denn es ist das Reich, das er von Ewigkeit gehabt hat, noch bevor er eine Kreatur geworden ist. Denn so stand derselbe Salpeter an dem Ort, aus dem er geworden ist. Und darum bleibt ihm derselbe Wohnsitz aus Naturrecht, solange er in Gottes Liebe wallt.

12.52. Du solltest aber nicht denken, daß Gott damit gebunden sei, so daß er ihn nicht daraus vertreiben dürfte, wenn er anders wallte, als ihn Gott ursprünglich geschaffen hat. Denn solange er im Gehorsam und in der Liebe bleibt, so ist der Ort aus Naturrecht sein. Wenn er sich aber erhebt und den Ort im Zornfeuer anzündet, dann zündet er das Haus seines Vaters an, und damit entsteht ein Widerwille gegen den Ort, aus dem er gemacht ist. Und so macht er aus dem, was vor seiner Erhebung eins war, zwei.

12.53. Wenn das geschieht, dann behält er sein körperliches Naturrecht für sich und der Ort behält auch seines für sich. Denn wenn die Kreatur, die einen Anfang hat, sich gegen das Erste setzen will, das vor der Kreatur war und keinen Anfang hat, und den Ort verderben will, den sie nicht gemacht hat und darin sie als eine Kreatur in der Liebe geschaffen wurde, und diese Liebe zum Zornfeuer machen will, dann speit natürlich die Liebe das Zornfeuer mitsamt der Kreatur aus.

12.54. Daher entstehen auch die Rechte in dieser Welt: Denn wenn sich der Sohn gegen den Vater stellt und den Vater schlägt, dann hat er sein väterliches Erbe verloren, und der Vater kann ihn aus dem Haus verstoßen. Solange er aber im Gehorsam des Vaters ist, solange hat der Vater keine Macht, ihn zu enterben.

12.55. Dieses weltliche Recht hat seinen Ursprung vom Himmel, wie auch viele andere weltliche Rechte, die in den Büchern von Moses beschrieben sind. Sie alle nehmen ihren Anfang und Ursprung aus der göttlichen Natur im Himmel, welches ich an passender Stelle noch klar und deutlich aus dem wahren Grund in der Gottheit beweisen will.

12.56. Nun könnte einer sagen: „Dann ist wohl ein Engel an den Ort gebunden, an dem er erschaffen wurde, so daß er davon nicht wegdarf oder kann?!“ Nein, so wenig, wie sich die Geister Gottes in ihrem Aufsteigen binden lassen, so daß sie nicht untereinander wallen sollten, so wenig werden auch die Engel ganz in ihr Reich gebunden.

12.57. Denn gleichwie die Geister Gottes immer ineinander aufsteigen und in ihrer Geburt ein Liebesspiel haben, und doch ein jeder Geist seinen natürlichen Sitz oder sein Reich in der Geburt Gottes behält, und es niemals geschieht, daß sich die Hitze in die Kälte verwandelt oder die Kälte in die Hitze, sondern ein jedes behält sein natürliches Reich und steigt in dem anderen auf, davon das Leben seinen Ursprung hat.

12.58. So wallen oder wandeln auch die heiligen Engel in allen drei Reichen untereinander, und davon empfängt einer vom anderen seine höchste Freude, das heißt, von der schönen Gestalt, Freundlichkeit und Tugend des anderen. Und doch behält ein jeder seinen natürlichen Sitz oder sein Reich, in dem er zur Kreatur wurde, als sein Eigentum.

12.59. Gleich als würde in dieser Welt ein Blutsfreund oder lieber Mensch aus einem anderen Land zurückkehren, nach dem man ein herzliches Verlangen hatte, da ist natürlich Freude, ein freundliches Begrüßen und ein Liebe-Gespräch, und der Wirt erweist dem Gast das Allerbeste, auch wenn dies nur kaltes Wasser im Vergleich zum Himmlischen ist.

12.60. So leben auch die heiligen Engel untereinander. Wenn das Heer eines Königreichs zu einem anderen kommt oder das Heer einer fürstlichen Qualität zu einer anderen fürstlichen Qualität, dann ist nichts als nur ein Liebe-Empfangen, ein ganz holdseliges Gespräch und eine freundliche Ehrerbietung, ein holdseliges Liebe-Spazieren, ein ganz züchtiges und demütiges Wesen, ein freundliches Küssen und Führen, und da beginnt der liebliche Reigen-Tanz.

12.61. Gleichwie die kleinen Kinder, wenn sie im Mai in die Blümlein gehen und manchmal mehrere zusammenkommen, dann haben sie ein freundliches Gespräch und pflücken der Blümlein viele und mancherlei. Wenn dies geschehen ist, dann tragen sie diese in ihren Händen und beginnen einen kurzweiligen Reigen-Tanz, singen aus der Freude ihres Herzens und freuen sich. So tun es auch die Engel im Himmel, wenn sie aus fremden Heeren zusammenkommen.

12.62. Denn die verdorbene Natur in dieser Welt arbeitet mit höchstem Fleiß daran, daß sie himmlische Formen hervorbringen könnte, und so müssen oft die kleinen Kinder der Eltern Lehrmeister sein, wenn es die Eltern verstehen könnten. Aber heutzutage ist leider die Verderbnis bei den Jungen und bei den Alten, denn das alte Sprichwort lautet: „Wie die Alten sangen, so lernten auch die Jungen.“

12.63. Mit dieser hohen Demut der Engel ermahnt der Geist die Kinder dieser Welt, daß sie sich anschauen sollen, ob sie auch eine solche Liebe zueinander tragen und auch eine solche Demut bei ihnen sei, so daß sie sich bedünken lassen, was sie wohl für Engel sind und ob sie ihnen auch gleichen, da sie doch das dritte englische Königreich innehaben.

12.64. Siehe, damit will dir der Geist hier deine Liebe, deine Demut und deine Freundlichkeit ein wenig vor Augen stellen, du schöne englische Braut. Beschaue doch deinen Schmuck: Welch eine schöne Freude mag wohl dein Bräutigam an dir haben, du lieber Engel, wenn du alle Tage mit dem Teufel tanzt?

12.65. Wenn heutzutage einer erhöht wird und nur ein wenig ein Amt bekommt, dann ist ihm schon kein anderer mehr gut genug, der nicht seinesgleichen ist. Er achtet den Laien nur für einen Fußschemel, und trachtet bald danach, wie er der Laien Gut mit List an sich bringen kann. Und kann er es nicht mit List, dann tut er es mit Gewalt, damit er seinem Hochmut genugtun kann.

12.66. Kommt ein einfältiger Mann vor ihn, der sich nicht gut verteidigen kann, dann erniedrigt er ihn wie einen Hund. Und bringt er eine Rechtssache vor ihn, dann muß der recht haben, der ein größeres Ansehen vor ihm hat. Oh Fritz, rate doch, was du für ein englischer Fürst bist? Im nachfolgenden Kapitel zum Fall des Teufels wirst du es finden, wie einen Spiegel, in welchem du dich besehen kannst.

12.67. Zum Zweiten: Wenn heutzutage einer etwas mehr in weltlicher Kunst gelernt hat oder als ein Laie etwas mehr studiert hat, dem ist schnell kein Laie mehr gleich, denn er kann ihm nicht nach der Kunst reden und kann auch seinem stolzen Gang nicht folgen. In Summe: Der Einfältige muß für ihn ein Narr sein, weil er doch ein stolzer Engel ist und in seiner Liebe ein toter Mensch. Auch dieser Teil hat seinen Spiegel im nachfolgenden Kapitel.

12.68. Zum Dritten: Wenn heutzutage einer reicher ist als der andere, dann muß der Arme ein Narr sein. Wenn er ein schöneres Kleid vorzeigen kann als sein Nächster, dann ist ihm ein Armer schon nicht mehr gut genug. Und so geht heutzutage der alte Gesang im vollen Schwung zu werke, der lautet:

Der Reiche den Armen zwingt,
Und ihm seinen Schweiß abringt,
Nur damit sein Groschen klingt.

Auch diese „Engel“ werden im nachfolgenden Kapitel zu Gast vor ihren Spiegel geladen.

12.69. Zum Vierten gibt es auch einen ganz teuflischen und gemeinen überheblichen Stolz, ein gegenseitiges Übersteigen, Verachten, Belügen, Betrügen, Wuchern, Geizen, Neiden und Hassen. Dieser brennt heutzutage in der Welt wie ein höllisches Feuer. Ach und ewig Ach! Oh Welt, wo ist deine Demut? Wo ist deine englische Liebe? Wo ist deine Freundlichkeit? Wenn heutzutage der Mund spricht „Gott grüße dich!“, dann denkt das Herz „Ja, hüte dich!“

12.70. Oh du schönes englisches Königreich, wie schön warst du geschmückt?! Und wie hat der Teufel eine Mordgrube aus dir gemacht?! Meinst du, du stehst heutzutage in der Blüte? Ja, mitten in der Hölle stehst du. Wenn dir nur die Augen geöffnet wären, dann würdest du es sehen. Oder meinst du, der Geist sei betrunken und sehe dich nicht? Oh, er sieht dich wohl, und deine Schande steht vor Gott bloß. Du bist wie ein unzüchtiges Weib, hurst Tag und Nacht und sprichst doch: „Ich bin eine züchtige Jungfrau.“

12.71. Ach, wie ein schöner Spiegel bist du vor den heiligen Engeln. Riech nur deine süße Liebe und Demut! Riecht sie nicht nach der Hölle? Auch dieser Teil wird im folgenden Kapitel persönlich zu Gast geladen.

Von königlicher Herrschaft und der Macht der drei englischen Könige

12.72. Wie die Gottheit in ihrem Wesen dreifaltig ist, indem sich der Ausgang aus den sieben Geistern Gottes dreifaltig zeigt und als Vater, Sohn und Heiliger Geist in einem einigen Gott gebiert, so besteht darin die ganze göttliche Kraft und alles, was da ist. Trotzdem sind die drei Personen in der Gottheit kein zertrennbares Wesen, sondern ineinander. In gleicher Art und Weise geschah es auch, als sich Gott bewegte und die Engel erschuf: Da entstanden drei besondere Engel aus dem besten Kern der Natur, aus dem Wesen der Dreiheit in der Natur Gottes, und zwar in solcher Gewalt und Macht, wie die Dreiheit in den sieben Geistern Gottes hat.

12.73. Denn die Dreiheit Gottes geht in den sieben Geistern Gottes auf und ist wiederum das Leben und Herz aller sieben Geister. So gingen auch die drei englischen Könige ein jeder in der Natur seines Heeres oder Reiches auf, und jeder ist ein natürlicher Herr seines Reiches über das Regiment der Engel. Aber das Reich selbst behält die Dreiheit der Gottheit für sich, die unveränderlich ist, und der König behält das Regiment der Engel.

12.74. Nun, wie die Dreiheit der Gottheit ein Einiges Wesen an allen Enden im ganzen Vater ist, und alles miteinander verbunden ist, wie die Glieder im Leib eines Menschen, und alle Orte wie ein Ort sind, auch wenn ein Ort eine andere Funktion hat als der andere, wie die Glieder des Menschen, so ist es doch ein ganzheitlicher Leib Gottes. Und so sind auch die drei englischen Königreiche miteinander verbunden und nicht jedes insonderheit zertrennt. Es sollte also kein englischer König sagen: „Das ist mein Reich, und es darf mir kein anderer König hereinkommen!“

12.75. Auch wenn es sein anfängliches natürlich-ererbtes Reich ist und auch bleibt, so sind doch alle anderen Könige und Engel seine rechtmäßig natürlichen Brüder, die aus einem einzigen Vater geboren wurden und das Reich ihres Vaters alle zugleich erben.

12.76. Gleichwie ein jeder der Quellgeister Gottes seinen natürlichen Geburtssitz hat und sein Natur-Reich für sich behält, so ist er doch mit den anderen Geistern der Einige Gott. Und wenn die anderen nicht wären, dann wäre auch er nicht. So steigt einer im anderen auf, und so ist auch die Vorherrschaft der heiligen Engel beschaffen und hat keine andere Gestaltung wie in Gott.

12.77. Darum leben sie alle freundlich und friedlich beieinander im Reich ihres Vaters wie die lieben Brüderlein. Es gibt keine Grenze, wie weit einer darf oder nicht.

12.78. Nun könnte ein Einfältiger fragen: „Womit gehen die Engel oder worauf setzen sie ihren Fuß?“ Dazu will ich dir hier den wahren Grund berichten, und das ist im Himmel nicht anders als wie du es hier im Buchstaben findest, denn in diese Tiefe sieht der Geist unverfälscht, und es ist auch wohl begreiflich.

12.79. Denn die ganze Natur des Himmels steht in der Kraft der sieben Quellgeister, und im siebenten besteht die Natur oder Begreiflichkeit aller Qualitäten. Die ist nun (äußerlich) ganz licht und dick wie ein Nebel, aber (innerlich) ganz durchsichtig wie ein kristallenes Meer, daß man überall durchschauen kann. Und so ist auch die ganze Tiefe über und unter sich.

12.80. Nun haben auch die Engel solche Leiber, aber trockener zusammenverkörpert, und ihr Leib ist auch der Kern aus der Natur, das Beste oder der schönste Glanz aus der Natur.

12.81. Und ihr Fuß stellt sich auf dem siebten Geist Gottes, der da dick wie ein Nebel und hell wie ein kristallenes Meer ist. Damit steigen sie über sich und unter sich, wohin sie wollen. Denn ihre Behendigkeit ist so schnell, wie die göttliche Kraft selbst. Und doch ist einer geschwinder als der andere, je nachdem, wie seine Qualität ist.

12.82. In diesem siebenten Naturgeist gehen auch die himmlischen Früchte und Farben auf sowie alles, was begreiflich ist. Und das gleicht der Form, als wenn die Engel zwischen Himmel und Erde in der Tiefe (des Luftraums) wohnen sollten, wo sie auf- und niederstiegen, und wo immer sie wären, da ruhte ihr Fuß, als stünde er auf der Erde.

12.83. Die Alten haben den Menschen die Engel mit Flügeln vorgemalt, doch sie benötigen eigentlich keine, sondern sie haben Hände und Füße wie die Menschen, aber auf himmlische Art.

12.84. Am Tag der Auferstehung der Toten wird zwischen den Engeln und Menschen kein Unterschied sein, denn sie werden eine Form haben. Welches ich an passender Stelle noch klar und deutlich beweisen will, und wie es auch unser König Jesus Christus klar bezeugte, als er sprach: »In der Auferstehung sind sie den Engeln Gottes gleich. (Matth. 22.30)«

Von der großen Herrlichkeit und Schönheit der drei englischen Könige

12.85. Das ist nun der rechte Knüppel, den man nach dem Hund wirft, damit er flieht. Denn bei diesem Gesang möchte sich Herr Luzifer vor Leid seinen Bart ausraufen. Hier erkenne die Tiefe:

Vom König oder Großfürsten Michael

12.86. Micha-El heißt Gottes Stärke oder Kraft, und er führt den Namen in der Tat, denn er ist aus den sieben Quellgeistern wie ein Kern von denselben zusammenverkörpert und steht nun da wie der göttliche Vater selbst.

12.87. Das heißt nicht, daß er Gott der Vater sei, der in den sieben Geistern der ganzen Tiefe besteht und nicht kreatürlich ist, sondern daß in der Natur unter den Kreaturen auch eine solche Kreatur sei, wie Gott der Vater in den sieben Quellgeistern ist, die da unter den Kreaturen herrschen.

12.88. Denn als sich Gott kreatürlich machte, da machte er sich nach seiner Dreiheit kreatürlich. Gleichwie in Gott die Dreiheit das Größte und Vornehmste ist, aber gleichwohl seine wunderliche Proportion, Gestalt und Veränderung nicht ermessen werden kann, indem er sich in seiner Wirkung so mancherlei und vielfältig zeigt, so hat er auch drei Prinzipal- oder Fürstenengel geschaffen, entsprechend der höchsten Vorherrschaft seiner Dreiheit.

12.89. Und danach hat er entsprechend den sieben Quellgeistern und ihren verschiedenen Qualitäten die Fürstenengel erschaffen, als da sind Gabriel, ein Engel oder Fürst des Tones oder der schnellen Botschaft, sowie Raphael und andere mehr im Königreich Michaels.

12.90. Das solltest du aber nicht so verstehen, als hätten diese königlichen Engel in der Gottheit zu regieren, das heißt, in den sieben Quellgeistern Gottes aller Kreaturen. Nein, sondern ein jeder über seine Kreaturen.

12.91. Gleichwie die Dreiheit Gottes über das unendliche Wesen und über die Bildungen und mancherlei Gestaltungen in der Gottheit regiert und dieses Wesens verändert und bildet, so sind auch die drei englischen Könige ein Herr über ihre Engel bis in das Herz und den tiefsten Grund. Auch wenn sie diese nicht körperlich verändern oder beherrschen können wie Gott selbst, der sie geschaffen hat, so sind sie sich doch verpflichtet und verbunden, wie Leib und Seele einander verbunden sind.

12.92. Denn der König ist ihr Haupt, und sie sind des Königs Glieder, und die Quell-Fürsten-Engel sind des Königs Räte oder Geschäfte, gleichwie im Menschen die fünf Sinne oder die Hände und Füße oder Mund, Nase, Augen und Ohren, mit denen der König seine Geschäfte verrichtet.

12.93. Wie nun alle Engel dem König verbunden sind, so ist der König auch Gott, seinem Schöpfer verbunden, wie Leib und Seele. Der Leib bedeutet Gott, und die Seele der englische König, der im Leib Gottes ist. Und er ist auch im Leib Gottes zur Kreatur geworden und bleibt ewig im Leib Gottes, wie die Seele in ihrem Nest. Darum hat ihn auch Gott so hoch glorifiziert als sein Eigentum oder wie die Seele im Leib glorifiziert ist.

12.94. Entsprechend erscheint auch der König oder Großfürst Michael in seiner Glorifizierung oder Klarheit wie Gott der Vater, und ist ein König und Fürst Gottes auf dem Berg Gottes, und hat das Amt in der Tiefe, in der er geschaffen wurde.

12.95. Dieser Kreis oder Raum, in dem er und seine Engel geschaffen wurden, ist sein Königreich, und er ist ein lieber Sohn des göttlichen Vaters in der Natur, ein kreatürlicher Sohn, an dem der Vater seine Freude hat.

12.96. Doch du solltest ihn nicht mit dem Herzen oder dem Licht Gottes gleichsetzen, das da im ganzen Vater ist und weder Anfang noch Ende hat, wie Gott der Vater selbst.

12.97. Denn dieser Fürst ist eine Kreatur und hat einen Anfang. Trotzdem ist er im Vater und ist mit ihm in seiner Liebe verbunden wie sein lieber Sohn, den er aus sich selbst geschaffen hat.

12.98. Darum hat er ihm die Krone der Ehre, der Macht und Gewalt aufgesetzt, so daß im Himmel nichts Höheres oder Schöneres als er ist, auch nichts Mächtigeres, als Gott selbst in seiner Dreiheit. Und das ist der erste König (der Engel), mit wahrem Grund in der Erkenntnis des Geistes wahrhaft beschrieben.

Vom zweiten König, der wegen seines Falls jetzt Luzifer genannt wird

12.99. Oh König Luzifer, hier schließe kurz deine Augen und stopfe kurz deine Ohren zu, damit du nichts siehst und hörst, sonst wirst du dich grausam schämen müssen, daß ein anderer auf deinem Stuhl sitzt und deine Schande noch vor dem Ende der Welt so ganz offenbar werden soll, die du doch von der Welt her verborgen gehalten und untergedrückt hast, wo du nur konntest. Jetzt will ich deine königliche Herrschaft beschreiben, nicht dir, sondern den Menschen zu gefallen.

12.100. Dieser hochmächtige, herrliche und schöne König hat durch seinen Fall seinen wahren Namen verloren, denn er heißt heutzutage Luzifer, das heißt, ein Verstoßener aus dem Licht Gottes. Sein Name war ursprünglich nicht so gewesen, denn er war ein kreatürlicher Fürst oder König des Herzens Gottes im hellen Licht, der allerschönste unter den drei Königen der Engel.

12.101. Gleichwie Michael nach der Qualität, Art und Eigenschaft Gottes des Vaters erschaffen wurde, so wurde auch Luzifer nach der Qualität, Art und Schönheit von Gott dem Sohn erschaffen, und war in Liebe mit ihm verbunden gewesen wie ein lieber Sohn oder liebes Herz. Und sein Herz stand auch im Zentrum des Lichtes, als wäre er Gott selbst, und seine Schönheit war über alles gewesen. Denn seine Umfassung oder vornehmste Mutter war der Sohn Gottes, und da stand er als ein König oder Fürst Gottes.

12.102. Sein Reich, Ort und Raum mit seinem ganzen Heer, darin er zur Kreatur geworden und das sein Königreich gewesen war, das ist nun der erschaffene Himmel und diese Welt, darin wir mit unserm König Jesus Christus wohnen.

12.103. Denn unser König sitzt in göttlicher Allmacht, wie König Luzifer saß, auf dem königlichen Thron des verstoßenen Luzifers, und das Königreich von König Luzifer ist nun sein geworden. Fürst Luzifer, wie schmeckt dir das?

12.104. Wie nun Gott der Vater mit seinem Sohn in großer Liebe verbunden ist, so waren auch König Michael und König Luzifer in großer Liebe verbunden gewesen, wie ein Herz oder ein Gott, denn der Quellbrunnen des göttlichen Sohnes reichte bis hinein in das Herz Luzifers.

12.105. Nur daß er das Licht, das er in seinem Körper hatte, zum Eigentum besaß, welches, weil es mit dem Licht des göttlichen Sohnes schien, auch außerhalb von ihm gewesen war, aber mit ihm inqualierte und in seinen Körper eindrang wie ein Wesen, obwohl sie wie zwei waren, doch miteinander verbunden, wie Leib und Seele.

12.106. Und gleichwie das Licht des göttlichen Sohnes in allen Kräften des Vaters regiert, so hat er auch in allen seinen Engeln wie ein mächtiger König Gottes regiert, und trug auf seinem Haupt die schönste Krone des Himmels.

12.107. Damit will ich es hier und jetzt bewenden lassen, weil ich in einem anderen Kapitel noch viel mit ihm zu schaffen haben werde. So mag er hier noch ein wenig mit der Krone glänzen, die ihm bald abgezogen werden soll.

Vom dritten englischen König, Uriel genannt

12.108. Dieser holdselige Fürst und König hat seinen Namen vom Licht oder vom Blitz oder Ausgang des Lichtes, und das bedeutet zurecht Gott, den Heiligen Geist.

12.109. Gleichwie der Heilige Geist vom Licht ausgeht und alles formt und bildet und in allem herrscht, so ist auch die Macht und Holdseligkeit eines Cherubs. Er ist der König und das Herz aller seiner Engel, und das heißt, wenn ihn seine Engel nur anschauen, dann werden sie mit dem Willen ihres Königs infiziert.

12.110. Gleichwie der Wille des Herzens alle Glieder des Leibes infiziert, so daß der ganze Leib macht, was das Herz beschlossen hat, oder wie der Heilige Geist im Zentrum des Herzens aufgeht und alle Glieder im Leib erleuchtet, so infiziert auch der Cherub mit seinem ganzen Glanz und Willen alle seine Engel, so daß sie alle zusammen wie ein Leib sind, und der König ist das Herz darin.

12.111. So ist nun dieser herrliche und schöne Fürst nach der Art und Qualität des Heiligen Geistes gebildet, und ist wohl ein herrlicher und schöner Fürst Gottes, und ist mit den anderen Fürsten in Liebe verbunden wie ein Herz und eine Seele.

12.112. Das sind nun die drei Fürsten Gottes im Himmel. Wenn der Blitz des Lebens, das heißt, der Sohn Gottes, im mittleren Kreis in den Quellgeistern Gottes aufgeht und sich triumphierend zeigt, dann steigt auch der Heilige Geist triumphierend über sich. In ähnlichem Aufsteigen steigt auch die Heilige Dreiheit im Herzen dieser drei Könige auf, und ein jeder triumphiert nach seiner Qualität und Art.

12.113. In diesem Aufsteigen wird das ganzen Himmelsheer aller Engel triumphierend und freudenreich, und das schöne »Te Deum Laudamus!« (»Dich, oh Gott, loben wir!«) erklingt. In diesem Aufsteigen des Herzens wird der Mercurius im Herzen erweckt, sowie im ganzen Salpeter des Himmels. Damit geht in der Gottheit die wunderliche und schöne Bildung des Himmels in mancherlei Farben und Arten auf, und jeder Geist zeigt sich besonders in seiner Gestaltung.

12.114. Ich kann es mit nichts vergleichen als mit den alleredelsten Steinen, wie Rubin, Smaragd, Delphin, Onyx, Saphir, Diamant, Jaspis, Hyazinth, Amethyst, Beryll, Sardis, Karfunkel und dergleichen.

12.115. In solcher Farbe und Art zeigt sich der Naturhimmel Gottes im Aufgehen der Geister Gottes. Und wenn dann das Licht des Sohnes Gottes darin scheint, dann gleicht es einem hellen Meer mit den Farben der oben aufgezählten Steine.

Von wunderlicher Proportion, Veränderung und dem Aufsteigen der Qualitäten in der himmlischen Natur

12.116. Weil nun der (sehende) Geist die Gestalt des Himmels zu erkennen gibt, so kann ich es nicht unterlassen so zu schreiben, und lasse den walten, der es so haben will. Auch wenn der Teufel die Spötter und Verächter darüber erwecken möchte, so frage ich doch nicht danach. Mir genügt es an der holdseligen Offenbarung Gottes. Mögen sie so lange spotten, bis sie es mit ewiger Schande selbst erfahren werden, dann wird sie der Quell der Reue zurecht nagen.

12.117. Ich bin auch nicht in den Himmel aufgestiegen und habe solches mit fleischlichen Augen gesehen, viel weniger hat es mir jemand gesagt. Selbst wenn ein Engel käme und mir es sagen würde, dann könnte ich es ohne die Erleuchtung Gottes doch nicht erfassen, viel weniger glauben. Denn ich stünde doch immer im Zweifel, ob es auch ein guter Engel im Befehl Gottes gewesen wäre, zumal sich der Teufel auch in Gestalt eines Engels verkleiden kann, um die Menschen zu verführen. (2.Kor. 11.14)

12.118. Weil es aber nun im Zentrum oder Kreis des Lebens wie ein hell scheinendes Licht geboren wird, gleich der himmlischen Geburt oder dem Aufgehen des Heiligen Geistes mit feurigem Trieb des Geistes, so kann ich dem nicht widerstehen, mag auch die Welt immerfort über mich spotten.

12.119. Der (sehende) Geist bezeugt es, daß nur noch eine kleine Weile sei, dann wird der Blitz im ganzen Kreis dieser Welt aufgehen, zu welchem dieser Geist ein Bote oder Verkünder des (anbrechenden geistigen) Tages ist. Welcher Mensch dann in dieser Zeit nicht in der Geburt des Heiligen Geistes befunden werden wird, in dem wird diese Geburt auch ewig nicht aufgehen, sondern er bleibt im Quell der Finsternis wie ein toter harter Feuerstein, in dem der Quell der Grimmigkeit und des Verderbens ewig aufsteigt. Dort kann er in der Geburt des höllischen Greuels ewig spotten, denn was für eine Qualität der Baum hat, entsprechend ist auch seine Frucht.

12.120. Du lebst zwischen Himmel und Hölle, und in welches Reich du säst, in dem wirst du auch ernten, und das wird in Ewigkeit deine Speise sein. Wirst du Spott und Verachtung säen, dann wirst du auch Spott und Verachtung ernten, und das wird deine Speise sein.

12.121. Darum, oh Menschenkind, siehe dich vor und vertraue nicht zuviel auf weltliche Weisheit! Sie ist blind und wurde blind geboren. Wenn aber der Blitz des Lebens darin geboren wird, dann ist sie nicht mehr blind, sondern sieht. Denn auch Christus spricht: »Ihr müßt von neuem geboren werden, anders könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. (Joh. 3.7)« Wahrlich, auf solche Weise muß man im Heiligen Geist geboren werden, der im süßen Quellwasser des Herzens im Blitz aufgeht.

12.122. Darum hat auch Christus die Taufe oder die Wiedergeburt des Heiligen Geistes im Wasser verordnet, weil die Geburt des Lichtes im süßen Wasser des Herzens aufgeht. Welches gar ein großes Geheimnis ist, und auch bis heute allen Menschen von der Welt her verborgen geblieben war. Das will ich an seinem Ort noch klar beschreiben und beweisen.

12.123. So erkenne nun des Himmels Gestaltung, denn wenn du diese Welt ansiehst, dann hast du ein Abbild des Himmels: Die Sterne bedeuten die Engel. Denn gleichwie die Sterne bis ans Ende dieser Zeit unverändert bleiben müssen, so müssen auch die Engel in der ewigen Zeit des Himmels ewig unverändert bleiben.

12.124. Die (vier) Elemente bedeuten die wunderliche Proportion und Veränderung der Gestaltung des Himmels. Gleichwie sich die Tiefe (des Luftraums) zwischen den Sternen und der Erde in seiner Gestaltung immer verändert: Bald ist sie schön hell, bald betrübt, bald gibt es Wind, bald Regen oder Schnee, bald ist die Tiefe blau, bald grünlich, bald weißlich und bald dunkel.

12.125. So ist auch die Veränderung des Himmels in mancherlei Farben und Gestalt, aber nicht auf solche Art und Weise wie in dieser Welt, sondern alles nach dem Aufsteigen der Geister Gottes. Und das Licht des göttlichen Sohnes scheint ewig darin, aber es hat doch manchmal ein größeres Aufsteigen in der Geburt als andermal. Darum ist die wunderliche Weisheit Gottes unbegreiflich.

12.126. Die Erde bedeutet die himmlische Natur oder den siebenten Naturgeist, darin die Bildungen, Formen und Farben aufgehen. Die Vögel, Fische und Tiere bedeuten die vielfältige Gestalt der Bildungen im Himmel.

12.127. Das sollst du wissen, denn es bezeugt der (sehende) Geist im Blitz, daß auch im Himmel allerlei Bildungen entstehen, ähnlich den Tieren, Vögeln und Fischen dieser Welt, aber in himmlischer Form, Klarheit und Art, sowie allerlei Bäume, Stauden und Blumen. Doch wie es aufgeht, so vergeht es auch wieder, denn es wird nicht zusammenverkörpert wie die Engel, denn es bildet sich auf diese Weise in der Geburt der aufsteigenden Qualitäten im Naturgeist.

12.128. Wenn eine Bildung in einem Geist gebildet wird, so daß sie besteht, aber der andere Geist mit diesem ringt und obsiegt, dann wird sie wieder zertrennt (bzw. aufgelöst) oder auch verändert, alles entsprechend der Art der Qualitäten. Und das geschieht in Gott wie ein heiliges Spiel.

12.129. Darum sind auch die Kreaturen, wie Tiere, Vögel, Fische und Würmer in dieser Welt nicht zum ewigen Wesen geschaffen, sondern zum vergänglichen, gleichwie die Bildungen des Himmels auch vergehen. Das setze ich nur zu einer Anleitung hierher. Bei der Schöpfung dieser Welt wirst du es ausführlicher beschrieben finden.


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